Heilfasten-Tagebuch
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Heilfastentagebuch von Antje Poppitz
Ich, Antje Poppitz, 37 Jahre alt, Erzieherin und Mutter von 4 Kindern im
Alter von 3, 12, 13 und 14 Jahren, habe mich nach 4 Wochen Krankenschein wegen so genannter
Zivilisationskrankheiten (zu hoher Blutdruck, Rückenbeschwerden und häufige Infektanfälligkeit) dazu
durchgerungen, endlich etwas für meinen Körper zu tun.
Donnerstag, 8.2.07
Nachdem ich jetzt schon 3 Wochen zu Hause bin und genug Zeit zum
Nachdenken und vor allem zum Lesen hatte, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich so wie bisher nicht
mehr mit meinem Körper umspringen kann. Habe eigentlich ständig irgendwas und nie das Richtige gegessen und
mich dann über meine immer weiter sinkende Kondition gewundert. Ich war seit Herbst eigentlich nie richtig
gesund- wenn man „gesund“ als „frei von Leiden“ definiert. Richtige Gesundheit kennt wahrscheinlich kaum
einer mehr…
Freitag, 9.2.07
War heute wieder bei meiner Ärztin und habe sie noch einmal auf
das Heilfasten angesprochen. Sie ist ja sonst so sehr in Richtung
Naturheilkunde orientiert. Grundsätzlich hatte sie auch nichts gegen das Heilfasten, war aber der Meinung, im
Berufsalltag kann man so etwas nur schwer durchführen. Habe von ihr ein schönes Buch über die F.X. Mayr-Kur bekommen, bin aber auf der Suche nach weiteren
Möglichkeiten bei den Anleitungen von
Herrn Gräber gelandet und hängengeblieben.
Samstag, 17.2.07
Nach langem Überlegen und dem Studieren der verschiedenen Heilfastenmethoden bin ich jetzt überzeugt davon, dass ich es mit dieser
Anleitung aus dem Internet schaffen kann. Habe mir die meisten Mittel gleich über eine Versandapotheke bei
ebay bestellt, den Rest kaufe ich hier in Waldenburg ein. So habe ich mich gleich selber „überrumpelt“, bevor
ich es mir anders überlege.
Dienstag, 20.2.07
Heute ist „Fastnacht“. Eigentlich der richtige Tag, um mit dem Fasten zu
beginnen, aber die Phönix-Dingsbums-Tropfen aus dem Internet und auch die Flohsamenschalen und Algen lassen auf sich warten…
Hab mich heute dabei ertappt, die Verzögerung schamlos auszunutzen und Backcamembert gegessen. Pfui, pfui!
Der Säure-Basen Teststreifen sagt 6,2. Naja! Dafür habe ich viel Kräutertee getrunken und Gemüse zum
Abendbrot gegessen. Beruhigt das Gewissen ein wenig. Ich lese jetzt noch ein wenig in den Anleitungen um für
den Tag „X“ gewappnet zu sein. Kann ja nicht mehr so lange dauern, bis das Paket da ist.
Mittwoch, 21.2.07
Hatte heute weiterhin Schonfrist, habe mich aber zumindest schon mal zu
gesunder und „kulturvoller“ Ernährung durchgerungen. Kulturvoll im Sinne von: Nicht im Stehen essen, nicht
schon auf dem Sprung sein und ordentlich kauen!
Donnerstag, 22.2.07
Da war ich nun soooo euphorisch… Kann wieder nicht mit dem Heilfasten
anfangen, weil die liebe Versandapotheke nicht aus der Hüfte kommt. Wenn ich mir den Kalender so betrachte,
fallen die Vollfastentage nun ausgerechnet voll in die Arbeitswoche. Na prima! Meine Hortkinder werden sich
bedanken…
Habe mir noch eine Klistierpumpe besorgt und gleich ungefragt einen Sack voller dummer Ratschläge mit dazu
bekommen. War ein sehr unbefriedigender Dialog:
“Was wollen Sie denn genau mit den Mariendistendragees? Die sind doch für
akute Lebererkrankungen!“, „Wozu denn ein Einlauf beim Fasten? Da ist doch nix mehr drin im Darm, wenn man
nix isst!“, “Was denn für Gifte???? Ein gesunder Darm und eine gesunde Leber halten das aus!“, „Klar, habe
ich auch schon gefastet! Ist doch ganz einfach, nix zu essen!“, „Wo wollen Sie denn abnehmen???“,
„Konditionssteigerung? Da fahren Sie lieber Fahrrad!“ und so weiter und so weiter….
Habe dem Apotheker seine Mariendisteldragees und seine Meinung dort
gelassen, aber auf die Klistierpumpe hab ich bestanden. 90ml- eigentlich zu klein, aber lieber mehrmals
„nachladen“, als noch weitere Erklärungen abzugeben.
Nur nicht wieder in einer Kleinstadt Fastenutensilien kaufen!
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