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Abnehmen mit der Reisdiät?

Aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Der „Erfinder“ der Reisdiät ist der 1903 in Berlin geborene Dr. Walter Kempner.  Er entwickelte diese Diät 1939 an der Durham Universität in Großbritannien. Grund für dieses Unterfangen war die Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt keine Medikamente zur Verfügung standen, die Bluthochdruck und besonders maligne Formen des Hochdrucks behandeln konnten. Da bei den malignen Formen oft ein Nierenversagen eintritt, versuchte der Arzt mit dieser Diät den Verlauf der Erkrankung zu beeinflussen und die Auswirkungen auf die Nierenfunktion zu verbessern.

Interessanterweise ging er dabei von teilweise falschen Vorstellungen aus, wie zum Beispiel der Annahme, dass die Niere neben der Ausscheidungsfunktion auch eine metabolische Funktion habe. Also nahm er an, dass eine maximale Reduktion von Proteinen und Elektrolyten zu einer Verbesserung dieser metabolischen Funktion führt. Also begann er, seine Patienten mit maligner Hypertonie mit einer Diät zu behandeln, die nur Reis und Früchte enthielt. Trotz der fragwürdigen Hypothese von der metabolischen Funktion der Nieren verbesserte sich der Zustand seiner Patienten relativ schnell.
Die Umsetzung dieser Diät wurde streng kontrolliert. Dazu wurden die Patienten über mehrere Wochen in einem Krankenhaus behandelt. Zu Beginn der Behandlung wurden alle etwaigen Medikamente abgesetzt. Dann wurden die Patienten auf Diät gesetzt, die aus weißem Reis, Zucker, Fruchtsäften, Vitaminen und Eisen bestand. Die Diät lieferte rund 2000 Kalorien pro Tag, 20 Gramm Eiweiß und 700 bis 1000 ml Flüssigkeit über die Früchte und Fruchtsäfte. Der Salzgehalt war extrem niedrig, rund 650 mg täglich. Nachdem sich der gewünschte Therapieerfolg eingestellt hatte, wurde nach einigen Monaten die Diät um mageres Fleisch und Gemüse bereichert.

Die Erfolgsrate dieser Diät zu dieser Zeit war so bemerkenswert, dass Dr. Kempner seine Diät der New York Academy of Medicine vorstellen konnte. Er selbst beschrieb angeblich seine Diät als „monoton und ohne jeden Geschmack, die niemals beliebt sein würde“. Das einzige Kriterium, das für ihn zählte, war die Tatsache, dass sie therapeutisch viele Erfolge erzielt hatte und dass eine geschmacklose Diät einem sicheren Tod vorzuziehen sei.

Die Reisdiät heute

Heute gibt es Medikamente, die gegen malignen Hochdruck sehr wirksam sind. Von daher scheint diese Diät obsolet zu sein. Ein maligner Hochdruck ist mit Sicherheit ein Fall für den Arzt, da es sich hier um einen Notfall handelt. Einen „normalen“ Hochdruck dagegen nur mit Medikamenten zu therapieren und das lebenslang, kann ich nicht als wirkliche „Therapie“ im Sinne einer Heilung ansehen. Hier gibt es alternative oder begleitende Maßnahmen, wie zum Beispiel: Zu hoher Blutdruck? Alternative Hilfe bei Hypertonie (Bluthochdruck) oder Heilfasten bei und gegen Bluthochdruck. Ob die Reisdiät sich hier qualifizieren würde lässt sich nur vermuten. Denn die Erfolge von Dr. Kempner sind unbestritten. Aber diese Diät über einen längeren Zeitraum durchzuführen, das ist wenig geeignet, diese „Therapie“ als dauerhaft durchführbar anzusehen.

Heute wird die Reisdiät als ein Mittel zum Abnehmen propagiert. Den verschiedenen Formen der Reisdiät haben als Gemeinsamkeit, dass der Hauptbestandteil der Mahlzeiten Reis ist (weißer oder brauner Reis). Dies stellt eine geringe Kalorienzufuhr sicher, mit 800 bis 1000 Kalorien pro Tag und bewirkt eine Entwässerung, die so hoch ausfällt, dass sie sehr schnell auf der Waage abzulesen ist. Wer so schnell abnimmt, bei dem nimmt natürlich die Motivation fürs Abnehmen zu.

Kaum Salz, kaum Eiweiße, hohe Gaben an Kohlenhydraten, kaum Fette – dies sind einige charakterisierende Schlagworte für diese Diät. Eine Reisdiät wird oft in drei Phasen durchgeführt.

Phase 1: Die Entgiftungsphase. Hier wird rund eine Woche Wert auf eine sehr geringe Kalorienzufuhr gelegt. Reis (am besten brauner Reis) ist hier fast das ausschließliche Nahrungsmittel. Kein Salz, kein Brot, auch kein Vollkornbrot, dafür aber Obst an einem Tag in dieser einführenden Woche. An den anderen Tagen gibt es neben Reis noch etwas Gemüse oder Magermilch.

Phase 2: Reduktionsphase. Die Ernährung von Phase 1 wird hier so lange fortgeführt, bis sich das gewünschte Körpergewicht eingestellt hat. Die einzige (winzige) Variation ist, dass es an einem Tag in der Woche Obst und stärkehaltige Lebensmittel gibt, an den anderen Tagen zu dem Reis nur Magermilchprodukte. An einem weiteren Tag werden behutsam eiweißhaltige Lebensmittel, wie Fisch, Eier oder mageres Fleisch, hinzugefügt.
Phase 3: Erhaltungsphase. Diese Phase ähnelt in gewisser Weise dem Fastenbrechen. Denn hier wird die Menge an zugeführten Kalorien pro Tag langsam erhöht. An zwei Tagen in der Woche soll Fisch oder mageres Fleisch auf dem Speiseplan stehen. Und andere Nahrungsmittel, wie Tofu, Nüsse, Oliven, Käse etc., sind jetzt auch erlaubt.
Der Diätplan muss streng eingehalten werden, um Erfolge zu zeitigen. Das gilt für die Menge an täglich aufgenommenen Kalorien, die signifikant eingeschränkt sind, als auch für die Nahrungsmittel, die für die Diät in Frage kommen. Entsprechende Diätpläne stehen für den Abnehmwilligen zur Verfügung.

Charakter der Reisdiät

Die Reisdiät ist eine sogenannte „Monodiät“. Das heißt, dass sie mit fast nur einem Nahrungsmittel auskommt beziehungsweise darauf aufbaut. Da Reis sehr wenig Natrium enthält, und bei der Diät selbst keine Salzzufuhr erlaubt ist, hat der Reis eine entwässernde Funktion, die so ausgeprägt ist, dass der Wasserverlust sich auf der Waage fast umgehend bemerkbar macht. Der Motivationsschub des Abnehmwilligen wird aber spätestens dann abgeschwächt, wenn sich herausstellt, dass es sich hier nicht um eine echte Senkung des Körpergewichts handelt. Denn mit der Zufuhr von Flüssigkeit wird der Effekt wieder egalisiert.

Diese Diät zu empfehlen, weil hier ein fast kompletter Verzicht auf Fette erfolgt und dadurch angeblich die unerwünschten „Fettpölsterchen“ verbrannt werden, ist nicht unbedingt einsichtig. Denn mit einer hohen Zufuhr an Kohlenhydraten, wie sie bei dieser Diät über den Reis erfolgt, kommt es in der Regel zu keiner Stimulation der Fettverbrennung. Die damit einhergehenden erhöhten Insulinspiegel verhindern die Aktivierung der Lipolyse und beta-Oxidation der freigesetzten Fettsäuren. 

Wie es aussieht, hat sich in den Köpfen der meisten Ernährungswissenschaftler und -berater eine „schnurgerade“ Korrelation zwischen Fett in der Nahrung und Körperfett festgesetzt: Fett macht fett. Daher die seit Jahrzehnten ausgegebene Empfehlung, nicht auf fett- und cholesterinarme Lebensmittel zurückzugreifen und seine Ernährungsweise mehr auf Kohlenhydrate auszurichten. Es ist aber damit nicht erklärbar, warum gerade in den Jahrzehnten dieser Empfehlung das Ausmaß an Adipositas fast schlagartig zugenommen hat. Warum Kohlenhydrate, vor allem in Form von Zucker, ihren signifikanten Beitrag zur Widerlegung dieser Hypothese geleistet haben, das können Sie hier nachlesen: Fruchtzucker und Fruktose – alles andere als gesund …

Als Diät ist die Reisdiät natürlich nicht für ein Langzeitprogramm konzipiert. Dafür ist sie zu einseitig. Sie ist zwar sehr praktisch, da man an Lebensmitteln nicht viel einkaufen muss. Und diese Lebensmittel sind auch keine Exoten, sondern in jedem einigermaßen gut sortierten Lebensmittelladen zu erwerben. Hungern ist während der Diät möglicherweise auch kein Problem, trotz der Kalorienrestriktion, da im Reis eine Menge Ballaststoffe enthalten sind, die ein Sättigungsgefühl bewirken. Aber eine Langzeiternährung, die nur auf Reis und einige wenige andere Nahrungsmittel basiert, ist nicht nur einseitig und unphysiologisch, sondern auch eintönig, langweilig und geschmacklos (wegen des fast totalen Verzichts auf Salz).

Wie auch das Fasten würde ich den Wert und die Chance einer solchen Diät im Einstieg in eine grundlegende Ernährungsumstellung sehen. Auf der anderen Seite stellt sich sofort die Frage, warum man dann nicht sofort auf das Fasten zurückgreift, da es hier über den Fastenstoffwechsel zu  einer nachhaltigen Entgiftung kommt. Bliebe noch zu klären, ob die Frage nach dem Hunger bei der Reisdiät besser gelöst ist als beim Fasten.

Fazit

Die Reisdiät ist nur ein „Kurzzeitprogramm“, da die hier zu befolgende Ernährung praktisch nur aus Reis besteht. Das ist eintönig und potentielle Ursache für Mangelerscheinungen, wenn diese Diät über einen langen Zeitraum durchgeführt wird.

Der Gewichtsverlust erfolgt rasch, aber praktisch nur durch die Entwässerung aufgrund der salzfreien Nahrungsmittel, zu denen Reis ebenfalls gehört. Die Annahme, dass Reis als fettarmes Lebensmittel die Fettverbrennung antreiben kann, geht auf das Missverständnis der Ernährungswissenschaft zurück, dass Fett fett macht und daher Kohlenhydrate als primäres Substrat in den Nahrungsmitteln bevorzugt werden sollte. Kohlenhydrate, nicht alle, jedoch stimulieren die Insulinausschüttung, die wiederum die Fettverbrennung blockiert. Im Gegenteil. Hohe Insulinkonzentrationen stimulieren die Leber zum Umbau der überschüssigen Kohlenhydrate zu Fettsäuren und Deponierung derselben in den Fettzellen. Darum werden Menschen, die sich fettfrei ernähren, aber ein hohes Maß an Kohlenhydrate zu sich nehmen, dennoch „fett“ bis hin zur Adipositas.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 07.10.2016 aktualisiert



   
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