Mikrobiologische
Therapie
Mikrobiologische Therapie - Therapie mit
Bakterien...
Die Mikrobiologische Therapie, die auch als Symbioselenkung
oder Darmsanierung
bezeichnet wird, stellt durch eine Verabreichung lebender aber
auch abgetöteter Mikroben das bakterielle Gleichgewicht des
Darms wieder her. Diese Form der Therapie trägt zur
langfristigen und ganzheitlichen Gesundheit bei, in dem das
Immunsystem gestärkt und der Stoffwechsel verbessert wird.
Der menschliche Organismus mit seinen großen äußeren
Hautflächen und einer Vielzahl an inneren Schleimhäuten bietet
Bakterien einen nahezu optimalen Lebensraum an. Diese
Mikroorganismen leben in großer Zahl und Vielfalt in einer
symbiotischen Lebensgemeinschaft mit dem Menschen.
Dabei galten die Bakterien nach ihrer Entdeckung lange Zeit
als reine Krankheitserreger, die z.B. Tuberkulose, Cholera oder
Typhus auslösen. Heute ist dagegen wissenschaftlich
abgesichert, dass Bakterien ebenso als "Gesundheitserreger"
anzusehen sind. Die positiven Eigenschaften einer sich im
Gleichgewicht befindlichen Bakteriensymbiose macht man sich bei
der Mikrobiologischen Therapie zu Nutze.
Erste Schritte zu einer therapeutischen Anwendung unternahm
der Mediziner Arthur Becker bereits 1922, als er eine
spezielle Mischvakzine zur Behandlung einer
Tuberkuloseerkrankung einsetzte. 1954 gründete Becker zusammen
mit mehreren anderen Medizinern den "Arbeitskreis für
Mikrobiologische Therapie e.V.", aus deren Arbeit
letztlich auch die heutige "Mikrobiologische Therapie"
hervorgegangen ist.
Waren die ersten Handelspräparate noch allein auf der Basis
der Bakterien Escherichia coli und Enterokken hergestellt,
werden heute eine ganze Reihe von Mikroben für die Herstellung
von Medikamenten für die Mikrobiologische Therapie
verwendet.
Neben den genannten finden auch verschiedene Laktobazillen,
Bifidobakterien, Milchsäurenbakterien eine Verwendung für die
unterschiedlichen Präparate, die meist als
Probiotika (pro bios = für das Leben) bezeichnet
werden.
Die Wirkung der Mikrobiologischen Therapie beruht auf dem
Wissen über den Zusammenhang zwischen einem funktionierenden
Immunsystem und einem mikroökologischen Gleichgewicht der
Darmflora.
Der Darm hat mit einer Oberfläche von über 300 m² und einer
Länge von fast 7 Metern eine Vielzahl von Aufgaben wie u.a. die
Resorption von Nährstoffen, Synthese von Vitaminen (B und K)
und kurzkettigen Fettsäuren und die Anregung der
Darmmotilität.
Eine besondere Stellung nimmt der Intestinaltrakt innerhalb
des Immunsystems ein. Einerseits sorgt er durch
milchsäurebildende Bakterien (Lactobazillen und
Bifidobakterien) für ein leicht saures Milieu im Darm und
verhindert dadurch eine übermässige Vermehrung
krankheitserregender Keime. Neben dieser ersten Barriere
befindet sich im Darm noch eine immunologische Barriere, das
Mukosa-Immunsystem.
Dieses Schleimhautsystem bildet durch eine Schicht aus
Immunglobin A, ein als Antikörper fungierendes Protein, einen
wirksamen Schutz gegen das Eindringen von Krankheitserregern.
Diese immunologische Barriere bedarf für eine optimale
Funktion, ein permanentes Training.
Ein ansonsten intaktes Immunsystem gerät schnell aus dem
Gleichgewicht, wenn es von bestimmten Störgrößen wie Fehl- und
Überernährung, Medikamentierung, Erkrankungen innerer Organe,
Darmkrankheiten
oder Stress beeinträchtigt wird. In solchen Fällen kann die
Mikrobiologische Therapie regulierend eingreifen und die
Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringen und dieses dann auch
aufrecht erhalten.
Die Wirkung wird dabei über zwei unterschiedliche Ansätze
realisiert. Zum einen wird das physiologische Milieu des
Darmtraktes mit Bakterien der Protektivflora positiv
beeinflusst. Zum anderen wird über immunwirksame Bakterien eine
regulierende Wirkung auf das schleimhautassoziierte Immunsystem
erzielt.
Anwendungsbereiche für eine Mikrobiologische Therapie können
z.B. akute oder chronische Infekte, Entzündungen von
Schleimhäuten (Mund, Nase, Rachen, Magen, Darm), Obstipation
oder Diarrhoe, Hauterkrankungen, zu schwache oder
überschiessende Immunreaktionen (Allergien) oder
Stoffwechselstörungen sein.
Die Therapie gilt als nebenwirkungsarm, dennoch können
Nebenwirkungen in Form von Verdauungsstörungen als Blähungen,
Durchfall oder Verstopfung vorkommen. Der Erfolg der Behandlung
stellt sich nicht über Nacht ein, da zu der Behandlung meist
auch eine Verhaltensveränderung gehört, um die Faktoren die zur
Störung des Gleichgewichts der Darmflora geführt haben, zu
eliminieren.
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