Pestizide: Der Trend zur Vielfalt der Gifte

In der Praxis betrachte ich Pestizide als einen krankmachenden Faktor ersten Ranges. Und Verfahren der Entgiftung und Ausleitung spielen immer eine Rolle, was ich auch in einigen Beiträgen bereits beschrieben habe:

So. Jetzt aber zum Thema: 2016 waren in der Europäischen Union 520 Pestizide zugelassen. Insektizide, Herbizide und Fungizide sollen Insekten, Wildkräuter und Pilze bekämpfen und so den Ertrag der Landwirtschaft sichern.

Artspezifisch wirken die Toxine nicht. Deshalb gelten die meisten der Gifte als bedenklich. Insgesamt versprühen Landwirte jährlich rund 30.000 Tonnen Pestizide auf deutsche Äcker, Obst-Plantagen, Weinberge, Wälder, Wiesen und Weiden.

Trend: Mehrere verschiedene Pestizide

Zunehmend zeigt sich eine Tendenz hin zum Einsatz mehrerer Pestizide auf einer Produktionsfläche. So sprühen Landwirte bis zu 22 Mal pro Wachstumsperiode ein wahres Gift-Cocktail auf ihre Apfel-Plantagen. Je mehr Mittel angewandt werden, umso niedriger ist oft die Dosierung. So vermeiden die Produzenten die Überschreitung der Grenzwerte. Was für den Verbraucher positiv klingt, birgt aber auch Gefahren: Die Toxine können sich gegenseitig in ihrer Wirkung auf den Menschen verstärken.

Diese Risiko-Potenzierung wird durch eine neue Entwicklung noch verschärft: Die Hersteller bieten Präparate an, in denen gleich mehrere Toxine enthalten sind. So bleibt vielen Anwendern bald keine Alternative mehr zum polytoxen Schrotschuss.

Chronsiche Erkrankungen

Welche gesundheitlichen Folgen die dauernde Kontamination hat, wird kontrovers diskutiert. Unabhängige Kritiker sehen in den Pestiziden eine Ursache zur steigenden Häufigkeit chronischer Erkrankungen. Die Umwelt-Organisation Beyond Pesticide hat eine Liste von Krankheiten erstellt, die von den Chemikalien gefördert oder mit ausgelöst werden.

Zu diesen Erkrankungen zählen verschiedene Krebs-Formen wie Tumore der Brust, des Gehirns, der Prostata, der Lymph-Drüsen sowie Leukämie. Fertilitäts-Störungen und angeborene Behinderungen gehen zu einem nicht abschätzbaren Prozentsatz ebenfalls auf die Giftstoffe zurück.

Auch das Nervensystem wird in vielerlei Hinsicht durch Pestizide geschädigt. Damit zusammen hängt wohl das immer häufigere Auftreten von Alzheimer, Autismus, ADHS und diverser Formen von Minderbegabung sowie Lernschwierigkeiten. Wahrscheinlich sind auch Asthma und allergische Krankheiten die Folge der schleichenden Vergiftung (http://www.beyondpesticides.org/assets/media/documents/health/pid-database.pdf).

Fast die Hälfte aller Pestizide sind hochgiftig

Greenpeace legte im Juli 2016 erneut die „Schwarze Liste der Pestizide in der Europäischen Union 2016“ vor. Darin bezeichnen die Umweltschützer 209 Präparate als besonders gefährlich und fordern die EU-Kommission, Produzenten und Händler auf, diese Pestizide deutlich zu reduzieren.

Christiane Huxdorf, die Agrar-Fachfrau bei Greenpeace, meint sogar, dass die Schwarze-Liste-Pestizide gänzlich verboten werden müssten (sueddeutsche.de/wirtschaft/pestizid-studie-giftspritze-im-apfelhain-1.3097218). Auf der Liste steht beispielsweise das krebserregende Breitband-Herbizid Glyphosat und die Gruppe der Neonicotinoide, die besonders unsere Bienenvölker bedrohen (http://www.3sat.de/page/?source=/nano/umwelt/177501/index.html).

Greenpeace veröffentlicht die Schwarze Liste seit 2008 und aktualisiert die Ergebnisse regelmäßig. Geprüft werden die Pestizide anhand von 17 Kriterien. Dazu zählen die Fragen, ob ein Pestizid für Säuger kanzerogen und mutagen ist und die Fruchtbarkeit, die Immun-Abwehr oder das endokrine System beeinträchtigen. Die ökologischen Einflüsse bewerten die Wissenschaftler anhand der Toxizität auf Wassertiere, Vögel, Bienen und Algen. Daneben klären die Forscher ab, wie sich Pestizide in der Umwelt ausbreiten und anreichern. Von besonderem Interesse ist hier die Halbwertszeit in Pflanzen.

Die Behörden wiegeln mal wieder ab

Zudem werden in den Greenpeace-Studien die Wechselwirkungen und Wirkverstärkungen der vielen Pestizide berücksichtigt. Obwohl dies der Realität näher kommt als die isolierte Betrachtung nur einzelner Chemikalien, stößt die Arbeit der kritischen Umweltschützer auf Kritik. Ausgerechnet die Kontroll-Behörden, die es besser wissen müssten, halten die umfassende Risiko-Abschätzung pauschal für unwissenschaftlich.

Der Vorwurf kommt namentlich vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Überhaupt wiegeln die offiziellen Verbraucherschützer die Greenpeace-Studien mit teils absurden Argumenten ab. Die Umweltschützer unterstellen in ihren Bewertungen einen Obst-Konsum von täglich 500 Gramm, was die Behörden-Wissenschaftler für übertrieben halten. Bedenkt man allerdings, dass schon ein Apfel rund 200 Gramm wiegt, so dürfte bei gesunder Ernährung die tägliche Verzehrmenge an Obst noch höher liegen.

Konventionell angebautes Obst erreicht Pestizid-Spitzenwerte

Gerade Obst aus konventionellem Anbau erreicht bei Analysen immer wieder Spitzenwerte in bis zu 10 verschiedenen Pestiziden in einem Produkt. Gemüse steht im Ranking an zweiter Stelle und ist ebenso bedenklich. Biologisch gezogene Feldfrüchte sind zwar nicht grundsätzlich unbelastet, weisen aber wesentlich seltener Schadstoffrückstände auf. In fast 80 % der giftfrei kultivierten Produkte sind überhaupt keine Agrar-Toxine nachweisbar. Grund genug für unabhängige Umwelt-Organisationen, dem Verbraucher zum ausschließlichen Verzehr von Bio-Produkten zu raten.

Sicher gibt es auch Pestizide, die relativ harmlos sind. Wenn sich aber nach gründlichen Untersuchungen durch verschiedene unabhängige Organisationen über 200 Mittel als hoch kritisch herausstellen, sind das eindeutig zu viele!

Datum: Donnerstag, 6. Juli 2017
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