Was kann passieren, wenn ein Mensch mit Typ-2-Diabetes nicht nur seine Ernährung ein wenig verändert, sondern konsequent fastet, sich gleichzeitig bewegt und seine Blutwerte kontrollieren lässt? Vor einigen Jahren erhielt ich dazu einen Erfahrungsbericht, den ich bis heute bemerkenswert finde.
Nicht deshalb, weil hier angeblich durch 24 Tage Fasten ein Diabetes „geheilt“ worden wäre. Interessant finde ich vielmehr, wie deutlich der Stoffwechsel innerhalb relativ kurzer Zeit reagieren kann.
Der betreffende Leser war Mitte 50, hatte Typ-2-Diabetes, einen BMI von 30 und stand bereits vor der Frage, ob irgendwann Insulin notwendig werden könnte. Er fastete 24 Tage unter ärztlicher Kontrolle, begann regelmäßig Sport zu treiben und ließ zusätzlich zweimal eine Colon-Hydro-Therapie durchführen.
Sein Bericht:
Der Erfahrungsbericht
„Guten Morgen Herr Gräber,
mit Freude danke ich Ihnen für die tägliche Ermutigung zum Durchhalten.
Unter ärztlicher Kontrolle der Blutwerte habe ich 24 Tage gefastet und Sport getrieben. Als alter Sportmuffel war ich begeistert, wie sehr mir die Übungen im Fitness-Center gut taten.
Zusätzlich ließ ich mir quasi ‚zur Kontrolle‘ bei einem Kollegen von Ihnen zweimal mit dem CHT-Gerät den Darm spülen. Ein sehr gutes Erlebnis.
Als Diabetiker Typ II, Mitte 50, hatte ich einen BMI von 30, jetzt von 26. Nach den Aufbautagen werde ich wohl drei Kilogramm zunehmen.
Das Wichtigste: Ich kam die letzten zwei Wochen OHNE Blutdruckmedikamente und OHNE Tabletten gegen Diabetes aus. Dafür nahm ich viele Vitamine und Mineralstoffe.
Mit regelmäßiger Bewegung werde ich sehr gute Chancen haben, am drohenden Insulinspritzen vorbeizukommen – hoffentlich für lange.
Danke für Ihre Begleitung und weiterhin viel Erfolg wünscht Ihnen
Peter L. Menzel, Goslar“
So weit der Erfahrungsbericht.
Und dazu möchte ich einige Dinge anmerken. Denn gerade bei Diabetes ist Fasten kein Thema für irgendwelche Internet-Challenges nach dem Motto: „Ich esse jetzt drei Wochen nichts und schaue einmal, was passiert.“
Das eigentlich Interessante ist nicht die Gewichtsabnahme
Natürlich fällt zunächst auf, dass der BMI von 30 auf 26 sank. Bei 24 Tagen Fasten ist eine deutliche Gewichtsabnahme nicht überraschend. Spannender ist für mich vielmehr Folgendes:
Der Stoffwechsel reagierte offenbar so stark, dass sich während des Fastens auch der Bedarf an Diabetes- und Blutdruckmedikamenten veränderte.
Das ist für mich auch keine Überraschung – ich würde das sogar erwarten.
Wir wissen heute recht gut, dass Gewichtsverlust bei Typ-2-Diabetes den Blutzucker erheblich verbessern kann. Bereits eine moderate Gewichtsreduktion verbessert bei vielen Betroffenen die Stoffwechsellage. Bei größerem und vor allem dauerhaft gehaltenem Gewichtsverlust kann bei einem Teil der Patienten sogar eine Remission des Typ-2-Diabetes erreicht werden.
Remission heißt allerdings nicht Heilung.
Es bedeutet, dass die Blutzuckerwerte über einen längeren Zeitraum wieder unterhalb der Diabetesgrenze liegen können, ohne dass blutzuckersenkende Medikamente benötigt werden. Steigt das Gewicht wieder deutlich an oder verschlechtert sich die Stoffwechsellage erneut, kann auch der Diabetes zurückkehren.
Genau deshalb finde ich solche Erfahrungsberichte interessant: Sie zeigen, welches Veränderungspotenzial im Stoffwechsel tatsächlich vorhanden sein kann.
Wer tiefer in die Zusammenhänge einsteigen möchte, findet in meinem ausführlichen Beitrag Heilfasten bei Diabetes die Studienlage, verschiedene Fastenformen und die wichtigsten Besonderheiten bei Typ 1 und Typ 2.
Und wenn Sie speziell das Thema Diabetes interessiert, möchte ich Ihnen an dieser Stelle noch etwas anbieten: In meinem kostenlosen Diabetes-Newsletter gehe ich regelmäßig auf Ernährung, Stoffwechsel, Blutzucker, Vitalstoffe und naturheilkundliche Möglichkeiten ein. Gerade bei Diabetes lohnt es sich meines Erachtens, nicht nur auf einzelne Blutzuckerwerte zu schauen, sondern die gesamte Stoffwechsellage zu verstehen.
Wenn Sie solche Informationen interessieren, können Sie hier meinen kostenlosen Diabetes-Newsletter anfordern:
Warum Heilfasten bei Typ-2-Diabetes interessant sein kann
Beim Typ-2-Diabetes besteht meist über Jahre eine zunehmende Insulinresistenz.
Insulin ist zwar vorhanden, aber insbesondere Muskel-, Leber- und Fettzellen reagieren zunehmend schlechter darauf. Die Bauchspeicheldrüse versucht das zunächst durch eine höhere Insulinausschüttung auszugleichen. Das kann lange funktionieren. Irgendwann reicht diese Kompensation jedoch nicht mehr aus und der Blutzucker steigt.
Fasten greift an mehreren Stellen dieses Stoffwechsels an.
Die Energiezufuhr fällt drastisch ab. Zunächst werden die Glykogenspeicher geleert, anschließend steigt die Nutzung von Fett als Energieträger. Gleichzeitig sinkt bei vielen Menschen das Körpergewicht und insbesondere eine Verringerung des metabolisch problematischen Bauchfetts kann die Insulinempfindlichkeit verbessern.
Warum gerade das Bauchfett weit mehr ist als eine kosmetische Frage, beschreibe ich ausführlicher in meinem Beitrag Bauchfett wirkt wie ein Organ – und verändert den gesamten Stoffwechsel.
Das bedeutet nicht, dass 24 Tage Fasten automatisch einen Diabetes verschwinden lassen, aber es erklärt, weshalb sich Blutzuckerwerte teilweise überraschend schnell verändern können.
Heute wissen wir zudem, dass bereits eine moderate Gewichtsabnahme bei Typ-2-Diabetes relevant sein kann. Je stärker und vor allem dauerhafter die Stoffwechselentlastung gelingt, desto größer können die Effekte werden.
Vor Jahrzehnten wurde Typ-2-Diabetes vielen Patienten praktisch als Einbahnstraße erklärt: Tabletten, irgendwann mehr Tabletten und später vielleicht Insulin. Heute wissen wir, dass diese Sicht zumindest für einen Teil der Patienten zu pessimistisch war. Leider ist das bei vielen Betroffenen immer noch nicht angekommen.
Aber genau hier liegt auch eine Gefahr des Fastens
Wenn sich der Stoffwechsel während des Fastens verbessert, kann eine bisher notwendige Medikamentendosis plötzlich zu hoch sein.
Das betrifft besonders blutzuckersenkende Medikamente und Insulin. Wer einfach dieselbe Dosis weiter einnimmt, obwohl er keine oder kaum noch Kohlenhydrate zuführt und der Blutzucker deutlich sinkt, riskiert eine Unterzuckerung.
Auch der Blutdruck kann während längeren Fastens sinken. Dann kann gegebenenfalls eine Blutdruckmedikation angepasst werden müssen. Und deshalb schreibe ich es hier sehr deutlich:
Wer Diabetes hat und Medikamente oder Insulin verwendet, sollte längeres Heilfasten nicht auf eigene Faust durchführen.
Blutzucker, Blutdruck, Allgemeinzustand und gegebenenfalls Laborwerte gehören kontrolliert. Änderungen an Medikamenten gehören mit dem behandelnden Arzt oder einem entsprechend erfahrenen Therapeuten abgestimmt.
Der Leser im obigen Bericht hat genau das richtig gemacht: Er fastete unter medizinischer Kontrolle.
Wer grundsätzlich wissen möchte, wie eine Fastenkur aufgebaut wird, was an den Entlastungstagen geschieht und wie die eigentlichen Fastentage sinnvoll strukturiert werden, findet das ausführlich in meiner Heilfasten-Anleitung und im Heilfasten-Plan Schritt für Schritt.
Solche Fragen tauchen übrigens bei fast jeder Fastenrunde wieder auf: Was darf ich trinken? Wie viel Bewegung ist sinnvoll? Was mache ich mit Medikamenten? Wann sollte ich abbrechen? Und wie beginne ich anschließend wieder mit dem Essen?
Genau deshalb habe ich meinen kostenlosen Heilfasten-Newsletter aufgebaut. Dort geht es nicht nur darum, dass Fasten wirken kann, sondern vor allem darum, wie man es vernünftig durchführt und welche Fehler ich immer wieder sehe.
Wenn Sie regelmäßig meine Erfahrungen, Hinweise und neuen Beiträge zum Heilfasten erhalten möchten, können Sie hier meinen kostenlosen Heilfasten-Newsletter anfordern:
Bewegung war wahrscheinlich ein wichtiger Teil des Erfolges
Ein zweiter Punkt wird in solchen Berichten leicht übersehen. Herr Menzel hat nicht nur gefastet. Er hat angefangen, sich zu bewegen. Und gerade beim Typ-2-Diabetes ist das enorm wichtig.
Muskulatur ist eines unserer wichtigsten Gewebe für die Aufnahme von Glukose. Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit der Muskulatur und erleichtert die Aufnahme von Glukose aus dem Blut.
Deshalb halte ich die Kombination aus Ernährungsumstellung beziehungsweise Fasten und Bewegung für wesentlich sinnvoller als eine reine Gewichtsabnahme ohne körperliche Aktivität.
Besonders interessant ist die Kombination aus Ausdauertraining und Muskeltraining.
Denn Muskelmasse ist metabolisch aktives Gewebe. Wer Muskeln erhält oder aufbaut, verbessert damit langfristig auch seine Fähigkeit, Glukose aufzunehmen.
Dass ausgerechnet ein selbst bezeichneter „Sportmuffel“ während seiner Fastenkur Gefallen am Fitnessstudio gefunden hat, gefällt mir an diesem Bericht fast ebenso gut wie die verbesserten Werte.
Denn genau daraus kann etwas Dauerhaftes entstehen.
Und was ist mit der Colon-Hydro-Therapie?
Herr Menzel erwähnt außerdem zwei Darmspülungen mit einem sogenannten CHT-Gerät. CHT bedeutet Colon-Hydro-Therapie.
Dabei wird temperiertes Wasser kontrolliert in den Dickdarm eingebracht und wieder abgeleitet. Im Grunde handelt es sich um eine technisch aufwendigere Form der Darmspülung.
In der Naturheilkunde wird die Colon-Hydro-Therapie seit langem eingesetzt, unter anderem bei Verstopfung und im Zusammenhang mit bestimmten Darmbehandlungen.
Beim Fasten halte ich eine funktionierende Darmentleerung grundsätzlich für sinnvoll. Dazu braucht es aber keineswegs zwingend eine Colon-Hydro-Therapie. Klassische Einläufe oder andere Verfahren können ebenfalls eingesetzt werden.
Und an dieser Stelle möchte ich auch eine frühere Aussage von mir relativieren. Früher habe ich zur Colon-Hydro-Therapie deutlich enthusiastischer geschrieben. Heute würde ich das zurückhaltender formulieren.
Viele Patienten empfinden eine solche Behandlung als angenehm und berichten von einem Gefühl der Entlastung. Daraus lässt sich aber noch kein allgemeiner gesundheitlicher Nutzen ableiten.
Für die pauschale Vorstellung, man könne damit den Körper „entgiften“ oder grundsätzlich die Gesundheit verbessern, gibt es keine überzeugenden klinischen Belege.
Auch Risiken existieren, insbesondere bei bestimmten Darmerkrankungen, nach Operationen oder bei unsachgemäßer Anwendung.
Wer eine Colon-Hydro-Therapie durchführen lassen möchte, sollte deshalb zu einem erfahrenen Therapeuten gehen und mögliche Gegenanzeigen vorher abklären.
Mehr zu diesem Thema finden Sie auch in meinem ausführlichen Beitrag über Darmreinigung, Entschlackung und die Frage, was davon tatsächlich sinnvoll ist.
Vitamine und Mineralstoffe beim längeren Fasten
Ein weiterer Satz des Erfahrungsberichts verdient ebenfalls eine Anmerkung: Herr Menzel schreibt, er habe „viele Vitamine und Mineralstoffe“ genommen.
Ich halte Vitalstoffe grundsätzlich für wichtig. Aber beim Fasten gilt nicht automatisch: Viel hilft viel.
Welche Mineralstoffe oder Vitamine sinnvoll sind, hängt von Fastendauer, Ausgangsernährung, Medikamenten, Vorerkrankungen und Laborwerten ab. Besonders bei längeren Fastenzeiträumen interessieren mich unter anderem Elektrolyte und Mineralstoffe.
Pauschal eine Handvoll Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, halte ich dagegen nicht für besonders sinnvoll. Auch hier gilt: gezielt statt wahllos.
Was kann man aus diesem Fall nun lernen?
Zunächst einmal nur das, was er tatsächlich zeigt: Ein Mann Mitte 50 mit Typ-2-Diabetes fastete 24 Tage unter ärztlicher Kontrolle, bewegte sich regelmäßig, nahm deutlich ab und berichtete während dieser Zeit über einen erheblich geringeren Medikamentenbedarf.
Das ist ein Einzelfall.
Wir kennen weder seine vollständigen Ausgangswerte noch HbA1c, Nüchterninsulin, genaue Medikamente oder die langfristige Entwicklung nach dem Fasten.
Aus diesem Bericht lässt sich deshalb weder beweisen, dass Heilfasten Diabetes „heilt“, noch dass jeder Diabetiker seine Medikamente absetzen könnte.
Aber man sollte auch nicht den umgekehrten Fehler machen und solche Veränderungen einfach als belanglos abtun.
Die Forschung zur Gewichtsreduktion und Stoffwechselverbesserung bei Typ-2-Diabetes zeigt inzwischen sehr deutlich, dass sich die Stoffwechsellage bei einem Teil der Patienten erheblich verändern kann.
Das Entscheidende beginnt für mich deshalb nach dem Fasten:
- Was isst der Betroffene anschließend?
- Bleibt er in Bewegung?
- Hält er sein Gewicht?
- Wie entwickeln sich Nüchternblutzucker und HbA1c?
- Und hat er verstanden, dass Diabetes Typ 2 eben nicht nur eine Frage des Blutzuckers ist, sondern eng mit Ernährung, Muskelaktivität, Körperfett, Leberstoffwechsel und dem gesamten Lebensstil zusammenhängt?
Genau darin liegt für mich der eigentliche Wert einer gut durchgeführten Fastenkur.
Nicht darin, 24 Tage nichts zu essen.
Sondern darin, eine festgefahrene Stoffwechselsituation aufzubrechen und anschließend etwas dauerhaft zu verändern.
Nach dem Fasten entscheidet sich, was davon bleibt
Dieser Punkt wird meines Erachtens häufig unterschätzt. Eine Fastenkur kann einen deutlichen Einschnitt darstellen. Aber wenn anschließend wieder dieselbe Ernährung, derselbe Bewegungsmangel und dieselben Gewohnheiten zurückkehren, darf man sich nicht wundern, wenn irgendwann auch die alten Stoffwechselprobleme wieder auftauchen.
Die Aufbautage sind deshalb keine lästige Formalität am Ende der Kur. Sie sind der Übergang in die Zeit danach.
Wie dieser Kostaufbau sinnvoll gestaltet wird und warum man nach längerem Fasten nicht einfach wieder „normal“ losessen sollte, beschreibe ich ausführlich im Beitrag Fastenbrechen und Aufbautage nach dem Heilfasten.
Wer sich speziell für Diabetes interessiert, findet darüber hinaus meinen ausführlichen Grundsatzbeitrag Heilfasten bei Diabetes – was Studien und praktische Erfahrungen zeigen.
Und Herrn Menzel wünsche ich auch Jahre später noch: Alles Gute!






