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Aufgeblähter Bauch: Ursachen und Therapien

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Aufgeblähter Bauch, Blähbauch, Blähsucht etc. wird in der Schulmedizin als „Meteorismus“ bezeichnet. Die Symptome sind zahlenmäßig limitiert, dafür aber prägnant: die Betroffenen zeigen einen kugelförmig aufgeblähten Bauch, begleitet oft von Blähungen sowie Bauchschmerzen beziehungsweise -krämpfen, die sich beim Stehen verschlimmern. Diese Symptome können verschiedene Ursachen haben, die Einen weniger bedenklich bis harmlos, die Anderen schwerwiegend bis lebensbedrohlich. Also versuche ich in diesem Beitrag mal eine Übersicht zu liefern. Zuerst einmal die Ursachen und dann etwas zur Therapie…

Hülsenfrüchte und andere Ursachen

Zu den weniger bedenklichen und oft unbeachteten Ursachen für einen aufgeblähten Bauch zählt eine erschlaffte Bauchmuskulatur, die auch bei einer „normalen“ Gasbildung im Gastrointestinaltrakt eine rasche Zunahme des Bauchumfangs zulässt. Hier kann ein wenig Training der Bauchmuskulatur (Bauchmuskeltraining an der Crunchmaschine / Leg raise | Beinheben am Gerät) bereits Abhilfe schaffen.

Unter dem Begriff „normale Gasbildung“ versteht man eine Gasbildung, die im Darm bei der Verdauung üblich ist. „Übeltäter“ ist hier die Darmflora, die diese Gase produziert. Aber auch beim Essen, Atmen oder Sprechen kann Luft in den Verdauungstrakt gelangen. Für die meisten Zeitgenossen ist weder die eine noch die andere Ursache von großer Bedeutung, da ein Teil der Gase über die Darmwand ins Blut diffundiert und dann über die Lunge abgeatmet wird. Der andere Teil der Gase entweicht über den Anus, was von der Schulmedizin als „Flatulenz“, in der volkstümlichen Bezeichnung als „Furz“ bezeichnet wird.
Meteorismus dagegen zeichnet sich durch eine entsprechende Ansammlung von Gasen aus, bei dem es zu keinem wesentlichen Abgang dieser Gase kommt und dann die entsprechenden Symptome verursacht.

Nahrungsmittel mit „Blähpotential“

Neben der „normalen Gasbildung“ gibt es eine Reihe von weiteren Ursachen für eine vermehrte Gasbildung. Zu den häufigsten Ursachen gehören blähende Nahrungsmittel, zu denen nicht nur die von Heinz Erhardt zitierten Hülsenfrüchte gehören. Fall Sie das Ding von Heinz Erhardt nicht (mehr) kennen:

Es gibt Gerüchte,
dass Hülsenfrüchte
in Mengen genommen
nicht gut bekommen.
Das macht ja nichts,
ich finde das fein,
warum soll man nicht auch mal ein Blähboy sein.

Gerüchte um Gerichte, in: Das große Heinz Erhardt Buch 1970
 
Und mit Verlaub: An dieser Stelle sei mir mal gestattet, darauf hinzuweisen, dass das, was uns heute (2018) in weiten Teilen als „Komik“ geboten wird, bestenfalls „Dünnbrettbohrer-Qualität“ hat. Es gibt natürlich einige Ausnahmen…

Ballaststoffe (Prebiotika) generell haben ein blähendes Potenzial, da sie als „Nahrungsmittel“ für Darmbakterien dienen, die für die Gasbildung verantwortlich sind. Dies trifft vor allem für die löslichen Ballaststoffe zu. Unlösliche Ballaststoffe dagegen scheinen hier ein etwas besseres Profil zu besitzen. Lösliche und unlösliche Ballaststoffe sind jedoch unverzichtbar für die Gesundheit der Darmflora. Eine ungewohnt intensive Ernährung mit Ballaststoffen kann dann zu einer überdurchschnittlichen Gasbildung führen, die jedoch schnell abklingt.

Wenn es zu einem lang anhaltenden aufgeblähten Bauch aufgrund einer vermehrten Gasbildung kommt, dann sind es oft Bakterien, die nicht zu einer normalen Darmflora gehören, die für diese Entwicklung zuständig sind. Solche Fehlbesiedlungen (Darmdysbiose) können zum Beispiel eine Folge einer Antibiotikaeinnahme sein. Die damit einhergehende Gasbildung ist allerdings in diesem Zusammenhang nur das kleinere Problem.

Andere Nahrungsmittel, die die Wahrscheinlichkeit für Blähungen erhöhen, sind Bohnen, Kohl, Zwiebeln etc. Zucker führt zur Fermentation im Darm, die immer mit einer Gasbildung einhergeht. Getränke mit Kohlensäure führt dem Darm eine Extraportion Gas hinzu, da die Kohlensäure relativ instabil ist und zu Wasser und CO2 zerfällt (daher das Prickeln bereits in Glas und das vermehrte Aufstoßen nach Verzehr).

Art der Nahrungsaufnahme

Während die Reihenfolge beim Essen von Nahrungsmitteln keine große Bedeutung zu haben scheint, können empfindliche Personen hiervon durchaus betroffen sein. Um hier eine „verkehrte Reihenfolge“ zu vermeiden, sollten die Nahrungsmittel zuerst gegessen werden, die vom Verdauungssystem am besten und am schnellsten verarbeitet werden. Das wären in der Regel Früchte. Danach kommen die Salate, gefolgt von Reis und/oder Kartoffeln, Käse und dann Fleisch.

Aber auch beim Essen von Obst sollten diese Personen darauf achten, dass eine bestimmte Reihenfolge eingehalten wird: als erstes sollte das Obst verzehrt werden, was einen hohen Wasseranteil hat. Daher sollten Wassermelonen zum Beispiel die Vorspeise sein und nicht das Dessert.

Prinzipiell ist die Zufuhr von Flüssigkeit durch Trinken während der Mahlzeiten eine fragwürdige Angelegenheit. Dadurch wird die Magensäure verdünnt, was zur Einschränkung von deren Effektivität führen kann. Einer der wichtigsten Funktionen der Magensäure ist die Desinfizierung der aufgenommenen Lebensmittel. Ist diese Funktion eingeschränkt, dann kann dies ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung einer Fehlbesiedlung im Darm werden. Und diese Fehlbesiedlung führt zu… siehe oben…
Eine weitere Ursache für eine vermehrte Gasbildung und damit einen aufgeblähten Bauch ist hastiges Essen, bei dem vermehrt Luft mit „verzehrt“ wird. Schlecht gekautes Essen kann zudem Fermentationsprozesse begünstigen, die mit einer vermehrten Gasbildung einhergehen.

Zuckerersatz und Unverträglichkeiten

Ich hatte Zucker bereits als mögliche Ursache genannt. Aber auch Zuckeraustauschstoffe wie Xylit, Sorbit etc. können hier zu einer Ursache werden. Besonders Unverträglichkeiten (Intoleranzen), wo die Verwertung dieser Austauschstoffe eingeschränkt ist oder vollkommen fehlt, führen zu einer Reihe von Symptomen neben Meteorismus, wie Durchfall und/oder Verstopfung etc.

Von größerer Bedeutung sind jedoch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie Fructoseintoleranz und Laktoseintoleranz, die relativ häufig anzutreffen sind. In beiden Fällen werden Fruchtzucker und Milchzucker nicht resorbiert und gelangen somit in den Dickdarm, wo sie von der dortigen Darmflora als Nährstoffe vergoren werden - mit den entsprechenden Folgen. Für diese Betroffenen empfiehlt es sich, Milchprodukte und fructosehaltige Nahrungsmittel (besonders industriell produzierte Nahrungsmittel, da diese keine Ballaststoffe und hohe Mengen an Fructose unter anderem aufweisen) zu vermeiden. Da Früchte ebenfalls Fructose enthalten, müssen die Betroffenen für sich herausfinden, welches Obst und welche Früchte für sie genießbar sind. In der Regel binden die Ballaststoffe von Obst und Gemüse Fructose und behindern eine Verwertung. Aber da die Menge an Fructose und Ballaststoffe von Obst zu Obst und Frucht zu Frucht variiert, und auch Ballaststoffe von Darmbakterien verwertet werden, was gebundene Fructose freisetzt, ist es notwendig, über ein Ernährungsprotokoll die Früchte für sich zu „entdecken“, die keinen großen Einfluss auf eine bestehende Fructoseintoleranz haben.

Zöliakie

Eine weitere Intoleranz in diesem Zusammenhang ist die Zöliakie oder Glutenallergie/-intoleranz. Ähnlich wie bei den bereits erwähnten Intoleranzen von Fructose und Laktose kommt es bei der Zöliakie zu einer Einschränkung der Verwertung von Nährstoffen, in diesem Fall von Eiweiß und Eiweißkomponenten von Weizen, Roggen, Gerste etc. Die Zöliakie geht hier noch einen Schritt weiter und sorgt über Entzündungen der Darmschleimhaut für deren Zerstörung (Leaky-Gut-Syndrom). Damit verbunden sind weitere Störungen der Verwertung von Nährstoffen wie Fette Vitamine und Mineralstoffe. Bei einer Zöliakie und einem Leaky-Gut-Syndrom sind Verdauungsstörungen mit Blähungen und Völlegefühl „an der Tagesordnung“ und zählen zu den vergleichsweise unbedenklichen Symptomen. Die Entzündungen und das Autoimmungeschehen haben hier eine schwerwiegendere pathophysiologische Bedeutung für die Betroffenen.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Mit Zöliakie und Leaky-Gut-Syndrom sind wir bereits im Bereich der Erkrankungen angelangt, die mit dem Symptom „Blähbauch“ einhergehen können. Andere Erkrankungen, die ebenfalls häufig von einem aufgeblähten Bauch begleitet sind beziehungsweise sein können, sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Hier kommen neben dem Blähbauch und Blähungen noch weitere Symptome hinzu, wie Bauchkrämpfe, Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall und/oder Verstopfung, Gewichtsabnahme und so weiter.

Andere Darmprobleme in Verbindung mit einem aufgeblähten Bauch können sein: Reizdarm, zuvor durchgeführte operative Eingriffe im gastrointestinalen Bereich, rheumatische Beschwerden etc.

Medikamente

Medikamente als Ursache für Meteorismus? Wir sind alle gewöhnt, dass Medikamente heilen und nur Gutes tun. Aber spätestens seit Valproinsäure, Avandia, Vioxx, Lipobay, Koate etc. wissen wir, dass Medikamente gefährlichere Nebenwirkungen als Blähungen verursachen können. Ich erwähnte in diesem Zusammenhang bereits Antibiotika, die nützliche Darmbakterien eliminieren und damit Platz schaffen für eine Neubesiedlung mit weniger vorteilhaften Bakterien beziehungsweise Pathogenen, und somit zu einer Dysbiose führen.

Aber auch Antidiabetika und Schmerzmittel, wie Diclofenac, das bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen schubauslösend wirken kann und für vermehrte gastrointestinale Nebenwirkungen „berüchtigt“ ist, können die Ursache für einen aufgeblähten Bauch sein.

Medikamente zur Gewichtsabnahme sind ebenfalls dafür bekannt, die Ursache für einen Blähbauch zu sein.

Andere Ursachen

Es gibt noch andere Ursachen, die mit einem Blähbauch einhergehen können aber nicht müssen. Dazu zählen psychische Faktoren wie Stress und Angst, Hormonumstellungen in Pubertät und Wechseljahren etc. Eine weitere, wenig beachtete mögliche Ursache ist der Bewegungsmangel. Denn das ständige Sitzen führt zu einer Kompression der Därme, was zu einer Beeinträchtigung der für die Verdauung notwendigen Peristaltik führen kann, was wiederum Gärungsvorgänge fördert, die zu einer unverhältnismäßig hohen Gasbildung führen.

Bei einer extremen Beeinträchtigung der Peristaltik kommt es zu einer Darmlähmung bis hin zum Darmverschluss. Die sich daraus ergebende Aufblähung des Bauchs ist dann nicht nur Resultat der Gasbildung, sondern auch Resultat eines Staus von Speisebrei, der an einer Weiterleitung gehindert wird. Hier haben wir es bereits mit akut lebensbedrohlichen Komplikationen zu tun.

Selbiges gilt auch für Darmkrebs, bei dem ein aufgeblähter Bauch ebenfalls mit von der Partie sein kann, wenn es um Symptome geht.

Bei Lebererkrankungen und damit verbundenem Pfortader-Hochdruck kommt es zu einem Rückstau von Blut, der die Verdauungstätigkeit beeinträchtigt.

Bewertung der Symptome

Angesichts der Menge der möglichen Ursachen muss man sich natürlich die Frage stellen, was man tun soll, wenn sich so ein Blähbauch einstellt. In der Regel sind die Ursachen harmlos, wenn auch mit einigen Beschwerden verbunden. Von daher sollte der Blähbauch relativ rasch wieder verschwinden. Bei hartnäckigen Zuständen jedoch sollte der Betroffene darüber nachdenken, die Ursachen abklären zu lassen. Denn hier könnte eine ernstzunehmende Grunderkrankung vorliegen, bei der der Blähbauch „nur“ ein Symptom darstellt. Gleichzeitig sollte der Betroffene in diesem Zusammenhang auch nach anderen Symptomen Ausschau halten, wie zum Beispiel Blut im Stuhl, Durchfall oder Verstopfung, Atembeschwerden, Herzprobleme etc.

Wenn der Betroffene feststellt, dass die Symptome immer dann auftreten, wenn bestimmte Nahrungsmittel eingenommen werden, dann sollte man Arzt oder Heilpraktiker aufsuchen, um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit auszuschließen.

Schulmedizinische Therapie

Sogar die Schulmedizin rät in diesen Fällen zu sehr alternativmedizinisch aussehenden Lösungen, zumindest als „Behandlungseinstieg“: Essgewohnheiten untersuchen beziehungsweise umstellen, Nahrungsmittel, die Blähungen fördern, vermeiden, Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke vermeiden. Das gleiche gilt für Rohkost, Kaffee und schwarzen Tee.
Wenn Tee, dann solche, die helfen, die Symptome zu lindern, wie zum Beispiel Anis, Kümmel, Fenchel, Koriander, Kamille etc. Weitere Tipps der Schulmedizin sind Bauchmassagen, Wärme (feuchtheiße Wickel ca. 30 Minuten auf dem Bauch)  und Bewegung nach dem Essen.

In Sachen medikamentöse Therapie scheint die Schulmedizin in diesem Fall keine große Auswahl empfehlen zu können. Krampflösende Medikamente werden hier in erster Linie empfohlen, wie zum Beispiel Parasympatholytika (Buscopan).

Alternativmedizinische Therapien

In dieser Kategorie haben wir eine Reihe von Maßnahmen, die auch von der Schulmedizin unterstützt werden. Dies ist neben den bereits oben erwähnten Tees der Einsatz von Schüsslersalzen Nummer 6, Nummer 9, Nummer 7 und Nummer 3 als bewährte Methoden gegen Blähbauch.

Sollte eine ausführliche Stuhldiagnostik eine veränderte Zusammensetzung des Darmmilieus feststellen, dann ist eine Darmsanierung angezeigt und gegebenenfalls der Einsatz von Probiotika.

Ein Präparat, das auch von der Schulmedizin nicht verachtet wird, ist Iberogast, das ein Potenzial zu haben scheint, welches über eine reine symptomatische Behandlung hinausgeht: Iberogast gegen Magen-Darmbeschwerden.

Die Homöopathie stellt mit „Nux vomica“ (Brechnuss) ebenfalls ein bewährtes Mittel zur Verfügung, welches niedrig dosiert harntreibend und verdauungsfördernd wirkt.
Die Zahl der angebotenen Therapievorschläge scheint deswegen relativ begrenzt zu sein, weil ein aufgeblähter Bauch ohne ernsthaften Hintergrund sich in der Regel relativ schnell wieder „von alleine verabschiedet“. Fast alle Therapievorschläge, sei es die von der Schulmedizin oder alternativmedizinische Vorschläge, zielen auf eine Linderung der Symptomatik ab, die den Leidensdruck vermindern hilft.

Wie bereits erwähnt - ein aufgeblähter Bauch als Symptom einer ernstzunehmenden Erkrankung ist ein vollkommen anderes Kapitel. Hier helfen die Symptome vermindernden Therapien nur bedingt. Im Vordergrund sollte hier eine gründliche Identifizierung und Abklärung der Grunderkrankung erfolgen, bei deren Beseitigung dann auch der Blähbauch mit therapiert wird.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 15.01.2018 aktualisiert 
 


   
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