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Abnehmen mit TCM? Funktioniert nicht – aber dennoch ratsam!?

Aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

TCM - die traditionelle chinesische Medizin gilt hier zu Lande als eine alternative Form der Medizin, die aus schulmedizinischer Sicht selbstverständlich nur eingeschränkt evidenzbasiert Gültigkeit hat. Allerdings ist diese Medizin bereits so alt, mehr als 2000 Jahre, dass man geneigt ist, zu meinen, die heutige Schulmedizin ist die eigentlich alternative Medizin angesichts der Tradition, die die TCM nachweisen kann.

Die TCM ruht auf drei Säulen: physiotherapeutische Verfahren wie Moxibustion und Akupunktur, Bewegungstherapie wie Qigong, Taichi etc., und phytopharmakologische Therapien mit Naturheilkräutern, medizinischen Pilzen und Ernährung.

Grundgedanke der TCM in allen Bereichen ist, ein zu schwaches oder ein zu starkes Qi zu normalisieren, zu harmonisieren. Denn ein außer Balance geratenes Qi (Lebensenergie) äußert sich in entsprechenden Symptomen, die die westliche Medizin als Krankheiten definiert. Die Gemeinsamkeiten zwischen TCM und einer gut ausgeführten westlichen Naturwissenschaft ist das Bestreben, den menschlichen Organismus als Ganzes zu sehen und etwaige Veränderungen nicht nur segmentiell auf bestimmte Bereiche, bestimmte Symptome zu reduzieren. Deshalb wird eine solide Behandlung durch TCM selten nur mit zum Beispiel Akupunktur einhergehen, sondern auch andere Methoden in Anspruch nehmen, wovon die Ernährung einen zentralen Stellenwert einnimmt. Denn gerade über die Ernährung lassen sich langfristig nachhaltige Veränderungen erzielen, die auch auf das Qi auswirken.

Ernährung laut TCM

Ernährung und Phytotherapie in der TCM sind fast nicht auseinanderzuhalten. Hier kommt der alte Spruch von Hippokrates zur Geltung, der forderte, dass Medizin Ernährung und Ernährung Medizin sein sollte. Diese Vorstellung ist angesichts der heute üblichen industriell gefertigten Nahrungsmitteln ein grauenhafter Gedanke, der weiter von der Natur des Menschen nicht entfernt sein könnte.

Bei der Ernährung im Stile der TCM geht es also um die Erneuerung beziehungsweise Beibehaltung des Qi, dass sich als Gleichgewicht oder Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang manifestiert. Dementsprechend also muss die Nahrung ausgerichtet sein. Bei einem Mangel an Yin sollte mehr Nahrung mit Yin-Charakter verzehrt werden, bei einem Mangel an Yang dementsprechend mehr Nahrung mit Yang-Charakter.

Yin hat hier bestimmte Charaktereigenschaften und steht für zum Beispiel Kälte, Yang für Wärme, was aber mit den Temperaturen der Speisen, wie sie auf den Tisch kommen, nicht zu tun hat. Zum Beispiel frische Obstsorten zählen zu den Yin-Nahrungsmitteln, sowie Gemüse, Milch und grüner Tee. Unter die Kategorie Yang fallen Fleisch, Fisch, Trockenobst, Ingwer, Bohnen etc. Als dritte Gruppe gibt es neutrale Lebensmittel, wie zum Beispiel Getreide, Kohl, Hülsenfrüchte, Möhren etc.

Neben dieser Charakterisierung der Nahrungsmittel gibt es in der TCM die Lehre der fünf Elemente, als da wären: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Lebensmittelgruppen werden ebenfalls diesen Elementen zugeordnet. Was es genau mit diesen fünf Elementen und seiner Ernährungslehre auf sich hat und welches Nahrungsmittel welchem Element zuzuordnen ist, das habe ich in diesem Beitrag etwas ausführlicher beschrieben: 5-Elemente-Ernährung.

Die Ideen hinter diesen Kategorisierungen und Einteilungen mag für uns westlich denkende Menschen befremdlich wirken und kaum zu verstehen sein. Jedoch die sich daraus ergebende Praxis, vor allem in Ernährungsfragen, zeigt, dass die Empfehlungen der TCM in Bezug auf Ernährung und die Empfehlungen einer westlich geprägten gesunden, abwechslungsreichen Ernährung weitestgehend deckungsgleich sind.
Der Grundgedanke der TCM-Ernährung lautet also, dass eine Harmonisierung des Qi nur durch eine entsprechend ausgeglichene Ernährungsweise zustande kommt und erhalten bleibt. Das Ungleichgewicht von Yin und Yang im Organismus ist Ausdruck und Ursache für entstehende Erkrankungen. Allerdings weigert sich die TCM, das Gießkannenprinzip der Schulmedizin „ein Medikament für eine Erkrankung für alle“ zu übernehmen. Vielmehr geht sie davon aus, dass jeder Mensch unterschiedliche Bedürfnisse und damit unterschiedliche Energien hat, auf die die Ernährung entsprechend ausgerichtet sein muss, um kein Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang aufkommen zu lassen. Bei einem Gleichgewicht helfen neutrale Speisen dieses Gleichgewicht zu manifestieren. Allerdings sollten Mahlzeiten so zusammengestellt sein, dass Nahrungsmittel aus allen fünf Elementen in ihnen enthalten sind.

Das soll evidenzbasiert sein?

Natürlich gibt es für diese „Ansichtsweise“ keine evidenzbasierten Belege im Sinne einer schulmedizinischen Wissenschaft (deren eigene angeblich evidenzbasierte Vorgehensweise meist auch keiner naturwissenschaftlichen Prüfung standhält). Grundlage für die TCM ist die Philosophie des Daoismus. Es ist erstaunlich, welche Phänomene sich mit diesem philosophischen Gedankentum beschreiben lassen, besonders in der (Astro-)Physik. Die gesamte dualistisch ausgeprägte Philosophie findet seine praktische Bestätigung zum Beispiel auch in der Computertechnologie, deren elementarste Grundlage, das Bit, den Zustand für „eingeschaltet“ oder „ausgeschaltet“ darstellt. Und die Leistungen von Computern, Berechnungen durchzuführen, Grafiken darzustellen, Töne abzuspielen etc., ist nichts anderes als die Organisation von eingeschalteten oder ausgeschalteten Bits (besonders grob vereinfacht dargestellt).

Dies ist vergleichbar mit dem Yin-Yang-Prinzip der TCM. Auch hier ist die richtige Organisation von Yin und Yang ausschlaggebend, ob unser Organismus ähnlich gut funktioniert wie ein moderner Computer. Zu viel Yin oder zu viel Yang lässt sich vergleichen mit dem Löschen von Festplatten, wo alle notwendigen Informationen verschwinden (nur noch ausgeschaltete Bits) und den Computer nur noch eingeschränkt bis unbrauchbar machen.

Was für den Computer die Software ist, ist für unseren Organismus die Ernährung beziehungsweise Nahrungsmittel. Nicht kompatible Software lässt einen Computer in der Regel sofort abstürzen. Nicht kompatible Nahrungsmittel lassen in der Regel, oft erst nach längeren Zeiträumen, unseren Organismus abstürzen. Ein Symptom eines drohenden Absturzes ist hier die Gewichtszunahme. Laut TCM und seiner Ernährungslehre lässt sich dies vermeiden, indem der Betroffene sich entsprechend der oben aufgeführten Regeln ernährt, was in der Folge auch Übergewicht reduzieren hilft.

Auch wenn diese Lehren aus Asien kommen, heißt dies nicht, dass wir ab sofort nur noch asiatisch essen müssen. Im Gegenteil, denn laut TCM-Ernährung soll der Mensch sich von regionalen und saisonalen Lebensmitteln ernähren. Das hat nicht nur den Vorteil, dass wir keine langen Transportwege in Kauf nehmen müssen, um asiatisches Essen zu bekommen, das dann nach so langer Zeit einen Großteil seiner Nährstoffe bereits verloren hat. Regionale Lebensmittel bieten den Vorteil, dass unser Organismus bereits an diese Ernährungsform gewöhnt ist. Und auch in Deutschland ist die Zubereitung und Zusammenstellung von Nahrungsmitteln aus regionalen Beständen im Einklang mit der TCM-Ernährung durchaus möglich.

Etwas TCM um das Abnehmen durch TCM zu unterstützen

Abnehmen ist schwer. Und geheime Kung-Fu Techniken, mit denen die TCM Fettpolster wegzaubern kann, sind bislang unbekannt. Die Ausübung von Kung-Fu allerdings kann bei diesem Problem sehr hilfreich sein. Aber das ist etwas anderes.
Über die Ernährung und chinesische Pflanzenheilkunde, aber auch Akupunktur, Qigong etc., lässt sich Einfluss auf das Qi des Betroffenen nehmen. Denn bei einem schwachen Qi fährt der Organismus seine Stoffwechselleistung herab. Der Betroffene wird müde und träge. Die Körpertemperatur nimmt ab und der Betroffene neigt dazu, leicht zu frieren. Das Herabsetzen der Stoffwechselleistung bewirkt nicht nur eine Abnahme der Energie, sondern auch ein Nachlassen der Kalorienverwertung/-verbrennung. Eine auf der anderen Seite nicht reduzierte Kalorienaufnahme resultiert dann in einem Aufbau von Fettgewebe und damit zu einer Erhöhung des Körpergewichts. Oder mit anderen Worten: Fasten und Diäten durchführen, Kalorien zählen und andere Aktivitäten zur Gewichtsreduktion haben unter diesen Voraussetzungen so gut wie keinen Erfolg.

Warum?

Aus Sicht der TCM führen Reduktionsdiäten dazu, dass der Körper weniger Qi über die Nahrung erhält, was ihn dazu veranlasst, in den Sparmodus umzuschalten. Die Folge ist ein Teufelskreis, der konsequent weiter gedacht zu einer Mangelernährung führt. Dies mag mit ein Grund sein, warum so viele Reduktionsdiäten nicht nur wenig erfolgreich, sondern sogar potentiell gefährlich sind.

Das heißt also, das Kalorienzählen, Kalorien sparen und auch mehr Bewegung alleine auf die Dauer nicht ausreichen, wenn man sich nicht den Bedürfnissen des eigenen Stoffwechsels annimmt.

Was kann man also tun, um den Stoffwechsel so anzukurbeln, dass diese Maßnahmen auch einer Gewichtsabnahme dienlich sind?

Bewegung - ist eine Grundvoraussetzung, keine Option. Statt Aufzug sollte man Treppen den Vorzug geben, statt Autofahren lieber zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren und so weiter. Überhaupt sollte Bewegung ein Grundbedürfnis werden, wie immer diese Bewegung auch aussehen mag. Es scheint keine optimale Bewegungsform zu geben. Hier darf sich jeder so bewegen, wie es einem am besten gefällt.

Sport - ist eine intensivierte Form von Bewegung (wenn man nicht dauernd Schach spielt). Sport sollte Spaß machen, denn hier kommt auch eine intellektuelle Komponente mit hinzu, die durch den Sport angesprochen wird.

Stressabbau - hier bieten sich aus dem Bereich der TCM Taichi und Qigong an, deren Ausübung direkt das Auszubalancieren von Yin und Yang anspricht. Stress, besonders Dauerstress, führt zu einer Erhöhung der Cortisolspiegel, was die Bereitschaft zum Fettaufbau erhöht. Aus psychologischer Sicht führt Stress häufig auch dazu, dass die Betroffenen aus „Frust“ kompensatorischen mehr essen als es für die Erhaltung der Stoffwechselfunktion erforderlich ist. Und damit sind alle Zeichen auf Gewichtszunahme gesetzt.

Keine Rohkost - laut TCM kühlt Rohkost das Qi, was zu einem Aktivitätsverlust des Stoffwechsels führt. Rohkost und Salate zum Beispiel haben zwar wenig Kalorien, was aus Sicht der Kalorienbilanz günstig ausfällt, wenn man abnehmen möchte. Aber die gleichzeitig induzierte Abnahme von Qi und damit einhergehend das Herabfahren der Kalorienverbrennung stellen ungünstige Bedingungen für eine Gewichtsreduktion dar und günstige Bedingungen, um in der Folge einen saftigen Jojo Effekt zu erleiden.

Kohlenhydratarme Ernährung oder ketogene Ernährung - hierzu hatte ich auch einige Artikel verfasst, die zu sehr vergleichbaren Resultaten gekommen sind: Ketogene Diät.
Fasten - Fasten hilft weniger beim Abnehmen, obwohl in vielen Fällen das Gewicht während des Fastens abnimmt. Viel wichtiger ist, dass nach Beendigung des Fastens die einmal erfolgte Gewichtsabnahme auch konstant bleibt. Und dies ist nur dadurch zu erreichen, dass man den Bedürfnissen seines eigenen Stoffwechsels nachkommt. Und das ist die Ernährung, die ich schon weiter oben unter TCM-Ernährung beziehungsweise organische, abwechslungsreiche Ernährung beschrieben habe. Fasten hilft also beim Entgiften von „Altlasten“ und als Vorbereitung für eine  Ernährungsumstellung auf eine stoffwechselgerechte Ernährungsweise.

Trinken - auch in der TCM ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr eine Basisforderung. Ideal hier sind Wasser oder ungesüßte Tees, die warm oder bei Zimmertemperatur eingenommen werden sollten.

Darmflora - Abnehmen mit einer schlechten Darmflora kommt der Quadratur des Kreises gleich. Auch wenn es in der TCM diesbezüglich keine expliziten Aussagen zu geben scheint, garantiert die Zusammensetzung der Nahrungsmittel, basierend auf dem TCM-Prinzip, für eine optimale Unterstützung der Darmflora, und damit über diese Schiene eine weitere Hilfe beim Abnehmen.

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2018 erstellt.



   
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