Interzym – Erfahrungen und Bewertung

René Gräber neben einer Interzym-Dose und roten Dragees – Wirkung, Inhaltsstoffe und Bewertung im Check

Interzym gehört zu den Enzympräparaten, nach denen ich seit Jahren immer wieder gefragt werde. Meinen ersten Beitrag dazu hatte ich bereits vor längerer Zeit verfasst. Damals war das Präparat noch deutlich günstiger, die Studienlage überschaubarer und meine eigenen Beobachtungen standen erst am Anfang.

Inzwischen lässt sich Interzym besser beurteilen. Interessant bleibt vor allem der Vergleich mit dem früheren (alten) Wobenzym der 80er und 90er Jahre. Die Übereinstimmung der Rezepturen ist auf dem Etikett tatsächlich erstaunlich.

Es ist daher Zeit für eine gründliche Neubewertung: Was steckt in Interzym? Welche Bedeutung haben die F.I.P.-Einheiten? Was zeigt die Forschung zur systemischen Enzymtherapie? Und für wen kommt das Präparat überhaupt infrage?

Was ist Interzym?

Interzym ist ein magensaftresistentes Enzympräparat des niederländischen Anbieters Aalten Pharma. Es wird rechtlich als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Dieser Status ist wichtig. Ein Nahrungsergänzungsmittel besitzt keine behördlich geprüften und zugelassenen Anwendungsgebiete wie ein Arzneimittel. Der Hersteller darf daher keine konkreten Heilversprechen für Erkrankungen abgeben.

Auf seiner Internetseite beschreibt der Anbieter Interzym als Präparat, das nach dem ursprünglichen Konzept der Begründer der systemischen Enzymtherapie, Max Wolf und Helen Benitez, hergestellt werde.

Wer sich zunächst grundsätzlich über Enzyme informieren möchte, findet in meinem ausführlichen Beitrag weitere Hintergründe zur Enzymtherapie in der Medizin.

Welche Inhaltsstoffe enthält Interzym?

Ein magensaftresistentes Dragee enthält nach Angaben des Anbieters:

Inhaltsstoff Menge pro Dragee
Pankreaskonzentrat 100 mg
Papain 60 mg
Bromelain 45 mg
Trypsin 24 mg
Chymotrypsin 1 mg
Rutin 50 mg

Der Hersteller gibt eine proteolytische Gesamtaktivität von 940 F.I.P.-Einheiten pro Dragee an. Bei sechs Dragees pro Tag entspricht dies einer Gesamtaktivität von 5.640 F.I.P.-Einheiten.

Die Zusammensetzung verbindet pflanzliche und tierische Enzyme:

  • Bromelain stammt aus der Ananaspflanze.
  • Papain wird aus der Papaya gewonnen.
  • Trypsin, Chymotrypsin und Pankreaskonzentrat sind tierischen Ursprungs.
  • Rutin ist kein Enzym, sondern ein pflanzliches Flavonoid.

Warum sind die F.I.P.-Einheiten wichtiger als die Milligramm?

Bei Enzympräparaten wird häufig mit hohen Milligrammzahlen geworben. Diese Zahlen sehen beeindruckend aus, sagen für sich genommen aber wenig über die tatsächliche Wirkung eines Enzyms aus.

Enzyme sind keine gewöhnlichen Nährstoffe. Entscheidend ist ihre biologische Aktivität: Wie viel Substrat kann das jeweilige Enzym unter festgelegten Bedingungen spalten?

Diese Aktivität wird unter anderem in F.I.P.-Einheiten, FCC-Einheiten oder Katal angegeben. Die Abkürzung F.I.P. geht auf die Internationale Pharmazeutische Föderation zurück.

Ein Präparat kann daher eine große Enzymmenge enthalten und trotzdem vergleichsweise schwach sein. Umgekehrt kann eine geringere Menge bei hoher Enzymaktivität eine beachtliche Wirkung entfalten.

Milligramm beschreiben die Menge. Aktivitätseinheiten beschreiben, was das Enzym tatsächlich leisten kann.

Genau an diesem Punkt scheitern viele billige Enzymmischungen. Auf der Packung stehen Bromelain, Papain und allerlei weitere klangvolle Namen. Zur tatsächlichen Aktivität findet man dagegen nichts. Das ist ungefähr so, als würde ein Autohersteller nur das Gewicht des Motors nennen und die Leistung verschweigen.

Ist Interzym das „alte“ Wobenzym N?

Interzym kommt dem alten Wobenzym N auf dem Etikett tatsächlich außergewöhnlich nahe. Die Gebrauchsinformation des früheren Wobenzym N aus dem Jahr 2006 nennt pro magensaftresistentem Dragee dieselben Wirkstoffmengen:

Bestandteil Wobenzym N Interzym
Pankreatin beziehungsweise Pankreaskonzentrat 100 mg 100 mg
Papain 60 mg 60 mg
Bromelain 45 mg 45 mg
Trypsin 24 mg 24 mg
Chymotrypsin 1 mg 1 mg
Rutosid beziehungsweise Rutin 50 mg 50 mg
Proteolytische Gesamtaktivität 940 F.I.P. 940 F.I.P.

Damit stimmen sowohl die deklarierten Mengen als auch die angegebene proteolytische Gesamtaktivität überein.

Das ist mehr als eine oberflächliche Ähnlichkeit. Dennoch würde ich Interzym nicht als „exakte Kopie“ des alten Wobenzym N bezeichnen.

Aus den Angaben auf dem Etikett erfahren wir nichts Verlässliches über:

  • die genaue Herkunft der Enzyme,
  • die Reinheit der verwendeten Rohstoffe,
  • Schwankungen zwischen einzelnen Chargen,
  • die Stabilität während der Lagerung,
  • das Herstellungsverfahren,
  • die Auflösung des magensaftresistenten Überzugs,
  • die Aktivität der einzelnen Enzyme im fertigen Produkt,
  • die Aufnahme und Verfügbarkeit im Organismus.

Eine Rezeptur lässt sich kopieren. Ob daraus ein in jeder Hinsicht gleichwertiges Präparat entsteht, entscheidet sich erst bei Herstellung, Qualitätskontrolle und klinischer Anwendung.

Die sachlich treffende Formulierung lautet daher:

Interzym orientiert sich sehr eng an der früheren Rezeptur des Wobenzym N. Auf dem Etikett stimmen die Hauptbestandteile, ihre Mengen und die angegebene proteolytische Gesamtaktivität überein.

Ausführlicher zur Geschichte, den unterschiedlichen Rezepturen und meinen Erfahrungen habe ich in meinem Beitrag über Wobenzym und die Enzymtherapie geschrieben.

Was ist der Unterschied zum heutigen Wobenzym?

Das heute in Deutschland angebotene Wobenzym entspricht (leider) nicht mehr der alten N-Rezeptur.

Das aktuelle Arzneimittel enthält pro magensaftresistenter Tablette:

  • 67,5 bis 76,5 mg Bromelain, eingestellt auf 450 F.I.P.-Einheiten,
  • 32 bis 48 mg Trypsin, eingestellt auf 24 Mikrokatal,
  • 100 mg Rutosid-Trihydrat.

Papain, Chymotrypsin und Pankreatin sind im heutigen Wobenzym nicht mehr enthalten. Dafür liegen Bromelain, Trypsin und Rutosid mengenmäßig beziehungsweise hinsichtlich der deklarierten Aktivität höher als in einem einzelnen Interzym-Dragee.

Es handelt sich damit um zwei unterschiedliche Konzepte:

  • Interzym setzt auf das breitere Enzymspektrum der alten Wobenzym-N-Rezeptur.
  • Das heutige Wobenzym konzentriert sich auf Bromelain, Trypsin und Rutosid.

Welches Konzept im konkreten Fall günstiger ist, lässt sich nicht allein durch Abzählen der Bestandteile entscheiden.

Wie sollen oral eingenommene Enzyme wirken?

Bromelain, Papain, Trypsin und Chymotrypsin gehören zu den proteolytischen Enzymen. Sie können Eiweißverbindungen spalten.

Bei der Verdauung ist diese Aufgabe leicht nachvollziehbar: Proteine aus der Nahrung werden in kleinere Peptide und Aminosäuren zerlegt, damit der Organismus sie aufnehmen und verwerten kann.

Die sogenannte systemische Enzymtherapie verfolgt einen anderen Ansatz. Die Enzyme werden außerhalb der Mahlzeiten eingenommen. Sie sollen dann nicht in erster Linie bei der Verdauung der Nahrung helfen, sondern entzündliche Prozesse, Schwellungen und bestimmte Immunreaktionen beeinflussen.

Als mögliche Mechanismen werden unter anderem diskutiert:

  • Beeinflussung entzündlicher Botenstoffe,
  • Bindung bestimmter Proteasen an Alpha-2-Makroglobulin,
  • Modulation von Zytokinen,
  • Einfluss auf Fibrin und Gewebeschwellungen,
  • Unterstützung der physiologischen Auflösung einer Entzündung.

Ein Teil dieser Mechanismen stammt aus Zellversuchen, Tiermodellen oder kleineren pharmakologischen Untersuchungen. Die Frage, in welchem Umfang intakte Enzyme nach oraler Einnahme aufgenommen werden und im Körper systemisch wirksam werden, ist noch nicht abschließend geklärt.

Das bedeutet nicht, dass die Präparate wirkungslos sein müssen. Es bedeutet lediglich, dass manche Werbeerklärung sehr viel weiter reicht als der sichere wissenschaftliche Boden.

Enzyme sind bemerkenswerte biologische Werkzeuge. Sie sind allerdings keine intelligenten Rohrreiniger, die nach dem Schlucken selbstständig durch den Körper ziehen und dort Entzündungen, Ablagerungen oder Tumorgewebe nach Wunsch wegverdauen.

Was zeigt die Studienlage zur Enzymtherapie?

Bei der Bewertung muss sauber unterschieden werden:

Es gibt Studien zu bestimmten Enzymkombinationen. Das ist noch kein Wirksamkeitsnachweis für jedes Präparat, das einige dieser Enzyme ebenfalls enthält.

Die meisten klinischen Untersuchungen befassen sich mit einer Kombination aus:

  • Bromelain,
  • Trypsin,
  • Rutosid beziehungsweise Rutin.

Diese drei Substanzen sind auch in Interzym enthalten. Interzym enthält zusätzlich Papain, Pankreatin und Chymotrypsin. Das Präparat ist daher ähnlich, aber keineswegs identisch mit den in den Studien untersuchten Produkten.

Übersichtsarbeit zu Arthrose aus dem Jahr 2022

Eine 2022 veröffentlichte Übersichtsarbeit betrachtete neun randomisierte klinische Studien mit oralen Kombinationen aus Bromelain, Trypsin und Rutin bei Arthrose.

Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die Enzymkombination Beschwerden wie Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit ähnlich günstig beeinflussen könnte wie Diclofenac und andere nichtsteroidale Entzündungshemmer.

In einer zusammengefassten Auswertung von sechs Studien mit insgesamt 774 Patienten zeigte sich eine vergleichbare Verbesserung von Schmerzen, Beweglichkeit und funktionellen Einschränkungen. Unter der Enzymkombination wurden weniger unerwünschte Ereignisse gemeldet als unter Diclofenac.

Das klingt zunächst überzeugend. Man sollte dennoch genauer hinsehen:

  • Viele der eingeschlossenen Untersuchungen waren relativ klein.
  • Ein Teil der Studien ist bereits älter.
  • Mehrere Arbeiten verglichen Enzyme mit Diclofenac, aber nicht mit einem echten Placebo.
  • Die Übersichtsarbeit wurde von Nestlé finanziert.
  • Mehrere Autoren waren für Nestlé tätig oder erhielten Beratungshonorare.

Nestlé Health Science war damals im Geschäft mit Wobenzym-Produkten engagiert. Das macht die Ergebnisse nicht automatisch falsch. Finanzierung und wirtschaftliche Interessen gehören trotzdem offen auf den Tisch. Wer Studien nur dann kritisch liest, wenn das Ergebnis nicht ins eigene Weltbild passt, betreibt keine Wissenschaft, sondern Fanpflege.

Die vollständige Übersichtsarbeit finden Sie hier: Enzyme und Rutin bei Arthrose – Übersichtsarbeit von 2022.

Placebokontrollierte Studie aus dem Jahr 2025

Interessant ist außerdem eine 2025 in der Fachzeitschrift RMD Open veröffentlichte Untersuchung.

Es handelte sich um eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie. Insgesamt wurden 45 Patienten mit Kniearthrose aufgenommen, 43 beendeten beide Behandlungsphasen.

Die Teilnehmer erhielten acht Wochen lang entweder Placebo oder eine Kombination aus Bromelain, Trypsin und Rutosid. Nach einer vierwöchigen Auswaschphase wechselten sie zur jeweils anderen Behandlung.

Unter der Enzymkombination veränderten sich mehrere untersuchte Laborparameter:

  • Alpha-2-Makroglobulin stieg leicht an.
  • Das entzündungsregulierende Interleukin 10 nahm zu.
  • Ein Marker des Knorpelabbaus im Urin sank.
  • Die Unterbereiche Schmerz und Symptome des KOOS-Fragebogens verbesserten sich.

Der globale KOOS-Gesamtwert verbesserte sich jedoch nicht statistisch signifikant. Auch der Schmerzmittelverbrauch unterschied sich nicht überzeugend zwischen Enzymen und Placebo.

Die Autoren bezeichneten ihre Untersuchung selbst als explorative „Proof-of-Mechanism“-Studie. Eine statistische Korrektur für die zahlreichen Einzelvergleiche wurde nicht vorgenommen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne positive Ergebnisse zufällig zustande kommen.

Hinzu kommt: Die Studie und das Prüfpräparat wurden vollständig von Nestlé Health Science finanziert. Der Sponsor war an Studiendesign, Datenerhebung, Auswertung, Interpretation und Manuskripterstellung beteiligt. Mehrere Autoren arbeiteten für Nestlé Health Science.

Auch hier gilt: Das entwertet die Studie nicht vollständig. Es begrenzt aber den Glanz, mit dem solche Ergebnisse anschließend beworben werden.

Die Untersuchung liefert ein interessantes biologisches Signal. Sie beweist weder eine Heilung der Arthrose noch eine strukturelle Regeneration des Gelenkknorpels.

Zur Originalstudie: Orale Enzymkombination bei Kniearthrose – RMD Open 2025.

Lassen sich diese Studien auf Interzym übertragen?

Nur eingeschränkt.

Interzym enthält die in den Studien geprüften Bestandteile Bromelain, Trypsin und Rutin. Es enthält außerdem Papain, Pankreatin und Chymotrypsin.

Trotzdem können sich die Präparate in entscheidenden Punkten unterscheiden:

  • Enzymaktivität der einzelnen Bestandteile,
  • Verhältnis der Aktivitätseinheiten,
  • Rohstoffqualität,
  • Freisetzung im Dünndarm,
  • Herstellungsverfahren,
  • Stabilität und Lagerung.

Bei meiner Recherche fand ich keine überzeugende veröffentlichte randomisierte, placebokontrollierte Studie, in der das aktuelle Handelsprodukt Interzym selbst geprüft wurde.

Die seriöse Schlussfolgerung lautet daher:

  • Die Zusammensetzung ist pharmakologisch plausibel.
  • Teile der Kombination wurden klinisch untersucht.
  • Für Enzymkombinationen gibt es vor allem bei aktivierter Arthrose interessante Hinweise.
  • Ein produktspezifischer Wirksamkeitsnachweis für Interzym fehlt.

Wer unter Knie-, Hüft- oder anderen Gelenkbeschwerden leidet, sollte ein Enzympräparat ohnehin nicht als alleinige Arthrosetherapie betrachten. Bewegung, Muskelkraft, Gelenkmechanik, Ernährung, Körpergewicht und Entzündungsstoffwechsel bleiben entscheidend. Ausführlicher dazu lesen Sie meinen Beitrag über Arthrose und naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten.

Wie wird Interzym eingenommen?

Der Anbieter empfiehlt drei Mal täglich zwei bis vier Dragees. Das entspricht insgesamt sechs bis zwölf Dragees pro Tag.

Die Dragees sollen unzerkaut mit einem Glas Wasser etwa eine halbe bis eine Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen werden.

Der zeitliche Abstand zum Essen ist bei einer systemisch gedachten Enzymtherapie sinnvoll. Werden proteolytische Enzyme gemeinsam mit einer eiweißreichen Mahlzeit eingenommen, beschäftigen sie sich vorrangig mit der Verdauung der Nahrung.

Bei sechs Dragees täglich reicht eine Packung mit 1.000 Dragees ungefähr fünfeinhalb Monate. Bei zwölf Dragees täglich ist sie nach knapp drei Monaten verbraucht.

Eine eigenmächtige Steigerung nach dem Motto „viel hilft viel“ halte ich nicht für sinnvoll. Vor allem bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, Blutungsneigung oder anstehenden Eingriffen sollte die Anwendung vorher geklärt werden.

Wie lange sollte man Interzym einnehmen?

Der Hersteller empfiehlt eine langfristige Einnahme. Das ist aus Sicht eines Verkäufers nachvollziehbar. Therapeutisch sollte man genauer arbeiten.

Ich würde vor Beginn eines Einnahmeversuchs vier Fragen beantworten:

  1. Welches konkrete Beschwerdebild soll sich verbessern?
  2. Woran soll die Wirkung gemessen werden?
  3. Nach welchem Zeitraum wird Bilanz gezogen?
  4. Was geschieht, wenn keine erkennbare Wirkung eintritt?

Bei Gelenkbeschwerden können beispielsweise folgende Kriterien dokumentiert werden:

  • Schmerzstärke auf einer Skala von null bis zehn,
  • Morgensteifigkeit in Minuten,
  • Schwellung des betroffenen Gelenks,
  • Gehstrecke oder Belastbarkeit,
  • Bedarf an Schmerzmitteln,
  • Bewegungsumfang.

Ein Therapieversuch über sechs bis acht Wochen erscheint für viele chronische Beschwerden vernünftig. Zeigt sich keinerlei Veränderung, sollte man die Einnahme nicht aus Gewohnheit fortsetzen.

„Ich nehme es sicherheitshalber weiter“ ist keine Therapiestrategie. Es ist ein zuverlässiges Mittel, um teuren Urin zu produzieren.

Für wen ist Interzym nicht geeignet?

Der Anbieter rät von der Einnahme unter anderem in folgenden Situationen ab:

  • Überempfindlichkeit gegen Ananas oder Papaya,
  • Allergie gegen einen anderen Bestandteil,
  • Störungen der Blutgerinnung,
  • schwere Leber- oder Nierenschäden,
  • Schwangerschaft,
  • kurz vor oder nach einer Operation.

Besondere Vorsicht ist bei Medikamenten geboten, die die Blutgerinnung beeinflussen. Dazu gehören unter anderem:

  • Phenprocoumon und Warfarin,
  • Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban und Dabigatran,
  • Acetylsalicylsäure,
  • Clopidogrel und ähnliche Thrombozytenhemmer.

Das bedeutet keineswegs, dass es bei jeder Kombination zwangsläufig zu einer Blutung kommt. Die mögliche Wechselwirkung muss dennoch vorab geprüft werden.

Bei ungeklärten starken Schmerzen, plötzlichen Schwellungen, Rötung, Überwärmung, Fieber, Blutungen oder Verdacht auf eine Thrombose gehört zunächst die Ursache diagnostiziert. Ein Enzympräparat darf keine notwendige Untersuchung verzögern.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Für Interzym selbst liegen keine umfangreichen veröffentlichten Sicherheitsdaten aus großen klinischen Studien vor.

Von vergleichbaren proteolytischen Enzympräparaten sind vor allem folgende Beschwerden bekannt:

  • Völlegefühl,
  • Blähungen,
  • Übelkeit,
  • weicher Stuhl oder Durchfall,
  • Veränderung von Geruch oder Farbe des Stuhls,
  • Hautreaktionen,
  • allergische Reaktionen.

Menschen mit einer bekannten Ananas- oder Papayaallergie sollten besonders vorsichtig sein. Bei Atemnot, Kreislaufbeschwerden, Schwellungen im Gesicht oder einer ausgeprägten allergischen Reaktion ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.

In meinem Praxisalltag werden gut ausgewählte Enzympräparate meist ordentlich vertragen. Das darf allerdings nicht zu dem Irrtum führen, natürliche Enzyme seien grundsätzlich nebenwirkungsfrei.

Welche Hilfsstoffe stecken in Interzym?

Neben den Enzymen und Rutin nennt die Produktinformation unter anderem:

  • Saccharose,
  • Sorbitol,
  • Dicalciumphosphat,
  • Calciumcarbonat,
  • Schellack,
  • Gummi arabicum,
  • Siliciumdioxid,
  • Magnesiumsalze von Speisefettsäuren,
  • Talkum,
  • Karmin,
  • Eisenoxide,
  • Bienenwachs,
  • Carnaubawachs.

Die Werbeformulierung, Interzym enthalte hochaktive Enzyme „ohne andere zugesetzte Stoffe“, wirkt angesichts dieser Hilfsstoffliste zumindest missverständlich.

Das Präparat ist außerdem nicht vegan. Neben Bienenwachs und Karmin enthält es mehrere tierische Enzyme.

Menschen mit Unverträglichkeiten, Allergien, religiösen Speisevorschriften oder veganer Lebensweise sollten die vollständige Zutatenliste vor dem Kauf prüfen.

Was kostet Interzym?

Beim Abruf der Herstellerseite im August 2026 wurde die Packung mit 1.000 Dragees für 169,90 Euro angeboten, zuzüglich möglicher Versandkosten.

Bei sechs Dragees täglich entstehen reine Präparatekosten von ungefähr einem Euro pro Tag. Bei zwölf Dragees sind es etwa zwei Euro.

Enzyme in guter Qualität sind nicht billig. Der Preis allein ist trotzdem kein Qualitätsmerkmal. Vor dem Kauf sollten mindestens folgende Fragen beantwortet sein:

  • Werden die Enzymaktivitäten angegeben?
  • Ist das Präparat tatsächlich magensaftresistent?
  • Werden alle Bestandteile und Hilfsstoffe vollständig deklariert?
  • Gibt es nachvollziehbare Qualitätsprüfungen?
  • Existieren Studien zur konkreten Rezeptur?
  • Passt das Präparat überhaupt zum Beschwerdebild?

Meine Erfahrungen und Bewertung von Interzym

Interzym ist kein beliebiger Enzymcocktail aus dem Internet. Die Rezeptur lehnt sich sehr eng an das frühere Wobenzym N an. Mengenangaben und deklarierte Gesamtaktivität stimmen mit der alten N-Rezeptur überein.

Das ist ein klarer Pluspunkt.

Positiv bewerte ich:

  • das breite Spektrum proteolytischer Enzyme,
  • die Kombination pflanzlicher und tierischer Enzyme,
  • den magensaftresistenten Überzug,
  • die Angabe der proteolytischen Gesamtaktivität,
  • die enge Orientierung an der früheren Wobenzym-N-Rezeptur.

Kritisch sehe ich:

  • die nur begrenzte Übertragbarkeit der vorhandenen Enzymstudien,
  • die zahlreichen Hilfsstoffe,
  • den inzwischen deutlich gestiegenen Preis.

Nach allem, was sich derzeit feststellen lässt, halte ich Interzym für eines der interessantesten Präparate in diesem Bereich. Es besitzt eine nachvollziehbare Rezeptur und eine deklarierte Enzymaktivität. Beides ist mehr, als zahlreiche Konkurrenzprodukte bieten.

Die Bezeichnung „identisches Wobenzym N“ wäre dennoch fachlich zu großzügig. Identische Mengen auf zwei Etiketten ersetzen keine vergleichende Produktanalyse und keine klinische Prüfung.

Mein Fazit: Interzym entspricht der früheren Rezeptur des Wobenzym N auf dem Etikett außergewöhnlich genau. Die Forschung zu ähnlichen Enzymkombinationen liefert interessante Hinweise, vor allem bei entzündlich aktivierter Arthrose. Ein eigenständiger klinischer Wirksamkeitsnachweis für das aktuelle Produkt Interzym fehlt bislang.

Bei chronischen Schmerzen sollte ein Enzympräparat außerdem immer in ein Gesamtkonzept eingebettet werden. Weitere Möglichkeiten beschreibe ich in meinem Beitrag über akute und chronische Schmerzen.

Bei entzündlichen Gelenkbeschwerden können je nach Situation auch andere Bausteine interessant sein, etwa MSM oder eine gezielte Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren bei Arthritis und Gelenkentzündungen.

Häufige Fragen zu Interzym

Ist Interzym dasselbe wie das alte Wobenzym N?

Die deklarierten Hauptbestandteile, Mengen und die proteolytische Gesamtaktivität stimmen überein. Daraus folgt jedoch keine nachgewiesene vollständige Produktgleichheit. Rohstoffe, Herstellungsverfahren, Freisetzung und Qualitätskontrollen können sich unterscheiden.

Ist Interzym ein Arzneimittel?

Nein. Interzym wird als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Es besitzt daher keine behördlich zugelassenen medizinischen Anwendungsgebiete.

Sollte Interzym mit dem Essen eingenommen werden?

Der Anbieter empfiehlt die Einnahme etwa 30 bis 60 Minuten vor den Mahlzeiten. Für eine systemische Enzymtherapie wird grundsätzlich ein Abstand zum Essen angestrebt.

Ist Interzym vegan?

Nein. Das Präparat enthält tierische Enzyme sowie Bienenwachs und nach der veröffentlichten Zutatenliste auch Karmin.

Kann Interzym bei Arthrose helfen?

Für verwandte Kombinationen aus Bromelain, Trypsin und Rutosid gibt es Hinweise auf eine Verbesserung von Schmerzen und Funktion bei aktivierter Arthrose. Diese Ergebnisse lassen sich nur eingeschränkt auf das konkrete Produkt Interzym übertragen.

Kann Interzym zusammen mit Blutverdünnern eingenommen werden?

Das sollte vorher ärztlich oder pharmazeutisch geprüft werden. Proteolytische Enzyme können die Blutgerinnung beeinflussen. Dies ist besonders vor Operationen und bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Medikamente relevant.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle Untersuchung oder Behandlung. Insbesondere bei Blutgerinnungsstörungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft, schweren Organerkrankungen oder geplanten Operationen sollte die Einnahme vorher fachlich abgeklärt werden.

Dieser Beitrag wurde am 3.8.2026 von mir volltsändig überarbeitet.

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