Fast Makrobiotik - Was ist das eigentlich?
von: René Gräber -
Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Das Wort “Makrobiotik” beinhaltet die griechischen Worte „Makros =
groß“ und „Biotikos = das Leben betreffend.“ In gewisser Weise kann man die Makrobiotik als eine Form der Rohkost
betrachten, bei der Getreideprodukte oder Körner die Haupt- oder Grundnahrungsmittel darstellen. Diese werden
bereichert durch andere Nahrungsmittel wie Gemüse und Bohnen. In jedem Fall werden Fertiggerichte, Fastfood und
sonstige vorbehandelte, mit Konservierungsstoffen versehene Lebensmittel vermieden.
Aber die Makrobiotik zeigt nicht nur was man essen soll, sondern auch wie man essen soll. Sie
spricht sich gegen ein Übermaß an Nahrungsaufnahme aus und empfiehlt die aufgenommene Nahrung besonders gut zu
kauen. Viele Makrobiotiker sind der Überzeugung, dass ihre Form der Ernährung in der Lage ist, Krebs vorzubeugen
oder sogar zu heilen. Diese Aussagen, gleichgültig, ob berechtigt oder auch nicht, sind ein Dorn im Auge der
Vertreter der klassischen Schulmedizin, die den Wahrheitsgehalt kategorisch ablehnen - und sie tun das genau
den Vorurteilen, die sie den Makrobiotikern vorwerfen. Dazu mehr ein wenig später. . .
Etwas Geschichte vor der Krebsgeschichte
Wie das Wort es schon verrät, Makrobiotik kommt aus Griechenland und ist auf Hippokrates zurückzuführen. Er
benutzte dieses Wort, um die Leute zu beschreiben, die ein langes und gesundes Leben führten. Andere Klassiker, wie
Galen, Herodotus und Aristoteles, bezeichneten mit diesem Wort einen Lebensstil, der eine ausgewogene
Ernährungsform beinhaltete, die Leben und Gesundheit förderte.
In der Moderne war es der deutsche Arzt Christoph Wilhelm Hufeland, der diesen Begriff wieder einführte. In
seinem Buch aus dem Jahr 1797, „Makrobiotik, die Kunst das menschliche Leben zu verlängern,“ benutzt er das Wort,
um Ernährung und Gesundheit in einen ursächlichen Zusammenhang zu bringen. Für Hufeland war die Makrobiotik eine
Form der medizinischen Philosophie, die sich auf einer höheren Ebene befand als der übliche kurative, präventive
und symptomatische Gebrauch der Medizin. Für ihn war die beste Form der Medizin die Prävention, und die wurde nur
durch eine richtige Ernährung und einen geeigneten Lebensstil gewährleistet. Für ihn waren die Schlüsselworte für
die Makrobiotik Gesundheit, Nahrung, Energie und Lebenskraft. Alle diese Begriffe waren in der Philosophie der
Makrobiotik miteinander verwoben und bedingten einander. In diesem Sinne können wir Hufeland als den Begründer der
modernen Makrobiotik bezeichnen.
George Ohsawa wird in vielen Kreisen als der Begründer der neuzeitlichen Makrobiotik betrachtet. Allerdings
verriet einer seiner Schüler, Tomio Kikuchi, dass Ohsawa die Werke Hufelands aufmerksam studiert hatte und einen
großen Teil seiner Ideen direkt von Hufeland übernommen hatte. Er selbst war in seiner frühen Jugend von einem
japanischen Naturarzt, Dr. Sagen Ishizuka, von Tuberkulose geheilt worden. Grundlage der Therapie von Dr. Ishizuka
war eine Diät, die der der Makrobiotik stark ähnelte. Beeindruckt vom Heilungserfolg des eigenen Körpers widmete
sich Ohsawa fortan der Entwicklung von Diäten, die die Gesundheit und die Lebenserwartung der Menschen
verbesserten. Bei diesen Bemühungen standen die Ideen von Hufeland Pate. Aber auch die Ernährungsformen von alten
Kulturen, wie die der Chinesen und Inkas, die im Ruf von Langlebigkeit standen, fanden Berücksichtigung in seinem
Konzept.
Philosophisches
Makrobiotikern wird nachgesagt, dass sie glauben, dass Nahrung und deren Qualität einen entscheidenden Einfluss
auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Glückseeligkeit hat und dass eine makrobiotische Diät allen anderen in
diesem Sinne überlegen ist. Ein Ziel der Makrobiotik ist, dass der Benutzer mit der Zeit ein Gefühl entwickelt für
die Effekte der eingenommenen Nahrung auf den eigenen Organismus. Von daher werden Regulationen und Normwerte
bestenfalls als „Krücken“ aufgefasst, die helfen können, diese Sensitivität zu entwickeln. Im fortgeschrittenem
Stadium ist der Makrobiotiker in der Lage, intuitiv seine Ernährungslage und Gesundheitsstatus zu bestimmen und mit
den geeigneten Nahrungsmitteln zu erhalten.
Die Nahrungspalette der Makrobiotik umfasst Körnermüslis, Getreideprodukte, Gemüse aller Art, Hülsenfrüchte,
Seetang oder Algen, fermentierte Sojaprodukte, Fisch, Samen, Nüsse, brauner Reis, Obst und Früchte. Diese werden zu
einer Mahlzeit zusammengestellt, die den Prinzipien des Yin und Yang entsprechen. Dieses Prinzip, das aus dem
Taoismus kommt, beschreibt die Balance zwischen Zuständen gegensätzlicher Natur, wie Tag und Nacht, hell und
dunkel, trocken und nass, Mann und Frau etc. In der makrobiotischen Philosophie hat auch die Nahrung beide
Elemente, die es gilt, ausgewogen in sich aufzunehmen, um keinen nachhaltigen Schaden zu erleiden. So sind
Lebensmittel mit Yang-Charakter kompakt, dicht, schwer, heiß etc. Die Lebensmittel mit Yin-Charakter sind locker,
leicht, kalt, und dunkel. Diese Qualitäten sind aber in Relation zu den einzelnen Lebensmitteln zu sehen, die ihren
Charakter in der Kombination mit anderen Lebensmitteln offenbaren. Brauner Reis und andere Getreideprodukte, wie
Gerste, Hirse, Hafer, Quinoa, Dinkel, Roggen und Teff werden von den Makrobiotikern als die Nahrungsmittel
angesehen, die der Balance von Yin und Yang am nahesten kommen. Nachtschattengewächse wie Tomaten, Pfeffer,
Kartoffeln, Auberginen, Spinat, Avocado und Rüben werden nicht befürwortet und kommen höchst spärlich zum Einsatz,
weil sie als extrem Yin-lastig betrachtet werden.
Eine makrobiotisch fundierte Ernährungsweise kann dann so aussehen: 40 bis 60 Prozent gut gekaute
Getreideprodukte, besonders brauner Reis; 25 bis 30 Prozent Gemüse; 5 bis 10 Prozent Bohnen und Hülsenfrüchte; 5
Prozent Miso Suppe; 5 Prozent Seegemüse; 5 bis 10 Prozent traditionelle oder natürlich produzierte Speisen. Fisch
und Meeresfrüchte, Samen und Nüsse, Süßstoffe, Früchte, Würzmittel etc. sollten nicht mehr als 2 oder 3 mal die
Woche benutzt werden. Tierische Produkte von natürlich gezüchteten Tieren können mit einbezogen werden, wenn ein
individuelles Bedürfnis danach besteht.
Kochen nach Kalender
Im Frühjahr wird empfohlen, Nahrung mit einer leichten Qualität zu kochen. Wilde Pflanzen, Samen, leicht
fermentierte Kost, Getreideprodukte und frisches Grün sind zu bevorzugen. Auch der Kochstil soll leicht sein.
Dämpfen oder kochen für nur kurze Zeit werden empfohlen.
Im Sommer soll die Nahrung ebenfalls leicht sein. Grün mit großen Blättern, Mais, Früchte und Kürbis sind gut
für die Jahreszeit. Auch der Kochstil ist leicht wie im Frühjahr. Die Betonung liegt aber jetzt auf Rohkost als
Basis der Ernährung und leichten Getreidesorten, wie Bulgur-Weizen und Gerste.
Im Herbst kommt dann mehr die Nahrung mit konzentrierter Qualität zum Zug: Wurzeln, Bohnen, Zerealien,
Winterkürbis, kompaktere Getreidesorten, wie süßer Reis, Hirse und Mochi-Reiskuchen.
Im Winter dann wird eine stark konzentrierte Nahrung propagiert: runde Gemüse, Gurken, Wurzelgemüse, mehr Miso,
Sojasoßen, Öl und Salz, gebratener Reis, Hirse, Buchweizen etc.
Wer ist Yin und wer ist Yang?
In der Makrobiotik werden folgenden Nahrungsmitteln eine Überstimulation und damit extremen Yin-Einfluss
zugesprochen, die den Körper auslaugen können: Zucker, Alkohol, Honig, Kaffee, Schokolade, Mehl, scharfe Gewürze,
Medikamente, Chemikalien und Konservierungsstoffe, kommerziell angebotene Milch, Yoghurt und Weichkäse, Pflanzenöle
mit minderer Qualität.
Die folgenden Nahrungsmittel werden als konzentriert, schwer und dicht bezeichnet. Sie sind für Stagnation
verantwortlich und haben starken Yang-Charakter. Sie stärken zwar, führen aber bei übermäßigem Konsum zur
Stagnation: Geflügel, Fleisch, Eier, Salz.
Die Nahrungsmittel, die ausbalanciert sind, sind Getreide, Gemüse, Bohnen, Meerespflanzen, Früchte, Nüsse und
Samen. Von daher nehmen sie einen zentralen Stellenwert in der makrobiotischen Ernährung ein.
Japan und die Langlebigkeit
Die makrobiotische Ernährungsweise ist in Japan relativ populär. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass mit
Ohwasa, Kikuchi und Ishizuka drei Japaner nahezu zeitgleich die makrobiotische Lehre in alle Welt verbreiteten.
Japan gilt als das Land in der Welt, in der die ältesten Menschen leben. Auch hier behaupten die Makrobiotiker,
dass die besondere japanische Kost, die mehr oder weniger viele Elemente der Makrobiotik enthält, für dieses
Phänomen Ausschlag gebend ist. Wenn wir die Maßstäbe der medizinischen Wissenschaften als Grundlage dieser
Einschätzung nehmen, dann kann man einen statistischen Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen nicht
leugnen.
Krebs und Makrobiotik
Bei der Betrachtung der "kritischen" Auseinandersetzung der schulmedizinischen Wissenschaft mit den
alternativen Methoden hat man oft das Gefühl, dass schon zu Beginn der Untersuchungen das Ergebnis eigentlich schon
feststeht. Die Untersuchung selbst ist dann nur noch der Form halber anzuhängen. So lehnt die Schulmedizin
prinzipiell die Makrobiotik als eine Therapieform und als eine Form der Prävention ab.
Studien und Untersuchungen zur Makrobiotik
zum Beispiel:
Obige Arbeiten präsentieren sich in PubMed
sogar ohne Abstract, so dass ihre Beweisführung nicht einsichtig ist. Andere wissenschaftliche Veröffentlichungen
sehen diese Ernährungsform deutlich differenzierter (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6755520).
Krey und seine Mitarbeiter sehen keinen schädlichen Einfluss durch die Ernährung, wenn bestimmte Regeln beachtet
werden. Weitzmann und Mitarbeiter lehnen den Gedanken, dass eine mikrobiotische Ernährung Krebserkrankungen heilen
können strikt ab. Sie konstatieren aber, dass im prophylaktischen Bereich eine solche Ernährung einen günstigen
Einfluss auf die Verhinderung von einigen Krebsformen, wie Brust- und Prostatakrebs, gezeigt haben. Berrino und
Mitarbeiter schließen sich dieser Beobachtung an (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17261760).
Sie sehen in der modernen Ernährung einen gewichtigen Faktor für das Entstehen von Insulinresistenzen,
Übergewicht, hohen Plasmaspiegel von verschiedenen Wachstumshormonen und metabolischen Entgleisungen. Die wiederum
begünstigen die Entwicklung speziell von Brustkrebs. Ihr Fazit lautet, dass eine makrobiotische Ernährungsform
diese oben erwähnten Risikofaktoren nicht fördert und damit indirekt eine brustkrebspräventive Potenz zu haben
scheint. Die Arbeit von Kushi und Mitarbeiter schließt sich dieser Beobachtung an (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11694648).
Allerdings fügt er bemerkenswerterweise noch hinzu, dass es in diesem Bereich praktisch kaum verwertbare Studien
gibt. Das heißt in letzter Konsequenz, dass wir mit der Wirksamkeit von makrobiotischer Kost auf Krebs und anderen
Erkrankungen nur auf Vermutungen und Ableitungen angewiesen sind. Und es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass in
dieser Richtung nur sehr wenige Wissenschaftler forschen wollen, denn positive Effekte von bestimmten
Ernährungsformen wissenschaftlich gesichert darstellen zu können, würde der synthetischen Konkurrenz der
Medikamente einen unliebsamen Wettbewerber an die Seite stellen. Wenn Kushi also Recht hat, dass es praktisch keine
aussagekräftigen Studien zu diesem Thema gibt, wo nimmt dann die Schulmedizin ihre Sicherheit her, behaupten zu
können, dass das alles unwirksam sein und nichts als unwissenschaftlicher Geisterglaube? Könnte es sein, dass die
Schulmedizin, wie ich eingangs schon vermutete, die Vorurteile gegen die Makrobiotik und jede alternative Form der
Medizin und Ernährung auffährt, die sie so gerne ihren Gegnern andichtet?
Andere Untersuchungen über Ernährung und Krebs sind wie folgt:
Fazit: Heute hat die etablierte medizinische Wissenschaft keinerlei Interesse, natürliche
Wege der Prävention und Therapie zu erforschen und mit in ihr Therapieschema einzubeziehen. Statt dessen werden
tautologische Verfahren angewandt, um den eigenen Standpunkt zu „beweisen.“ Aufgrund der fehlenden
wissenschaftlichen Untersuchungen zu der Frage, ob Makrobiotik medizinisch relevant ist in irgend einer Form, kann
man nicht automatisch den Schluss ableiten, sie sei vollkommen unwirksam.
Auf der anderen Seite ist es aus dem gleichen Grunde problematisch zu behaupten, dass die Makrobiotik
Krebserkrankungen heilen oder verhindern kann. Beim augenblicklichen Status der Forschung in diesem Gebiet sind wir
nur auf Vermutungen oder Einzelfalldarstellungen angewiesen.
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