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Die Entgiftung der Leber

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Bei der Leberentgiftung, bzw. der Entgiftung der Leber gibt es einiges zu beachten. Betrachten wir zunächst einmal die verschiedenen Phasen dieser „Detoxikation“.

Die Phasen der Entgiftung: Biochemische und physiologische Grundlagen

Stoffwechselvorgänge erzeugen immer „Schlacken“, Giftstoffe und sogar freie Radikale, die der Organismus entsorgen muss. Die Leber hat hier eine zentrale Bedeutung, da sie die chemische Fabrik des Organismus ist und den biochemischen Abbau dieser Substanzen bewirkt. Dieser Vorgang wird „Biotransformation“ genannt.

Hierbei werden nicht ausscheidbare Stoffe in Ausscheidbare umgewandelt, die dann in der Folge zu den Ausscheidungsorganen transportiert und dort „entsorgt“ werden. Die Biotransformation läuft in 2 Phasen ab.

In Phase I erfolgt die Umwandlungsreaktion, bei der funktionelle Gruppen, wie -OH- und -SH-Gruppen, an wasserunlösliche (unpolare) Substanzen angeheftet werden. Phase II, die Konjugationsreaktion, verbindet diese Moleküle dann mit wasserlöslichen Molekülen. Dieser Vorgang erlaubt dann den Transport im Blut zu den Nieren, Lunge, Haut und teilweise zur Galle, wo die konjugierten Substanzen ausgeschieden werden.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass es für den Organismus die Unterteilung in giftig oder ungiftig nicht gibt. Vielmehr beruht die Biotransformation auf einem System von Enzymen, die eine gering entwickelte Substratspezifität haben. Statt dessen sind die Enzyme der Entgiftung gruppenspezifisch. Das bedeutet: Ein Enzym „bearbeitet“ nicht nur Ethanol, sondern auch ähnliche Alkohole wie Methanol und Propanol.

Die Gruppenspezifität der Entgiftungs-Enzyme bedeutet, dass diese Enzyme „auf alles schießen, was sich bewegt“, ohne dabei einen Unterschied zwischen „nützlich“ oder „schädlich“ zu machen.

Damit ist sichergestellt, dass für uns giftige Substanzen eliminiert werden, schnell und sicher, ohne dass noch umständliche Identifizierungsprozesse erst einmal ablaufen müssen.

Solche Identifizierungsprozesse, wie beim Immunsystem z.B., würden die Sache verkomplizieren und verlangsamen, ein möglicherweise letztlich unnützer Prozess, weil er erst dann einsetzen würde, wenn es schon zu spät ist. Der Nachteil dieses großen Vorteils ist, dass die geringe Spezifität auch Substanzen umwandelt, die nützlich sind und sogar neutrale Substanzen in giftige umwandeln kann. So werden eine Reihe von Medikamenten in biologisch inaktiver Form aufgenommen. Erst durch die Biotransformation kommt es dann zu einer Aktivierung des Medikaments.

Phase I

Wie bereits erwähnt werden hier die funktionellen Gruppen (-OH, -SH usw.) in die zu eliminierenden Substanzen eingefügt. Dies erfolgt über verschiedene enzymatische Reaktionen ohne Substanzspezifität.

  • 1. Oxidation: Diese Enzyme sind Monooxygenasen, die zum Cytochrom P-450-System gehören und die Substanzen oxidieren. Andere oxidative Enzyme sind Alkohol-Dehydrogenasen, die Alkohol zu Aldehyd oxidieren und Aldehyd-Dehydrogenasen, die diese Aldehyde weiter zu Carbonsäuren oxidieren. Weitere Enzyme sind die Peroxidasen, die Amine, aromatische Kohlenwasserstoffe etc. oxidieren.
  • 2. Reduktion: Diese Reaktion wird durch das Cytochrom P-450 katalysiert. Bei der Reduktion werden Elektronen auf das Substrat (hier das "Gift") übertragen.
  • 3. Hydrolyse: Hier spielen Hydrolasen und Esterasen eine entscheidende Rolle. Hydrolasen sind Enzyme, die Substanzen mit Hilfe von Wasser spalten können. Esterasen sind spezielle Hydrolasen, die Ester hydrolytisch in Alkohol und Säure aufspalten können. Esterasen, die Fette spalten können, werden Lipasen genannt. Und phosphatspaltende Esterasen sind die Phosphatasen. Nukleasen spalten Nukleinsäuren.

Phase II

In dieser Phase werden die „aufbereiteten“ Substanzen an wasserlösliche Stoffe gebunden. Dies macht die Substanzen wasserlöslich und damit transportabel. Die Konjugationsreaktion bewirkt oft auch eine weitere Entgiftung der Ursprungssubstanz, da durch die Veränderung der Konfiguration auch eine Veränderung der biologischen (giftigen) Aktivität eintritt. Einmal wasserlöslich, kann die Substanz über die Nieren, den Schweiß und die Atmung ausgeschieden werden. Es ist aber auch möglich, dass diese Konjugate noch weiter verstoffwechselt werden, bevor sie dann endgültig eliminiert werden. Bei wasserlöslichen Substanzen kann die Phase I umgangen werden, so dass sie sofort konjugiert werden können.

Für die Konjugationsreaktion kommen eine Reihe von Substanzen in Frage:

  • Die Glucuronsäure. Hier werden Steroide, Phenolringe und Bilirubin konjugiert.
  • Die Konjugation mit Schwefelsäure bindet vornehmlich Steroidhormone.
  • Die Konjugation mit Acyl- und Acetylresten baut hauptsächlich Sulfonamide (Antibiotika), Hydralazin, Isoniazid, Coffein und bauähnliche Substanzen ab.
  • Eine Konjugation mit Aminosäuren baut Fremdsäuren ab.
  • Die Konjugation mit Methylgruppen bindet Katecholamine, Phenole, Thiole.
  • Die Konjugation mit Glutathion (GSH) spielt für eine große Zahl an Substanzen eine Rolle, nicht zuletzt, da Glutathion ebenfalls ein wichtiges Antioxidans ist.

Phase III

Diese Phase besteht in dem Transport aus der Zelle hin zu den Ausscheidungsorganen, wie Niere, Lunge, Haut, Galle usw. Dieser Transport ist ebenfalls komplizierten biochemischen Mechanismen unterworfen.

Die Phase 1 und Phase 2 müssen im Gleichgewicht ablaufen, da sonst der Körper nicht richtig entgiftet. Durch Laboranalyse und Gentest erkennt der Arzt oder Heilpraktiker, wie ein Patient entgiftet werden muss.

Dies ist (je nach genetischer Veranlagung) von Mensch zu Mensch verschieden. Daher ist diese Laboranalyse und ein Gentest auch erforderlich.

Probleme während der Entgiftung: Freie Radikale und fehlendes Substrat

Radikale sind Atome oder Moleküle im menschlichen Körper, die entstehen, sowie  im Körper eine biochemische Reaktion abläuft. Im normalen Stoffwechselweg reagieren diese Moleküle sofort „weiter“ mit anderen Molekülen. Genau das ist ja auch das Ziel einer kontrollierten Reaktionskette. Freie Radikale jedoch, wie sie während der Entgiftung entstehen, reagieren unkontrolliert und sind daher aggressiv. Sie können aber auch durch äußere Einflüsse entstehen. Diese freien Radikalen nun werden für viele Krankheiten wie Krebs oder Arteriosklerose verantwortlich gemacht.

Deshalb benötigt der Körper in dieser Zeit höheren Schutz, stärkere Abwehrmechanismen, vermehrt Antioxidantien, die auch „Radikalfänger“ genannt werden. Beispiele sind Vitamin C und Vitamin E, B-Vitamine, Betakarotin, Selen und Gluthathion. Glutathion eliminiert nicht nur freie Radikale, sondern ist auch in der Phase II der Entgiftung ein wichtiger Faktor. Das Molekül muss in ausreichender Zahl als wasserlösliches Substrat zur Verfügung stehen. Das Tripeptid kann daher die Phase I und II unterstützen und hat damit eine doppelte Funktion. Glutathion ist in einigen Nahrungsergänzungs-Präparaten enthalten. Das hier früher entgegengehaltene Argument, das „Mini-Eiweiß“ würde im Darm verdaut, wird heute relativiert. Zwar findet ein Abbau zu einem Dipeptid statt (Abspaltung einer Aminosäure), jedoch kommt es wahrscheinlich im Körper schnell zur Resynthese (Wiederherstellung).    

Vitamin E unterbricht die schädliche Kettenreaktion, die freie Radikale im Körper anrichten. Vitamin C baut verbrauchtes Vitamin E wieder auf. Gluthathion verhindert die Zellschädigung.

Bei einseitiger Ernährung, durch minderwertige Lebensmittel oder eine Dauereinnahme von Medikamenten, zum Beispiel Antibiotika kommt es im Körper zu einem Vitaminmangel. Vitamine sind Coenzyme und müssen für eine effektive Entgiftung ausreichend vorhanden sein, und zwar sowohl in der Phase I und Phase II. Problematisch ist auch ein Defizit an Spurenelementen, die als Metall-Ionen im katalytischen Zentrum der Enzyme eine funktionelle Bedeutung haben. Eine optimale Mineral-Versorgung während der Entgiftung unterstützt daher ebenfalls die ersten beiden Phasen der Entgiftung.

Einige Pestizide können die Cytochrome P-450 blockieren und so die Phase I empfindlich stören. Daher ist es ratsam, während einer Entgiftungskur nur biologisch erzeugte Lebensmittel zu verzehren.   

In der Phase II der Entgiftungskur müssen die wasserlöslichen Bindungspartner in optimalen Konzentrationen vorliegen. Hier ist beispielsweise eine ausreichende Sulfat-Versorgung wichtig. Dazu wird manchmal in Apfelsaft gelöstes Glaubersalz (Natriumsulfat) empfohlen (Vorsicht: stark abführend!), obwohl es nicht zur „eigentlichen“ Entgiftungs-Maßnahme zählt. In der Homöopathie gilt Glaubersalz in der Verdünnung D6 als Mittel zur Entgiftungsförderung (Schüssler-Salze).

Wichtig für die Phase II ist aber auch eine Reihe von organischen Substanzen. Unterstützend wirkt hier eine Ernährung, die reich an Glucuronsäure, Glycin, Cystein, Inisotol und Cholin ist (Glutathion wurde oben schon erwähnt). Enthalten sind die Wirkstoffe in allen Kohlsorten und Eiern. Lauchgewächse wie Zwiebeln und Knoblauch liefern diese Wirkstoffe ebenfalls und dazu noch Schwefelverbindungen, die ja in die gleiche Richtung wirken. Phase III fördern Sie durch die Aufnahme größerer Mengen Flüssigkeit als Sie es normalerweise gewöhnt sind. Wasser trinken Sie bitte nur abgekocht, um Mikroben abzutöten. Deren Aktivität belastet die Leber zusätzlich mit Bakterien-Toxinen. Auch Lebensmittel sollten daher möglichst „steril“ sein.

Es ist also auf jeden Fall sinnvoll, mit einem Vitalstoff-Experten zu besprechen,

  • wie hoch die tägliche Vitamindosis, der
  • Anteil der Spurenelemente und die
  • Ernährung gestaltet sein sollte, um alle zur Konjugation (Phase II) erforderlichen
  • Substrate zu liefern.

Nur so können alle Prozesse der Leberentgiftung optimal unterstützt werden. Die individuelle Verstoffwechselungsrate kann durch die Messung der Effektivität Ihrer Phase I und Phase II-Aktivität festgestellt werden. Daran wird sich eine sinnvolle, persönlich auf Sie abgestimmte Entgiftungskur orientieren.

um alle Prozesse der Leberentgiftung optimal zu unterstützen.

Denn: eine Vitalstoff-Unterversorgung bedeutet nicht nur, dass die Entgiftung langsamer voranschreitet, sondern es kann dann auch zu einer verstärkten Schädigung der Leberzellen kommen.

Die biologische Lebertherapie - von René Gräber

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.09.2016 aktualisiert


   
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