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Algen für die Gesundheit?

Wie gesund sind Algen eigentlich? Und wenn sie "gesund" sind, welche Algen denn genau? In diesem Beitrag versuche ich, einen kurzen Überblick zu geben ...

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Frage, wie gesund Algen für uns sind, lässt sich so einfach nicht beantworten. Das hat vor allem einen Grund: Unter dem Begriff „Alge“ werden Tausende Lebensformen zusammengefasst, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben.

Die "Verwirrung", die hinter diesem Begriff steht, hatte ich bereits im Beitrag Heilkraft aus dem Meer: Algen kurz angesprochen.

Der Begriff "Algen" kann bestenfalls eine populärwissenschaftliche Bezeichnung sein, für eine riesige, vielfältige Gruppe von eukaryontischen Organismen (das sind Lebewesen, die einen Zellkern in ihren Körperzellen haben). Miteinander verwandt sind die meisten von ihnen nicht. Daher ist es schwer, überhaupt von „den Algen“ zu sprechen, egal ob es um Gesundheit geht oder nicht. Ein bisschen differenzierter muss es also schon sein.

Bekannt sind heute rund 80.000 Algenarten, es ist aber davon auszugehen, dass es noch deutlich mehr gibt: etwa 400.000, schätzen Forscher. Die Organismen, die unter die eher vage Bezeichnung „Algen“ fallen, können winzige Einzeller sein, wie zum Beispiel Chlorella vulgaris, aber auch riesige mehrzellige „Gebilde“ wie der Riesentang, der bis zu 50 Meter lang werden kann.

Die meisten Formen leben im Wasser und sind autotroph. Das heißt, sie sind in der Lage, ihren Nahrungsbedarf über anorganische Stoffe zu decken. Die Photosynthese ist so ein Vorgang, den viele „Algen“ betreiben. Diese Art der Ernährung haben sie mit den Pflanzen gemeinsam, aber deshalb müssen die Algen nicht unbedingt zu den Pflanzen gezählt werden. Dafür fehlen ihnen nämlich andere wichtige Schlüsselstrukturen, die für eine Pflanze typisch sind.

Die komplexeste Meeresalge ist der Seetang. Sein Süßwasser-Pendant sind die Charophyta, wie zum Beispiel die Armleuchteralgen oder Schmuckalgen.  

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In der wissenschaftlichen Einordnung gibt es keine allgemein akzeptierte Definition. Die taxonomischen Eigenschaften (also die Eigenschaften, die zum wissenschaftlichen „Sortieren“ oder Klassifizieren gebraucht werden) der einzelnen Mitglieder, die allgemein als „Alge“ gelten, ist zu unterschiedlich. Dies beginnt bei der einfachen Tatsache, dass es einzellige und vielzellige „Algen“ gibt, die sich taxonomisch nur unter bestimmten Bedingungen vereinen lassen.

Die Tatsache, dass viele „Algen“ Photosynthese betreiben, lässt die Vermutung zu, dass es sich hier um Pflanzen oder pflanzenähnliche Lebewesen handelt. Aber um eine Pflanze zu sein, braucht es mehr als nur die Photosynthese. Das, was man als „Alge“ bezeichnet, umfasst im Wesentlichen nur eukaryontische Vertreter, also Lebewesen mit Zellkern in den Zellen. Es besteht die Ansicht, alle prokaryontischen Vertreter (also Zellen ohne deutlich abgetrennten Zellkern) auszuschließen, wie zum Beispiel die Blaualgen. Spirulina ist so eine Blaualge, die aber laut Definition ein Prokaryont ist und damit zur Domäne der Bakterien gehört. Aber obwohl Spirulina und viele andere Lebewesen keine Algen oder Pflanzen sind, betreiben sie Photosynthese. Umgangssprachlich werden die „Blau-Algen“ natürlich weiterhin zu den Algen gezählt, was die Verwirrung noch vergrößert.

Das, was wir heute als „Algen“ im Rahmen der Nahrungsergänzungsmittel bezeichnen, ist somit nicht immer das, was auf der Verpackung steht. Damit dürfte auch klar sein, dass sich die Frage, ob Algen gesund sind, so pauschal nicht beantworten lässt. Für einzelne Vertreter lässt sich aber durchaus eine Aussage treffen.

Algen als Lebensmittel

Von den 80.000 bekannten Algenarten werden etwa 160 Arten industriell genutzt, vor allem als Nahrungsmittel. Algen im engeren oder weiteren Sinne werden vor allem in Ostasien als Lebensmittel verzehrt. Bekannt sind zum Beispiel die Nori-Blätter, die für die Herstellung von Sushi verwendet werden.

Die Verwendung ist aber deutlich vielfältiger: Algen werden als Gewürz oder Tee verwendet, in Essig eingelegt, gebraten, gedämpft, gekocht, zu Salaten verarbeitet oder getrocknet als Snack gegessen. Zum Einsatz kommen die verschiedensten Algensorten, vor allem aber der Seetang in seinen verschiedenen Ausprägungen.

Aber nicht nur in Asien werden Algen gegessen, auch mitten in Europa haben sie Tradition: „Laver Bread“, ein Brot mit Algenbestandteilen, ist traditioneller Teil der walisischen Küche. Mit der Verbreitung von vegetarischer und veganer Ernährung steigt auch die Bedeutung bestimmter Algenprodukte: Agar-Agar, eine Art pflanzlicher Gelatine, wird aus den Zellwänden von Algen hergestellt.

Die wichtigsten Algen für unsere Gesundheit ...

Die wichtigsten sogenannten Algen für unsere Gesundheit sind meiner Meinung nach die Chlorella vulgaris und Spirulina.

Chlorella-Algen leben im Süßwasser und sind kaum größer als unsere roten Blutkörperchen. Sie betreiben intensive Photosynthese und sind durch das dafür nötige Chlorophyll grün gefärbt. In der Alternativmedizin ist Chlorella vor allem als Entgiftungsmittel bekannt und wird zum Beispiel zum Ausleiten von Schwermetallen eingesetzt (wichtig unter anderem bei einer Amalgam-Entfernung).

Zusätzlich enthält Chlorella relativ viele Proteine (fast 60 %) und damit mehr als doppelt so viel wie Fleisch und locker das Vierfache von Eiern. Dazu kommen noch zahlreiche verschiedene Mineralstoffe, Vitamine und essenzielle Aminosäuren. Besonders auffällig ist außerdem der sehr hohe Gehalt an Chlorophyll, das für unsere Gesundheit von  Bedeutung ist.

Durch diese Inhaltsstoffe ist Chlorella nicht nur eine wichtige Ergänzung zu unserer Ernährung, sondern kann auch blutdrucksenkend wirken, den Immunstatus verbessern und die Wundheilung beschleunigen. Und für alle Menschen die Abnehmen wollen, halte ich die Algen als unterstützendes Mittel für geeignet. Dazu hatte ich auch im Beitrag: Algen helfen beim Abnehmen, etwas mehr geschrieben.

Auch für Schwangere scheint diese Alge sehr nützlich zu sein. Sie kann Schwangerschaftshypertonien und Anämien verhindern, vermutlich aufgrund des hohen Gehalts an Eisen, Vitamin B12 und Eisen.

Das Problem bei Chlorella: Die Zellwände sind sehr dick, was die Aufnahme der Inhaltsstoffe schwierig macht. Daher ist es empfehlenswert, sich nach einem Chlorella-Produkt umzuschauen, bei dem die Zellwände mechanisch aufgebrochen wurden. Dadurch wird der Zellinhalt garantiert freigesetzt und ist für die Resorption verfügbar.

Gleichzeitig haben die aufgebrochenen Zellwände, die nicht resorbiert werden können und über den Stuhl ausgeschieden werden, noch zwei weitere Vorteile gegenüber den intakten Zellwänden: Erstens dienen die leichter zugänglichen Strukturen im Innern der Zellwände als „Futter“ für die Darmbakterien; und zweitens können die aufgebrochenen Strukturen viel mehr Toxine aus dem Magen-Darm-Trakt binden, als dies bei intakten Zellwänden der Fall wäre.

Spirulina als zweite bekannte „Nahrungsergänzungs-Alge“ ist mit der Chlorella nicht verwandt. Während Chlorella zu den Pflanzen zählt, ist Spirulina ein Cyanobakterium. Die „Blau-Algen“, zu denen Spirulina gehört, sind einfach aufgebaut und haben keine feste Zellmembran. Dadurch kann der Körper diese leichter aufbrechen und die Inhaltsstoffe verwerten. Und die haben es in sich: Spirulina enthält zwar nicht so viel Chlorophyll wie Chlorella, die Menge kann sich aber trotzdem sehen lassen.

Dafür stellt sie alle acht essenziellen Aminosäuren bereit, während Chlorella „nur“ sieben schafft. Der Proteingehalt ist mit 70 % sogar noch höher als der von Chlorella, und auch die Liste der Mineralstoffe und Vitamine kann sich sehen lassen. In verschiedenen Studien hat sich gezeigt, dass Spirulina Anämien verhindern, Vergiftungen beseitigen und bei bestimmten Krebsbehandlungen das Herz schützen kann. Durch ihre vielen wertvollen Inhaltsstoffe kann sie außerdem ernährungsbedingte Gesundheitsprobleme korrigieren und sogar chronische Krankheiten verbessern.

Fazit

Es ist nicht immer Alge drin, wo Alge draufsteht.

Der Begriff Alge ist bestenfalls populärwissenschaftlich und klassifiziert beziehungsweise beschreibt in keinster Weise eine charakteristische Lebensform. Dafür sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen „Algen“ untereinander zu groß.

Um hier zu einer vernünftigen „Charakterisierung“ zu gelangen, muss man die einzelnen Mitglieder jedes für sich unter die Lupe nehmen und beschreiben. Die Taxonomie jedenfalls hat bis heute für viele Mitglieder, die als „Algen“ angesprochen werden, noch keine gültige Klassifizierung vornehmen können.

Einige der Lebensformen, die unter den Sammelbegriff „Alge“ fallen, können gewaltige Vorteile für unsere Gesundheit mit sich bringen. Die bekanntesten sind Chlorella und Spirulina. Aber es gibt noch viele weitere nützliche und gesundheitsfördernde Algen.

Algen-Arten und Gattungen:

Afa Algen - Blasentang - Blaugrüne Algen - Chlorella Algen - Chlorella vulgaris - Chlorella Pyrenoidosa - Kelp Algen - Klamath Algen - Kombu Algen - Nori Algen - Spirulina Algen - Wakame Algen

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 4.5.2016 aktualisiert

Bilder von fotolia: algen_fotolia_Foot_of_Jetty