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Jiaogulan – Kraut der Unsterblichkeit? Fakten & Wirkungen

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Heilpflanze Jiaogulan, botanisch Gynostemma pentaphyllum, ist bei uns vor allem als Tee im Handel. Ebenso als Kapseln, Getränk oder Pflanzensamen zum Aussäen ist die Pflanze aus China zu haben. Während sie in ihrer Heimat auch als Salat oder gekocht verzehrt wird, darf sie in der EU jedoch derzeit nicht als Lebensmittel angeboten werden.

In der traditionellen chinesischen Medizin wurde die gesundheitsfördernde Wirkung von Jiaogulan erst spät entdeckt, da das Kürbisgewächs zunächst nur in bestimmten Regionen Südchinas sowie Nordvietnams bekannt war. Heute ist Jiaogulan neben Ginseng als Pflanze der Hundertjährigen bekannt, da sie unter anderem reichlich Antioxidantien enthält.

Jiaogulan - Das Kraut der Unsterblichkeit
Abb1: Hier eine Aufnahme des "Krauts der Unsterblichkeit" aus dem Botanischen Garten in Kiel. Die Pflanze in der Abbildung ist noch relativ klein und jung.

Kann die Heilpflanze tatsächlich einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden leisten und die Lebensqualität bis ins hohe Alter erhalten? Sogar das Leben verlängern?

Auch die Wissenschaft hat solche Fragen gestellt und die Wirkung von Jiaogulan erforscht. Dabei wurde vor allem der Effekt der Pflanze als Antioxidanz sowie auf das Herz-Kreislauf-System und Stoffwechselstörungen untersucht. Viele der Ergebnisse sind zwar erst vorläufig und benötigen weitere Studien, doch zeigen sich einige gesundheitsfördernde Aspekte bereits deutlich. Zudem gibt es bislang noch keine Berichte über Unverträglichkeitsreaktionen. Daher könnten Tee, Kapseln oder flüssige Extrakte von Gynostemma pentaphyllum tatsächlich vielen Menschen zu mehr Wohlbefinden verhelfen.

Doch welche Wirkungen wurden bisher wissenschaftlich belegt?

Der traditionelle Tee aus Jiaogulan, den man auch hierzulande kaufen kann, soll die Immunreaktion des Körpers verbessern. Tatsächlich ist genau dieser Effekt bereits im Tierversuch gezeigt worden.
2007 hat man Mäusen Extrakte aus der Heilpflanze gespritzt.

Anschließend konnte bei den Tieren ein erhöhter Level an Antikörpern und Zytokinen nachgewiesen werden. Die Forscher vermuten, dass die Wirkstoffe der Pflanze T- und B-Zellen aktivieren.
(Huang et al., 2007, Journal of the Pharmaceutical Society of Japan, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17473531)

Die im Tee enthaltenen Polysaccharide stimulieren zudem die Makrophagen sowie den Tumornekrose-Faktor Alpha. Die entsprechende Studie belegt außerdem, dass die Jiaogulan-Polysaccharide das Wachstum von Darmtumorzellen hemmen. Dies allerdings fand alles im Reagenzglas statt. (Yang et al., 2008, Journal of Agricultural and Food Chemistry, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18636735)

Im Tiermodell konnte der Verzehr der Pflanze bei Mäusen Keimzellen vor dem Zelltod durch Zellgift bewahren. (Yuan et al., 2010, Toxicology Mechanisms and Methods, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20163293)

Andere, unerwünschte Zellen dagegen erleiden grade durch einen alkoholischen Extrakt aus Gynostemma pentaphyllum den Zelltod. So zum Beispiel Tumorzellen. Im Zellversuch sterben die Tumorzellen durch die Gabe des Extrakts ab.

Die Forscher vermuten, dass dabei durch Jiaogulan der Level an Wasserstoffperoxid speziell in den Tumorzellen bis zur tödlichen Konzentration ansteigt, indem der Extrakt der Heilpflanze das Enzym Superoxid-Dismutase stimuliert. Sie schlagen daher die weitere Erforschung des Pflanzenextrakts gezielt für die Krebsvorbeugung und -therapie vor. (Schild et al., 2010, Phytomedicine, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20106643)

Patienten mit Stoffwechselerkrankungen könnten ebenfalls von der asiatischen Heilpflanze profitieren. Bereits 2004 entdeckten schwedische Forscher einen Wirkstoff in Gynostemma pentaphyllum, der in Ratten die Glukosetoleranz wie auch den Insulinlevel bei Hyperglykämie erhöhte. Der neuentdeckte Stoff bekam den Namen Phanosid und könnte in Zukunft Diabetikern helfen, ihren Blutzuckerspiegel zu regulieren. (Norberg et al., 2004, Journal of Biological Chemistry, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15220351)

2008 konnte die positive Wirkung bestätigt werden. Koreanische Forscher gaben Mäusen den Ethanolauszug von Jiaogulan als Nahrungsergänzung und fanden anschließend, dass der Blutzuckerspiegel der Tiere dadurch sank. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Wirkstoffe der Heilpflanze die am Zuckerstoffwechsel beteiligten Enzyme aktivieren. (Yeo et al., 2008, Journal of Medicinal Food, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19053864)

Durch solche Studienergebnisse ermutigt, konzentrierten sich Forscher auf den möglichen Einsatz des Heilpflanzenextraktes bei Patienten, die an Diabetes leiden. 2010 wurde die Wirkung des Jiaogulan-Tees zum ersten Mal in einer wissenschaftlichen Studie direkt an Menschen untersucht, die eine Typ II-Diabetes haben. Die Teilnehmer tranken zwölf Wochen lang täglich Tee aus sechs Gramm der Pflanze. Wieder zeigte sich, dass die Heilpflanze in der Lage ist, die Glukose- und Insulinsensitivität zu erhöhen und daher ein gutes, verträgliches Mittel ist, das bei Diabetes hilft. Kein Patient erlitt während des Versuchs Unverträglichkeitsreaktionen. (Huyen et al., 2010, Hormone and Metabolic Research, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20213586)

Die Werbung für Jiaogulan-Präparate verspricht zudem, dass deren Einnahme die Blutfettwerte positiv beeinflusst. Bereits 2005 konnte wissenschaftlich belegt werden, dass die Gabe von Gynostemma pentaphyllum bei Ratten mit erhöhten Fettwerten den Level an Cholesterin, Triglyceriden sowie Nitrit senkt. Der Mechanismus dafür ist jedoch noch unbekannt.
(Megalli et al., 2005, Journal of Pharmacy & Pharmaceutical Sciences, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16401396)

Kurz darauf wurden diese Ergebnisse untermauert sowie der positive Effekt auf den Zuckerstoffwechsel gezeigt, als dieselbe Forschergruppe zeigen konnte, dass der Pflanzenextrakt bei übergewichtigen Ratten die Glukosetoleranz erhöht und die Blutfettwerte signifikant senkt.
(Megalli et al., 2006, Journal of Pharmacy & Pharmaceutical Sciences, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17207412).
Bei den normalgewichtigen Ratten im Experiment blieb der Effekt allerdings aus.

Im Jahr 2006 wurde der Pflanzenextrakt in Taiwan an 56 Patienten mit Fettleber ohne Alkoholismus getestet. Dabei stellten die Mediziner fest, dass die Einnahme des Extrakts die Insulinwerte und den BMI deutlich verbessert. Daher wird in der Studie vorgeschlagen, Jiaogulan als Begleittherapie bei Fettleber einzusetzen. (Chou et al., 2006, Alternative Therapies in Health and Medicine, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16708768)

Die bisherigen Forschungsergebnisse stimmen positiv und es verwundert nicht, dass Jiaogulan es in China zum Konkurrenz Nummer Eins des traditionellen Ginsengs geschafft hat. Es spricht nichts dagegen, die Heilpflanze als Tee oder Extrakt einzunehmen, um das eigene Wohlbefinden zu stärken. Doch unterschiedliche Verfahren bei der Extrahierung bringen ebenso unterschiedliche Präparate hervor, was die chemische Zusammensetzung der Wirkstoffe angeht. (Xie et al., 2010, Journal of Agricultural and Food Chemistry, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20939605)

Da die Produkte keine Medikamente, sondern als Nahrungsmittelergänzung gelten, können sie in Qualität und Wirksamkeit daher sehr variieren. Man sollte sich stets die Begleitinformationen genau durchlesen und möglicherweise verschiedene Anbieter ausprobieren, wenn man das für sich perfekt passende Präparat sucht.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 02.08.2012 aktualisiert