Nahrungsergänzungsmittel
Jiaogulan – Kraut der Unsterblichkeit
Fakten & Wirkungen
Die Heilpflanze Jiaogulan, botanisch Gynostemma pentaphyllum, ist bei uns vor allem als Tee im Handel. Ebenso
als Kapseln, Getränk oder Pflanzensamen zum Aussäen ist die Pflanze aus China zu haben. Während sie in ihrer Heimat
auch als Salat oder gekocht verzehrt wird, darf sie in der EU jedoch derzeit nicht als Lebensmittel angeboten
werden.
In der traditionellen chinesischen Medizin wurde die gesundheitsfördernde Wirkung von Jiaogulan erst spät entdeckt,
da das Kürbisgewächs zunächst nur in bestimmten Regionen Südchinas sowie Nordvietnams bekannt war. Heute ist
Jiaogulan neben Ginseng als Pflanze der Hundertjährigen bekannt, da sie unter anderem reichlich Antioxidantien
enthält.
Kann die Heilpflanze tatsächlich einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden leisten und die Lebensqualität bis ins
hohe Alter erhalten? Sogar das Leben verlängern? Auch die Wissenschaft hat solche Fragen gestellt und die Wirkung
von Jiaogulan erforscht. Dabei wurde vor allem der Effekt der Pflanze als Antioxidanz sowie auf das
Herz-Kreislauf-System und Stoffwechselstörungen untersucht. Viele der Ergebnisse sind zwar erst vorläufig und
benötigen weitere Studien, doch zeigen sich einige gesundheitsfördernde Aspekte bereits deutlich. Zudem gibt es
bislang noch keine Berichte über Unverträglichkeitsreaktionen. Daher könnten Tee, Kapseln oder flüssige Extrakte
von Gynostemma pentaphyllum tatsächlich vielen Menschen zu mehr Wohlbefinden verhelfen.
 Doch welche Wirkungen wurden bisher wissenschaftlich
belegt?
Der traditionelle Tee aus Jiaogulan, den man auch hierzulande kaufen kann, soll die Immunreaktion des Körpers
verbessern. Tatsächlich ist genau dieser Effekt bereits im Tierversuch gezeigt worden.
2007 hat man Mäusen Extrakte aus der Heilpflanze gespritzt.
Anschließend konnte bei den Tieren ein erhöhter Level an Antikörpern und Zytokinen nachgewiesen werden. Die
Forscher vermuten, dass die Wirkstoffe der Pflanze T- und B-Zellen aktivieren.
(Huang et al., 2007, Journal of the Pharmaceutical Society of Japan,
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17473531)
Die im Tee enthaltenen Polysaccharide stimulieren zudem die Makrophagen sowie den Tumornekrose-Faktor
Alpha. Die entsprechende Studie belegt außerdem, dass die Jiaogulan-Polysaccharide das Wachstum von Darmtumorzellen
hemmen. Dies allerdings fand alles im Reagenzglas statt.
(Yang et al., 2008, Journal of Agricultural and Food Chemistry,
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18636735)
Im Tiermodell konnte der Verzehr der Pflanze bei Mäusen Keimzellen vor dem Zelltod durch Zellgift bewahren.
(Yuan et al., 2010, Toxicology Mechanisms and Methods, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20163293)
Andere, unerwünschte Zellen dagegen erleiden grade durch einen alkoholischen Extrakt aus Gynostemma pentaphyllum
den Zelltod. So zum Beispiel Tumorzellen. Im Zellversuch sterben die Tumorzellen durch die Gabe des Extrakts
ab.
Die Forscher vermuten, dass dabei durch Jiaogulan der Level an Wasserstoffperoxid speziell in den Tumorzellen bis
zur tödlichen Konzentration ansteigt, indem der Extrakt der Heilpflanze das Enzym Superoxid-Dismutase stimuliert.
Sie schlagen daher die weitere Erforschung des Pflanzenextrakts gezielt für die Krebsvorbeugung und -therapie
vor.
(Schild et al., 2010, Phytomedicine, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20106643)
Patienten mit Stoffwechselerkrankungen könnten ebenfalls von der asiatischen Heilpflanze profitieren. Bereits
2004 entdeckten schwedische Forscher einen Wirkstoff in Gynostemma pentaphyllum, der in Ratten die Glukosetoleranz
wie auch den Insulinlevel bei Hyperglykämie erhöhte. Der neuentdeckte Stoff bekam den Namen Phanosid und könnte in
Zukunft Diabetikern helfen, ihren Blutzuckerspiegel zu regulieren.
(Norberg et al., 2004, Journal of Biological Chemistry, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15220351)
2008 konnte die positive Wirkung bestätigt werden. Koreanische Forscher gaben Mäusen den Ethanolauszug von
Jiaogulan als Nahrungsergänzung und fanden anschließend, dass der Blutzuckerspiegel der Tiere dadurch sank. Die
Wissenschaftler vermuten, dass die Wirkstoffe der Heilpflanze die am Zuckerstoffwechsel beteiligten Enzyme
aktivieren.
(Yeo et al., 2008, Journal of Medicinal Food, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19053864)
Durch solche Studienergebnisse ermutigt, konzentrierten sich Forscher auf den möglichen Einsatz des
Heilpflanzenextraktes bei Patienten, die an Diabetes leiden. 2010 wurde die Wirkung des Jiaogulan-Tees zum ersten
Mal in einer wissenschaftlichen Studie direkt an Menschen untersucht, die eine Typ II-Diabetes haben. Die
Teilnehmer tranken zwölf Wochen lang täglich Tee aus sechs Gramm der Pflanze. Wieder zeigte sich, dass die
Heilpflanze in der Lage ist, die Glukose- und Insulinsensitivität zu erhöhen und daher ein gutes, verträgliches
Mittel ist, das bei Diabetes hilft. Kein Patient erlitt während des Versuchs Unverträglichkeitsreaktionen.
(Huyen et al., 2010, Hormone and Metabolic Research, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20213586)
Die Werbung für Jiaogulan-Präparate verspricht zudem, dass deren Einnahme die Blutfettwerte positiv beeinflusst.
Bereits 2005 konnte wissenschaftlich belegt werden, dass die Gabe von Gynostemma pentaphyllum bei Ratten mit
erhöhten Fettwerten den Level an Cholesterin, Triglyceriden sowie Nitrit senkt. Der Mechanismus dafür ist jedoch noch
unbekannt.
(Megalli et al., 2005, Journal of Pharmacy & Pharmaceutical
Sciences, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16401396)
Kurz darauf wurden diese Ergebnisse untermauert sowie der positive Effekt auf den Zuckerstoffwechsel gezeigt, als
dieselbe Forschergruppe zeigen konnte, dass der Pflanzenextrakt bei übergewichtigen Ratten die Glukosetoleranz
erhöht und die Blutfettwerte signifikant senkt.
(Megalli et al., 2006, Journal of Pharmacy & Pharmaceutical
Sciences, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17207412)
Bei den normalgewichtigen Ratten im Experiment blieb der Effekt allerdings aus.
Im Jahr 2006 wurde der Pflanzenextrakt in Taiwan an 56 Patienten mit Fettleber ohne Alkoholismus getestet. Dabei
stellten die Mediziner fest, dass die Einnahme des Extrakts die Insulinwerte und den BMI deutlich verbessert. Daher
wird in der Studie vorgeschlagen, Jiaogulan als Begleittherapie bei Fettleber einzusetzen.
(Chou et al., 2006, Alternative Therapies in Health and Medicine,
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16708768)
Die bisherigen Forschungsergebnisse stimmen positiv und es verwundert nicht, dass Jiaogulan es in China zum
Konkurrenz Nummer Eins des traditionellen Ginsengs geschafft hat. Es spricht nichts dagegen, die Heilpflanze als
Tee oder Extrakt einzunehmen, um das eigene Wohlbefinden zu stärken. Doch unterschiedliche Verfahren bei der
Extrahierung bringen ebenso unterschiedliche Präparate hervor, was die chemische Zusammensetzung der Wirkstoffe
angeht.
(Xie et al., 2010, Journal of Agricultural and Food Chemistry,
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20939605)
Da die Produkte keine Medikamente, sondern Nahrungsergänzungen sind, können sie in Qualität und Wirksamkeit daher
sehr variieren. Man sollte sich stets die Begleitinformationen genau durchlesen und möglicherweise verschiedene
Anbieter ausprobieren, wenn man das für sich perfekt passende Präparat sucht.

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