Japanische Wissenschaftler zeigen neue Vorzüge des Fastens

Paar beim Wandern (Freude)

Die „alten Vorzüge“ des Fastens hatte ich in einer Reihe von Beiträgen charakterisiert. Hier eine begrenzte Auswahl dafür:

Einen kompletten Überblick über den Stand von Klinik und Wissenschaft im Zusammenhang mit dem Fasten habe ich in meinem Buch „Der Fastenplan mit Fasten und Heilfasten Anleitung“ veröffentlicht.

Im Januar 2019 veröffentlichten japanische Wissenschaftler besonders interessante und neue Aspekte[i] zum Fasten. Es ging nicht nur, aber auch um die Frage, ob man mithilfe des Fastens vielleicht doch abnehmen kann? Ich hatte dazu auch einen Beitrag[ii] verfasst, der dieses Ansinnen etwas kritisch sieht.

Immerhin gibt es dem berühmten „Jojo Effekt“[iii], der sich nach dem Fasten als Strategie zur Gewichtsreduktion sehr häufig einstellt und die verlorenen Pfunde schnell wieder zurückbringt. Das ist natürlich kein Problem des Fastens, sondern ein Problem der Ernährungsgewohnheiten, die man nach dem Fasten wieder an den Tag legt. Denn jedes Fasten muss einmal zu Ende gehen. Und dann ist es wichtig, nicht wieder die gleichen Fehler der Vergangenheit zu begehen.

Was können wir aus Japan lernen?

Beim Fasten verlieren wir an Gewicht, nicht zuletzt weil die Kalorienzufuhr signifikant abnimmt. Der Organismus muss dann während der Fastenzeit auf seine Reserven zurückgreifen und dabei „Material und Reserven“ angreifen.

Die neuen Erkenntnisse aus Japan wollen beobachtet haben, dass das Fasten das Gegenteil dessen bewirkt, was man vermuten würde: Ein Organismus, der fastet, sollte eigentlich auf seinen Kalorienhaushalt bedacht sein und anfangen, die Kalorienverwertung herabzuregulieren, also zu „sparen“.

Aber es scheint das Gegenteil zu erfolgen. Fasten erhöht die metabolischen Aktivitäten. Und es werden weitere Aktivitäten und „Fasten-Produkte“ erhöht, von denen einige in dem Ruf stehen, Alterungseffekte abzubremsen.

Die japanischen Wissenschaftler des Okinawa Instituts für Wissenschaft und Technologie (OIST) und der Universität von Kyoto identifizierten 30 Substanzen, die zuvor im Zusammenhang mit dem Fasten unbekannt waren, und die während des Fastens deutlich anstiegen und mit einigen Vorzügen für die Gesundheit verbunden sind.

In einer Stellungnahme ließen die Wissenschaftler verlautbaren, dass sie seit vielen Jahren Alterungseffekte und Metabolismus studierten und über diese Schiene unbekannte Gesundheitseffekte beim Menschen durch das Fasten ins Auge fassen. Dabei stellten sie überraschend fest, dass, im Gegensatz zur ursprünglichen Erwartung, das Fasten die metabolischen Aktivitäten des Organismus aktiviert statt verlangsamt.

In ihrer Studie vom Januar 2019 untersuchten die Wissenschaftler Faktoren im Blut, dessen Plasma und rote Blutzellen von vier fastenden Probanden. Dabei beobachteten die Wissenschaftler die sich verändernden Konzentrationen an Metaboliten, die Resultat der biochemischen Prozesse während des Fastens sind, mit denen der fastende Organismus seine Energieversorgung sichert.

Hierbei identifizierten sie 44 Metabolite, von denen 30 Metabolite entdeckt wurden, die bislang in keinem Zusammenhang mit dem Fasten gesehen worden waren. Zudem zeigte sich, dass die Erhöhung dieser Metabolite signifikant war, nämlich um den Faktor 1,5-60 innerhalb des Zeitraums von 58 Stunden nach Fastenbeginn.

In früheren Studien konnte gezeigt werden, dass verschiedene Metabolite mit zunehmendem Alter abzunehmen scheinen. Drei der bekanntesten sind Leucin, Isoleucin und Ophthalminsäure. Beim Fasten jedoch zeigte sich eine signifikante Erhöhung der Konzentration der drei genannten Substanzen.

Dies ließ die Wissenschaftler zu der Vermutung kommen, dass die Erhöhung dieser Substanzen im Zusammenhang mit einer möglichen lebensverlängernden Wirksamkeit steht. Denn diese sehr wichtigen Metabolite, so die Wissenschaftler, seien besonders wichtig für die Gesundheit von Muskulatur und antioxidativen Aktivitäten, was die verjüngenden Effekte bewirkt.

Genau dieser Effekt wurde erstmals in dieser Arbeit beschrieben und war bislang in dieser Form nicht bekannt.

Metaboliten als Schlüssel für Wirkmechanismen und Gesundheitseffekte

Der menschliche Organismus verbraucht Kohlenhydrate, sofern vorhanden, besonders schnell. Deshalb können Kohlenhydrate Energie schnell liefern. Ohne Kohlenhydrate ist der Organismus darauf angewiesen, alternative Energiereserven zum Einsatz zu bringen.

Diese Aktivierung der alternativen Energiereserven produziert „Spuren“ (wie bei einem Tatort). Und diese „Spuren“ sind unter anderem die bereits angesprochenen Metabolite, besonders Butyrate (Salze der Buttersäure), Carnitin und verzweigtkettige Aminosäuren (zu denen die bereits erwähnten Leucin und Isoleucin gehören). Diese Metabolite gehören zu den „Spuren“, die während des Fastens besonders stark ansteigen.

Aber das Fasten scheint über die alternative Energieversorgung hinaus weitere Vorteile zu schaffen. Bei den umfassenden Blutanalysen sahen die Wissenschaftler, dass ein allgemeiner Anstieg von Substanzen zu verzeichnen war, die aus dem Zitronensäurezyklus hervorgingen.

Dieser Zyklus ist wichtiger Bestandteil der Energiegewinnung in den Mitochondrien. Dies kann als Hinweis gewertet werden, dass beim Fasten die metabolischen Aktivitäten eher zu- als abnehmen.

Gleichzeitig stellten die Wissenschaftler fest, dass während des Fastens der Metabolismus von Purinen und Pyrimidinen zunahm. Diese Substanzen spielen eine zentrale Rolle bei der Expression von Genen und bei der Proteinbiosynthese.

Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass das Fasten den Organismus dazu bewegt, den zeitlichen Ablauf der Synthese und welche Proteine synthetisiert werden zu verändern. Diese Veränderungen des zeitlichen Verlaufs und Art der produzierten Proteine dienen zu einer besseren Homöostase innerhalb der Zellen und/oder einer verbesserten Genexpression als Antwort auf Umwelteinflüsse. Eine vergleichbare Aktivität hatte ich in einem meiner Beiträge für Substanzen mit adaptogenen Eigenschaften beschrieben[iv].

Bei der Metabolisierung von Purinen und Pyrimidinen kommt es gleichzeitig zu einer verstärkten Produktion von Antioxidantien[v] im Organismus. Eine Reihe von Antioxidantien, zum Beispiel Ergothionein und Carnosin, zeigten eine signifikante Zunahme während der 58-stündigen Fastenperiode.

Für Ergothionein ist dieser Befund besonders überraschend, da diese nicht-biogene Aminosäure nicht vom Organismus hergestellt werden kann[vi]. Diese Aminosäure ist eine der potentesten Antioxidantien (vergleichbar mit Glutathion) und am häufigsten in Pilzen, besonders in Heilpilzen wie Ganoderma lucidum[vii], zu finden.

Wie sehen die neuen Erkenntnisse über das Fasten jetzt aus?

Die Autoren gehen davon aus, dass die Erhöhung des antioxidativen Potenzials durch das Fasten das Hauptaugenmerk darstellt. Denn die Kalorienreduktion, je stärker desto ausgeprägter, kommt mit einer potenziell gefährlichen Erhöhung von oxidativen Prozessen innerhalb des Organismus einher.

Diese Untersuchung zeigte erstmalig, dass die Erhöhung von Antioxidantien als ein Biomarker für das Fasten angesehen werden muss. Zusätzlich zeigte diese Studie erstmals, dass das Fasten die Produktion von verschiedenen altersabhängigen Metaboliten aktiviert/verbessert, die in jungen Menschen mehr als ausreichend vorkommen, im Alter jedoch deutlich abnehmen.

Ich hatte auch in einigen meiner Fastenbeiträge darauf hingewiesen, dass das Fasten die einzige belegte Form ist, für die es einen wissenschaftlichen Nachweis der Lebensverlängerung gibt[viii] [ix] [x].

Fazit

Und die vorliegende Arbeit gibt jetzt eine Reihe von weiteren Hinweisen, dass die „Hypothese“ (um es vorsichtig auszudrücken) der lebensverlängernden Wirksamkeit des Fastens immer mehr an Gewicht und Plausibilität gewinnt.

Fazit vom Fazit: Wie könnte eine potenziell lebensverlängernde Maßnahme wirksam sein, ohne gleichzeitig zentrale Parameter bei der Erhaltung der Gesundheit zu verbessern.

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Quellen:

[i]      Diverse metabolic reactions activated during 58-hr fasting are revealed by non-targeted metabolomic analysis of human blood | Scientific Reports

[ii]     Fasten und Abnehmen?

[iii]   Fasten als Diät?

[iv]    Adaptogene: Anwendung, Wirkung und Nutzen » Vitalstoffmedizin

[v]     Was sind Antioxidantien?

[vi]    Heilpilze – Studien, Wirkungen und Nebenwirkungen

[vii]  Ganoderma lucidum

[viii] Intermittierendes Fasten – Erfahrungen aus der Naturheilpraxis

[ix]    Fasten und Heilfasten

[x]     Fasten bei Krebs – Erstaunliche Erkenntnisse

Beitragsbild: 123rf.com – Evgeny Atamanenko

Dieser Beitrag wurde am 08.04.2021 erstellt.

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