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Symbioselenkung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Symbioselenkung ist allgemein eher unter dem Begriff Darmsanierung bekannt. Symbiose bedeutet Koexistenz. Damit ist das Zusammenleben unseres Körpers mit den lebenswichtigen Bakterien gemeint. Als Symbioselenkung bezeichnet man eine Therapie, mit der die Symbionten (Darmbakterien) im Darm günstig beeinflusst werden.

Die meisten merken von dieser Symbiose überhaupt nichts. Genausowenig wie Ihnen das Atmen bewusst ist, ist Ihnen die Tätigkeit der helfenden Bakterien in ihrem Darm bewusst. Erst wenn es mit der Verdauung nicht mehr richtig "funktioniert", beginnen sich einige darüber Gedanken zu machen.

Dabei können die Darmstörungen vielfältig sein:

Aber auch manifeste Krankheiten wie Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa und Darmkrebs gehen mit einer Störung der Darmflora einher.

Ein optimaler Beginn für eine Darmheilung ist das Fasten. Damit wird die gestörte und gereizte Darmflora beruhigt und vom Stress befreit. Ein Einlauf und / oder Glaubersalz zu Beginn einer Fastenkur sorgt dafür, dass Nahrungsmittelreste vollständig ausgeschieden werden. Sieht man sich die Literatur und die Meinungen, die zum Beispiel in Foren des Internets geäußert werden an, so gibt es alleine zum Thema Einlauf und Glaubersalz bzw. Bittersalz enorme Unstimmigkeiten...

Nach dem Fasten sollte man dem Darm zu einem optimalen Start verhelfen.

Im Rahmen einer Symbioselenkung werden dem Darm "von außen" lebenswichtige Bakterien-Kulturen (in der Apotheke erhältlich) als Tabletten oder Tropfen zugeführt, z. B. das „Bifidum Bakterium Longum“ oder der „Lactobacillus Acidophilus“.

Mit mehrwöchigen Kuren kann sich die geschädigte / beeinträchtigte Darmflora auf diese Weise wieder erneuern. Hierzu empfehle ich aber einen Experten zu konsultieren, der sich damit auskennt und gezielt Präparate empfehlen kann.

In leichteren Fällen wird eine ballaststoffreiche Ernährung über eine längere Zeit genügen (Vollkornprodukte, reichlich Obst und Gemüse, Müsli und Leinsamen). Ballaststoffreiche Nahrung zieht allerdings auch die Notwendigkeit der Aufnahme von größeren Mengen an Flüssigkeit nach sich.

In gewissem Maße kann man aber auch den Aufbau der gestörten Darmflora durch regelmäßigen Verzehr von normalem oder probiotischem Joghurt und milchsauer vergorenen Gemüsesäften anregen - die Werbung vermittelt uns dies ja seit einigen Jahren eindringlich: Actimel und Yakult von Danone sind ja täglich im Fernsehen zu sehen. Ich rate von diesen Joghurtsorten aber eher ab.

Dagegen erzielen (meiner Erfahrung nach), die Brotsäurebakterien des klassischen Brottrunks eine gute Wirkung, den der deutsche Bäckermeister Wilhelm Kanne vor über 30 Jahren aus dem russischen Kwass-Getränk entwickelt hat. Viele Ärzte und Wissenschaftler bestätigen heute, dass die Brotsäurebakterien im Brottrunk einen guten Stamm der Milchsäure-Bakterien ausmachen.

Diese Bakterien unterstützen auch eine gestörte Darmflora beim Wiederaufbau. Darum ist es auch sinnvoll, den Brottrunk regelmäßig bei einem Gewichtabnahme-Programm als begleitendes Getränk mit einzubeziehen. In diesem Fall trinkt man jeden Tag Brottrunk.

Für eine Symbioselenkung mit Brottrunk gibt es 3 Möglichkeiten:

1. Entweder trinkt man 3-mal täglich 1/4 Liter Brottrunk pur oder

2. mischt ihn zur Hälfte mit Wasser (wem der Brottrunk pur zu sauer schmeckt).

3. Sehr schmackhaft und erfrischend ist folgende Mischung: 1/8 Liter Brottrunk, 1/16 Liter Wasser, 1/16 Liter naturtrüber Apfelsaft.

Andere therapeutische Möglichkeiten der Symbioselenkung

Über den Brottrunk hinaus stehen eine Reihe von Alternativen zur Verfügung, die als handelsübliche mikrobiologische Arzneimittel zu haben sind. Sie werden sogar in der „Roten Liste“ geführt unter einer Reihe von verschiedenen Kategorien. Dies sind z. B. die Kategorien „Antiallergika“, „Dermatika“, Gynäkologika“, „Immunmodulatoren“, „Magen-Darm-Mittel“, „Umstimmungsmittel“ und „Urologika“ mit den entsprechend unterschiedlichen Anwendungsgebieten.

Ebenso sind die Applikationsformen für diese Präparate unterschiedlich. Es gibt oral, intramuskulär, intravenös, perkutan, intranasal, intravesikulär und intravaginal applizierbare Präparate. Es ist offensichtlich, dass nicht alle diese mikrobiologischen Präparate sich für den „Hausgebrauch“ eignen, sondern eine Reihe von ihnen nur von Alternativmedizinern eingesetzt werden sollte.

Aus der Kategorisierung geht zudem hervor, dass nicht alle diese Präparate sich für eine Symbioselenkung des Darms eignen. Aber nicht nur unser Darm ist mit nützlichen Bakterien besiedelt. Auch Haut und Schleimhäute weisen Bakterienkulturen auf, die für die Funktionsweise der Häute und Schleimhäute eine entscheidende Rolle spielen. Von daher ist der Begriff „mikrobiologische Therapie“, wie die Symbioselenkung auch genannt wird, nicht nur auf die Darmflora beschränkt, sondern wesentlich umfassender. In unserem Fall würde eine Ausweitung der Diskussion über den Darm hinaus den Rahmen sprengen. Von daher möchte ich mich auch weiterhin auf die Darmflora konzentrieren.

Auswahl der Präparate zur Symbioselenkung

Eine der wichtigsten Wirkprinzipien der mikrobiologischen Präparate liegt in der Beeinflussung des Immunsystems. Wie diese Beeinflussung aussieht, habe ich unter Darmsanierung - Humbug oder wertvoll für die Gesundheit? beschrieben. Im Vordergrund stehen hier die unspezifischen immunologischen Effekte, die in der Regel für alle mikrobiologischen Präparate gelten. Von daher sind die angebotenen Präparate und deren Wirkung vergleichbar. Unterschiede bestehen jedoch in der Immunogenität, die den Grad bzw. die Stärke der Immunantwort bestimmt.

Mykobakterien z. B. sind die Mikroorganismen mit dem stärksten antigenen Immunreizen, gefolgt von Escherichia coli, Enterobacteriaceae und Saccharomyces sp. Enterokokken bewirken eine etwas schwächere Immunreaktion, gefolgt von Bifidobakterien und Laktobazillen.

Präparate, die intakte Keime enthalten oder intakte Zellwandbestandteile der Keime, haben eine deutlich stärkere Immunogenität als die, die nur Stoffwechselprodukte der Keime enthalten. Von daher ist die Immunogenität eines Präparats nicht abhängig von der Lebensfähigkeit der eingesetzten Keime. Die stärkste antigene Potenz haben intakte Zellwände, da sie die eigentlichen Antigene in Form von Rezeptoren auf ihren Membranen tragen. Aus einschlägigen Studien wissen wir, dass es praktisch keinen Unterschied macht, ob ich nun einen aktiven und intakten Keim benutze oder nur seine intakte „Hülle“, obwohl der Mikroorganismus biologisch gesehen tot ist.

Unter der Berücksichtigung dieser Aspekte sollte bei der Auswahl eines Präparats auf folgende Gesichtspunkte geachtet werden:

  • Die Wahl eines Präparats sollte sich an der Reaktionslage des Patienten orientieren.
  • Bei allergischen Patienten sind zunächst schwächer wirksame Immunogene zu empfehlen.
  • Im Falle einer erhöhten Infektionsanfälligkeit oder wenn die momentan eingesetzten Präparate trotz klarer Indikationslage nicht ansprechen, dann ist der Einsatz von stärkeren Antigenen angezeigt.
  • Im Falle einer zu starken, überschießenden Reaktion kann entweder die Dosis vermindert werden oder auf ein schwächeres Immunogen umgestiegen werden oder beides.

Überreaktion nach Gabe von mikrobiologischen Präparaten?

Im Artikel Darmsanierung - Humbug oder wertvoll für die Gesundheit, beschreibe ich das Konzept der Immunmodulation bei gleichzeitiger Unterdrückung der Allergieneigung durch probiotische Präparate. Damit ist bei oraler Einnahme solcher Präparate eine überschießende Reaktion als sehr unwahrscheinlich anzusehen. Anders sieht es jedoch bei anderen Applikationsformen aus, z. B. einer parenteralen Gabe (meist durch Injektionen).

Hier sind besonders bei Allergikern Empfindlichkeitsreaktionen möglich, da die protektiven Maßnahmen im Darm, wie sie bei einer oralen Aufnahme zum Tragen kommen, vollkommen umgangen werden. Von daher sollten solche Patienten nach einer parenteralen Gabe von mikrobiologischen Präparaten für eine gewisse Zeit, meist reichen 30 Minuten, unter Beobachtung bleiben. Obwohl die oralen Präparate diese Maßnahmen nicht erforderlich machen, können, besonders bei E. coli und Saccharomyces sp., bei etwas empfindlicheren Patienten Blähungen und leichte Bauchschmerzen auftreten.

Auch hier helfen Dosisminderung und/oder der Umstieg auf schwächer wirksame Immunogene. Beim Vorliegen einer Hefeallergie jedoch ist beim Einsatz von Saccharomyces-Präparaten große Vorsicht geboten.

Behandlungsdauer

Die Dauer einer Symbioselenkung richtet sich in der Regel nach Art und Schwere der Beschwerden. Als minimale Behandlungsdauer sollten ca. 4 Wochen angesetzt werden. Diese können auf bis zu 6 Monate verlängert werden. Bei stärkeren Beschwerden ist neben der Beurteilung der Abnahme der Symptome auch eine Laborkontrolle sinnvoll. Hier sollten Immunparameter im Blut und die Bestimmung von fäkalem IgA im Stuhl durchgeführt werden.

Kombination mit anderen Therapieformen

Wie im meinem eben zitierten Artikel über die Darmsanierung ausgeführt, ist die Symbioselenkung praktisch eine Immuntherapie. Dies ist begründet in der Tatsache, dass auch bei regelmäßiger Zuführung von probiotischen Präparaten mit intakten Keimen, die zugeführte Keimzahl im Vergleich zur Keimzahl der Darmflora so verschwindend gering ist, dass über diesen Mechanismus kaum eine Veränderung zu erwarten ist. Die günstigen Veränderungen erfolgen über die immunologischen Kapazitäten des Darms. Ausnahme sind hier Neugeborene und Säuglinge, die anfänglich über einen sterilen Darm verfügen, was optimale Bedingungen für einen Aufbau der Darmflora mit nützlichen Bakterien darstellt. Unter normalen Bedingungen erfolgt der natürliche Aufbau der Darmflora von Säuglingen durch Verschlucken von Vaginalsekret während der Geburt.

Es stellt sich also die Frage, welche zusätzlichen Therapieformen gibt es, die die immunmodulierende Potenz der mikrobiologischen Therapie unterstützen kann?

  • Ernährungstherapie: Wie bei uns Menschen ist auch die Gesundheit der Bakterienpopulationen abhängig von dem, was sie als Nahrungsangebot zur Verfügung haben. Für die Darmbakterien sind für uns kaum verwertbare Ballaststoffe die wichtigste Nahrungsquelle, die über die menschliche Ernährung zugeführt werden. Eine ballaststoffarme Ernährung, wie sie bei Fast-Food und industriell gefertigten Lebensmitteln gang und gäbe sind, stört das Gleichgewicht der Darmflora. Eine solche Ernährung über einen längeren Zeitraum ist vergleichbar mit einer „Hungersnot“ für Darmbakterien, mit den entsprechenden gesundheitlichen Konsequenzen für den Wirt. Von daher ist eine Zufuhr von Präbiotika in Form von Ballaststoffen mehr als sinnvoll in Kombination mit der Gabe von Probiotika. Allerdings ist nicht der Kauf von mehr oder weniger teuren Präparaten aus dem „Health-Store“ notwendig, sondern viel Obst, Gemüse und Pilze sind oft mehr als ausreichend, um eine optimale präbiotische Versorgung zu gewährleisten.
  • Phytotherapie: Eine gestörte Mikroökologie des Darms kann ebenfalls ein Zeichen für Verdauungsprobleme und pathophysiologische Veränderungen der Darmschleimhaut sein. Die Bestimmung von Verdauungsmarkern und Entzündungsmarkern im Stuhl gibt über solche möglichen Probleme Auskunft. Bei solchen Problemen gilt es, schleimhautberuhigende bzw. verdauungsanregende Maßnahmen zu ergreifen. Heilkräuter mit Bitterstoffen und Schleimstoffen stellen hier die optimale Kombinationstherapie dar.
  • Anti-mykotische Therapie (Anti-Pilz-Therapie): Eine gestörte Darmflora ist der Nährboden für eine Ansiedlung von unphysiologischen Keimen, vor allem von Pilzen. Diese sind dann wiederum Ursache für weitergehende Störungen der Darmflora, woraus sich ein Teufelskreis bildet. Besonders häufig tritt die opportunistische Gattung Candida auf. Candida ist unter anderem auch für immunologische Fehlreaktionen im Darm verantwortlich, so dass eine Stuhldiagnose mit positivem Befund eigentlich eine anti-mykotische Behandlung erforderlich macht. Wichtig ist hier anzumerken, dass eine sogenannte „Anti-Pilz-Diät“ als alleinige Therapie auf keinen Fall zu empfehlen ist. Pilze sind zwar „Zuckerfresser“, aber eine streng kohlenhydratarme Ernährung wird der Natur der Sache nicht gerecht, da die Hefepilze enorm anpassungsfähig sind. Solche Diäten sind nicht dienlich, da sie die Gefahr der Einseitigkeit in sich bergen, ohne dass sie einen entscheidenden Einfluss auf die Reduktion der Hefepilzpopulationen hätten. Zumindest gibt es im wissenschaftlichen Bereich keine Belege dafür. Dies heißt aber nicht, dass man auch weiterhin auf seinen Zucker nicht zu verzichten braucht. Im Gegenteil, Zucker sollte in jedem Fall vermieden werden, da dies dem „Öl ins Feuer gießen“ gleich käme.
  • Orthomolekulare Therapie: Eine erfolgreiche Immunmodulation durch mikrobiologische Präparate ist immer begleitet von einer wegbereitenden Vorbereitung durch eine ausreichende Versorgung mit orthomolekularen Substanzen. Dies sind im Wesentlichen alle wichtigen Mineralien, Mikronährstoffe und Vitamine. Aber auch Aminosäuren, Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren), inklusive Enzyme und Vitaminoide zählen zur Liste der orthomolekularen Stoffe. Diese Substanzen können gezielt über nährstoffreiche Nahrungsmittel zugeführt werden oder in isolierter Form über Nahrungsergänzungsmittel.

Das Überraschungs-Ei

Es ist selbstverständlich, dass die etablierte Schulmedizin und ihre Organe die Symbioselenkung als "Humbug" abtun. Angeblich fehlt es, wie so oft, an wissenschaftlichen evidenzbasierten Beweisen für eine Wirksamkeit des Konzepts. Was an diesen Beurteilungen dran ist, habe ich versucht, argumentativ im besagten Artikel Darmsanierung - Humbug oder wertvoll für die Gesundheit? und einem weiteren Artikel: Die Bedeutung der Darmflora zu widerlegen.

Im Wesentlichen beruht die Kritik der Schulmedizin an der Symbioselenkung auf der Tatsache, dass die zahlenmäßige "Unterlegenheit" der Probiotika als Tropfen auf dem heißen Stein im Vergleich zur Darmflora keinen Effekt haben kann. Es handelt sich hier um ein rein quantitatives Problem, dass aber übersieht, dass immunologische Vorgänge nicht unbedingt auf Quantitäten beruhen müssen. In den Artikeln wird ausführlich ausgeführt, wie die positiven probiotischen Effekte zustande kommen. Und für die gibt es sehr wohl wissenschaftlich abgesicherte Daten, die man aber gerne in der Schulmedizin übersieht, weil sie halt nicht ins Konzept passen.

Auch Wikipedia beeilt sich, in ihrem Beitrag „Symbioselenkung“ darauf hinzuweisen, dass Krankenkassen die Kosten einer Therapie nicht übernehmen, da es keine Wissenschaft für dieses Konzept gibt. Von daher ist es umso überraschender, wenn die AOK auf ihrer Webseite einen Beitrag zur „Symbioselenkung“ abliefert (Stand: Januar 2014, aok.de/bundesweit/gesundheit/behandlung-nichtmedikamentoese-und-alternative-therapien-symbioselenkung-8039.php). Nach einer kurzen Erklärung zu Idee und Konzept kommt der Hinweis auf die fehlende wissenschaftliche Dokumentation für die Wirksamkeit. An dieser Stelle bereitet sich der Leser schon auf das Ende des Artikels vor. Aber es geht weiter. Denn als weitere Überraschung fährt der Artikel fort mit „Rezepte zum Selbermachen“ (!). Offensichtlich ist die AOK doch nicht ganz von der Unwirksamkeit dieser Methode überzeugt. Warum sonst sollte sie ihre Versicherten zu Vorbereitung und Verzehr von probiotischen Präparaten und Nahrungsmitteln aufmuntern?

Mehr Informationen zum Heilfasten finden Sie in der kostenlosen Informationsserie, die Sie anfordern können, indem Sie hier unten Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse eintragen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 30.10.2012 aktualisiert