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Basenpulver im Test - Ich bin sauer!

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Wenn man Testberichte zu Produkten sucht, vertraut man eigentlich auf Institutionen, die sich darauf spezialisiert zu haben schein, wie z.B. Stiftung Warentest oder auch Öko-Test.

Bevor Sie aber weiter nach Testergebnissen zu einzelnen Basenpulvern oder Basentabletten suchen, sollten Sie einige Dinge wissen, die sich diesbezüglich „abspielen“ – sowohl im Internet, als auch bei den „Testinstituten“.

Neben Stiftung Warentest oder Ökotest gibt es ja auch noch andere Webseiten, die über solche Produkte berichten wollen. Wenn Sie zum Beispiel in Google „Basenpulver im Test“ gesucht haben, dann finden Sie da schon einige merkwürdige Seiten: zum Beispiel ein gewisses „Gesundheitsinstitut Deutschland“, welches vor allem das Amaiva Pulver empfiehlt (Warum nur?), andere „private Webseiten“, die Geld dafür bekommen, wenn man über ihren Link bestellt und dann natürlich unsere bekannten Tester von Warentest und Ökotest.

Basenpulver

Der „lustige“ Basenpulver Öko-Test

Im Frühjahr 2015 hat Öko-Test hat ein neues Spezial-Papier veröffentlicht. Darin ging es um Vitamine und Mineralstoffe. Gegen die Gebühr von 4,99 € kann man sich ein „epaper-Einzelheft“ als PDF herunterladen. Die Lektüre bombardiert den Leser mit Tests zu Nahrungsergänzungsmitteln, Multivitaminen, Vitamin-D-Präparaten, Spurenelementen, basischen Nahrungsergänzungsmitteln etc.

Das könnte vielversprechend werden, hat doch Öko-Test etwas mit „Öko“ zu tun. Und „Öko“ ist grün, was bekannter weise mehr mit biologisch-organischem „Essen und Trinken“ zu tun hat beziehungsweise haben sollte. Das Thema, was mich am meisten interessierte (nicht zuletzt weil es in der etablierten Medizin als „Unsinn“ und „esoterische Erfindung“ abgetan wird), waren die Nahrungsergänzungsmittel, die gegen eine Übersäuerung wirksam sein sollen, sowie deren Testergebnisse seitens des Öko-Tests.

Aber das Ergebnis stand wohl schon von vorneherein fest, bevor die Tests durchgeführt worden waren. Die Einleitung zum Artikel und die gleichzeitige Begründung erzählten mehr als die Testergebnisse…

Basische Nahrungsergänzungsmittel, oder: Wir sind sauer!

Es fängt fast vielversprechend bei Ökotest an. Denn die Einleitung zählt die „Folgen einer aus einseitiger Ernährung und Bewegungsmangel resultierenden Übersäuerung“ auf, die sich in „unspezifischen Symptomen äußern sollen“: „Müdigkeit und Erschöpfung, erhöhte Stressempfindlichkeit, nachlassende Konzentration, Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie Veränderungen der Haut, Haare und Nägel nennt beispielsweise die Firma Protina. Und wenn es einmal so weit gekommen ist, dann lassen sich Allergien, Osteoporose, Rheuma, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Venenleiden durch „eine Herstellung des Gleichgewichts von Säuren und Basen positiv beeinflussen“. Das meint jedenfalls der Reformhaus-Ratgeber „Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht“. Fairerweise wird eingeräumt, dass diese vermeintlichen Erfolge vor allem auf Erfahrungsberichten beruhen.“

Richtig! Ein Ungleichgewicht des Säure-Basen-Haushalts, eine Übersäuerung also, gibt es für die Ökos nur als „Erfahrungsbericht“.

Soll das also heißen, dass Erfahrungsberichte zu gar nichts tauglich sind und deshalb vernachlässigt werden können? Dann sollte jeder Arzt seine Erfahrungen sofort vergessen und nur noch stur nach Lehrbuch und Leitlinien therapieren. Aber die Ärzte, die ich als gute und effektive Mediziner kenne, sind durch die Bank Leute mit Erfahrung. Und meine Erfahrungen mit Basenpulver und -tabletten bei einer Übersäuerung habe ich hier beschrieben: Was bringen Basenpulver und Basentabletten für Ihre Gesundheit?

Aber so war das sicher nicht gemeint. Vielmehr steht hinter der Aussage, dass die Übersäuerung nur in Erfahrungsberichten beobachtet worden ist, nicht aber in der wissenschaftlichen Realität. Eine evidenzbasierte Übersäuerung ist eine Azidose und muss in der Intensivstation notfallmäßig behandelt werden. Alles andere sind Erfindungen der alternativen Medizin. Aha, so ist das also.

Die Öko-Tester fahren fort mit der Beschreibung von angeblich säureproduzierenden Umständen. Und das sind gewisse Nahrungsmittel, wie Getreideprodukte, Fleisch, Eier, Käse etc. Daneben gibt es noch basische Lebensmittel und solche, die sich neutral verhalten. Soweit stimmt zumindest die Beschreibung des Verständnisses der alternativen „Spinner“ in Sachen Einfluss der Ernährung auf den Säure-Basen-Haushalt.

Die Beweisführung, dass es sich hier um Unsinn handeln muss, wird mit einem massiven Denkfehler geführt, der zudem noch zeigt, dass die Schreiber der Ökotester anscheinend selber nicht mehr wissen, worüber sie schreiben. Denn es heißt: „Zwar kann auch eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung einen gewissen Säureüberschuss erzeugen,...“ Hier muss ich sorgenvoll passen, denn ich bin immer davon ausgegangen, dass eine nicht so gesunde, vor allem auf Industriefutter basierende Ernährung für den „gewissen“ (man beachte die exakte, hochwissenschaftliche Mengenangabe seitens Öko!) Säureüberschuss sorgt und gerade nicht die gesunde Ernährung. Die ist dafür verantwortlich, dass es keinen ungünstigen Einfluss auf den Säure-Basen-Haushalt gibt, beziehungsweise dieser durch diese Ernährung sogar korrigiert werden kann. Denn eine gesunde und ausgewogene Ernährung besteht zu etwa 70 Prozent aus basischen Nahrungsmitteln.

Im nächsten Schritt hätte ich eine wissenschaftliche Arbeit als Zitat erwartet, die den Unsinn mit der Übersäuerung beweist.

Was aber kommt stattdessen?

Ein Zitat von einer Altbekannten: Antje Gahl von der DGE. Sie weiß zu berichten, dass „beim gesunden Erwachsenen die Regulationssysteme des Säure-Basen-Haushalts auch bei einer einseitigen Ernährung in der Lage sind, Säure- und Basenüberschüsse zu kompensieren und auszuscheiden“. Das ist nicht ganz falsch, aber leider langfristig gesehen auch nicht ganz richtig. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Regulationssystem des Säure-Basen-Haushalts funktioniert, sonst wären die Intensivstationen voll mit Azidosefällen. Aber das, was Öko-Tester und Schulmedizin als "Unfug" ablehnen (nämlich die Existenz einer „latenten Gewebeazidose“), scheint nur deshalb nicht zu existieren, weil man niemanden ohnmächtig im Test bei Ökotest und auf der Straße umfallen sieht.

Da ist es umso verwunderlicher, wenn eine andere, ebenfalls nicht alternative Quelle ganz andere Ansichten zu diesem Sachverhalt vertritt. Ich hatte dies bereits unter Übersäuerung des Körpers? Was ist davon zu halten? Und: Ist das wichtig? angesprochen. Hier noch mal die besagte Stelle dazu:

Merkwürdigerweise lese ich aber zum Beispiel im Deutschen Ärzteblatt:

Störungen des Säure-Basen-Haushalts sind häufig, sie werden jedoch in der Praxis oft übersehen. [...] Besonders bei Patienten mit Niereninsuffizienz, Diabetes, einer Leberzirrhose, einem Emphysem, Diarrhöen oder chronischem Erbrechen sowie unter bestehender Diuretikatherapie ist an Störungen des Säure-Basen-Haushaltes zu denken.
    Quelle: Dtsch Arztebl 2005; 102: A 1896; 1899 [Heft 26]

Das war 2005.

Im Januar 2015 diskutierte ich in einem anderen Beitrag (Das Märchen von der Übersäuerung) die gleiche Frage, nur mit neuem Datenmaterial und einer neuen wissenschaftlichen Arbeit, die nicht aus dem Hause BfR kam, sondern aus einem wirklich wissenschaftlichen Institut stammt: In Pathophysiologic Changes in Extracellular pH Modulate Parathyroid Calcium-Sensing Receptor Activity and Secretion via a Histidine-Independent Mechanism zeigten die Wissenschaftler, dass nur minimale Schwankungen im pH-Wert des Blutes zu „latenten Azidosen“ führen, die den calciumsensitiven Rezeptor deaktivieren, was eine Erhöhung von PTH und den Calciumwerten im Blut führt. In der Folge kommt es zu Nierenschädigungen (unter anderem, aber nicht nur), was langfristig dann wieder einen negativen Effekt auf den Säure-Basen-Haushalt haben wird. Die „sturen“ Autoren der Studie bestehen in der Folge darauf, dass „die Auswirkungen dieser Veränderungen wesentlich signifikanter ausfallen als man bislang geglaubt hat, und dass dem hier von Seiten der Kliniker mehr Beachtung geschenkt werden sollte“.

Ich würde an dieser Stelle neben den Klinikern noch die BfR und die Öko-Tester mit einbeziehen. Denn: „Bislang ging man davon aus, dass nur massive Veränderungen der Acidität als Ursache für gesundheitliche Probleme bei den Patienten in Frage kamen“.

Oder mit anderen Worten: Die kleinen, aber mehr oder weniger permanenten „Entgleisungen“ des Säure-Basen-Haushalts auf „Minimalbasis“, die klinisch fast gar nicht wahrgenommen werden können, sind der stete Tropfen, der den Stein aushöhlt. Und nur weil man mit dem bloßen Auge oder einer Lupe nichts sehen kann zu schließen, dass es da auch nichts gibt, ist das exakte Gegenteil von Wissenschaftlichkeit.

ENDLICH! Eine Studie!

Aber auch bei Ökotest wird es im Beitrag zu den Basenpulvern (endlich einmal) "wissenschaftlich". Denn es kommt kein Vertreter einer Bundesbehörde zu Wort, sondern eine Studie. Vielleicht wissen die Öko-Tester ja, dass Bundesbehörde und Wissenschaft nicht ein und dasselbe sind… also her mit der Studie...

Aber was für eine Studie ist das nun? Eine META-ANALYSE! Und die ist aus dem Jahr 2009 und zeichnet sich dadurch aus, dass sie angeblich die Hypothese „zerlegt“ hätte, „nach der eine ernährungsbedingte Säurelast den Verlust von Knochenmineralien und Osteoporose fördert“. Für mich ist das der Gipfel der Säurelastigkeit dieses Berichts. Eine Meta-Analyse als Beweis mal wieder, weil die so nett das beweist, was man bewiesen haben will. Die weiter oben zitierte Studie dagegen, die keine meta-analytischen Würfel- und Zahlenspielchen betreibt, hat das genaue Gegenteil gefunden: Dass nämlich mit der Erhöhung von PTH die Calciumspeicher, und das sind hauptsächlich die Knochen, angegriffen werden und so zu einer Erhöhung des Calciumwertes des Bluts führen. Ich denke, dass wir hier keinen „Öko-Test“ durchführen müssen, um zu verstehen, dass eine durch Übersäuerung ausgelöste Erhöhung von PTH und Blut-Calciumwerten langfristig zu einer Entleerung der Calciumspeicher führen und damit die Knochenstruktur ungünstig beeinflusst wird.

Dann kommt noch ein Endokrinologe aus Calgary zu Wort, der keinen Zusammenhang zwischen basischer Ernährung und Knochengesundheit gesehen haben will. Eine Quellenangabe zu einer Studie, die das gezeigt haben müsste, gibt es natürlich nicht, da wir alle dem Dr. Hanley zu glauben haben. Und den Öko-Testern natürlich auch! Und wer es immer noch nicht glaubt (so wie ich zum Beispiel), der muss sich von den Testern sagen lassen, dass auch die EFSA nichts gesehen hat und solche Aussagen per EU-Kommission als „unzulässig“ erklärt. Damit wäre die weiter oben zitierte Studie, die den Einfluss minimaler Veränderungen des pH-Werts auf das PTH festgestellt hat, auch „unzulässig“.
Dann kommen die Testergebnisse, die ich mir hier sparen möchte, da alle Testobjekte der Reihe nach entweder mit ungenügend (setzen!) oder mangelhaft (nicht zufassen!!) durchgefallen sind. In der Begründung für die „Durchfälle“ mangelt es nicht an Blüten in Reinkultur.

Da werden einige basische Nahrungsergänzungsmittel abgeschossen, da sie die Höchstmengen an zusätzlichen Vitaminen und/oder Mineralstoffen überschreiten, die als Empfehlung von der BfR aufgestellt worden sind. Herzlichen Glückwunsch! Denn das ist die gleiche BfR, die auch GVOs (Gentechnisch veränderte Pflanzen) empfiehlt.

Das glauben Sie nicht? In meinem Beitrag Die Gen-Technik und ihre Lobby gehe ich genauer darauf ein: „Wenn man sich einmal die ‚Besatzung‘ der Kommission für genetisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel des BfR anschaut, dann wird man feststellen, dass 9 von 13 Experten dieser Kommission enge Kontakte zur Lebensmittelindustrie und anderen Pro-Gentechnik-Verbänden haben. Das gleiche gilt auch für leitende Angestellte dieser Behörde. In den Augen der Öffentlichkeit jedoch gelten sie als ‚unabhängige‘ Experten, auf deren Stimme besonders viel Gewicht gelegt werden muss. Die Traumfabrik lässt grüßen…“

Oder die Aussage zu Vitaminen (siehe mein Beitrag Die Vitamine im Spiegel des Spiegels), wo seitens der Behörde lauthals verkündet wird: „Vitamine können kein Krebs verhindern, auch wenn sie noch so anti-oxidativ wirksam sind“.

Oder die Bewertung von Sonnencremes: Sonnencreme und Sonnenmilch – Worauf Sie achten sollten! Auch hier tauchen wieder industriefreundliche Einschätzungen auf, die weniger den Verbraucher als vielmehr die Industrie erfreuen können: „Während die Forschergruppe um Magret Schlumpf neun von zehn untersuchte chemische UV-Filter für hormonell aktiv und daher bedenklich hält, geht das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) davon aus, dass lediglich 4-MBC in Sonnencremes möglicherweise gesundheitlich bedenklich ist (www.bfr.bund.de/cd/6891)“.

Da ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, wenn alle Basenpulver und Basentabletten im „Test“ durchfallen müssen. Denn sie sind als Regulatoren für eine mögliche Übersäuerung zu nichts nutze, da es halt keine Übersäuerung geben soll – oder geben darf?

Und dann hantieren die Hersteller auch noch mit viel zu hohen Vitamin- und Mineralstoffdosierungen herum. Da werden dann getreu dem schulmedizinischen Denkansatz Beta-Carotin, Hydrogencarbonat, Kieselerde und Zeolith als „bedenkliche / umstrittene maßgebliche Inhaltsstoffe“ deklariert.

Und was ist mit dem Arsen und Nickel in den Produkten?

Einige Produkte scheinen Arsen zu enthalten, andere auch Nickel. An dieser Stelle würde ich das erste Mal zustimmen wollen, dass weder Arsen, noch Nickel eine günstige Wirkung auf den Organismus  und in solchen Präparaten und anderswo nichts zu suchen haben.

Nachdem der erste „Ehrentreffer“ für die Öko-Tester gefallen ist, gestehe ich ihnen auch noch einen zweiten zu. Sie resümieren: „Wenn man das Dasein der Basenpulver damit rechtfertigt, dass sie die Folgen einer schlechten Ernährung ausgleichen, dann sollte man auf unnötige Inhaltsstoffe wie Aroma, Süßstoffe oder Phosphat verzichten“.

Aber warum das denn nun? Antwort (halten Sie sich fest!): Weil diese Stoffe den Säure-Basen-Haushalt belasten und in die Kategorie der Säurebildner gehören! Toll oder?
Bei Phosphat bin ich mir nicht ganz sicher. Aber akute hohe Phosphatspiegel im Blut können durch Laktazidosen oder diabetische Ketoazidosen ausgelöst werden. Da müsste ich nochmal darüber nachdenken…

Eine weitere interessante Substanz, die nach Meinung der Öko-Tester zu hoch ausfällt, ist das Vitamin D. Vitamin D zu hoch? Genaueres zu den Dosierungen und dem Bedarf und vieles andere Wichtige mehr können sie im Vitamin-D-Report nachlesen. Was die Öko-Tester zum Vitamin D zu sagen haben, werde ich im nächsten Beitrag unter die Lupe nehmen. Denn sie haben es sich nicht nehmen lassen, auch Vitamin-D-Präparate zu testen. Mehr dazu aber an anderer Stelle. Und anders als beim Phosphat, bin ich mir beim Vitamin D sicher…

Fazit

Öko-Test hat Sachen getestet, damit sie zu offiziellen Aussagen gelangen, die den Aussagen anderer offizieller Stellen und Institutionen aufs Haar entspricht. Wozu dann noch einen Test durchführen, wenn nur zu offensichtlich das Ergebnis bereits vor Beginn feststand? Vielleicht wollen die Ökos auch nur demonstrieren, dass sie zwar grün, aber trotzdem realistisch = vernünftig sind?

Denn Realismus ist, wenn man Aussagen von BfR, EFSA, Meta-Analysen etc. als Wissenschaft ansieht. In diesen Kreisen scheint man schon lange die Forderung nach randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studien als goldener Standard in der Wissenschaft und der damit einhergehenden Aussagekraft vergessen zu haben. Warum auch! Solche Studien bergen immer die Gefahr, dass man nicht die gewünschten Ergebnisse erhält.

Übrigens: Wenn Sie solche Naturheilmittel interessant finden, fordern Sie einfach meinen kostenlosen Newsletter mit den "Wundermitteln" an...

Dieser Beitrag wurde am 02.04.2015 erstellt und letztmalig am 28.4.2018 bearbeitet.