STEVIA – Die Zuckeralternative
Mit fast allen Patienten spreche ich über Ihre Ernährung. Es gibt für mich kein Symptombild und Krankheit, die nicht auch weitläufig durch eine bessere oder “vernünftigere” Ernährung beeinflusst werden könnte.
Getreu meinem Naturheilkunde-Vorbild Sebastian Kneipp gebrauche ich dabei zum Teil auch deftige Worte… Einem Landwirt musste ich vor ein paar Jahren auch schon mal die Meinung sagen: “Die Fresserei hört jetzt auf!” – waren meine deutlichen Worte, an die ich mich heute noch erinneren kann. Mit Drohungen und Verboten ist es aber nicht getan. Man muss den Patienten schon Alternativen anbieten.
Häufige Verbote und Gebote bzgl. der Ernährung beziehen sich bei mir auf: Zucker, Schweinefleisch, Eier, Milch. Das “Zuckerproblem” hatte ich ja schon in mehreren Beiträgen aufgefasst. Unter anderem in den Beiträgen Zuckersucht und zum Fruchtzucker. Im Artikel “Zucker Alternative” habe ich bereits einige Alternativen vorgestellt. Eine fehlte jedoch: STEVIA.
Stevia ist ein in den Hochebenen von Paraguay und Brasilien beheimatetes Süßkraut, das den Blutzuckerspiegel senkt, die Bildung von Zahnplaque verhindert und im Gegensatz zu Zucker völlig kalorienfrei ist, aber in seiner extrahierten Form 300 mal so süß ist. Ihren süßen, leicht lakritzeartigen Geschmack verdankt Stevia den Glykosiden bzw. Steviosiden in seinen Blättern, die per se zehn- bis dreißigmal so süß wie Zucker sind, je nach Anbauregion und Klima. Stevia wird weltweit, auch in Europa, angebaut und ist seit langem als gesunder Zuckerersatzstoff bekannt.
Die Japaner süßen im Teehaus, daheim und jedem Restaurant seit einem Vierteljahrhundert damit – über die Hälfte des japanischen Süßmittelmarktes wird durch Stevia besetzt. Steviablätter dienen seit der präkolumbianischen Epoche nicht nur der Süßung des in Südamerika beliebten Mate-Tees, sondern auch zahlreichen Heilzwecken.
Auch in Deutschland ist der Insider-Tipp Stevia seit Dezember 2010 als Nahrungsmittel zugelassen.
Doch warum hat das so lange gedauert? Argument: Sein Genuss könne sich negativ auf die männliche Fruchtbarkeit auswirken. Weitere Studien hierzu seien notwendig, damit man über eine Aufhebung des im Zuge der Novel-Food-Verordnung von 1997 erlassenen Verbotes nachdenken könne. Noch in den 1990ern war Stevia frei in Reformhäusern, Bioläden und Teehandlungen erhältlich. Kritische Stimmen swaren der Auffassung, dass die jährlich allein in Europa 60 Milliarden Euro umsetzende Zuckerindustrie eine EU-weite Einführung verhindern wollte: Auch Produzenten von synthetisch hergestellten Süßungsmitteln gaben bereits Versuchsreihen mit der Perspektive in Auftrag, eine Bedenklichkeit von Stevia nachzuweisen. Die dann im Tierversuch verabreichte Dosis entsprach hinsichtlich ihrer Konzentration allerdings der relativen Menge des halben Körpergewichts eines Erwachsenen.
Für eine Neueinführung von Stevia als Lebensmittelzusatz musste dessen Unbedenklichkeit (nicht krebserregend, nicht allergieauslösend etc.) in kostenintensiven Studien sehr detailliert nachgewiesen werden. Nachdem die European Food Safety Authority, kurz EFSA, mehrere Anträge ablehnte, lagen dann u. a. Anträge des US-amerikanischen Konzerns Cargill vor, der gern Coca-Cola damit süßen wollte. So ist wahrscheinlich ein wenig mehr Druck entstanden. Auch Professor Jan Geuns von der Katholischen Universität Leuven, Belgien, stellte erfolglos mehrere solcher Anträge – obwohl sogar die WHO Stevia 2008 als unbedenklich einstufte. Die Zuckerindustrie, selbst zur Finanzierung kostenintensiver Studien in der Lage, hatte, so Professor Geuns, kein wirtschaftliches Interesse daran.
Warum es gut ist, dass Stevia nun legal erhätlich ist
Einige Internet-Händler umgingen das EU-Recht, indem sie Stevia beispielsweise als Badezusätze deklarieren. Der Nachteil: In dieser rechtlichen Grauzone konnten auch unreine Stevia-Produkte kursieren. Eine echte Legalisierung bringt weitere Vorteile: Synthetisch hergestellte Süßstoffe, deren Nebenwirkungen inzwischen belegt sind, könnten vom Markt genommen werden. Noch ist das gesundheitsfördernde Stevia nicht ganz billig: Für 100 Gramm hochwertiges Stevia-Pulver muss man derzeit um die sieben Euro anlegen. Viele bauen Stevia selbst an: Die mehrjährige, nicht winterharte Stevia-Staude liebt einen sonnigen Standort. Der Lichtkeimer kann auf der Fensterbank nahe der Heizung ausgesät werden; dann pflanzt man die Setzlinge nach den Eisheiligen ins Freiland. Auch über Stecklinge aus erwachsenen Pflanzen lässt sich Stevia vermehren.
Wie Stevia dargereicht wird
Im Handel sind Stevia-Blätter, Tabs, Sirups oder Stevia in Pulverform, grün oder weiß, erhältlich. Ein Teelöffel des grünen Stevia-Pulvers besitzt die Süßkraft von zwei ganzen Tassen Zucker. Stevia wird auch als Rohstoff in der Kosmetikherstellung und als Badezusatz verwendet. Es gibt Stevia als konzentrierten Steviosidextrakt, abgefüllt in medizinische Braunglasflaschen, ein Fluid, das als sehr ergiebige, flüssige Tafelsüße dient, wenige Tropfen genügen, um ein Getränk zu süßen, unterwegs sehr von Vorteil. Die Zugabe von pflanzlichem Glyzerin sorgt dafür, dass das Produkt nicht verdirbt. Dieses Fluid ist auf Pestizide und weitere Schadstoffe kontrolliert und erfüllt die Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs.
Stevia-Tabs, z. B. von Raab Vitalfood erfüllen ebenfalls die genannten Anforderungen an ein Lebensmittel, in Packungsgrößen von beispielsweise 300 Stck. im Spender. Zu den Inhaltsstoffen zählen Natriumhydrogencarbonat, Steviol-Glykoside mit Rebaudiosid-A zu 90 Prozent, Mononatriumcitrat und L-Leucin. Auf Lactose, Maltodextrin und synthetische Süßungsmittel wird verzichtet. Die gut haltbaren, getrockneten Steviablätter können als Tee gebraucht oder in der Mühle vermahlen werden, um anschließend aus dem Pulver einen Extrakt auf Alkohol- oder Wasserbasis daraus herzustellen. Dazu nimmt man einen Esslöffel weißes oder auch grünes Steviapulver auf drei Esslöffel heißes Wasser und füllt die Flüssigkeit in ein Fläschchen. Ein Spritzer entspricht einem Stück Würfelzucker. Nur noch gut schütteln und am besten im Kühlschrank aufbewahren. Außerdem lassen sich die Blätter zu Sirup einkochen, – fertig ist der spezielle Stevia-Honig.
Die offizielle Marktzulassung bei der EU erfolgte im im Dezember 2010. Und nicht nur Professor Jan Geuns, sondern auch viele Diabetiker in Deutschland sind erfreut, dass die EU die aktuellen Anträge in ihrem Sinne beschieden und Stevia zugelassen hat – wie es in der Schweiz längst passiert ist: An der Universität Hohenheim wird schon seit 1998 mit EU-Mitteln zu Stevia geforscht. Die EU ist mit der Zulassung von Stevia ziemlich spät dran: Der bis dato erreichte Wettbewerbs- und Marketingvorteil der Schweiz will erst einmal aufgeholt sein.
Mehr dazu auch in diesem Beitrag von PlusMinus:






Donnerstag, 26. März 2009 11:53
Ich hatte voriges Jahr ständig Magenprobleme, keiner wußte, was es war, bis ich dann zu einer Heilprakterin kam. Sie gab mir viele gute Tipps und empfahl mir unter anderem die Stevia-Pflanze mit den Worten, dass diese in Deutschland verboten sei aber auf der Welt sehr viele Anwendungen findet und bei unserem Pflanzendiscountmarkt um die Ecke für weniger als 4,- Euro zu erwerben sei. Seither süße ich Tees damit. Mit geht es wieder gut und ich kann es jedem weiter empfehlen.
Dienstag, 31. März 2009 14:07
Ich habe vor kurzem einen Bericht dazu im Fernsehen gesehen. Wenn das alles stimmt, ist es wirklich eine gute Alternative zum Zucker. Allerdings bezweifle ich Tobi, dass nur durch die Stevia Pflanze deine Magenprobleme besser geworden sind. Hast du zusätzlich noch weitere Medikamente genommen?
Dienstag, 27. April 2010 20:46
Ich esse gerne mehlspeisen und kann nirgends eine anleitung finden, wie das mit Stevia gehen soll. Für einen Tip wäre ich sehr dankbar.
Antwort René Gräber:
Liebe Christine, Stevia ist hitzestabil und ist so auch zum braten und backen geeignet. Man muss aber sehen, dass Volumen und Konsistenz in gewisser Weise verloren gehen, weil Stevia ja ca. 300 mal mehr Süßkraft hat als Zucker. Also Marmelade kann man damit nicht meines Wissens nicht kochen… Ich verwende Stevia aber “nur” um Flüssigkeiten zu süßen. Und für meinen Tee verwende ich nach wie vor Honig – wegen des Geschmacks…
Sonntag, 13. Juni 2010 14:55
Ich habe mir eine steviapflanze gekauft und würde gerne wissen wie ich die Blätter verwenden soll. Habe mal ein Blatt zerkleinert in eine kanne Tee zum ziehen gegeben, aber das hatte kaum eine Süßkraft. Was hab ich falsch gemacht? Oder war das eine Blatt zu wenig? Danke für Tipps
Samstag, 28. August 2010 21:01
Moin,
Ein Blatt ist schon recht wenig. Bei frischem Tee habe ich im Verhältniss zur Minze ca 1/6 Stevia. Für einen Liter ist meine Handfläche gut bedeckt. Muss man ausprobieren da auch der Eigengeschmack der Stevia stärker wird. Meist habe ich aber auch etwas Atztekenkraut mit drin was einen intensiveren Eigengeschmack hat und der Steviageschmack nicht ins Gewicht fällt.
Ford
Dienstag, 5. Oktober 2010 15:45
Hallo,
danke für den super Beitrag. Benutze selber schon seit Jahren Stevia und kann es jedem nur empfehlen.
Es bedarf anfangs zwar etwas Übung und bei einigen etwas Gewöhnung (geschmacklich), aber sonst ist es super!
Freitag, 19. November 2010 14:17
Hallo zusammen,
sehr schöner Beitrag. Ich verwende auch seit einiger Zeit Stevia und bin wirklich recht begeistert – auch wenn ich es am Anfang mit dem Steviosid etwas übertrieben hatte und die Speisen dann sogar einen leicht bitteren Nachgeschmack hatten.
Ich habe nun gelesen, dass Stevia sogar als natürlicher Geschmacksverstärker funktionieren soll (Quelle: http://www.steviakaufen.com/stevia-eigenschaften)
Das Theme würde mich noch weiter interessieren – eventuell könnten Sie darauf näher eingehen?
VG
Heike
Samstag, 11. Dezember 2010 23:48
[...] Stevia – die Zuckeralternative [...]
Dienstag, 28. Dezember 2010 20:08
Hallo,
ich würde gerne wissen was sie von Xylit halten.
Ich habe nur positives darüber gefunden genau wie über Stevia. Mein Bruder spült sich die Zähne nach dem Zähneputzen mit Xylit. Klingt irgendwie komisch, nach dem Zähneputzen mit Zucker zu spülen, oder?
Was halten sie davon?
Vielen Dank
Heinrich
Mittwoch, 13. April 2011 22:33
Hallo,
ich würde gern meine Kuchen künftig mit Stevia backen.Hat da jemend schon Erfahrungen in dieser Richtung gesammelt?
Vielen Dank !
Manu
Donnerstag, 21. April 2011 21:51
Hallo
für meinen Garten habe ich mir eine Japanische Tee-Hortensie bestellt. Kenne sie noch nicht.
Hier ein Auszug aus der Pflanzenbeschreibung:
Bevor Zucker in Japan überhaupt bekannt wurde, hat man Amacha-Blätter zu einem dicken Sirup eingekocht, und als Süßungsmittel verwendet. Die Blätter enthalten den Süßstoff Dulcin, auch Phyllodulcin genannt, der 250-mal süßer ist als Zucker.
Das klingt super.
Wer mehr wissen will: http://www.kraeuter-und-duftpflanzen.de/Pflanzen-und-Saatgut/Haarstrang-Hundszunge/H-Einzelsorten/Japanische-Tee-Hortensie-Pflanze?c=443
VG Luise
Samstag, 30. Juli 2011 9:16
Kuchenbacken und Marmelade
Ich verwendte beim Kuchenbacken halbe Menge des vorgeschriebenen Zuckers Erythritol und den Rest Stevia (1:10 vgl zu Zucker).So gelingen meine Kuchen immer (fast immer
. Noch dazu verwendte ich Dinkel (halb Vollkorn) anstelle von Weizen. Marmeladen und Säfte süße ich auch mit Stevia. Säfte konserviere ich mit “Einsiede Hilfe” und Marmeladen mit Ascobinsäure und Quittin dicke ich es ein. In kleinen Gläsern eingefüllt verbraucht man es schnell genung bevor es verdirbt.
Es hat noch nie wer gemerkt das es in unserem Haushalt kein Weizenmehl und keinen Zucker gibt
Viel Spass und gutes Gelingen
Chrissi
Montag, 22. August 2011 12:52
Hallo,
auch ich verwende Stevia und Xylit und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Man sollte diese Alternativen durchaus einmal testen. Jeder hat einen anderen Geschmack und andere Vorlieben bzw. auch Verträglichkeiten. Aber ich denke, wenn man auf gesündere Alternativen ausweichen könnte, ist das einen Versuch Wert. Übrigens nutzen die Asiaten Stevia bereits seit mehr als 40 Jahren täglich und es scheint Ihnen gut zu bekommen
nur im Westen ticken die Menschen wohl anders…
Grüße
Peter
Mittwoch, 7. September 2011 8:14
Ich habe mir ein Stevia Kochbuch gekauft “natürlich süßen mit Stevia” oder so, kann ich jedem empfehlen, der mit stevia backen/kochen möchte oder marmeladen herstellen will. Natürlich werden auch shakes und eis vorgestellt.
Die rezepte schmecken super, und anleitungen, wie man mit den blättern (getrockenet oder frisch) umgeht ist auch dabei.
Sonntag, 18. September 2011 14:09
Naja ich habe Stevia einmal für den Tee probiert und fand den Geschmack schrecklich.
Mittlerweile habe ich meinen Zuckerkonsum auf einen TL morgens zum Frühstück (Haferflocken, Obst, Mandeln, Mandelmus) reduziert und im allgemeinen komme ich mit damit sehr gut klar.
Esse als Süssigkeit gerne getrocknete Feigen , reife Mangos, manchmal auch schlicht Haferflocken.
Der Entzug von Zucker dauert einige Tage nur..
Schönen Tag.
Sonntag, 18. September 2011 14:10
Teelöffel Ahornsirup pro Tag reduziert…..
Dienstag, 1. Mai 2012 0:18
Claudia das stimmt. Der Geschmack ist sehr gewöhnungsbedürftig, aber es gibt bereits destilierte Arten von Stevia, die diesen Nachgeschmack nicht mehr haben.