Poison Papers – Wie man uns seit 100 Jahren bewußt mit Gift „zuscheißt“

Ja, die Überschrift ist schlechter Stil. Ich betone allerdings, dass ich kein Wissenschaftsjournal bin und es mir daher erlaube auf meinem persönlichen Blog so schreiben zu dürfen, wie mir der „Schnabel gewachsen ist“.

Also los geht´s: Wie es aussieht beginnt das Jahr 2018 mit einer neuen Webseite, die verspricht, explosiver als Nitroglycerin zu sein: Die Poison Papers (auf deutsch: Giftpapiere).

Diese „Giftpapiere“ sind eine Sammlung beziehungsweise Fundgrube von wiederentdeckten Dokumenten der chemischen Industrie und amerikanischer Behörden und der Korrespondenz zwischen beiden. Die Papiere reichen bis in die 1920er Jahre zurück. Zusammengenommen zeigen diese Papiere, dass die chemische Industrie und die Behörden sich über die Toxizität von vielen chemischen Produkten vollkommen im Klaren waren, und ihre Zusammenarbeit darin bestand, der Öffentlichkeit ein marktgerechtes und marketinggerechtes Bild dieser Produkte zu vermitteln. Bei diesen Papieren handelt es sich um mehr als 20.000 Dokumente, die auf Papier gedruckt mehr als 3 Tonnen wiegen.

Nachdem diese Papiere/Dokumente zusammengestellt und organisiert waren, sind sie digitalisiert worden und auf eine „DocumentCloud“ hochgeladen worden und stehen jetzt für die Öffentlichkeit zur Verfügung.

Die Dokumente sind abrufbar unter DocumentCloud. Unter A Quick Tutorial on Using DocumentCloud gibt es eine Kurzanleitung (in Englisch), wie man in der „Fundgrube“ sucht.

Fundgrube des Grauens

Die Natur der Dokumente ist unterschiedlich. Es handelt sich hier um interne wissenschaftliche Studien, die nie veröffentlicht wurden, um Zusammenfassungen von Studien, interne Memos und Berichten, Sitzungsprotokolle, strategische Diskussionen und eidesstattliche Aussagen. Die Mehrheit dieser Dokumente ist fotokopiert, digitalisiert und dann in die eben erwähnte Cloud hochgeladen worden.

Aufsichtsbehörden, die als Quelle für die verschiedenen Dokumente infrage kommen, sind die amerikanische Umweltbehörde EPA, die FDA, das Verteidigungsministerium, Veterans Administration und der USDA Forest Service.

Zudem industriellen Counterpart gehören Firmen wie Dow, Monsanto, DuPont, und Union Carbide, sowie kleinere Unternehmen und kommerzielle Prüflabore, die für die Industrie arbeiten.

Der leitende Kopf dieser Aktion und „Chef Kollektor“ ist ein Autor und Aktivist namens Carol Van Strum. Dank dieser Sammlung lässt sich problemlos verfolgen, wie die Industrie und die Aufsichtsbehörden auf geheimnisvolle Art und Weise mit Sicherheitsbedenken zu bestimmten Produkten umgehen, wie zum Beispiel Pestizide und andere Chemikalien. Und wir sehen, welche Maßnahmen ergriffen wurden, um diese Sicherheitsbedenken vor der Öffentlichkeit zu vertuschen.

Solche Vorgänge sind eigentlich keine Neuigkeit. Spätestens seit Valproinsäure, Avandia, Vioxx, Lipobay, Koate etc. wissen wir an ausgesuchten Beispielen aus der Pharmaindustrie, wie die Industrie in der Regel arbeitet. In der Öffentlichkeit jedoch werden diese Spitzen des Eisberges immer noch als die Ausnahme begriffen. Diese neue Dokumentation jedoch zeigt mehr als deutlich, dass der unsichtbare Teil des Eisbergs die Regel ist und die eben erwähnten Spitzen „Unfälle“ sind, wo die Regel vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist.

Diese Dokumentation macht deutlich, dass es Tagesordnung ist, dass Regierungsbehörden und Aufsichtsbehörden Teilnehmer und Initiatoren von Vertuschungsaktionen sind/waren. Ein Beispiel ist Dioxin, wo die Aufsichtsbehörden die Öffentlichkeit nicht über die Schädlichkeit und Toxizität der Substanz informierten. Die Dokumente zeigen, dass Laborberichte und Labortests wissentlich gefälscht wurden/werden, um entsprechende Daten für eine Zulassung zu produzieren. Und diese Papiere zeigen, dass alle Teilnehmer sich ihrer kriminellen Aktivitäten bewusst sind, und bewusst Industrieprodukte, wie Pestizide und andere Chemikalien, in der Öffentlichkeit verfälscht darstellen.

Der „Guardian“ weiß hiervon zu berichten. Monsanto hatte entgegen besseren Wissens PCB (polychlorierte Biphenyle) im großen Umfang produziert und teilweise noch verkauft, als schon ein allgemeines Verkaufsverbot für die Substanz erlassen worden war. Bei Monsanto selbst wusste man, dass PCB für Vögel hoch toxisch ist. Das hatte die Firma aber keinesfalls davon abgehalten, auch weiterhin dieses Toxin zu produzieren. In der Öffentlichkeit hatte Monsanto immer wieder betont, dass ihre Produkte vollkommen unbedenklich sind und auch für die Umwelt keine Belastung darstellen.

Zum Thema „Monsanto“ hatte ich ja auch schon einiges zu berichten!

Die Substanzen, die in diesen Dokumenten am meisten diskutiert werden, sind Herbizide und Pestizide (2,4-D, Dicamba, Permethrin, Atrazin, und Agent Orange), Dioxine und PCB. Eine Reihe dieser Chemikalien sind mit das toxischste und am schlechtesten abbaubare Gift, was je produziert worden ist. Die schlechte Nachricht ist, das mit Ausnahme von PCB die meisten anderen Chemikalien, die in diesen Papieren diskutiert werden, bis auf den heutigen Tag hergestellt und eingesetzt werden. Zum Beispiel die Zulassung des Herbizids 2,4-D (2,4-Dichlorphenoxyessigsäure) wurde in Europa im Januar 2016 bis zum Dezember 2030 verlängert, trotz der bekannten gesundheitsschädlichen Wirkungen der Substanz. Eine ähnliche Zulassungsverlängerung durch die EPA erfolgte ebenfalls in den USA´.

„Chemische Abgründe“

Hier einige kurze Beispiele beziehungsweise Appetithäppchen, die bei der Lektüre der Dokumente auf den Leser warten:

Die Kunst der Geheimniskrämerei:

Die Papiere dokumentieren ein geheimes Treffen der EPA zur Frage der Toxizität von Dioxin. Die Teilnehmer kommen zum Schluss, dass Dioxin ein außerordentlich wirksames Gift ist. Damit widerspricht das Ergebnis des Treffens der offiziellen Weigerung der EPA, den Einsatz und Gebrauch von Dioxin zu beschränken beziehungsweise ganz zu verbieten.

Die Kunst der Absprache:

EPA und Zellstoff- und Papierindustrie hatten sich abgesprochen, die Ergebnisse einer nationalen Dioxinstudie zu „unterdrücken, modifizieren oder die Veröffentlichung zu verzögern“. Denn diese Studie hatte zeigen können, dass große Mengen von Alltagsprodukten ebenfalls große Mengen an Dioxin enthalten. Davon nicht ausgeschlossen sind Windeln für Babys und Kaffeefilter, sowie Produktionsabfälle und Abwässer der Papierindustrie.

Die Kunst der Täuschung:

Die Dokumente liefern neues Material zum Skandal um die Industrial Bio-Test Laboratories. Bei diesem Labor handelte es sich um ein Testlabor, das die Sicherheit von Produkten unter die Lupe nahm. Kunden waren vor allem die Pharmaindustrie, Chemieindustrie und andere Industriezweige. Es stellte sich später heraus, dass das Labor extensiv Laborbefunde gefälscht hat, und das über Jahre und auf regelmäßiger Basis. Im Jahr 1981 wurden dann der Präsident und einige führende Manager vor Gericht gestellt und verurteilt.

Wie aus den Papieren hervorgeht, waren bis zu den späten 1970er Jahren mehr als 800 Sicherheitsstudien zu 140 Chemikalien für 38 Chemiewerke produziert worden, die es entweder überhaupt nicht gab oder deren Ergebnisse manipuliert worden waren. Weiter geht hervor, dass die EPA und ihr kanadischer Counterpart Absprachen mit den Pestizid-Herstellern getroffen hatten, die nicht getesteten beziehungsweise falsch getesteten Produkte auch weiterhin im Markt zu behalten und die Problematik der betrügerischen Sicherheitstests unter den Teppich zu kehren.

Die Kunst der Vertuschung:

„Neue Besen kehren gut“ – besonders wenn es darum geht, etwas unter den Teppich zu kehren. Die Papiere zeigen, dass die EPA bei besagtem Skandal wusste, dass noch mehr Testlabore und noch mehr Produkte in diese betrügerischen Aktionen involviert waren, was aber von der Behörde offiziell nie zugegeben worden war.

Die Kunst der Verheimlichung:

Weiter zeigen die Papiere, dass die EPA die Ergebnisse ihrer eigenen Studien in Bezug auf Dioxin und deren hohen Konzentrationen in der Umwelt und Muttermilch verheimlichte.

Vorsatz – laut Wikipedia: „Im deutschen Strafrecht beschreibt Vorsatz (dolus) nach der Rechtsprechung das Wissen und Wollen der Verwirklichung eines Straftatbestands. Er stellt bei Vorsatzdelikten den wesentlichen Teil des subjektiven Tatbestands dar und deckt sich weitgehend mit dem Tatentschluss.

Aus den Papieren wird deutlich, dass der oberste Mediziner von Monsanto, George Roush, unter Eid bezeugte, dass Monsanto-Studien über gesundheitliche Auswirkungen von Dioxin auf Arbeiter verfälscht publiziert wurden, um negative gesundheitliche Auswirkungen von Dioxin zu verschleiern. Die EPA hatte sich fast ausschließlich auf diese Studien bezogen, um eine gesetzliche Regelung und möglicherweise Verbannung von Dioxin zu vermeiden. Zudem wurden diese Studien bei gerichtlichen Auseinandersetzungen herangezogen, um Schadenersatzklagen von Kriegsveteranen, die Agent Orange ausgesetzt waren, abzuwehren.

Fazit

Wieder einmal zeigt sich die Industrie von ihrer herrlich schlechtesten Seite. Die Dokumentation von 20.000 geheimen Protokollen und nicht veröffentlichten Studien ist für mich mehr als Beweis genug, dass „die Industrie“ Produkte in den Markt bringt, die nicht dem Kunden, sondern ihr selbst am meisten nützen.

Die Nützlichkeit für den Kunden besteht dann viel zu häufig in der Illusion des Nutzens, den man dem Produkt angedichtet hat. Verwunderlich ist dies nicht, denn das genau ist die Strategie der Marketingabteilung der Industrie. Und diese Strategie gilt nicht nur für Herbizide, Pestizide etc. Sie gilt auch für Medikamente und schulmedizinische Behandlungsmethoden.

Und wenn man das noch mit den Dokumenten der „Panama Papers“, „Lux-Leaks“, usw. kombiniert, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass wir:

1. giftigen Dreck für teuer Geld angedreht bekommen,

2. die Konzerne dafür keine (oder kaum) Steuern bezahlen,

3. diese das Geld aus den „Gift- und Drecksgeschäften“ auch noch verschleiern und verstecken.

Ich wundere mich immer wieder, wie gleichgültig sehr große Teile der Bevölkerung diesem Treiben der Konzerne gegenübersteht. Da wird das neue „Wundersmartphone“ bejubelt und die neueste Pille als „Durchbruch der Medizin“ gefeiert… Herzlichen Glückwunsch auch an alle Menschen, die in diesen Konzernen arbeiten! Wissen Sie eigentlich für WEN Sie da arbeiten?

Ach ja: Vor kurzem hatte ich ja erst diesen Beitrag: Wir werden immer dümmer, oder: Die völlig verblödende Bevölkerung!

Datum: Freitag, 19. Januar 2018
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2 Kommentare

  1. Bearnairdine Beaumont
    Sonntag, 21. Januar 2018 11:42
    1

    Gut gesagt! Ich habe auch schon in den Poison Papers gestöbert, insbesondere auf der Suche nach ‚mehr‘ über Permethrin (welches in Flugzeugen zur Desinsektion benutzt wird) und zu ‚Zapfluft‘ welches (seit 1937 bekannt) zu Gesundheitsstörungen & ZNS – Verletzungen von Besatzungen und Passagieren führen kann. Ich stimme dem letzten Absatz zu 100% bei! Danke für die guten Artikel, ich wünsche mir, dass die bisher ’schlafenden‘ Menschen aufwachen! MfG.

  2. 2

    Guten Tag,
    Ich habe Ihre Seite über LinkedIn gefunden. Das Thema interessiert mich sehr, nur Schade, dass der Inhalt auf dem Handy nicht lesbar ist.
    Ich stelle mich gerne zur Verfügung, um Ihren Blog für Mobilgeräte zu optimieren, damit er auch unterwegs zur Geltung kommt.
    Herzliche Grüsse, Heinz Berner.

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