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Adiponektin als Frühwarnsystem: Was das Fett-Hormon über Ihren Stoffwechsel verrät

Ein Hormon, das von Fettzellen gebildet wird und ausgerechnet dann abnimmt, wenn das Fettgewebe immer größer wird – das klingt zunächst wie einer der üblichen Scherze, die sich der menschliche Stoffwechsel erlaubt.

Doch genau das geschieht beim Adiponektin.

Adiponektin gehört zu den sogenannten Adipokinen. Das sind hormonähnliche Botenstoffe, die vom Fettgewebe gebildet werden. Fett ist nämlich keineswegs nur eine passive Lagerhalle für überschüssige Kalorien. Es ist ein lebendiges, hormonell aktives Gewebe, das mit Leber, Muskeln, Gehirn, Immunsystem und Blutgefäßen kommuniziert.

Solange das Fettgewebe gesund ist, funktioniert diese Kommunikation erstaunlich gut. Werden die Fettzellen jedoch immer größer, sammeln sich Entzündungszellen im Gewebe, die Sauerstoffversorgung verschlechtert sich und das hormonelle Signal verändert sich. Entzündungsfördernde Botenstoffe nehmen zu, während Adiponektin häufig sinkt.

Damit kann ein niedriger Adiponektinspiegel auf eine Stoffwechselstörung hinweisen, lange bevor der Betroffene die Diagnose Diabetes erhält. Er ist allerdings kein Orakel und schon gar kein Wert, den man isoliert betrachten sollte.

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Was ist Adiponektin?

Adiponektin ist ein Eiweißhormon, das überwiegend von den Fettzellen des weißen Fettgewebes gebildet und ins Blut abgegeben wird. Es kommt dort in verschiedenen Formen vor. Neben kleineren Molekülverbänden existiert eine sogenannte hochmolekulare Form, das High-Molecular-Weight-Adiponektin, kurz HMW-Adiponektin.

Diese HMW-Form gilt als besonders stoffwechselaktiv. In der medizinischen Routinediagnostik wird allerdings meist das Gesamt-Adiponektin gemessen, sofern der Wert überhaupt bestimmt wird.

Adiponektin bindet unter anderem an Rezeptoren in der Muskulatur und in der Leber. Dort unterstützt es Prozesse, die für einen gesunden Zucker- und Fettstoffwechsel entscheidend sind. Es fördert die Verbrennung von Fettsäuren, verbessert die Reaktion der Zellen auf Insulin und kann die übermäßige Zuckerneubildung in der Leber bremsen.

Daneben werden Adiponektin entzündungshemmende und gefäßschützende Eigenschaften zugeschrieben. Ein günstiger Adiponektinhaushalt scheint daher nicht nur für den Blutzucker wichtig zu sein, sondern auch für die Leber, die Blutgefäße und den gesamten Energiestoffwechsel.

Das Adiponektin-Paradox: Mehr Fett, aber weniger Fett-Hormon

Normalerweise könnte man erwarten: Je mehr Fettgewebe ein Mensch besitzt, desto mehr Adiponektin müsste er bilden.

Tatsächlich ist häufig das Gegenteil der Fall.

Mit zunehmendem Übergewicht, insbesondere mit zunehmendem viszeralem Bauchfett, sinkt der Adiponektinspiegel bei vielen Menschen ab. Gleichzeitig steigen andere Botenstoffe wie Leptin sowie verschiedene Entzündungsmediatoren an.

Der Grund liegt wahrscheinlich weniger in der bloßen Menge des Fettgewebes als in dessen Zustand. Kleine, gut versorgte Fettzellen können Energie noch relativ geordnet speichern. Werden sie immer größer, gerät das Gewebe unter Stress. Die Sauerstoffversorgung verschlechtert sich, Immunzellen wandern ein und entzündungsfördernde Substanzen werden freigesetzt.

Das Fettgewebe ist dann nicht einfach nur „zu viel“. Es ist krank geworden.

Ausführlicher beschreibe ich diesen Vorgang in meinem Beitrag: Bauchfett wirkt wie ein Organ – und verändert den gesamten Stoffwechsel.

Besonders ungünstig ist das Fett, das sich innerhalb des Bauchraums um die inneren Organe lagert. Hinzu kommen Fettablagerungen in der Leber, der Muskulatur, der Bauchspeicheldrüse und um das Herz. Dieses sogenannte ektopische Fett zeigt, dass die normalen Speicher zunehmend überfordert sind.

Der Körper lagert seine Energiereserven dann an Orten ab, an denen Fett den Stoffwechsel empfindlich stört.

Mehr zu Bauchumfang und Fettverteilung finden Sie hier: Wann Hüftspeck und Bauchfett weg müssen.

Niedriges Adiponektin als Warnsignal

Niedrige Adiponektinwerte findet man gehäuft bei Menschen mit:

  • viszeralem Bauchfett,
  • Insulinresistenz,
  • erhöhten Nüchterninsulinwerten,
  • metabolischem Syndrom,
  • Typ-2-Diabetes,
  • erhöhten Triglyceriden,
  • niedrigen HDL-Werten,
  • Fettleber,
  • Bluthochdruck und
  • chronisch unterschwelligen Entzündungen.

Dabei handelt es sich zunächst um Zusammenhänge. Ein niedriger Wert beweist nicht, dass der Betroffene zwangsläufig Diabetes oder einen Herzinfarkt bekommen wird. Er zeigt jedoch, dass sich das Fettgewebe und der Zuckerstoffwechsel in eine ungünstige Richtung entwickelt haben könnten.

Prospektive Studien zeigen, dass Menschen mit niedrigen Adiponektinwerten häufiger später einen Typ-2-Diabetes entwickeln. Das macht Adiponektin zu einem interessanten Frühmarker. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass der Adiponektinmangel allein die Erkrankung verursacht. Stoffwechselkrankheiten entstehen nicht durch einen einzelnen Laborwert, sondern durch ein ganzes Netz aus Fettverteilung, Muskelmasse, Leberstoffwechsel, Ernährung, Schlaf, Bewegung, Genetik und Entzündungsprozessen.

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Adiponektin und Insulinresistenz

Insulin sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Zellen gelangt. Werden Muskel-, Leber- und Fettzellen zunehmend unempfindlich gegenüber Insulin, muss die Bauchspeicheldrüse immer größere Mengen dieses Hormons ausschütten.

Der Blutzucker kann dabei jahrelang noch scheinbar normal bleiben.

Der Arzt misst den Nüchternzucker, erklärt ihn für unauffällig und schickt den Patienten nach Hause. Im Hintergrund arbeitet die Bauchspeicheldrüse jedoch längst im Überstundenmodus.

Ein niedriger Adiponektinspiegel passt häufig in diese frühe Phase. Er kann anzeigen, dass das Fettgewebe seine günstige hormonelle Funktion verliert und die Insulinwirkung nachlässt.

Weitere mögliche Hinweise auf eine beginnende Insulinresistenz sind:

  • zunehmender Bauchumfang,
  • Müdigkeit nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten,
  • Heißhunger,
  • erhöhte Nüchterninsulinwerte,
  • erhöhte Triglyceride,
  • niedriges HDL,
  • Bluthochdruck,
  • eine Fettleber sowie
  • dunkle, samtartige Hautveränderungen oder zahlreiche kleine Hautanhängsel.

Zu den sichtbaren Hautzeichen habe ich einen eigenen Beitrag verfasst: Fibrome und Acanthosis nigricans als Warnzeichen für Insulinresistenz. Auch der Langzeitblutzucker sollte im Zusammenhang betrachtet werden: Was der HbA1c wirklich über Ihren Stoffwechsel verrät.

Adiponektin und Fettleber

Die Leber spielt beim Adiponektin eine zentrale Rolle. Sie entscheidet darüber, ob überschüssige Fettsäuren verbrannt, gespeichert oder erneut in den Blutkreislauf abgegeben werden.

Bei einer Insulinresistenz produziert die Leber häufig weiter Glukose, obwohl im Blut bereits mehr als genug davon vorhanden ist. Gleichzeitig lagert sie Fett ein. Eine nichtalkoholische beziehungsweise metabolisch bedingte Fettleber kann deshalb auch bei Menschen auftreten, die kaum Alkohol trinken.

Niedriges Adiponektin wird häufig zusammen mit Leberverfettung, erhöhten Triglyceriden und gestörter Insulinwirkung beobachtet. Ob Adiponektin hier Ursache, Folge oder beides ist, lässt sich im Einzelfall nicht sauber trennen.

Für die Praxis ist diese akademische Henne-Ei-Diskussion ohnehin nur begrenzt hilfreich. Entscheidend ist: Werden Bauchfett, Leberfett und Insulinresistenz reduziert, verbessert sich häufig auch die Adiponektinlage. Ausführlicher dazu: Fettleber – Ursachen und naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten.

Adiponektin und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Frühere Arbeiten ließen eine recht einfache Schlussfolgerung zu: Je niedriger das Adiponektin, desto höher das Risiko für Arteriosklerose und Herzinfarkt.

Ganz so einfach ist es nach heutigem Kenntnisstand nicht.

Bei ansonsten noch relativ gesunden Menschen gehen niedrige Werte häufig mit Übergewicht, Insulinresistenz und einem ungünstigen Herz-Kreislauf-Risiko einher. In mehreren Untersuchungen war höheres Adiponektin mit einem geringeren Risiko für eine koronare Herzkrankheit verbunden.

Bei bereits bestehenden schweren Erkrankungen kann sich der Zusammenhang jedoch umkehren. Bei Herzinsuffizienz, fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit, chronischer Niereninsuffizienz, Gewichtsverlust und Gebrechlichkeit werden teilweise sehr hohe Adiponektinwerte gemessen – und diese können mit einer schlechteren Prognose verbunden sein.

Das wird als Adiponektin-Paradox bezeichnet.

Mögliche Erklärungen sind eine verminderte Ausscheidung bei eingeschränkter Nierenfunktion, eine kompensatorisch gesteigerte Produktion, eine verminderte Wirkung an den Rezeptoren oder der erhöhte Adiponektinspiegel bei Muskel- und Gewichtsverlust.

Ein hoher Wert ist deshalb nicht unter allen Umständen gut, ebenso wie ein niedriger Wert nicht automatisch eine Krankheit beweist. Alter, Körperzusammensetzung, Nierenfunktion, Herzleistung und Allgemeinzustand müssen berücksichtigt werden.

Sollte man Adiponektin messen lassen?

Adiponektin kann in spezialisierten Laboren aus Serum oder Plasma bestimmt werden. Zur üblichen Vorsorgeuntersuchung gehört es allerdings nicht.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

Erstens unterscheiden sich die Messmethoden und Referenzbereiche der Labore. Zweitens hängen die Werte unter anderem von Geschlecht, Alter, Körperfettverteilung, Nierenfunktion und verschiedenen Erkrankungen ab. Frauen besitzen im Durchschnitt häufig höhere Werte als Männer. Drittens kann Gesamt-Adiponektin gemessen werden oder nur die HMW-Fraktion, was die Vergleichbarkeit zusätzlich erschwert.

Es gibt deshalb keinen universellen Idealwert, der für jeden Menschen gleichermaßen gilt.

Adiponektin kann als zusätzlicher Marker interessant sein, wenn trotz normaler Standardwerte bereits der Verdacht auf eine Stoffwechselstörung besteht. Dazu gehören beispielsweise ein stark zunehmender Bauchumfang, eine Fettleber, erhöhte Triglyceride, eine familiäre Diabetesbelastung oder andere Anzeichen einer Insulinresistenz.

Als alleinige Untersuchung eignet sich der Wert dagegen nicht. Auch aktuelle Übersichtsarbeiten betrachten Adiponektin eher als ergänzenden beziehungsweise noch nicht vollständig etablierten Biomarker und nicht als alleinige Diagnostik der Insulinresistenz.

Welche Werte sind zusätzlich sinnvoll?

Wer wissen möchte, wie es um seinen Stoffwechsel bestellt ist, sollte nicht nur einen exotischen Laborwert bestimmen lassen. Meist liefert bereits eine vernünftige Zusammenstellung einfacher Untersuchungen ein gutes Gesamtbild.

Dazu gehören:

  • Bauchumfang und Taille-Körpergröße-Verhältnis,
  • Nüchternblutzucker,
  • HbA1c,
  • Nüchterninsulin,
  • gegebenenfalls HOMA-IR,
  • Triglyceride,
  • HDL- und LDL-Cholesterin,
  • Leberwerte wie GPT, GOT und Gamma-GT,
  • Harnsäure,
  • Blutdruck und
  • je nach Situation hs-CRP als Entzündungsmarker.

Auch Ultraschallbefunde der Leber und eine Beurteilung der Muskelmasse können aufschlussreicher sein als die Jagd nach immer neuen Spezialwerten.

Adiponektin-Werte und deren Bedeutung

Befund Mögliche Bedeutung
Niedriges Adiponektin, großer Bauchumfang, hohes Insulin und hohe Triglyceride Deutlicher Hinweis auf eine ungünstige Stoffwechsellage
Niedriges Adiponektin bei sonst unauffälligen Werten Verlauf kontrollieren und Gesamtbild prüfen
Höheres Adiponektin bei guter Muskelmasse und gesundem Stoffwechsel Meist günstige Konstellation
Sehr hohes Adiponektin bei Herz-, Nieren- oder schweren Allgemeinerkrankungen Nicht automatisch günstig; Grunderkrankung berücksichtigen
Einzelner Wert ohne klinischen Zusammenhang Kaum sinnvoll interpretierbar

Wie lässt sich Adiponektin auf natürliche Weise verbessern?

Die Frage wird gern so gestellt, als gäbe es irgendwo eine Adiponektin-Kapsel, die man nur regelmäßig einwerfen müsse.

So funktioniert Stoffwechselmedizin leider nicht.

Adiponektin steigt meist dann, wenn sich der Zustand des Fettgewebes verbessert. Es geht also nicht darum, einen Laborwert kosmetisch anzuheben, sondern die Ursachen der Stoffwechselstörung zu behandeln.

  1. Viszerales Bauchfett reduzieren

Die wichtigste Maßnahme ist die Reduktion des inneren Bauchfetts. Dafür muss nicht zwingend ein angebliches Idealgewicht erreicht werden. Bereits eine merkliche Verringerung des Bauchumfangs kann die Stoffwechsellage deutlich verbessern.

Entscheidend ist nicht nur, was die Waage anzeigt. Ein Mensch kann Gewicht verlieren und dabei hauptsächlich Muskelmasse abbauen. Dann sieht die Zahl zwar hübscher aus, der Stoffwechsel aber nicht unbedingt.

Ziel sollte sein, Fett abzubauen und Muskeln möglichst zu erhalten oder aufzubauen.

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  1. Muskeln aufbauen

Die Muskulatur ist eines der wichtigsten Organe des Zuckerstoffwechsels. Sie nimmt nach einer Mahlzeit einen großen Teil der Glukose auf. Je besser sie trainiert ist, desto weniger Insulin wird für diese Aufgabe benötigt.

Krafttraining verbessert daher nicht nur Kraft und Stabilität, sondern auch die Insulinempfindlichkeit. Studien und Metaanalysen zeigen, dass körperliches Training Adiponektin erhöhen und gleichzeitig Nüchterninsulin sowie andere Stoffwechselmarker verbessern kann. Die Effekte sind allerdings individuell und hängen von Trainingsart, Dauer und Ausgangssituation ab.

Ausführlicher dazu: Muskelaufbau – Ernährung, Vitalstoffe und Naturheilkunde.

Eine brauchbare Kombination besteht aus zwei bis drei Einheiten Krafttraining pro Woche, regelmäßiger Ausdauerbewegung und möglichst viel Alltagsaktivität. Schon ein zügiger Spaziergang nach dem Essen kann dem Zuckerstoffwechsel mehr nützen als die nächste angebliche Stoffwechselkapsel.

  1. Dauerndes Essen beenden

Viele Menschen essen nicht nur zu viel, sondern zu häufig. Frühstück, Zwischenmahlzeit, Mittagessen, Kaffeegebäck, Abendessen und anschließend noch etwas vor dem Fernseher: Der Insulinspiegel bekommt kaum Gelegenheit abzusinken.

Essenspausen können helfen, den Fettstoffwechsel wieder stärker zu aktivieren. Intermittierendes Fasten ist hierfür eine Möglichkeit, aber kein religiöses Bekenntnis. Nicht jeder muss 16 Stunden fasten, und nicht jeder verträgt dieselbe Methode.

Aktuelle Auswertungen zeigen, dass Fastenprogramme Leptin und verschiedene Stoffwechselmarker verbessern können. Der direkte Anstieg des Adiponektins fällt in den Studien hingegen eher klein und teilweise statistisch unsicher aus. Das ist ein wichtiger Unterschied: Fasten kann den Stoffwechsel verbessern, ohne dass jeder einzelne Hormonwert spektakulär reagieren muss.

Mehr dazu:

Bei Diabetesmedikamenten, Insulintherapie, Essstörungen, Untergewicht, Schwangerschaft oder schweren Erkrankungen gehört das Fasten allerdings fachkundig begleitet.

  1. Zucker und hochverarbeitete Lebensmittel reduzieren

Eine Ernährung aus Weißmehl, Süßigkeiten, gezuckerten Getränken, Fruktosesirup, Fertiggerichten und ständig verfügbaren Snacks fördert genau jene Stoffwechsellage, die Adiponektin sinken lässt.

Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch kohlenhydratfrei leben muss. Es bedeutet zunächst, zwischen echten Lebensmitteln und industriell zusammengesetzten Esswaren zu unterscheiden.

Sinnvoll sind vor allem:

  • viel Gemüse,
  • Hülsenfrüchte, sofern sie vertragen werden,
  • ausreichend Eiweiß,
  • naturbelassene Fette,
  • Fisch,
  • Eier,
  • Nüsse und Samen,
  • Kräuter und Gewürze,
  • Beeren und andere zuckerärmere Früchte sowie
  • ballaststoffreiche, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel.

Mediterran geprägte Ernährungsformen können Entzündungsmarker und teilweise auch Adiponektin günstig beeinflussen. Entscheidend dürfte weniger das Etikett „Mittelmeerdiät“ sein als die Tatsache, dass echte Lebensmittel gegessen und Zucker, Transfette sowie Industrieprodukte zurückgedrängt werden.

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  1. Schlaf und nächtliche Atmung prüfen

Schlafmangel verschlechtert Appetitregulation, Insulinempfindlichkeit und Entscheidungsfähigkeit. Wer übermüdet ist, greift außerdem häufiger zu schnell verfügbaren Kohlenhydraten und bewegt sich weniger.

Bei starkem Übergewicht, lautem Schnarchen, morgendlichen Kopfschmerzen und ausgeprägter Tagesmüdigkeit sollte auch an eine Schlafapnoe gedacht werden. Die nächtlichen Atemaussetzer fördern Stressreaktionen, Sauerstoffmangel und Stoffwechselstörungen.

Der Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und Adiponektin ist zwar nicht in allen Untersuchungen einheitlich, die gesamte Stoffwechsellage profitiert jedoch von einem erholsamen Schlaf und einer normalen nächtlichen Atmung.

Mehr dazu: Übergewicht durch Schlafmangel?

  1. Omega-3-Fettsäuren – sinnvoll, aber kein Freibrief

Mehrere Metaanalysen zeigen einen moderaten Anstieg des Adiponektins durch Omega-3-Fettsäuren. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch je nach Ausgangslage, Dosierung und Studiendauer.

Omega-3 kann daher ein sinnvoller Baustein sein, insbesondere bei niedriger Fischzufuhr, erhöhten Triglyceriden und entzündlicher Stoffwechsellage. Es ersetzt aber weder Bewegung noch eine vernünftige Ernährung.

Mehr dazu: Omega-3-Fettsäuren – Wirkung, Dosierung und Kauf-Tipps.

Auch Magnesium ist für Insulinwirkung, Energiegewinnung und Muskelstoffwechsel wichtig. Ein Mangel sollte behoben werden. Daraus folgt allerdings nicht, dass jeder Mensch wahllos hoch dosiertes Magnesium einnehmen sollte.

Mehr dazu: Magnesium – welches Präparat und wann einnehmen?.

  1. Alkohol ist keine Adiponektin-Therapie

In älteren Untersuchungen wurde gelegentlich beobachtet, dass geringe Alkoholmengen mit höheren Adiponektinwerten verbunden waren.

Daraus eine Empfehlung für das tägliche Glas Wein abzuleiten, wäre ungefähr so vernünftig, wie Rauchen zur Gewichtsreduktion zu empfehlen.

Alkohol kann Leberverfettung, Schlafstörungen, Bluthochdruck, bestimmte Krebserkrankungen und Gewichtszunahme fördern. Niemand sollte anfangen zu trinken, um einen Laborwert zu verbessern.

  1. Nicht den Wert behandeln, sondern den Menschen

Das ist der entscheidende Punkt.

Ein niedriger Adiponektinspiegel ist kein eigenständiges Krankheitsbild. Er ist möglicherweise ein Zeichen dafür, dass das Fettgewebe seine gesunde Regulationsfunktion verliert.

Man kann nun versuchen, den Wert mit einzelnen Substanzen anzuheben. Oder man kümmert sich um das, was fast immer dahintersteht:

  • Bauchfett,
  • Leberfett,
  • Bewegungsmangel,
  • geringe Muskelmasse,
  • zu häufiges Essen,
  • Zucker und Industrieprodukte,
  • Schlafmangel,
  • chronischen Stress und
  • mögliche Mikronährstoffmängel.

Die zweite Variante verlangt mehr Arbeit. Dafür behandelt sie nicht nur den Laborzettel.

Mein Fazit

Adiponektin ist ein interessantes Frühwarnsignal für die Gesundheit des Fettgewebes und die Empfindlichkeit gegenüber Insulin. Niedrige Werte passen häufig zu viszeralem Bauchfett, Insulinresistenz, Fettleber, metabolischem Syndrom und einem erhöhten Diabetesrisiko.

Der Wert hat jedoch Grenzen. Er ist nicht einheitlich standardisiert, wird von Geschlecht, Alter, Nierenfunktion und bestehenden Erkrankungen beeinflusst und kann bei schweren chronischen Krankheiten paradoxerweise erhöht sein.

Ich würde Adiponektin deshalb weder ignorieren noch zum neuen Wunderwert erklären.

Wer einen niedrigen Wert besitzt, sollte nicht nach einem „Adiponektin-Booster“ suchen. Er sollte seinen Bauchumfang, Nüchternzucker, HbA1c, Nüchterninsulin, Triglyceride, HDL, Leberwerte, Muskelmasse, Schlaf und Bewegungsverhalten überprüfen.

Danach beginnt die eigentliche Therapie: Essenspausen schaffen, Zucker und Industrieprodukte reduzieren, Muskeln aufbauen, Bauchfett abbauen, schlafen und den Stoffwechsel wieder arbeiten lassen.

Der Körper braucht meistens keinen weiteren Trick. Er braucht endlich wieder Bedingungen, unter denen seine Regulation funktionieren kann.

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Dieser Beitrag wurde im Juni 2009 erstmalig erstellt und am 12.7.2026 komplett überarbeitet.

LCHF-Diät in der Kritik: Hoffnung für Diabetiker oder riskante Ernährungsideologie?

In Schweden sorgte im Jahr 2009 ein Ernährungstrend für kontroverse Diskussionen: die sogenannte LCHF-Ernährung – kurz für „Low Carb, High Fat“. Sie verspricht nicht nur eine nachhaltige Gewichtsregulation, sondern gilt manchen Ärzten auch als möglicher Ansatz für Menschen mit Typ-2-Diabetes. Doch während Befürworter auf erste Erfolge verweisen, warnen andere vor übereilten Schlüssen – vor allem, weil belastbare Langzeitdaten bisher fehlen.

Was bedeutet LCHF genau?

Die LCHF-Ernährung basiert auf zwei Grundprinzipien: sehr wenige Kohlenhydrate und dafür deutlich mehr Fett – vor allem aus tierischen Quellen. Während in der klassischen Ernährung etwa 50–60 % der Kalorien aus Kohlenhydraten stammen, reduziert LCHF diesen Anteil teils auf unter 10 %. Erlaubt sind Gemüse, Fleisch, Fisch, Eier, Nüsse, Butter und hochwertige Öle – verboten sind Brot, Pasta, Reis, Kartoffeln und Zucker in jeglicher Form. Auch viele Obstsorten sind wegen ihres Fruchtzuckergehalts unerwünscht.

Damit erinnert LCHF stark an die populäre Atkins-Diät der 1990er Jahre, die damals ebenfalls durch ihren extremen Kohlenhydratverzicht auffiel – und ebenso heftig diskutiert wurde.

Der Auslöser der Debatte: eine Ärztin geht voran

Ins Zentrum der aktuellen Debatte rückte in Schweden die Allgemeinärztin Dr. Annika Dahlqvist. Sie hatte sich öffentlich dafür ausgesprochen, Menschen mit Typ-2-Diabetes eine LCHF-Ernährung zu empfehlen. Ihre Begründung: Wer kaum noch Zucker und Stärke zu sich nehme, könne den Blutzuckerspiegel deutlich stabilisieren – und dadurch unter Umständen sogar auf Medikamente verzichten.

Unterstützt wurde sie dabei vom schwedischen Diabetologen Dr. Christian Berne, der der Methode eine gewisse wissenschaftliche Grundlage zusprach. Berne verwies auf positive klinische Erfahrungen sowie auf kleinere Studien, die kurzfristige Verbesserungen bei Blutzuckerwerten und Gewicht dokumentierten.

Fehlende Langzeitstudien und ein späterer Rückzieher

Kritiker wiesen jedoch früh auf ein zentrales Problem hin: belastbare Langzeitstudien fehlen bislang. Zwar gibt es erste Untersuchungen, die Vorteile bei Gewichtskontrolle und Insulinresistenz zeigen – doch wie sich die LCHF-Ernährung auf Herz-Kreislauf-Risiken, Nierenfunktion oder den Cholesterinspiegel über Jahre hinweg auswirkt, ist unklar.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Dr. Dahlqvist später ihre Haltung ausweitete. Sie sprach sich inzwischen nicht mehr nur für den Einsatz bei Diabetikern aus, sondern erklärte öffentlich, die LCHF-Diät könne grundsätzlich „allen Menschen guttun“. Damit verlagerte sich die Debatte von einem medizinischen Spezialfall hin zur grundsätzlichen Frage: Ist LCHF eine Lösung für viele – oder ein riskanter Trend mit Nebenwirkungen?

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Kritik aus der Fachwelt: zu einseitig, zu fettreich

Viele Ernährungsexperten und Mediziner äußern Bedenken. Sie warnen vor einer einseitigen Kost, die wichtige Mikronährstoffe – insbesondere aus Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten – vernachlässigt. Auch der hohe Anteil gesättigter Fette wird kritisch gesehen, da dieser bei genetisch vorbelasteten Menschen den Cholesterinspiegel erhöhen und langfristig das Risiko für Arteriosklerose steigern könnte. Mehr dazu: LCHF-Diät in der Kritik: Hoffnung für Diabetiker oder riskante Ernährungsideologie?

Zudem ist bekannt: Nicht jeder Stoffwechsel reagiert gleich. Während einige Menschen auf kohlenhydratarme Ernährung mit stabilem Gewicht und besserem Blutzucker ansprechen, leiden andere unter Erschöpfung, Konzentrationsproblemen oder Verdauungsstörungen.

Für Diabetiker: kontrollierte Umstellung statt radikaler Verzicht

Gerade für Menschen mit Typ-2-Diabetes kann die Reduktion von Zucker und einfachen Kohlenhydraten grundsätzlich sinnvoll sein – das steht außer Frage. Doch statt eines radikalen Kurswechsels plädieren viele Fachleute für einen maßvollen Ansatz: Mehr unverarbeitete Lebensmittel, komplexe Kohlenhydrate in moderaten Mengen, viel Gemüse, gesunde Fette und regelmäßige Bewegung. Eine alltagstaugliche, langfristige Strategie steht dabei im Vordergrund – keine kurzfristige Diät mit ungewissem Ausgang.

Ernährungsumstellungen sollten bei chronischen Erkrankungen nie ohne fachliche Begleitung erfolgen. Was im Einzelfall hilfreich sein kann, muss individuell abgestimmt und ärztlich begleitet werden – vor allem, wenn Medikamente im Spiel sind.

Warum die Debatte so wichtig ist

Die Diskussion in Schweden zeigt exemplarisch, wie stark Ernährung und Medizin miteinander verwoben sind – und wie schnell neue Konzepte in die Öffentlichkeit getragen werden, bevor sie wissenschaftlich fundiert überprüft wurden. Das Interesse an alternativen Ernährungsformen ist groß, gerade bei Menschen, die sich nicht mehr auf pauschale Empfehlungen verlassen wollen. Und das ist verständlich. Denn viele fühlen sich mit Standardratschlägen wie „weniger essen, mehr bewegen“ allein gelassen – vor allem, wenn diese trotz Disziplin nicht die erhofften Erfolge bringen.

Fazit: Zwischen Hoffnung und Hype

Tja… Es gibt immer Diskussionen – vor allem bei Ernährungsformen. Da macht die LCHF-Diät keine Ausnahme. Sie wirft zentrale Fragen zur Rolle von Kohlenhydraten, Fetten und industrieller Ernährung auf. Für manche Menschen kann sie ein Weg sein – zumindest kurzfristig. Für andere ist sie zu radikal, zu einseitig, zu schwer im Alltag durchzuhalten.

Wer ernsthaft etwas für seine Gesundheit tun will, braucht mehr als ein Diätlabel. Es braucht individuelle Lösungen, langfristiges Denken – und vor allem kritisches Hinterfragen. Denn nicht jede neue Ernährungsmode ist automatisch eine gute Entscheidung. Und nicht jeder mediale Hype hilft uns wirklich weiter.

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Beitragsbild: 123rf.com – subbotina

Übergewicht, Diabetes, Insulinspritzen – das muss nicht sein!

In der Tat birgt starkes Übergewicht viele Gesundheitsrisiken. Aus diesem Grunde sollten adipöse Menschen um jeden Preis versuchen, ihr Bauchfett loszuwerden.

Die Adipositas-Gesellschaft informiert, dass fast ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland stark übergewichtig ist. Der Ernährungsexperte Dr. Matthias Riedl erklärt einleuchtend, wie jeder Betroffene relativ leicht ungesundes Bauchfett verlieren kann.

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