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Dicke krank, Schlanke gesund? Warum die Waage so wenig über unsere Gesundheit verrät

Ein schlanker Mensch mit schlechten Blutwerten, Bluthochdruck und kaum Muskulatur. Daneben jemand mit einigen Kilos zu viel, der regelmäßig Sport treibt, gute Blutwerte hat und problemlos mehrere Stockwerke die Treppe hinaufläuft.

Wer von beiden ist gesünder?

Wer nur auf das Körpergewicht schaut, könnte zu einer völlig falschen Antwort kommen.

Seit Jahrzehnten wird uns vermittelt, dass Schlanksein nahezu gleichbedeutend mit Gesundheit sei. Übergewicht dagegen gilt als Vorstufe zahlreicher Krankheiten. Die medizinische Wirklichkeit ist erheblich komplizierter.

Ein schlanker Körper ist keine Garantie für Gesundheit. Und ein höheres Körpergewicht bedeutet nicht automatisch, dass jemand krank ist.

Das klingt zunächst selbstverständlich. Trotzdem werden Millionen Menschen anhand einer einzigen Zahl beurteilt: dem Body-Mass-Index.

Der BMI: Eine Formel, die mehr verspricht, als sie halten kann

Der Body-Mass-Index, kurz BMI, berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern.

Nach den üblichen Grenzwerten gilt für Erwachsene:

  • Unter 18,5: Untergewicht
  • 18,5 bis 24,9: Normalgewicht
  • 25 bis 29,9: Übergewicht
  • Ab 30: Adipositas

Die Formel geht auf den belgischen Statistiker Adolphe Quetelet zurück, der sie bereits im 19. Jahrhundert entwickelte. Im Jahr 1972 machte der amerikanische Physiologe Ancel Keys sie unter der Bezeichnung Body-Mass-Index populär.

Das ursprüngliche Ziel war allerdings nicht, den Gesundheitszustand eines einzelnen Menschen umfassend zu beurteilen. Der BMI eignete sich vielmehr dazu, größere Bevölkerungsgruppen statistisch miteinander zu vergleichen.

Genau hier liegt das Problem.

Der BMI unterscheidet nicht zwischen Muskeln und Fett. Er berücksichtigt weder die Fettverteilung noch die körperliche Leistungsfähigkeit. Ein kräftiger, gut trainierter Mensch kann rechnerisch übergewichtig sein, während jemand mit wenig Muskelmasse und erhöhtem Körperfettanteil problemlos im Normalbereich liegt.

Als statistischer Risikomarker hat der BMI durchaus einen Wert. Als alleinige Grundlage für die gesundheitliche Beurteilung eines Menschen ist er ungeeignet.

Dazu habe ich bereits ausführlicher geschrieben: Die leichten Dicken und der BMI – oder der fette BMI-Betrug?

Entscheidend ist auch, wo das Fett sitzt

Ein weiterer Fehler besteht darin, jedes zusätzliche Kilogramm Körperfett gleich zu bewerten. Besonders wichtig ist das sogenannte viszerale Fettgewebe. Es befindet sich in der Bauchhöhle und umgibt die inneren Organe.

Dieses Fettgewebe ist keineswegs nur eine passive Energiereserve. Es ist stoffwechselaktiv, beeinflusst hormonelle Prozesse und steht mit Insulinresistenz, entzündlichen Veränderungen und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung. Das Fett direkt unter der Haut ist dagegen nicht in gleicher Weise mit diesen Risiken verbunden.

Deshalb kann ein Mensch mit einem BMI von 24 und ausgeprägtem Bauchfett stoffwechselgesundheitlich schlechter dastehen als jemand mit einem BMI von 28, der einen geringeren Bauchfettanteil und eine gute Muskulatur besitzt. Ein einfacher zusätzlicher Anhaltspunkt ist das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße.

Die britische Gesundheitsbehörde NICE empfiehlt Erwachsenen, den Taillenumfang möglichst unter der Hälfte der Körpergröße zu halten. Bei 1,70 Metern Körpergröße wären das beispielsweise weniger als 85 Zentimeter. Auch das ist keine vollständige Diagnose. Aber es liefert Informationen, die der BMI allein nicht bieten kann.

Die Stoffwechselwirkungen des Bauchfetts habe ich in einem weiteren Beitrag ausführlich beschrieben: Bauchfett wirkt wie ein Organ – und verändert den gesamten Stoffwechsel.

Wie sich verschiedene Fettverteilungstypen unterscheiden und wann das Fett am Bauch tatsächlich zum Gesundheitsproblem wird, erfahren Sie außerdem hier: Wann Hüftspeck und Bauchfett weg müssen.

Wer sein Gewicht reduzieren möchte, sollte deshalb zunächst klären, was eigentlich verändert werden soll. Geht es um gesundheitlich problematisches Bauchfett? Um fehlende Muskulatur? Um erhöhte Blutzuckerwerte? Oder lediglich darum, auf der Waage eine bestimmte Zahl zu erreichen?

Je nach Ausgangslage können ganz unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll sein. Und genau deshalb halte ich wenig von pauschalen Abnehmplänen, die für jeden Menschen dasselbe versprechen.

Eine bemerkenswerte Studie: Fitness schlägt den BMI

Besonders interessant finde ich eine 2025 im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Metaanalyse. Die Wissenschaftler werteten 20 Studien mit insgesamt rund 399.000 Beobachtungen aus. Untersucht wurde, wie Körpergewicht und kardiorespiratorische Fitness mit dem Sterberisiko zusammenhängen.

Normalgewichtige Menschen mit geringer körperlicher Fitness hatten gegenüber fitten Normalgewichtigen ein nahezu doppelt so hohes allgemeines Sterberisiko. Bei Menschen mit Adipositas und geringer Fitness lag dieses Risiko ebenfalls ungefähr doppelt so hoch.

Dagegen war das Sterberisiko fitter Menschen mit Übergewicht oder Adipositas gegenüber fitten Normalgewichtigen statistisch nicht signifikant erhöht. Das ist bemerkenswert. Allerdings handelt es sich um Beobachtungsstudien. Daraus lässt sich weder beweisen, dass Fitness sämtliche Risiken einer Adipositas aufhebt, noch dass zusätzliches Körperfett harmlos wäre. Auch ein statistisch nicht signifikanter Unterschied beweist nicht, dass die Risiken tatsächlich identisch sind.

Die Ergebnisse zeigen vielmehr, wie problematisch es ist, gesundheitliche Risiken ausschließlich am Gewicht festzumachen.

Ein Mensch wird nicht automatisch gesund, nur weil er abnimmt. Und seine Gesundheit kann sich durch regelmäßiges Training verbessern, auch wenn die Waage zunächst kaum weniger anzeigt.

Aus meiner Sicht wird dieser zweite Punkt noch immer unterschätzt.

Gerade beim Krafttraining kann sich die Körperzusammensetzung erheblich verbessern, ohne dass das Gesamtgewicht entsprechend sinkt. Muskelmasse wird aufgebaut, Fettmasse kann zurückgehen und der Körper wird leistungsfähiger.

Wer ausschließlich die Kilogramm kontrolliert, bemerkt davon möglicherweise wenig.

In meiner Praxis und auch aus meiner sportwissenschaftlichen Arbeit ist mir deshalb die Entwicklung von Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit wesentlich wichtiger als eine möglichst niedrige Zahl auf der Waage.

Studienquelle: Weeldreyer et al. (2025): Cardiorespiratory fitness, body mass index and mortality – systematic review and meta-analysis.

Wer gesund bleiben möchte, sollte deshalb nicht nur über Ernährung nachdenken. Ohne regelmäßige Muskelarbeit und Ausdauerbelastung fehlt ein entscheidender Teil der Gesundheitsvorsorge.

Gibt es tatsächlich gesunde Dicke und kranke Schlanke?

Ja. Die Forschung unterscheidet inzwischen verschiedene Stoffwechselzustände, die sich nicht allein am Körpergewicht erkennen lassen. Ein Teil der Menschen mit Adipositas weist zunächst unauffällige Blutzuckerwerte, einen normalen Blutdruck und ein günstiges Blutfettprofil auf. In wissenschaftlichen Veröffentlichungen spricht man häufig von metabolisch gesunder Adipositas.

Umgekehrt gibt es normalgewichtige Menschen mit Insulinresistenz, erhöhten Triglyceriden, Bluthochdruck oder einer Fettleber. Dass das Körpergewicht diese Unterschiede nicht zuverlässig abbildet, ist inzwischen gut dokumentiert.

Allerdings wäre es falsch, daraus zu schließen, dass eine metabolisch gesunde Adipositas dauerhaft risikolos bleibt. Langzeituntersuchungen zeigen, dass sich der Stoffwechselzustand verändern kann. Auch Menschen mit zunächst unauffälligen Stoffwechselwerten können im Verlauf Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln.

Eine neue Adipositas-Definition aus dem Jahr 2025

Eine internationale Expertenkommission schlug deshalb 2025 in The Lancet Diabetes & Endocrinology vor, zwischen präklinischer und klinischer Adipositas zu unterscheiden. Bei präklinischer Adipositas liegt überschüssiges Fettgewebe vor, ohne dass dadurch bereits nachweisbare Funktionsstörungen anderer Organe oder Gewebe bestehen. Bei klinischer Adipositas sind solche gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorhanden.

Die klinische Adipositas kann sich dabei nicht nur durch Stoffwechselstörungen, sondern beispielsweise auch durch eine eingeschränkte Organfunktion oder erhebliche körperliche Einschränkungen bemerkbar machen.

Die Unterscheidung zwischen präklinischer und klinischer Adipositas ist deshalb nicht mit der älteren Gegenüberstellung von metabolisch gesunder und metabolisch kranker Adipositas gleichzusetzen.

Der entscheidende Gedanke dahinter bleibt: Nicht jede Person mit einem hohen BMI befindet sich im gleichen Gesundheitszustand.

Das ist ein erheblicher Fortschritt gegenüber einer Betrachtung, die sich fast ausschließlich auf die Waage konzentriert.

Wissenschaftliche Quelle: Rubino et al. (2025): Definition and diagnostic criteria of clinical obesity.

Leben Menschen mit leichtem Übergewicht sogar länger?

Immer wieder tauchen Untersuchungen auf, in denen Menschen mit leichtem Übergewicht eine niedrigere Sterblichkeit aufweisen als Menschen im Normalgewichtsbereich. Dieses Phänomen wird teilweise als Adipositas-Paradoxon bezeichnet.

Dafür gibt es verschiedene mögliche Erklärungen. Bei älteren und chronisch kranken Menschen können Energiereserven von Bedeutung sein. Gleichzeitig sind solche Studien methodisch schwierig zu interpretieren.

Beispielsweise können schwere Erkrankungen bereits vor der Diagnose zu Gewichtsverlust führen. Auch Rauchen beeinflusst sowohl das Körpergewicht als auch die Sterblichkeit. Werden diese Faktoren nicht ausreichend berücksichtigt, entstehen leicht irreführende Ergebnisse.

Eine große Analyse von 239 prospektiven Studien mit insgesamt mehr als zehn Millionen Teilnehmern aus dem Jahr 2016 zeigte nach Einschränkung auf Nichtraucher und Berücksichtigung bestehender Erkrankungen ein anderes Bild: Die geringste Sterblichkeit lag überwiegend im Normalgewichtsbereich. Wer sich die Quelle ansehen möchte: Global BMI Mortality Collaboration (2016): Body-mass index and all-cause mortality.

Deshalb halte ich es für falsch, Menschen grundsätzlich zu empfehlen, einige zusätzliche Kilos als vermeintliche Lebensversicherung anzusammeln.

Bei älteren Menschen kommt es allerdings besonders darauf an, einen Verlust an Muskelmasse, Kraft und körperlicher Selbstständigkeit zu vermeiden. Eine aggressive Gewichtsreduktion kann hier mehr schaden als nützen.

Wer mit 75 Jahren zwar einige Kilogramm weniger wiegt, dafür aber kaum noch vom Stuhl aufstehen kann, hat gesundheitlich wenig gewonnen.

Was ich in meiner Naturheilpraxis für wichtiger halte als das Idealgewicht

Wenn wir Gesundheit beurteilen wollen, müssen wir über die Kilogramm hinausblicken. Mich interessieren vor allem die körperliche Leistungsfähigkeit, die Muskelmasse, die Fettverteilung und die Stoffwechselregulation.

Blutdruck, Nüchternglukose beziehungsweise HbA1c, Blutfettwerte und bei entsprechender Fragestellung auch Leberwerte liefern wichtige zusätzliche Informationen.

Ebenso wichtig sind die alltäglichen Gewohnheiten.

Wie bewegt sich ein Mensch? Wie schläft er? Was isst er regelmäßig? Wie stark ist seine Muskulatur? Wie entwickelt sich seine Belastbarkeit über die Jahre?

Das sind keine Nebensächlichkeiten.

1. Bewegung und Muskulatur

Wer regelmäßig zügig geht, Rad fährt, schwimmt oder eine andere Ausdauerbelastung ausübt, verbessert damit wichtige Voraussetzungen für die Herz-Kreislauf-Gesundheit.

Ergänzendes Krafttraining hilft, Muskulatur zu erhalten und aufzubauen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 bis 300 Minuten moderate Ausdauerbewegung pro Woche und muskelkräftigende Aktivitäten an mindestens zwei Tagen.

Das bedeutet nicht, dass jeder sofort ein umfangreiches Sportprogramm absolvieren muss. Entscheidend ist zunächst, überhaupt regelmäßig in Bewegung zu kommen und die Belastung nach und nach zu steigern.

Gerade Menschen, die lange keinen Sport getrieben haben, sollten behutsam beginnen. Die Regelmäßigkeit ist zunächst wichtiger als sportliche Höchstleistungen.

2. Ernährung statt immer neuer Diäten

Bei der Ernährung würde ich mich weniger auf starre Kalorientabellen konzentrieren, sondern zunächst auf die Qualität der täglichen Lebensmittel. Eine überwiegend naturbelassene Ernährung mit Gemüse, ausreichend Eiweiß, ballaststoffreichen Lebensmitteln und möglichst wenig hochverarbeiteten Produkten schafft eine wesentlich bessere Grundlage als die nächste kurzfristige Radikaldiät.

Entscheidend bleibt allerdings auch die insgesamt aufgenommene Energiemenge. Wer dauerhaft mehr Energie aufnimmt, als er verbraucht, kann selbst mit hochwertigen Lebensmitteln an Gewicht zunehmen.

Deshalb besteht eine sinnvolle Ernährungsumstellung nicht darin, Kalorien grundsätzlich für bedeutungslos zu erklären. Es geht darum, Lebensmittel so auszuwählen, dass Sättigung, Nährstoffversorgung und ein angemessenes Essverhalten langfristig zusammenpassen.

Warum das bloße Kalorienzählen häufig nicht zum erhofften langfristigen Erfolg führt, habe ich an anderer Stelle beschrieben.

Aus meiner Sicht wird außerdem die Bedeutung der Lebensmittelqualität häufig unterschätzt. Hochverarbeitete Produkte sind oft so zusammengesetzt, dass sie sich leicht und in großen Mengen verzehren lassen. Gleichzeitig liefern sie nicht unbedingt die Nährstoffdichte, die man sich von einer vernünftigen Ernährung wünschen würde.

Wer seine Ernährung verbessern möchte, braucht deshalb nicht zwangsläufig komplizierte Pläne. Häufig ist es bereits ein erheblicher Fortschritt, die alltäglichen Lebensmittel kritisch zu überprüfen.

3. Stoffwechselwerte nicht übersehen

Besonders bei erhöhtem Bauchumfang sollte man sich nicht allein darauf verlassen, dass das Gewicht noch im Normalbereich liegt. Ein erhöhter Nüchternblutzucker, ungünstige Blutfettwerte oder ein steigender Blutdruck können auf Stoffwechselprobleme hinweisen, die äußerlich kaum erkennbar sind.

Auch eine Fettleber ist keineswegs ausschließlich ein Problem stark übergewichtiger Menschen. Bei entsprechendem Verdacht können neben Blutzucker und HbA1c unter anderem Triglyceride, HDL-Cholesterin und Leberwerte sinnvoll sein. Welche weiteren Untersuchungen notwendig sind, hängt von der individuellen Situation ab.

In meinem Beitrag Leberwerte erhöht? GPT, GOT und GGT richtig verstehen erläutere ich, warum gerade bei Stoffwechselproblemen ein genauerer Blick auf die Leber lohnend sein kann. Auch normale Standardlaborwerte schließen eine beginnende Stoffwechselstörung nicht in jedem Fall aus. Eine Beurteilung sollte daher immer die Gesamtsituation berücksichtigen.

4. Heilfasten als Einstieg in eine Veränderung?

Das Heilfasten kann, wenn es individuell geeignet ist und fachgerecht durchgeführt wird, ein sinnvoller Einstieg sein, um Ernährungsgewohnheiten bewusst zu verändern. Wer fastet, beschäftigt sich zwangsläufig mit seinem bisherigen Essverhalten. Hunger, Appetit, Gewohnheiten und die ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln werden häufig anders wahrgenommen.

Aus meiner langjährigen Erfahrung mit Fastenden weiß ich allerdings auch, dass die entscheidende Arbeit oft erst nach dem Fasten beginnt. Wer anschließend genauso weiterisst wie vorher, darf keine dauerhafte Veränderung erwarten.

Fasten ist deshalb aus meiner Sicht kein Ersatz für eine nachhaltige Ernährungsumstellung. Ebenso wenig ersetzt es den Aufbau und Erhalt von Muskulatur. Den Unterschied zwischen beiden Ansätzen habe ich in meinem Beitrag Fasten ist keine Diät – warum der Körper anders reagiert ausführlicher beschrieben.

Für manche Menschen kann auch Intervallfasten eine praktikable Möglichkeit sein, die tägliche Nahrungsaufnahme besser zu strukturieren. Es ist allerdings nicht grundsätzlich wirksamer als andere Ernährungsformen, mit denen sich eine vergleichbare Energiereduktion erreichen lässt.

Wichtig: Bei bestimmten Erkrankungen, bei Untergewicht, Essstörungen und bei der Einnahme bestimmter Medikamente, insbesondere bei Diabetes, muss vor dem Fasten geklärt werden, ob und unter welchen Bedingungen es geeignet ist.

Mein Fazit: Gesundheit lässt sich nicht wiegen

Es wäre bequem, wenn eine einzige Zahl darüber entscheiden könnte, wer gesund ist und wer nicht, aber der menschliche Stoffwechsel funktioniert nicht so einfach. Schlanke Menschen können erhebliche Stoffwechselprobleme entwickeln. Menschen mit Übergewicht können körperlich leistungsfähig sein und zunächst günstige Gesundheitswerte aufweisen.

Genauso bleibt richtig, dass ausgeprägte Adipositas erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen kann. Diese Risiken verschwinden nicht dadurch, dass jemand sportlich aktiv ist oder sich subjektiv wohlfühlt.

Mein Ziel wäre deshalb nicht, jeden Menschen möglichst schlank zu machen. Ich möchte, dass Menschen möglichst gesund, kräftig, beweglich und stoffwechselstabil bleiben.

Wenn dafür eine Gewichtsreduktion notwendig ist, sollte sie sinnvoll und langfristig angelegt sein. Wenn dagegen vor allem Muskulatur, Fitness oder Stoffwechselgesundheit verbessert werden müssen, dann sollte genau dort angesetzt werden.

 

Quellen, die ich mir für diesen Beitrag angesehen habe

  1. Rubino F. et al. (2025): Definition and diagnostic criteria of clinical obesity. The Lancet Diabetes & Endocrinology. Zur Veröffentlichung.
  2. Weeldreyer N. R. et al. (2025): Cardiorespiratory fitness, body mass index and mortality: a systematic review and meta-analysis. British Journal of Sports Medicine. Zur Veröffentlichung.
  3. Global BMI Mortality Collaboration (2016): Body-mass index and all-cause mortality: individual-participant-data meta-analysis of 239 prospective studies in four continents. The Lancet. Zur Veröffentlichung.
  4. NICE (2025/2026): Overweight and obesity management – Identifying and assessing overweight, obesity and central adiposity. Zur Leitlinie.
  5. World Health Organization (2020): WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour. Zu den Empfehlungen.

Diesen Beitrag hatte erstmals am 24. November 2008 veröffentlicht und am 9. Oktober 2026 umfassend überarbeitet und mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ergänzt.

Adiponektin als Frühwarnsystem: Was das Fett-Hormon über Ihren Stoffwechsel verrät

Ein Hormon, das von Fettzellen gebildet wird und ausgerechnet dann abnimmt, wenn das Fettgewebe immer größer wird – das klingt zunächst wie einer der üblichen Scherze, die sich der menschliche Stoffwechsel erlaubt.

Doch genau das geschieht beim Adiponektin.

Adiponektin gehört zu den sogenannten Adipokinen. Das sind hormonähnliche Botenstoffe, die vom Fettgewebe gebildet werden. Fett ist nämlich keineswegs nur eine passive Lagerhalle für überschüssige Kalorien. Es ist ein lebendiges, hormonell aktives Gewebe, das mit Leber, Muskeln, Gehirn, Immunsystem und Blutgefäßen kommuniziert.

Solange das Fettgewebe gesund ist, funktioniert diese Kommunikation erstaunlich gut. Werden die Fettzellen jedoch immer größer, sammeln sich Entzündungszellen im Gewebe, die Sauerstoffversorgung verschlechtert sich und das hormonelle Signal verändert sich. Entzündungsfördernde Botenstoffe nehmen zu, während Adiponektin häufig sinkt.

Damit kann ein niedriger Adiponektinspiegel auf eine Stoffwechselstörung hinweisen, lange bevor der Betroffene die Diagnose Diabetes erhält. Er ist allerdings kein Orakel und schon gar kein Wert, den man isoliert betrachten sollte.

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Was ist Adiponektin?

Adiponektin ist ein Eiweißhormon, das überwiegend von den Fettzellen des weißen Fettgewebes gebildet und ins Blut abgegeben wird. Es kommt dort in verschiedenen Formen vor. Neben kleineren Molekülverbänden existiert eine sogenannte hochmolekulare Form, das High-Molecular-Weight-Adiponektin, kurz HMW-Adiponektin.

Diese HMW-Form gilt als besonders stoffwechselaktiv. In der medizinischen Routinediagnostik wird allerdings meist das Gesamt-Adiponektin gemessen, sofern der Wert überhaupt bestimmt wird.

Adiponektin bindet unter anderem an Rezeptoren in der Muskulatur und in der Leber. Dort unterstützt es Prozesse, die für einen gesunden Zucker- und Fettstoffwechsel entscheidend sind. Es fördert die Verbrennung von Fettsäuren, verbessert die Reaktion der Zellen auf Insulin und kann die übermäßige Zuckerneubildung in der Leber bremsen.

Daneben werden Adiponektin entzündungshemmende und gefäßschützende Eigenschaften zugeschrieben. Ein günstiger Adiponektinhaushalt scheint daher nicht nur für den Blutzucker wichtig zu sein, sondern auch für die Leber, die Blutgefäße und den gesamten Energiestoffwechsel.

Das Adiponektin-Paradox: Mehr Fett, aber weniger Fett-Hormon

Normalerweise könnte man erwarten: Je mehr Fettgewebe ein Mensch besitzt, desto mehr Adiponektin müsste er bilden.

Tatsächlich ist häufig das Gegenteil der Fall.

Mit zunehmendem Übergewicht, insbesondere mit zunehmendem viszeralem Bauchfett, sinkt der Adiponektinspiegel bei vielen Menschen ab. Gleichzeitig steigen andere Botenstoffe wie Leptin sowie verschiedene Entzündungsmediatoren an.

Der Grund liegt wahrscheinlich weniger in der bloßen Menge des Fettgewebes als in dessen Zustand. Kleine, gut versorgte Fettzellen können Energie noch relativ geordnet speichern. Werden sie immer größer, gerät das Gewebe unter Stress. Die Sauerstoffversorgung verschlechtert sich, Immunzellen wandern ein und entzündungsfördernde Substanzen werden freigesetzt.

Das Fettgewebe ist dann nicht einfach nur „zu viel“. Es ist krank geworden.

Ausführlicher beschreibe ich diesen Vorgang in meinem Beitrag: Bauchfett wirkt wie ein Organ – und verändert den gesamten Stoffwechsel.

Besonders ungünstig ist das Fett, das sich innerhalb des Bauchraums um die inneren Organe lagert. Hinzu kommen Fettablagerungen in der Leber, der Muskulatur, der Bauchspeicheldrüse und um das Herz. Dieses sogenannte ektopische Fett zeigt, dass die normalen Speicher zunehmend überfordert sind.

Der Körper lagert seine Energiereserven dann an Orten ab, an denen Fett den Stoffwechsel empfindlich stört.

Mehr zu Bauchumfang und Fettverteilung finden Sie hier: Wann Hüftspeck und Bauchfett weg müssen.

Niedriges Adiponektin als Warnsignal

Niedrige Adiponektinwerte findet man gehäuft bei Menschen mit:

  • viszeralem Bauchfett,
  • Insulinresistenz,
  • erhöhten Nüchterninsulinwerten,
  • metabolischem Syndrom,
  • Typ-2-Diabetes,
  • erhöhten Triglyceriden,
  • niedrigen HDL-Werten,
  • Fettleber,
  • Bluthochdruck und
  • chronisch unterschwelligen Entzündungen.

Dabei handelt es sich zunächst um Zusammenhänge. Ein niedriger Wert beweist nicht, dass der Betroffene zwangsläufig Diabetes oder einen Herzinfarkt bekommen wird. Er zeigt jedoch, dass sich das Fettgewebe und der Zuckerstoffwechsel in eine ungünstige Richtung entwickelt haben könnten.

Prospektive Studien zeigen, dass Menschen mit niedrigen Adiponektinwerten häufiger später einen Typ-2-Diabetes entwickeln. Das macht Adiponektin zu einem interessanten Frühmarker. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass der Adiponektinmangel allein die Erkrankung verursacht. Stoffwechselkrankheiten entstehen nicht durch einen einzelnen Laborwert, sondern durch ein ganzes Netz aus Fettverteilung, Muskelmasse, Leberstoffwechsel, Ernährung, Schlaf, Bewegung, Genetik und Entzündungsprozessen.

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Adiponektin und Insulinresistenz

Insulin sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Zellen gelangt. Werden Muskel-, Leber- und Fettzellen zunehmend unempfindlich gegenüber Insulin, muss die Bauchspeicheldrüse immer größere Mengen dieses Hormons ausschütten.

Der Blutzucker kann dabei jahrelang noch scheinbar normal bleiben.

Der Arzt misst den Nüchternzucker, erklärt ihn für unauffällig und schickt den Patienten nach Hause. Im Hintergrund arbeitet die Bauchspeicheldrüse jedoch längst im Überstundenmodus.

Ein niedriger Adiponektinspiegel passt häufig in diese frühe Phase. Er kann anzeigen, dass das Fettgewebe seine günstige hormonelle Funktion verliert und die Insulinwirkung nachlässt.

Weitere mögliche Hinweise auf eine beginnende Insulinresistenz sind:

  • zunehmender Bauchumfang,
  • Müdigkeit nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten,
  • Heißhunger,
  • erhöhte Nüchterninsulinwerte,
  • erhöhte Triglyceride,
  • niedriges HDL,
  • Bluthochdruck,
  • eine Fettleber sowie
  • dunkle, samtartige Hautveränderungen oder zahlreiche kleine Hautanhängsel.

Zu den sichtbaren Hautzeichen habe ich einen eigenen Beitrag verfasst: Fibrome und Acanthosis nigricans als Warnzeichen für Insulinresistenz. Auch der Langzeitblutzucker sollte im Zusammenhang betrachtet werden: Was der HbA1c wirklich über Ihren Stoffwechsel verrät.

Adiponektin und Fettleber

Die Leber spielt beim Adiponektin eine zentrale Rolle. Sie entscheidet darüber, ob überschüssige Fettsäuren verbrannt, gespeichert oder erneut in den Blutkreislauf abgegeben werden.

Bei einer Insulinresistenz produziert die Leber häufig weiter Glukose, obwohl im Blut bereits mehr als genug davon vorhanden ist. Gleichzeitig lagert sie Fett ein. Eine nichtalkoholische beziehungsweise metabolisch bedingte Fettleber kann deshalb auch bei Menschen auftreten, die kaum Alkohol trinken.

Niedriges Adiponektin wird häufig zusammen mit Leberverfettung, erhöhten Triglyceriden und gestörter Insulinwirkung beobachtet. Ob Adiponektin hier Ursache, Folge oder beides ist, lässt sich im Einzelfall nicht sauber trennen.

Für die Praxis ist diese akademische Henne-Ei-Diskussion ohnehin nur begrenzt hilfreich. Entscheidend ist: Werden Bauchfett, Leberfett und Insulinresistenz reduziert, verbessert sich häufig auch die Adiponektinlage. Ausführlicher dazu: Fettleber – Ursachen und naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten.

Adiponektin und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Frühere Arbeiten ließen eine recht einfache Schlussfolgerung zu: Je niedriger das Adiponektin, desto höher das Risiko für Arteriosklerose und Herzinfarkt.

Ganz so einfach ist es nach heutigem Kenntnisstand nicht.

Bei ansonsten noch relativ gesunden Menschen gehen niedrige Werte häufig mit Übergewicht, Insulinresistenz und einem ungünstigen Herz-Kreislauf-Risiko einher. In mehreren Untersuchungen war höheres Adiponektin mit einem geringeren Risiko für eine koronare Herzkrankheit verbunden.

Bei bereits bestehenden schweren Erkrankungen kann sich der Zusammenhang jedoch umkehren. Bei Herzinsuffizienz, fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit, chronischer Niereninsuffizienz, Gewichtsverlust und Gebrechlichkeit werden teilweise sehr hohe Adiponektinwerte gemessen – und diese können mit einer schlechteren Prognose verbunden sein.

Das wird als Adiponektin-Paradox bezeichnet.

Mögliche Erklärungen sind eine verminderte Ausscheidung bei eingeschränkter Nierenfunktion, eine kompensatorisch gesteigerte Produktion, eine verminderte Wirkung an den Rezeptoren oder der erhöhte Adiponektinspiegel bei Muskel- und Gewichtsverlust.

Ein hoher Wert ist deshalb nicht unter allen Umständen gut, ebenso wie ein niedriger Wert nicht automatisch eine Krankheit beweist. Alter, Körperzusammensetzung, Nierenfunktion, Herzleistung und Allgemeinzustand müssen berücksichtigt werden.

Sollte man Adiponektin messen lassen?

Adiponektin kann in spezialisierten Laboren aus Serum oder Plasma bestimmt werden. Zur üblichen Vorsorgeuntersuchung gehört es allerdings nicht.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

Erstens unterscheiden sich die Messmethoden und Referenzbereiche der Labore. Zweitens hängen die Werte unter anderem von Geschlecht, Alter, Körperfettverteilung, Nierenfunktion und verschiedenen Erkrankungen ab. Frauen besitzen im Durchschnitt häufig höhere Werte als Männer. Drittens kann Gesamt-Adiponektin gemessen werden oder nur die HMW-Fraktion, was die Vergleichbarkeit zusätzlich erschwert.

Es gibt deshalb keinen universellen Idealwert, der für jeden Menschen gleichermaßen gilt.

Adiponektin kann als zusätzlicher Marker interessant sein, wenn trotz normaler Standardwerte bereits der Verdacht auf eine Stoffwechselstörung besteht. Dazu gehören beispielsweise ein stark zunehmender Bauchumfang, eine Fettleber, erhöhte Triglyceride, eine familiäre Diabetesbelastung oder andere Anzeichen einer Insulinresistenz.

Als alleinige Untersuchung eignet sich der Wert dagegen nicht. Auch aktuelle Übersichtsarbeiten betrachten Adiponektin eher als ergänzenden beziehungsweise noch nicht vollständig etablierten Biomarker und nicht als alleinige Diagnostik der Insulinresistenz.

Welche Werte sind zusätzlich sinnvoll?

Wer wissen möchte, wie es um seinen Stoffwechsel bestellt ist, sollte nicht nur einen exotischen Laborwert bestimmen lassen. Meist liefert bereits eine vernünftige Zusammenstellung einfacher Untersuchungen ein gutes Gesamtbild.

Dazu gehören:

  • Bauchumfang und Taille-Körpergröße-Verhältnis,
  • Nüchternblutzucker,
  • HbA1c,
  • Nüchterninsulin,
  • gegebenenfalls HOMA-IR,
  • Triglyceride,
  • HDL- und LDL-Cholesterin,
  • Leberwerte wie GPT, GOT und Gamma-GT,
  • Harnsäure,
  • Blutdruck und
  • je nach Situation hs-CRP als Entzündungsmarker.

Auch Ultraschallbefunde der Leber und eine Beurteilung der Muskelmasse können aufschlussreicher sein als die Jagd nach immer neuen Spezialwerten.

Adiponektin-Werte und deren Bedeutung

Befund Mögliche Bedeutung
Niedriges Adiponektin, großer Bauchumfang, hohes Insulin und hohe Triglyceride Deutlicher Hinweis auf eine ungünstige Stoffwechsellage
Niedriges Adiponektin bei sonst unauffälligen Werten Verlauf kontrollieren und Gesamtbild prüfen
Höheres Adiponektin bei guter Muskelmasse und gesundem Stoffwechsel Meist günstige Konstellation
Sehr hohes Adiponektin bei Herz-, Nieren- oder schweren Allgemeinerkrankungen Nicht automatisch günstig; Grunderkrankung berücksichtigen
Einzelner Wert ohne klinischen Zusammenhang Kaum sinnvoll interpretierbar

Wie lässt sich Adiponektin auf natürliche Weise verbessern?

Die Frage wird gern so gestellt, als gäbe es irgendwo eine Adiponektin-Kapsel, die man nur regelmäßig einwerfen müsse.

So funktioniert Stoffwechselmedizin leider nicht.

Adiponektin steigt meist dann, wenn sich der Zustand des Fettgewebes verbessert. Es geht also nicht darum, einen Laborwert kosmetisch anzuheben, sondern die Ursachen der Stoffwechselstörung zu behandeln.

  1. Viszerales Bauchfett reduzieren

Die wichtigste Maßnahme ist die Reduktion des inneren Bauchfetts. Dafür muss nicht zwingend ein angebliches Idealgewicht erreicht werden. Bereits eine merkliche Verringerung des Bauchumfangs kann die Stoffwechsellage deutlich verbessern.

Entscheidend ist nicht nur, was die Waage anzeigt. Ein Mensch kann Gewicht verlieren und dabei hauptsächlich Muskelmasse abbauen. Dann sieht die Zahl zwar hübscher aus, der Stoffwechsel aber nicht unbedingt.

Ziel sollte sein, Fett abzubauen und Muskeln möglichst zu erhalten oder aufzubauen.

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  1. Muskeln aufbauen

Die Muskulatur ist eines der wichtigsten Organe des Zuckerstoffwechsels. Sie nimmt nach einer Mahlzeit einen großen Teil der Glukose auf. Je besser sie trainiert ist, desto weniger Insulin wird für diese Aufgabe benötigt.

Krafttraining verbessert daher nicht nur Kraft und Stabilität, sondern auch die Insulinempfindlichkeit. Studien und Metaanalysen zeigen, dass körperliches Training Adiponektin erhöhen und gleichzeitig Nüchterninsulin sowie andere Stoffwechselmarker verbessern kann. Die Effekte sind allerdings individuell und hängen von Trainingsart, Dauer und Ausgangssituation ab.

Ausführlicher dazu: Muskelaufbau – Ernährung, Vitalstoffe und Naturheilkunde.

Eine brauchbare Kombination besteht aus zwei bis drei Einheiten Krafttraining pro Woche, regelmäßiger Ausdauerbewegung und möglichst viel Alltagsaktivität. Schon ein zügiger Spaziergang nach dem Essen kann dem Zuckerstoffwechsel mehr nützen als die nächste angebliche Stoffwechselkapsel.

  1. Dauerndes Essen beenden

Viele Menschen essen nicht nur zu viel, sondern zu häufig. Frühstück, Zwischenmahlzeit, Mittagessen, Kaffeegebäck, Abendessen und anschließend noch etwas vor dem Fernseher: Der Insulinspiegel bekommt kaum Gelegenheit abzusinken.

Essenspausen können helfen, den Fettstoffwechsel wieder stärker zu aktivieren. Intermittierendes Fasten ist hierfür eine Möglichkeit, aber kein religiöses Bekenntnis. Nicht jeder muss 16 Stunden fasten, und nicht jeder verträgt dieselbe Methode.

Aktuelle Auswertungen zeigen, dass Fastenprogramme Leptin und verschiedene Stoffwechselmarker verbessern können. Der direkte Anstieg des Adiponektins fällt in den Studien hingegen eher klein und teilweise statistisch unsicher aus. Das ist ein wichtiger Unterschied: Fasten kann den Stoffwechsel verbessern, ohne dass jeder einzelne Hormonwert spektakulär reagieren muss.

Mehr dazu:

Bei Diabetesmedikamenten, Insulintherapie, Essstörungen, Untergewicht, Schwangerschaft oder schweren Erkrankungen gehört das Fasten allerdings fachkundig begleitet.

  1. Zucker und hochverarbeitete Lebensmittel reduzieren

Eine Ernährung aus Weißmehl, Süßigkeiten, gezuckerten Getränken, Fruktosesirup, Fertiggerichten und ständig verfügbaren Snacks fördert genau jene Stoffwechsellage, die Adiponektin sinken lässt.

Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch kohlenhydratfrei leben muss. Es bedeutet zunächst, zwischen echten Lebensmitteln und industriell zusammengesetzten Esswaren zu unterscheiden.

Sinnvoll sind vor allem:

  • viel Gemüse,
  • Hülsenfrüchte, sofern sie vertragen werden,
  • ausreichend Eiweiß,
  • naturbelassene Fette,
  • Fisch,
  • Eier,
  • Nüsse und Samen,
  • Kräuter und Gewürze,
  • Beeren und andere zuckerärmere Früchte sowie
  • ballaststoffreiche, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel.

Mediterran geprägte Ernährungsformen können Entzündungsmarker und teilweise auch Adiponektin günstig beeinflussen. Entscheidend dürfte weniger das Etikett „Mittelmeerdiät“ sein als die Tatsache, dass echte Lebensmittel gegessen und Zucker, Transfette sowie Industrieprodukte zurückgedrängt werden.

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  1. Schlaf und nächtliche Atmung prüfen

Schlafmangel verschlechtert Appetitregulation, Insulinempfindlichkeit und Entscheidungsfähigkeit. Wer übermüdet ist, greift außerdem häufiger zu schnell verfügbaren Kohlenhydraten und bewegt sich weniger.

Bei starkem Übergewicht, lautem Schnarchen, morgendlichen Kopfschmerzen und ausgeprägter Tagesmüdigkeit sollte auch an eine Schlafapnoe gedacht werden. Die nächtlichen Atemaussetzer fördern Stressreaktionen, Sauerstoffmangel und Stoffwechselstörungen.

Der Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und Adiponektin ist zwar nicht in allen Untersuchungen einheitlich, die gesamte Stoffwechsellage profitiert jedoch von einem erholsamen Schlaf und einer normalen nächtlichen Atmung.

Mehr dazu: Übergewicht durch Schlafmangel?

  1. Omega-3-Fettsäuren – sinnvoll, aber kein Freibrief

Mehrere Metaanalysen zeigen einen moderaten Anstieg des Adiponektins durch Omega-3-Fettsäuren. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch je nach Ausgangslage, Dosierung und Studiendauer.

Omega-3 kann daher ein sinnvoller Baustein sein, insbesondere bei niedriger Fischzufuhr, erhöhten Triglyceriden und entzündlicher Stoffwechsellage. Es ersetzt aber weder Bewegung noch eine vernünftige Ernährung.

Mehr dazu: Omega-3-Fettsäuren – Wirkung, Dosierung und Kauf-Tipps.

Auch Magnesium ist für Insulinwirkung, Energiegewinnung und Muskelstoffwechsel wichtig. Ein Mangel sollte behoben werden. Daraus folgt allerdings nicht, dass jeder Mensch wahllos hoch dosiertes Magnesium einnehmen sollte.

Mehr dazu: Magnesium – welches Präparat und wann einnehmen?.

  1. Alkohol ist keine Adiponektin-Therapie

In älteren Untersuchungen wurde gelegentlich beobachtet, dass geringe Alkoholmengen mit höheren Adiponektinwerten verbunden waren.

Daraus eine Empfehlung für das tägliche Glas Wein abzuleiten, wäre ungefähr so vernünftig, wie Rauchen zur Gewichtsreduktion zu empfehlen.

Alkohol kann Leberverfettung, Schlafstörungen, Bluthochdruck, bestimmte Krebserkrankungen und Gewichtszunahme fördern. Niemand sollte anfangen zu trinken, um einen Laborwert zu verbessern.

  1. Nicht den Wert behandeln, sondern den Menschen

Das ist der entscheidende Punkt.

Ein niedriger Adiponektinspiegel ist kein eigenständiges Krankheitsbild. Er ist möglicherweise ein Zeichen dafür, dass das Fettgewebe seine gesunde Regulationsfunktion verliert.

Man kann nun versuchen, den Wert mit einzelnen Substanzen anzuheben. Oder man kümmert sich um das, was fast immer dahintersteht:

  • Bauchfett,
  • Leberfett,
  • Bewegungsmangel,
  • geringe Muskelmasse,
  • zu häufiges Essen,
  • Zucker und Industrieprodukte,
  • Schlafmangel,
  • chronischen Stress und
  • mögliche Mikronährstoffmängel.

Die zweite Variante verlangt mehr Arbeit. Dafür behandelt sie nicht nur den Laborzettel.

Mein Fazit

Adiponektin ist ein interessantes Frühwarnsignal für die Gesundheit des Fettgewebes und die Empfindlichkeit gegenüber Insulin. Niedrige Werte passen häufig zu viszeralem Bauchfett, Insulinresistenz, Fettleber, metabolischem Syndrom und einem erhöhten Diabetesrisiko.

Der Wert hat jedoch Grenzen. Er ist nicht einheitlich standardisiert, wird von Geschlecht, Alter, Nierenfunktion und bestehenden Erkrankungen beeinflusst und kann bei schweren chronischen Krankheiten paradoxerweise erhöht sein.

Ich würde Adiponektin deshalb weder ignorieren noch zum neuen Wunderwert erklären.

Wer einen niedrigen Wert besitzt, sollte nicht nach einem „Adiponektin-Booster“ suchen. Er sollte seinen Bauchumfang, Nüchternzucker, HbA1c, Nüchterninsulin, Triglyceride, HDL, Leberwerte, Muskelmasse, Schlaf und Bewegungsverhalten überprüfen.

Danach beginnt die eigentliche Therapie: Essenspausen schaffen, Zucker und Industrieprodukte reduzieren, Muskeln aufbauen, Bauchfett abbauen, schlafen und den Stoffwechsel wieder arbeiten lassen.

Der Körper braucht meistens keinen weiteren Trick. Er braucht endlich wieder Bedingungen, unter denen seine Regulation funktionieren kann.

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Dieser Beitrag wurde im Juni 2009 erstmalig erstellt und am 12.7.2026 komplett überarbeitet.

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