Adiponektin als Frühwarnsystem: Was das Fett-Hormon über Ihren Stoffwechsel verrät

Ein Hormon, das von Fettzellen gebildet wird und ausgerechnet dann abnimmt, wenn das Fettgewebe immer größer wird – das klingt zunächst wie einer der üblichen Scherze, die sich der menschliche Stoffwechsel erlaubt.

Doch genau das geschieht beim Adiponektin.

Adiponektin gehört zu den sogenannten Adipokinen. Das sind hormonähnliche Botenstoffe, die vom Fettgewebe gebildet werden. Fett ist nämlich keineswegs nur eine passive Lagerhalle für überschüssige Kalorien. Es ist ein lebendiges, hormonell aktives Gewebe, das mit Leber, Muskeln, Gehirn, Immunsystem und Blutgefäßen kommuniziert.

Solange das Fettgewebe gesund ist, funktioniert diese Kommunikation erstaunlich gut. Werden die Fettzellen jedoch immer größer, sammeln sich Entzündungszellen im Gewebe, die Sauerstoffversorgung verschlechtert sich und das hormonelle Signal verändert sich. Entzündungsfördernde Botenstoffe nehmen zu, während Adiponektin häufig sinkt.

Damit kann ein niedriger Adiponektinspiegel auf eine Stoffwechselstörung hinweisen, lange bevor der Betroffene die Diagnose Diabetes erhält. Er ist allerdings kein Orakel und schon gar kein Wert, den man isoliert betrachten sollte.

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Was ist Adiponektin?

Adiponektin ist ein Eiweißhormon, das überwiegend von den Fettzellen des weißen Fettgewebes gebildet und ins Blut abgegeben wird. Es kommt dort in verschiedenen Formen vor. Neben kleineren Molekülverbänden existiert eine sogenannte hochmolekulare Form, das High-Molecular-Weight-Adiponektin, kurz HMW-Adiponektin.

Diese HMW-Form gilt als besonders stoffwechselaktiv. In der medizinischen Routinediagnostik wird allerdings meist das Gesamt-Adiponektin gemessen, sofern der Wert überhaupt bestimmt wird.

Adiponektin bindet unter anderem an Rezeptoren in der Muskulatur und in der Leber. Dort unterstützt es Prozesse, die für einen gesunden Zucker- und Fettstoffwechsel entscheidend sind. Es fördert die Verbrennung von Fettsäuren, verbessert die Reaktion der Zellen auf Insulin und kann die übermäßige Zuckerneubildung in der Leber bremsen.

Daneben werden Adiponektin entzündungshemmende und gefäßschützende Eigenschaften zugeschrieben. Ein günstiger Adiponektinhaushalt scheint daher nicht nur für den Blutzucker wichtig zu sein, sondern auch für die Leber, die Blutgefäße und den gesamten Energiestoffwechsel.

Das Adiponektin-Paradox: Mehr Fett, aber weniger Fett-Hormon

Normalerweise könnte man erwarten: Je mehr Fettgewebe ein Mensch besitzt, desto mehr Adiponektin müsste er bilden.

Tatsächlich ist häufig das Gegenteil der Fall.

Mit zunehmendem Übergewicht, insbesondere mit zunehmendem viszeralem Bauchfett, sinkt der Adiponektinspiegel bei vielen Menschen ab. Gleichzeitig steigen andere Botenstoffe wie Leptin sowie verschiedene Entzündungsmediatoren an.

Der Grund liegt wahrscheinlich weniger in der bloßen Menge des Fettgewebes als in dessen Zustand. Kleine, gut versorgte Fettzellen können Energie noch relativ geordnet speichern. Werden sie immer größer, gerät das Gewebe unter Stress. Die Sauerstoffversorgung verschlechtert sich, Immunzellen wandern ein und entzündungsfördernde Substanzen werden freigesetzt.

Das Fettgewebe ist dann nicht einfach nur „zu viel“. Es ist krank geworden.

Ausführlicher beschreibe ich diesen Vorgang in meinem Beitrag: Bauchfett wirkt wie ein Organ – und verändert den gesamten Stoffwechsel.

Besonders ungünstig ist das Fett, das sich innerhalb des Bauchraums um die inneren Organe lagert. Hinzu kommen Fettablagerungen in der Leber, der Muskulatur, der Bauchspeicheldrüse und um das Herz. Dieses sogenannte ektopische Fett zeigt, dass die normalen Speicher zunehmend überfordert sind.

Der Körper lagert seine Energiereserven dann an Orten ab, an denen Fett den Stoffwechsel empfindlich stört.

Mehr zu Bauchumfang und Fettverteilung finden Sie hier: Wann Hüftspeck und Bauchfett weg müssen.

Niedriges Adiponektin als Warnsignal

Niedrige Adiponektinwerte findet man gehäuft bei Menschen mit:

  • viszeralem Bauchfett,
  • Insulinresistenz,
  • erhöhten Nüchterninsulinwerten,
  • metabolischem Syndrom,
  • Typ-2-Diabetes,
  • erhöhten Triglyceriden,
  • niedrigen HDL-Werten,
  • Fettleber,
  • Bluthochdruck und
  • chronisch unterschwelligen Entzündungen.

Dabei handelt es sich zunächst um Zusammenhänge. Ein niedriger Wert beweist nicht, dass der Betroffene zwangsläufig Diabetes oder einen Herzinfarkt bekommen wird. Er zeigt jedoch, dass sich das Fettgewebe und der Zuckerstoffwechsel in eine ungünstige Richtung entwickelt haben könnten.

Prospektive Studien zeigen, dass Menschen mit niedrigen Adiponektinwerten häufiger später einen Typ-2-Diabetes entwickeln. Das macht Adiponektin zu einem interessanten Frühmarker. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass der Adiponektinmangel allein die Erkrankung verursacht. Stoffwechselkrankheiten entstehen nicht durch einen einzelnen Laborwert, sondern durch ein ganzes Netz aus Fettverteilung, Muskelmasse, Leberstoffwechsel, Ernährung, Schlaf, Bewegung, Genetik und Entzündungsprozessen.

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Adiponektin und Insulinresistenz

Insulin sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Zellen gelangt. Werden Muskel-, Leber- und Fettzellen zunehmend unempfindlich gegenüber Insulin, muss die Bauchspeicheldrüse immer größere Mengen dieses Hormons ausschütten.

Der Blutzucker kann dabei jahrelang noch scheinbar normal bleiben.

Der Arzt misst den Nüchternzucker, erklärt ihn für unauffällig und schickt den Patienten nach Hause. Im Hintergrund arbeitet die Bauchspeicheldrüse jedoch längst im Überstundenmodus.

Ein niedriger Adiponektinspiegel passt häufig in diese frühe Phase. Er kann anzeigen, dass das Fettgewebe seine günstige hormonelle Funktion verliert und die Insulinwirkung nachlässt.

Weitere mögliche Hinweise auf eine beginnende Insulinresistenz sind:

  • zunehmender Bauchumfang,
  • Müdigkeit nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten,
  • Heißhunger,
  • erhöhte Nüchterninsulinwerte,
  • erhöhte Triglyceride,
  • niedriges HDL,
  • Bluthochdruck,
  • eine Fettleber sowie
  • dunkle, samtartige Hautveränderungen oder zahlreiche kleine Hautanhängsel.

Zu den sichtbaren Hautzeichen habe ich einen eigenen Beitrag verfasst: Fibrome und Acanthosis nigricans als Warnzeichen für Insulinresistenz. Auch der Langzeitblutzucker sollte im Zusammenhang betrachtet werden: Was der HbA1c wirklich über Ihren Stoffwechsel verrät.

Adiponektin und Fettleber

Die Leber spielt beim Adiponektin eine zentrale Rolle. Sie entscheidet darüber, ob überschüssige Fettsäuren verbrannt, gespeichert oder erneut in den Blutkreislauf abgegeben werden.

Bei einer Insulinresistenz produziert die Leber häufig weiter Glukose, obwohl im Blut bereits mehr als genug davon vorhanden ist. Gleichzeitig lagert sie Fett ein. Eine nichtalkoholische beziehungsweise metabolisch bedingte Fettleber kann deshalb auch bei Menschen auftreten, die kaum Alkohol trinken.

Niedriges Adiponektin wird häufig zusammen mit Leberverfettung, erhöhten Triglyceriden und gestörter Insulinwirkung beobachtet. Ob Adiponektin hier Ursache, Folge oder beides ist, lässt sich im Einzelfall nicht sauber trennen.

Für die Praxis ist diese akademische Henne-Ei-Diskussion ohnehin nur begrenzt hilfreich. Entscheidend ist: Werden Bauchfett, Leberfett und Insulinresistenz reduziert, verbessert sich häufig auch die Adiponektinlage. Ausführlicher dazu: Fettleber – Ursachen und naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten.

Adiponektin und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Frühere Arbeiten ließen eine recht einfache Schlussfolgerung zu: Je niedriger das Adiponektin, desto höher das Risiko für Arteriosklerose und Herzinfarkt.

Ganz so einfach ist es nach heutigem Kenntnisstand nicht.

Bei ansonsten noch relativ gesunden Menschen gehen niedrige Werte häufig mit Übergewicht, Insulinresistenz und einem ungünstigen Herz-Kreislauf-Risiko einher. In mehreren Untersuchungen war höheres Adiponektin mit einem geringeren Risiko für eine koronare Herzkrankheit verbunden.

Bei bereits bestehenden schweren Erkrankungen kann sich der Zusammenhang jedoch umkehren. Bei Herzinsuffizienz, fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit, chronischer Niereninsuffizienz, Gewichtsverlust und Gebrechlichkeit werden teilweise sehr hohe Adiponektinwerte gemessen – und diese können mit einer schlechteren Prognose verbunden sein.

Das wird als Adiponektin-Paradox bezeichnet.

Mögliche Erklärungen sind eine verminderte Ausscheidung bei eingeschränkter Nierenfunktion, eine kompensatorisch gesteigerte Produktion, eine verminderte Wirkung an den Rezeptoren oder der erhöhte Adiponektinspiegel bei Muskel- und Gewichtsverlust.

Ein hoher Wert ist deshalb nicht unter allen Umständen gut, ebenso wie ein niedriger Wert nicht automatisch eine Krankheit beweist. Alter, Körperzusammensetzung, Nierenfunktion, Herzleistung und Allgemeinzustand müssen berücksichtigt werden.

Sollte man Adiponektin messen lassen?

Adiponektin kann in spezialisierten Laboren aus Serum oder Plasma bestimmt werden. Zur üblichen Vorsorgeuntersuchung gehört es allerdings nicht.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

Erstens unterscheiden sich die Messmethoden und Referenzbereiche der Labore. Zweitens hängen die Werte unter anderem von Geschlecht, Alter, Körperfettverteilung, Nierenfunktion und verschiedenen Erkrankungen ab. Frauen besitzen im Durchschnitt häufig höhere Werte als Männer. Drittens kann Gesamt-Adiponektin gemessen werden oder nur die HMW-Fraktion, was die Vergleichbarkeit zusätzlich erschwert.

Es gibt deshalb keinen universellen Idealwert, der für jeden Menschen gleichermaßen gilt.

Adiponektin kann als zusätzlicher Marker interessant sein, wenn trotz normaler Standardwerte bereits der Verdacht auf eine Stoffwechselstörung besteht. Dazu gehören beispielsweise ein stark zunehmender Bauchumfang, eine Fettleber, erhöhte Triglyceride, eine familiäre Diabetesbelastung oder andere Anzeichen einer Insulinresistenz.

Als alleinige Untersuchung eignet sich der Wert dagegen nicht. Auch aktuelle Übersichtsarbeiten betrachten Adiponektin eher als ergänzenden beziehungsweise noch nicht vollständig etablierten Biomarker und nicht als alleinige Diagnostik der Insulinresistenz.

Welche Werte sind zusätzlich sinnvoll?

Wer wissen möchte, wie es um seinen Stoffwechsel bestellt ist, sollte nicht nur einen exotischen Laborwert bestimmen lassen. Meist liefert bereits eine vernünftige Zusammenstellung einfacher Untersuchungen ein gutes Gesamtbild.

Dazu gehören:

  • Bauchumfang und Taille-Körpergröße-Verhältnis,
  • Nüchternblutzucker,
  • HbA1c,
  • Nüchterninsulin,
  • gegebenenfalls HOMA-IR,
  • Triglyceride,
  • HDL- und LDL-Cholesterin,
  • Leberwerte wie GPT, GOT und Gamma-GT,
  • Harnsäure,
  • Blutdruck und
  • je nach Situation hs-CRP als Entzündungsmarker.

Auch Ultraschallbefunde der Leber und eine Beurteilung der Muskelmasse können aufschlussreicher sein als die Jagd nach immer neuen Spezialwerten.

Adiponektin-Werte und deren Bedeutung

Befund Mögliche Bedeutung
Niedriges Adiponektin, großer Bauchumfang, hohes Insulin und hohe Triglyceride Deutlicher Hinweis auf eine ungünstige Stoffwechsellage
Niedriges Adiponektin bei sonst unauffälligen Werten Verlauf kontrollieren und Gesamtbild prüfen
Höheres Adiponektin bei guter Muskelmasse und gesundem Stoffwechsel Meist günstige Konstellation
Sehr hohes Adiponektin bei Herz-, Nieren- oder schweren Allgemeinerkrankungen Nicht automatisch günstig; Grunderkrankung berücksichtigen
Einzelner Wert ohne klinischen Zusammenhang Kaum sinnvoll interpretierbar

Wie lässt sich Adiponektin auf natürliche Weise verbessern?

Die Frage wird gern so gestellt, als gäbe es irgendwo eine Adiponektin-Kapsel, die man nur regelmäßig einwerfen müsse.

So funktioniert Stoffwechselmedizin leider nicht.

Adiponektin steigt meist dann, wenn sich der Zustand des Fettgewebes verbessert. Es geht also nicht darum, einen Laborwert kosmetisch anzuheben, sondern die Ursachen der Stoffwechselstörung zu behandeln.

  1. Viszerales Bauchfett reduzieren

Die wichtigste Maßnahme ist die Reduktion des inneren Bauchfetts. Dafür muss nicht zwingend ein angebliches Idealgewicht erreicht werden. Bereits eine merkliche Verringerung des Bauchumfangs kann die Stoffwechsellage deutlich verbessern.

Entscheidend ist nicht nur, was die Waage anzeigt. Ein Mensch kann Gewicht verlieren und dabei hauptsächlich Muskelmasse abbauen. Dann sieht die Zahl zwar hübscher aus, der Stoffwechsel aber nicht unbedingt.

Ziel sollte sein, Fett abzubauen und Muskeln möglichst zu erhalten oder aufzubauen.

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  1. Muskeln aufbauen

Die Muskulatur ist eines der wichtigsten Organe des Zuckerstoffwechsels. Sie nimmt nach einer Mahlzeit einen großen Teil der Glukose auf. Je besser sie trainiert ist, desto weniger Insulin wird für diese Aufgabe benötigt.

Krafttraining verbessert daher nicht nur Kraft und Stabilität, sondern auch die Insulinempfindlichkeit. Studien und Metaanalysen zeigen, dass körperliches Training Adiponektin erhöhen und gleichzeitig Nüchterninsulin sowie andere Stoffwechselmarker verbessern kann. Die Effekte sind allerdings individuell und hängen von Trainingsart, Dauer und Ausgangssituation ab.

Ausführlicher dazu: Muskelaufbau – Ernährung, Vitalstoffe und Naturheilkunde.

Eine brauchbare Kombination besteht aus zwei bis drei Einheiten Krafttraining pro Woche, regelmäßiger Ausdauerbewegung und möglichst viel Alltagsaktivität. Schon ein zügiger Spaziergang nach dem Essen kann dem Zuckerstoffwechsel mehr nützen als die nächste angebliche Stoffwechselkapsel.

  1. Dauerndes Essen beenden

Viele Menschen essen nicht nur zu viel, sondern zu häufig. Frühstück, Zwischenmahlzeit, Mittagessen, Kaffeegebäck, Abendessen und anschließend noch etwas vor dem Fernseher: Der Insulinspiegel bekommt kaum Gelegenheit abzusinken.

Essenspausen können helfen, den Fettstoffwechsel wieder stärker zu aktivieren. Intermittierendes Fasten ist hierfür eine Möglichkeit, aber kein religiöses Bekenntnis. Nicht jeder muss 16 Stunden fasten, und nicht jeder verträgt dieselbe Methode.

Aktuelle Auswertungen zeigen, dass Fastenprogramme Leptin und verschiedene Stoffwechselmarker verbessern können. Der direkte Anstieg des Adiponektins fällt in den Studien hingegen eher klein und teilweise statistisch unsicher aus. Das ist ein wichtiger Unterschied: Fasten kann den Stoffwechsel verbessern, ohne dass jeder einzelne Hormonwert spektakulär reagieren muss.

Mehr dazu:

Bei Diabetesmedikamenten, Insulintherapie, Essstörungen, Untergewicht, Schwangerschaft oder schweren Erkrankungen gehört das Fasten allerdings fachkundig begleitet.

  1. Zucker und hochverarbeitete Lebensmittel reduzieren

Eine Ernährung aus Weißmehl, Süßigkeiten, gezuckerten Getränken, Fruktosesirup, Fertiggerichten und ständig verfügbaren Snacks fördert genau jene Stoffwechsellage, die Adiponektin sinken lässt.

Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch kohlenhydratfrei leben muss. Es bedeutet zunächst, zwischen echten Lebensmitteln und industriell zusammengesetzten Esswaren zu unterscheiden.

Sinnvoll sind vor allem:

  • viel Gemüse,
  • Hülsenfrüchte, sofern sie vertragen werden,
  • ausreichend Eiweiß,
  • naturbelassene Fette,
  • Fisch,
  • Eier,
  • Nüsse und Samen,
  • Kräuter und Gewürze,
  • Beeren und andere zuckerärmere Früchte sowie
  • ballaststoffreiche, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel.

Mediterran geprägte Ernährungsformen können Entzündungsmarker und teilweise auch Adiponektin günstig beeinflussen. Entscheidend dürfte weniger das Etikett „Mittelmeerdiät“ sein als die Tatsache, dass echte Lebensmittel gegessen und Zucker, Transfette sowie Industrieprodukte zurückgedrängt werden.

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  1. Schlaf und nächtliche Atmung prüfen

Schlafmangel verschlechtert Appetitregulation, Insulinempfindlichkeit und Entscheidungsfähigkeit. Wer übermüdet ist, greift außerdem häufiger zu schnell verfügbaren Kohlenhydraten und bewegt sich weniger.

Bei starkem Übergewicht, lautem Schnarchen, morgendlichen Kopfschmerzen und ausgeprägter Tagesmüdigkeit sollte auch an eine Schlafapnoe gedacht werden. Die nächtlichen Atemaussetzer fördern Stressreaktionen, Sauerstoffmangel und Stoffwechselstörungen.

Der Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und Adiponektin ist zwar nicht in allen Untersuchungen einheitlich, die gesamte Stoffwechsellage profitiert jedoch von einem erholsamen Schlaf und einer normalen nächtlichen Atmung.

Mehr dazu: Übergewicht durch Schlafmangel?

  1. Omega-3-Fettsäuren – sinnvoll, aber kein Freibrief

Mehrere Metaanalysen zeigen einen moderaten Anstieg des Adiponektins durch Omega-3-Fettsäuren. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch je nach Ausgangslage, Dosierung und Studiendauer.

Omega-3 kann daher ein sinnvoller Baustein sein, insbesondere bei niedriger Fischzufuhr, erhöhten Triglyceriden und entzündlicher Stoffwechsellage. Es ersetzt aber weder Bewegung noch eine vernünftige Ernährung.

Mehr dazu: Omega-3-Fettsäuren – Wirkung, Dosierung und Kauf-Tipps.

Auch Magnesium ist für Insulinwirkung, Energiegewinnung und Muskelstoffwechsel wichtig. Ein Mangel sollte behoben werden. Daraus folgt allerdings nicht, dass jeder Mensch wahllos hoch dosiertes Magnesium einnehmen sollte.

Mehr dazu: Magnesium – welches Präparat und wann einnehmen?.

  1. Alkohol ist keine Adiponektin-Therapie

In älteren Untersuchungen wurde gelegentlich beobachtet, dass geringe Alkoholmengen mit höheren Adiponektinwerten verbunden waren.

Daraus eine Empfehlung für das tägliche Glas Wein abzuleiten, wäre ungefähr so vernünftig, wie Rauchen zur Gewichtsreduktion zu empfehlen.

Alkohol kann Leberverfettung, Schlafstörungen, Bluthochdruck, bestimmte Krebserkrankungen und Gewichtszunahme fördern. Niemand sollte anfangen zu trinken, um einen Laborwert zu verbessern.

  1. Nicht den Wert behandeln, sondern den Menschen

Das ist der entscheidende Punkt.

Ein niedriger Adiponektinspiegel ist kein eigenständiges Krankheitsbild. Er ist möglicherweise ein Zeichen dafür, dass das Fettgewebe seine gesunde Regulationsfunktion verliert.

Man kann nun versuchen, den Wert mit einzelnen Substanzen anzuheben. Oder man kümmert sich um das, was fast immer dahintersteht:

  • Bauchfett,
  • Leberfett,
  • Bewegungsmangel,
  • geringe Muskelmasse,
  • zu häufiges Essen,
  • Zucker und Industrieprodukte,
  • Schlafmangel,
  • chronischen Stress und
  • mögliche Mikronährstoffmängel.

Die zweite Variante verlangt mehr Arbeit. Dafür behandelt sie nicht nur den Laborzettel.

Mein Fazit

Adiponektin ist ein interessantes Frühwarnsignal für die Gesundheit des Fettgewebes und die Empfindlichkeit gegenüber Insulin. Niedrige Werte passen häufig zu viszeralem Bauchfett, Insulinresistenz, Fettleber, metabolischem Syndrom und einem erhöhten Diabetesrisiko.

Der Wert hat jedoch Grenzen. Er ist nicht einheitlich standardisiert, wird von Geschlecht, Alter, Nierenfunktion und bestehenden Erkrankungen beeinflusst und kann bei schweren chronischen Krankheiten paradoxerweise erhöht sein.

Ich würde Adiponektin deshalb weder ignorieren noch zum neuen Wunderwert erklären.

Wer einen niedrigen Wert besitzt, sollte nicht nach einem „Adiponektin-Booster“ suchen. Er sollte seinen Bauchumfang, Nüchternzucker, HbA1c, Nüchterninsulin, Triglyceride, HDL, Leberwerte, Muskelmasse, Schlaf und Bewegungsverhalten überprüfen.

Danach beginnt die eigentliche Therapie: Essenspausen schaffen, Zucker und Industrieprodukte reduzieren, Muskeln aufbauen, Bauchfett abbauen, schlafen und den Stoffwechsel wieder arbeiten lassen.

Der Körper braucht meistens keinen weiteren Trick. Er braucht endlich wieder Bedingungen, unter denen seine Regulation funktionieren kann.

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Dieser Beitrag wurde im Juni 2009 erstmalig erstellt und am 12.7.2026 komplett überarbeitet.

Bauchfett wirkt wie ein Organ – und verändert den gesamten Stoffwechsel

Bauchfett ist nicht einfach nur eine überflüssige Energiereserve, die sich über dem Hosenbund bemerkbar macht. Fettgewebe ist lebendig. Es wird durchblutet, enthält Nervenfasern und Immunzellen und produziert eine ganze Reihe hormonähnlicher Botenstoffe.

Damit greift es in den Zuckerstoffwechsel, den Blutdruck, das Hungergefühl, Entzündungsprozesse und sogar in den Geschlechtshormonhaushalt ein. Das gilt grundsätzlich für jedes Fettgewebe. Besonders ungünstig verhält sich allerdings das sogenannte viszerale Fett, das sich im Bauchraum zwischen und um die inneren Organe ansammelt.

Es ist daher ein Fehler, Übergewicht ausschließlich nach Kilogramm oder Body-Mass-Index zu beurteilen. Zwei Menschen können dasselbe Gewicht und denselben BMI haben – und dennoch ein völlig unterschiedliches Stoffwechselrisiko.

Bauchfett ist nicht gleich Bauchfett

Zunächst muss man zwei Formen unterscheiden.

Das Unterhautfett, medizinisch subkutanes Fett genannt, liegt unmittelbar unter der Haut. Es lässt sich meist mit den Fingern greifen. Dieses Fett ist keineswegs bedeutungslos, aber metabolisch häufig weniger problematisch.

Das viszerale Fett liegt tiefer im Bauchraum. Es umgibt unter anderem Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse und Nieren. Ein Teil der aus diesem Fett freigesetzten Fettsäuren und Botenstoffe gelangt über den Pfortaderkreislauf unmittelbar zur Leber. Genau das macht diese Fettverteilung so brisant.

Hinzu kommen Fettablagerungen direkt in Organen und Geweben, etwa in der Leber, der Bauchspeicheldrüse, der Muskulatur oder um das Herz. Dieses sogenannte ektopische Fett ist häufig ein Zeichen dafür, dass die normalen Fettdepots ihre Speicherkapazität überschritten haben.

Der Körper verstaut die überschüssige Energie dann dort, wo sie erheblichen Schaden anrichten kann. Mehr zu den verschiedenen Messmethoden und Fettverteilungstypen finden Sie in meinem Beitrag über Hüftspeck und Bauchfett.

Warum Fettgewebe wie ein Organ wirkt

Fettzellen speichern nicht nur Fett. Sie geben zahlreiche biologisch aktive Substanzen ab, die als Adipokine bezeichnet werden.

Dazu gehört beispielsweise Leptin. Dieses Hormon signalisiert dem Gehirn normalerweise, dass genügend Energie vorhanden ist. Bei starkem Übergewicht ist Leptin jedoch häufig reichlich vorhanden, während das Gehirn immer weniger darauf reagiert. Man spricht dann von einer Leptinresistenz. Viel Leptin bedeutet deshalb keineswegs automatisch wenig Hunger.

Ein weiterer Botenstoff ist Adiponektin. Es unterstützt unter anderem die Insulinempfindlichkeit und den Fettstoffwechsel. Ausgerechnet bei zunehmendem viszeralem Fett sinkt der Adiponektinspiegel häufig ab.

Daneben bildet Fettgewebe entzündungsfördernde Substanzen wie Interleukin-6, TNF-alpha und MCP-1 sowie Faktoren, die Blutgerinnung, Gefäßfunktion und Blutdruck beeinflussen können. Auch Enzyme des Geschlechtshormonstoffwechsels sind im Fettgewebe aktiv.

Das Fettgewebe meldet dem restlichen Körper also fortlaufend, wie es um die Energiereserven steht. Solange dieses System funktioniert, ist das sinnvoll. Problematisch wird es, wenn die Fettzellen immer größer werden und das Gewebe regelrecht aus den Nähten platzt.

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Wenn das Fettgewebe krank wird

Ein gesundes Fettgewebe kann überschüssige Energie zunächst relativ geordnet speichern. Bei dauerhaftem Überangebot vergrößern sich die Fettzellen jedoch immer weiter. Die Versorgung mit Sauerstoff verschlechtert sich, Zellstress nimmt zu und Immunzellen wandern in das Gewebe ein. Es entsteht eine chronische, unterschwellige Entzündung. Der Betroffene bemerkt davon zunächst wenig. Es gibt kein Fieber, keine akuten Schmerzen und häufig nicht einmal auffällige Standardlaborwerte. Im Hintergrund verändert sich der Stoffwechsel dennoch erheblich.

Die Fettzellen reagieren schlechter auf Insulin und setzen vermehrt freie Fettsäuren frei. Die Leber produziert mehr Glukose und mehr triglyceridreiche Lipoproteine. Die Muskulatur nimmt Zucker schlechter auf. Die Bauchspeicheldrüse versucht gegenzuhalten und schüttet immer mehr Insulin aus. Damit beginnt der klassische Weg in die Insulinresistenz

Bauchfett, Insulin und Fettleber

Viszerales Fett, erhöhte Insulinspiegel und eine verfettete Leber treten häufig gemeinsam auf. Dabei ist es schwer, einen einzigen Schuldigen zu bestimmen, denn die Störungen verstärken sich gegenseitig.

Hohe Insulinspiegel hemmen den Fettabbau. Gleichzeitig fördert eine insulinresistente Leber die Neubildung und Freisetzung von Fett. Steigt der Zustrom freier Fettsäuren aus dem Bauchraum, lagert die Leber einen Teil davon ein.

So kann sich eine Fettleber entwickeln – auch bei Menschen, die kaum oder gar keinen Alkohol trinken. Die neue medizinische Bezeichnung lautet MASLD: metabolische Dysfunktions-assoziierte steatotische Lebererkrankung. Der neue Name ist etwas sperrig, bringt aber immerhin die eigentliche Ursache auf den Punkt: Die Leberverfettung ist meist Teil einer umfassenden Stoffwechselstörung.

Das Tückische daran: Eine Fettleber kann lange bestehen, obwohl die klassischen Leberwerte noch innerhalb des Referenzbereichs liegen. Ein „normales“ Gamma-GT oder GPT ist deshalb kein Freispruch.

Welche Krankheiten mit viszeralem Fett zusammenhängen

Ein großer Bauchumfang ist mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Die aktuelle deutsche Adipositas-Leitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Vermehrung des viszeralen Fettgewebes besonders eng mit einem ungünstigen kardiovaskulären Risikoprofil zusammenhängt.

Darüber hinaus bestehen Zusammenhänge mit:

  • Fettleber und erhöhten Triglyceriden,
  • Schlafapnoe,
  • chronischen Entzündungsprozessen,
  • Gicht und erhöhten Harnsäurewerten,
  • eingeschränkter Gefäßfunktion,
  • bestimmten hormonabhängigen Erkrankungen,
  • einem erhöhten Risiko für mehrere Krebsarten.

Bei Krebs sollte man dennoch sauber formulieren: Bauchfett ist nicht „der Auslöser“ einer Krebserkrankung. Es kann jedoch über Insulin, Wachstumsfaktoren, Entzündungsbotenstoffe und veränderte Sexualhormone ein Milieu fördern, in dem bestimmte Tumorerkrankungen wahrscheinlicher werden.

Der BMI übersieht das eigentliche Problem

Der Body-Mass-Index unterscheidet weder zwischen Muskel- und Fettmasse noch zwischen Unterhaut- und Organfett. Ein kräftiger Sportler kann nach BMI übergewichtig sein, obwohl sein Stoffwechsel ausgezeichnet funktioniert. Umgekehrt kann ein Mensch mit scheinbar normalem Gewicht einen hohen Anteil an Bauch- und Organfett besitzen.

Dieses Phänomen wird gelegentlich als „TOFI“ bezeichnet: außen dünn, innen fett. Für die Praxis ist deshalb der Taillenumfang häufig aufschlussreicher als der Blick auf die Waage. Die deutsche Adipositas-Leitlinie empfiehlt, neben Gewicht und Körpergröße auch Taillenumfang und gegebenenfalls das Verhältnis von Taille zu Körpergröße zu berücksichtigen.

So messen Sie Ihren Bauchumfang richtig

Gemessen wird im Stehen auf nackter Haut, etwa in der Mitte zwischen dem unteren Rippenbogen und dem oberen Rand des Beckenknochens. Das Maßband sollte waagerecht verlaufen, aber nicht in die Haut einschneiden. Gemessen wird nach einem normalen Ausatmen.

Entscheidend ist weniger, ob eine einzelne Messung auf den Millimeter genau ausfällt. Wichtig ist, immer an derselben Stelle und unter ähnlichen Bedingungen zu messen.

Für Menschen europäischer Herkunft gelten folgende Orientierungswerte:

Taillenumfang Männer Frauen
Risiko beginnt anzusteigen ab etwa 94 cm ab etwa 80 cm
deutlich erhöhtes Risiko ab etwa 102 cm ab etwa 88 cm

Noch einfacher ist das Verhältnis zwischen Taille und Körpergröße:

Taillenumfang geteilt durch Körpergröße.

Als praktische Faustregel gilt: Der Bauchumfang sollte weniger als die Hälfte der Körpergröße betragen. Bei einer Körpergröße von 180 Zentimetern wären das weniger als 90 Zentimeter.

Diese Werte sind keine Naturgesetze. Alter, Herkunft, Körperbau und Muskelmasse spielen ebenfalls eine Rolle. Als Frühwarnsystem sind sie dennoch wesentlich brauchbarer als der BMI allein.

Ein dicker oder vorgewölbter Bauch ist übrigens nicht automatisch ein Beweis für viszerales Fett. Auch Blähungen, Verstopfung, eine Rektusdiastase, Haltungsschwächen oder Flüssigkeit im Bauchraum können den Umfang vergrößern. Der Fastenarzt Dr. F.X. Mayr hat die Bauchformen ziemlich gut beschrieben: F.X. Mayr – Kur? Diät? Fasten?

Warum sich das Fett ausgerechnet am Bauch sammelt

Die Fettverteilung wird teilweise durch Alter, Geschlecht und Erbanlagen bestimmt. Dennoch sind die Gene nicht plötzlich schlechter geworden. Verändert haben sich vor allem Ernährung, Bewegung, Schlaf und Tagesrhythmus.

Besonders ungünstig sind ständig verfügbare, hochverarbeitete Lebensmittel, flüssige Kalorien, Alkohol und ein Übermaß an Zucker und Stärke. Auch ein hoher Fruktosekonsum kann die Fettneubildung in der Leber fördern. Dabei geht es weniger um einen Apfel als um Fruktosesirupe, Süßgetränke, Säfte, Süßwaren und industriell gesüßte Produkte. Mehr dazu finden Sie in meinem Beitrag über Fruktose und ihre Auswirkungen auf den Stoffwechsel.

Hinzu kommt das moderne Daueressen. Frühstück, Zwischenmahlzeit, Mittagessen, Kaffeegebäck, Abendessen und später noch etwas vor dem Fernseher: Der Insulinspiegel erhält kaum Gelegenheit, für längere Zeit abzusinken.

Auch Bewegungsmangel spielt eine zentrale Rolle. Muskulatur ist nicht nur für Kraft und Bewegung zuständig, sondern eines unserer wichtigsten Stoffwechselorgane. Sie nimmt einen erheblichen Teil der Glukose aus dem Blut auf. Wer Muskulatur verliert und sich wenig bewegt, verliert damit auch metabolische Pufferkapazität.

Weitere Ursachen und Verstärker habe ich im Beitrag 20 Wege, wie Übergewicht entsteht ausführlicher beschrieben.

Schlafmangel setzt ebenfalls am Bauch an

Schlaf wird beim Abnehmen regelmäßig behandelt, als sei er eine nette Zugabe für Menschen, die sonst keine Probleme haben. Das ist Unsinn.

In einer kontrollierten Studie mussten gesunde, normalgewichtige Teilnehmer zwei Wochen lang mit einer Schlafmöglichkeit von nur vier Stunden auskommen. Sie nahmen im Durchschnitt mehr Energie auf, während der Verbrauch kaum anstieg. Besonders bemerkenswert war, dass das abdominale und viszerale Fett zunahm.

Man kann sich also mühsam mit Kalorientabellen beschäftigen und gleichzeitig jede Nacht den Stoffwechsel gegen die Wand fahren.

Bei starkem Bauchfett, Schnarchen, morgendlichen Kopfschmerzen oder ausgeprägter Tagesmüdigkeit sollte zudem an eine Schlafapnoe gedacht werden. Schlafapnoe und Bauchfett verstärken sich häufig gegenseitig.

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Hormone spielen mit – aber nicht immer so, wie behauptet wird

In den Wechseljahren verschiebt sich die Fettverteilung bei vielen Frauen von Hüften und Oberschenkeln stärker in Richtung Bauchraum. Dabei wirken hormonelle Veränderungen mit dem altersbedingten Muskelverlust, verändertem Schlaf und einer häufig sinkenden Alltagsaktivität zusammen. Mehr dazu lesen Sie unter Gewichtszunahme in den Wechseljahren.

Bei Männern können Übergewicht und niedrige Testosteronwerte einen regelrechten Kreislauf bilden. Fettgewebe enthält das Enzym Aromatase, das Testosteron in Östrogene umwandeln kann. Gleichzeitig gehen Insulinresistenz, Fettleber und Schlafapnoe häufig mit niedrigeren Testosteronwerten einher. Dazu habe ich im Beitrag über den Rückgang der Testosteronspiegel bei Männern ausführlich Stellung genommen.

Auch Glukokortikoide wie Kortison können den Fettaufbau am Rumpf fördern. Wer entsprechende Medikamente benötigt, sollte sie deshalb selbstverständlich nicht eigenmächtig absetzen, aber die metabolischen Folgen im Auge behalten.

Der im Internet gern beschworene „Cortisolbauch“ ist dennoch keine Diagnose. Chronischer Stress kann Schlaf, Essverhalten, Blutzucker und Hormonregulation verschlechtern. Einen dicken Bauch allein mit „zu viel Cortisol“ zu erklären und anschließend irgendwelche Anti-Cortisol-Pulver zu verkaufen, ist hingegen eher Marketing als Medizin.

Was Bauchfett wirklich reduziert

Viszerales Fett reagiert grundsätzlich gut auf eine Lebensstiländerung. Man muss dazu weder jeden Bissen wiegen noch bis ans Lebensende Salatblätter zählen. Entscheidend ist, den Stoffwechsel regelmäßig aus der Speicherung herauszubringen.

Ernährung: Erst die offensichtlichen Belastungen entfernen

Der erste Schritt besteht nicht darin, das perfekte Verhältnis zwischen Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten auszurechnen. Zunächst sollten jene Dinge verschwinden, die den Stoffwechsel täglich torpedieren:

Süßgetränke, Säfte, größere Alkoholmengen, Süßwaren, Weißmehlprodukte, ständiges Naschen und hochverarbeitete Fertigprodukte.

Die Mahlzeiten sollten ausreichend Eiweiß, Gemüse, natürliche Ballaststoffe und hochwertige Fette enthalten. Eiweiß ist besonders im Alter wichtig, weil eine Gewichtsabnahme nicht auf Kosten der Muskulatur gehen sollte.

Eine ausführlichere Einordnung finden Sie unter Übergewicht natürlich behandeln.

Fasten: Werkzeug statt Zauberformel

Fasten kann den Übergang von der dauernden Speicherung zur Mobilisierung der Energiereserven erleichtern. Dabei muss man allerdings unterscheiden.

Intervallfasten bedeutet im Wesentlichen, die tägliche Essenszeit zu begrenzen oder einzelne Fastentage einzuplanen. Eine ausführliche Anleitung finden Sie in meinem Beitrag über das Intervallfasten.

Eine aktuelle Cochrane-Auswertung von 22 randomisierten Studien fand allerdings keinen überzeugenden Beleg dafür, dass Intervallfasten beim Gewichtsverlust grundsätzlich besser funktioniert als eine herkömmliche Ernährungsumstellung. Das heißt nicht, dass Intervallfasten wirkungslos ist. Es bedeutet lediglich: Das Etikett allein macht noch keinen Erfolg.

Für manche Menschen ist ein klares Essensfenster erheblich leichter einzuhalten als das permanente Zählen von Kalorien. Andere essen innerhalb von acht Stunden einfach dieselbe Menge, die sie vorher über 14 Stunden verteilt haben. Dann darf man sich über ausbleibende Wunder nicht wundern.

Heilfasten über mehrere zusammenhängende Tage ist wiederum nicht dasselbe wie ein tägliches Essensfenster. Hier kommt es zu einer umfassenderen Stoffwechselumstellung. Was dabei geschieht, beschreibe ich im Beitrag über den Fastenstoffwechsel.

Bei Diabetesmedikamenten, Insulintherapie, Essstörungen, Schwangerschaft, erheblichem Untergewicht oder schweren Leber- und Nierenerkrankungen gehört Fasten fachkundig begleitet.

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Bewegung: Die Waage zeigt nicht den ganzen Erfolg

Ausdauertraining reduziert viszerales Fett nachweislich. Dazu sind nicht zwingend Marathonläufe nötig. Zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder andere Ausdauerbelastungen reichen als Einstieg aus.

Eine Metaanalyse von 84 randomisierten Studien kam zu dem Ergebnis, dass unterschiedliche Trainingsformen das viszerale Fett reduzieren können. Entscheidend sind Regelmäßigkeit und eine ausreichende Belastungsdosis.

Hinzu sollte Krafttraining kommen. Es bewahrt beziehungsweise vergrößert die Muskelmasse und verbessert die Glukoseaufnahme. Gerade ab dem mittleren Lebensalter ist es wenig sinnvoll, lediglich leichter zu werden, wenn gleichzeitig wertvolle Muskulatur verschwindet.

Die bessere Zielsetzung lautet daher nicht: möglichst schnell möglichst viele Kilogramm verlieren.

Sie lautet: Bauchumfang und Fettmasse senken, während Kraft und Muskulatur erhalten bleiben.

Welche Werte man prüfen sollte

Bei ausgeprägtem Bauchfett würde ich mich nicht mit dem Satz zufriedengeben, das Blutbild sei „in Ordnung“. Sinnvoll sind je nach Situation unter anderem:

  • Nüchternglukose und HbA1c,
  • Nüchterninsulin beziehungsweise HOMA-Index,
  • Triglyceride und HDL-Cholesterin,
  • Blutdruck,
  • GPT, GOT und Gamma-GT,
  • Harnsäure,
  • gegebenenfalls Ultraschall der Leber.

Nüchterninsulin und HOMA-Index sind keine perfekten Diagnosen. Sie können aber eine beginnende Insulinresistenz anzeigen, bevor der Nüchternblutzucker endgültig aus dem Ruder läuft.

Mein Fazit

Die alte Vorstellung vom Fett als passivem Speicher ist erledigt. Fettgewebe ist ein hormonell, immunologisch und metabolisch aktives Organ. Das viszerale Fett im Bauchraum ist dabei besonders problematisch, weil es eng mit Leberstoffwechsel, Insulinresistenz und chronischen Entzündungsprozessen verbunden ist.

Der Blick auf die Waage reicht deshalb nicht. Bauchumfang, Körperzusammensetzung, Muskelmasse und Stoffwechselwerte sagen häufig wesentlich mehr aus.

Die gute Nachricht: Gerade das metabolisch aktive Bauchfett lässt sich beeinflussen. Nicht durch Sit-ups, Bauchgürtel oder das neueste Pulver aus dem Influencer-Regal, sondern durch längere Essenspausen, eine vernünftige Ernährung, Muskelarbeit, Ausdauerbewegung und ausreichend Schlaf.

Das klingt weniger spektakulär als eine neue Wunderdiät. Es hat nur einen entscheidenden Vorteil: Es funktioniert.

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Dieser Beitrag wurde erstmalig im Oktober 2010 veröffentlicht und am 12.7.2026 komplett überarbeitet.

Kalorien zählen: Macht das wirklich Sinn? Entlarvung des Jojo-Effekts & Wichtige Fakten!

Eine kurze Sequenz aus meiner Online-Sprechstunde zum Thema „Abnehmen, Training und Ernährung“.

In diesem Video erkläre ich ausführlich, wie viele Kalorien tatsächlich verbrannt werden und ob es wirklich sinnvoll ist, Kalorien zu zählen, um erfolgreich Gewicht zu verlieren. Dabei gehe ich auch auf die verschiedenen Faktoren ein, die den Kalorienverbrauch beeinflussen, und beleuchte, wie präzise Kalorienzähler und Apps in ihrer Berechnung sind. Außerdem erfahren Sie die Wahrheit über den so genannten Jo-Jo-Effekt, der viele Menschen nach einer Diät zurück in alte, ungesunde Gewohnheiten führt, und welche Strategien tatsächlich dabei helfen, langfristig erfolgreich und gesund abzunehmen.

Die komplette Aufzeichnung der Online-Sprechstunde finden Sie hier:
Video Online Sprechstunde „Die biologische Entgiftungstherapie“ mit René Gräber

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Abnehmen durch positives Denken – kann das funktionieren?

Wer zu viele Kilos auf die Waage bringt, soll intensiv Sport treiben. Doch bei manchen Menschen will das nicht so recht klappen. Liegt das an der inneren Haltung? Forscher haben Anhaltspunkte dafür gefunden.

Die Hälfte der Deutschen riskiert mit ihrem Übergewicht etliche Erkrankungen wie chronische Entzündungen, Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Längst wissen alle, wie gefährlich überflüssige Pfunde sind, und die Formel fürs Abnehmen ist doch ganz einfach:

Weniger Kalorien aufnehmen und mehr „verbrennen“. Doch der Weg ins „schlanke Leben“ erscheint vielen Menschen dornenreich. Verständlich ist das schon, denn Reduktions-Diäten sind hart und ein Trainings-Programm erfordert ständige Anstrengungen.

Um solche Schwierigkeiten zu umgehen, versprechen uns die Hersteller zahlreicher Mittelchen, mit nur einer Pille Gewicht zu verlieren. Einige dieser Präparate verhindern die Fettverdauung, andere sollen den Appetit abschalten. Um die Abnehmspritze Semaglutid entstand ein regelrechter Hype.

Der GLP-1-Rezeptor-Antagonist ist ursprünglich ein Antidiabetikum. Der Eingriff in die hormonelle Steuerung des Stoffwechsels soll in erster Linie die Insulin-Ausschüttung ankurbeln und so den Glukose-Spiegel senken. Die Sekretion des Insulin-Gegenspielers Glukagon wird hingegen gedrosselt. Ganz nebenbei leert sich der Magen langsamer, wodurch wir länger satt bleiben. Aus diesen Fakten entstand die Idee, Semaglutid fürs Abnehmen zu verwenden.

Dass solche Präparate auch nicht den Königsweg zum Abnehmen darstellen, belegen inzwischen viele Studien: An Historical Review of Steps and Missteps in the Discovery of Anti-Obesity Drugs.

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Also doch mehr Selbst-Disziplin?

Der Rat, sich gesund zu ernähren und sich mehr zu bewegen, ist natürlich nicht verkehrt. Wer aber nun zwanghaft und unter Aufbringung aller Willenskraft regelmäßig joggt, könnte schon einen Fehler begehen:

Denn die Motivation hat offenbar auch einen Einfluss auf unsere Stoffwechsel-Physiologie. Studien deuten darauf hin, dass eine Tätigkeit besonders dann beim Abnehmen hilft, wenn wir gerne bei der Sache sind.

Wissenschaftler der Harvard-University machten dazu ein Experiment mit Hotelangestellten. Eine Gruppe wurde mit Vorträgen positiv motiviert, eine Zweite nicht. Nach vier Wochen Zimmerdienst waren die Gesundheits-Marker der „Verum-Gruppe“ besser:

Im Vergleich zur Kontrollgruppe fielen Blutdruck, Gewicht und BMI niedriger aus, obwohl die körperliche Belastung dieselbe war : Mind-Set Matters: Exercise and the Placebo Effect

Die Studie belegt nicht nur, welche Rolle die innere Einstellung für die Gesundheit spielt, sondern auch, dass die Motivation umgeschaltet werden kann. Das geht auch aus anderen Untersuchungen hervor: In einem Experiment sollten 51 Studenten zwei Stunden Geschirr spülen.

Die Wissenschaftler „indoktrinierte“ eine Gruppe mit lauter positiven Aspekten, die Alltagstätigkeiten wie Geschirrspülen haben. Eine zweite Gruppe ging ohne den „Motivations-Kurs“ an die Arbeit. Der Unterschied war klar erkennbar: Die „Positiv-Gruppe“ war weder nervlich überreizt, noch kam den Teilnehmern die Arbeitszeit zu lang vor.

Die Forscher folgern daraus, das eine negative Haltung einer Tätigkeit gegenüber in eine positive umgemünzt werden kann: Washing dishes to wash the dishes: Brief instruction in an informal mindfulness practice.

Mit dem „Flow“ zu mehr Gesundheit

Diese Arbeiten verdeutlichen das, was über Entspannungsübungen mittlerweile bekannt ist. Yoga und Meditation haben Auswirkungen auf die Aktivität von über 200 Genen. Viele davon steuern das Immunsystem, sodass entzündliche Reaktionen unterdrückt werden.

Auch Entgiftungs-Prozesse und die Zellerneuerung werden durch die Entspannungs-Techniken angeregt: Large-scale genomic study reveals robust activation of the immune system following advanced Inner Engineering meditation retreat

Erlebt haben wir das alle schon: Über Arbeit oder Hobby vergessen wir vielleicht unsere gewohnten Mahlzeiten und Naschereien. Das passiert, wenn wir besonders motiviert sind und uns das verschaffen, was uns Nahrung nämlich auch bietet: Den „Dopamin-Kick“.

Der Neurotransmitter sorgt für positive Empfindungen, die eben sehr unterschiedlich ausgelöst werden können. Wer die Arbeit mit Freude verbindet oder dabei kurze Entspannungsübungen einschaltet, steigert seine psychische und körperliche Kondition. Bekannt ist das unter dem Begriff „Work-Life-Balance“ oder der Bezeichnung „Flow“:  Work-related flow and energy at work and at home: A study on the role of daily recovery

Wissenschaftler belegten, dass in diesem „Flow-Zustand“ diejenigen Gehirngebiete besonders aktiv sind, die angenehme Wahrnehmungen hervorrufen.

Flow bedeutet, den Lebensstil zu ändern

Abnehmen geht weniger effektiv, wenn Sie sich zum Verzicht auf Essen zwingen und sich zum Sport überwinden müssen. Die Gewichts-Reduktion sollte eigentlich nur ein Teil einer gesamten Lebensumstellung sein. „Postitiv Denken“ kann gelernt werden, auch, wenn Vielen das schwer vorkommt. Davon profitieren Ihre Lebens-Qualität und Ihre Gesundheit. Dann klappt’s auch besser mit dem Schlankwerden!

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Dieser Beitrag wurde am 20.08.2024 erstellt.

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