Darmflora und Verdauung
Die Bedeutung der Darmflora
Die Darmflora findet in der Schulmedizin bei der
Beurteilung der Verdauung und der Diagnose verschiedener Erkrankungen auch heute noch kaum Beachtung. Zeit für
einen genauen Blick.
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
(SKA)
In diesem Artikel gehe ich daher ausführlich auf die Bedeutung der Darmflora ein, sowie deren Sinn und Zweck.
Und: deren Wirkung im Immunsystem, sowie den Zusammenhang zu verschiedenen Erkrankungen.
Darmflora – was ist das eigentlich genau?
Dies hört sich irgendwie nach einem Mädchennamen an, Flora. Flora entstammt dem Lateinischen und bedeutet
„Blume“ oder „Blüte“. Und so bezeichnen die Wissenschaften alles Pflanzliche als Flora (Fauna bezieht sich auf alle
tierischen Lebewesen).
Unglücklicherweise wird auch das Reservoir an Lebewesen im Darm von Mensch und Tier als Flora, die Darmflora,
bezeichnet. Hier haben wir es aber mit einer komplett anderen Lebensform zu tun, die einem eigenen Reich zugehörig
ist, den Bakterien. Von daher ist der Begriff „Darmflora“ nicht richtig.
Es wäre richtig, hier von „Darmmikroorganismen“ oder einfach „Darmbakterien“ zu reden. Aber auch hier hat sich
eine sprachliche Ungenauigkeit durchgesetzt, die in den Erkenntnissen von vor mehr als 50 Jahren begründet liegt,
wo man die Bakterien großenteils noch den Pflanzen zugeordnet hatte.
Heute weiß man aufgrund von genetischen Untersuchungen, dass Bakterien weder Pflanzen, noch Tiere, noch
Pilze sind, sondern ein eigenes Reich bilden.
Aber: Um hier keine große Verwirrung zu stiften, werde ich im Folgenden auch der Einfachheit halber auf die
„Darmflora“ zurückgreifen.
Was also ist eine „Darmflora“?
Die Darmflora besteht aus Mikroorganismen, die im Verdauungstrakt von Menschen und Tieren beheimatet sind und
das größte Reservoir an Mikroorganismen beim Menschen darstellen.
Der menschliche Körper besteht aus über 100 Billiarden Zellen. In unserem
Verdauungsapparat dagegen existiert die 10-fache Menge an Mikroorganismen.
Die Summe aller Stoffwechselvorgänge dieser Bakterien ist mit dem Stoffwechsel eines eigenständigen Organs
vergleichbar. Von daher gibt es inzwischen Stimmen unter den Wissenschaftlern, die hier von einem „vergessenen
Organ“ reden. Sie vermuten, dass die Darmflora etwa 100 mal mehr Gene zusammengenommen aufweist als das menschliche
Genom. Der überwiegende Anteil der Bakterien kommt im Dickdarm vor, ein weiterer Teil im unteren Teil des
Dünndarms.
Der vordere Teil des Dünndarms (Duodenum und Jejunum) dagegen ist nur sehr dünn besiedelt. Zwischen 30 und 60
Prozent des Stuhls besteht aus Trockenmasse von Bakterien.
Auch die Artenvielfalt kann sich sehen lassen. Es gibt noch keine genauen Angaben dazu, aber man kann als
gesichert annehmen, dass es mindestens 300 verschiedene Arten von Bakterien gibt, von denen 99 Prozent anaerob
(ohne Sauerstoff) existieren. Nur im Zäkum (Blinddarm) gibt es eine nennenswerte Dichte an aeroben Bakterien.
Andere Quellen berichten von mindestens 500 oder sogar über 1000 verschiedenen Arten. Etwa 99 Prozent dieser 1
Trillionen Bakterien setzen sich aus nur 30 oder 40 verschiedenen Arten zusammen.
Neben den Bakterien existieren noch Pilze und Protozoen im Gastrointestinaltrakt. Aber bis heute weiß man so gut
wie gar nichts über deren Aktivitäten und Funktionen für den Darm des Menschen.
Was man heute aber weiß, ist, dass das Verhältnis zwischen dem Menschen als Wirt und der Darmflora als Gast mehr
ist als nur ein Zusammenleben unter Waffenstillstandsbedingungen. Vielmehr können wir hier von einer echten
„Symbiose“ reden, also einem Zusammenleben, bei dem beide Parteien einen partnerschaftlichen Nutzen haben.
Theoretisch wäre es denkbar, dass ein Mensch auch ohne Darmbakterien überleben kann. Aber die
notwendigen Ausgleichsmaßnahmen für ein Fehlen der Darmflora wären enorm. Denn die Mikroorganismen führen eine
Menge von nützlichen Aktivitäten aus:
- Sie fermentieren unberührte Energiesubstrate,
- trainieren das Immunsystem,
- verhindern das Wachstum von nicht erwünschten und schädlichen Mikroorganismen,
- Regulieren die Entwicklung des Darms,
- produzieren Vitamine für uns (u.a. Biotin, Vitamin K)
- und produzieren Hormone, die die Fettspeicherung erleichtern.
Genauer auf die Verteilung der verschiedenen Spezies und deren Vitaminbildung gehe ich in meinem Beitrag
"Darmbakterien" ein.
Bis heute ist man aber noch weit davon entfernt, alle Spezies im Gastrointestinaltrakt identifizieren zu können.
Dies liegt auch daran, dass viele der Bakterien sich nicht kultivieren lassen. Damit ist eine Bestimmung fast
unmöglich.
Was man aber heute weiß (und das ist das Überraschende), ist, dass die Spezies von Mensch zu Mensch
variieren.
Diese Variationen in der Population der Mikroorganismen bleiben auch über einen langen Zeitraum erhalten, selbst
bei Veränderungen in Diät, Lebensgewohnheiten und mit zunehmendem Alter.
Man kann hier also von einem gastrointestinalen Fingerabdruck reden, der so individuell ausfällt wie der echte
Fingerabdruck.
Die meisten Bakterien gehören zu der Gattung Bacteroides, Clostridium, Fusobacterium, Eubacterium, Ruminococcus,
Peptococcus, Peptostreptococcus und Bifidobacterium. Escherichia und Lactobacillus sind weniger häufig vertreten
(aber die Bekannteren). Die Spezies von der Gattung Bacteroides alleine machen schon ca. 30 Prozent aller Bakterien
im Gastrointestinaltrakt aus. Dies lässt die Vermutung zu, dass diese Gattung besonders wichtig ist für die
Funktion des Darms.
Die zurzeit bekannten Pilze in der Darmflora sind Candida, Saccharomyces, Aspergillus und
Penicillium.
Wie erhält man eine Darmflora?
Wenn man Blumen haben möchte, dann geht man zum Floristen. Wenn man eine Darmflora haben möchte, gibt es dann
dafür einen Darmfloristen?
Scherz beiseite. Nein, es gibt weder einen Darmfloristen (wäre ein alternativer Beruf für einen
Gastroenterologen), noch kann man sich eine Darmflora auswählen.
Auf der anderen Seite werden wir aber auch nicht mit einer voll ausgebildeten Darmflora geboren.
Bisher ging man davon aus, dass ein Neugeborenes erst während der Geburt mit den ersten Bakterien in Kontakt
kommt. (http://www.newscientist.com/article/mg21428603.800-babies-are-born-dirty-with-a-gutful-of-bacteria.html).
Ein spanisches Forscherteam fand allerdings kürzlich im Mekonium (dem ersten Stuhlgang nach der Geburt, auch
Kindspech genannt) von Mäusen eine vielfältige Bakteriengesellschaft. Die frühe Besiedlung ließ sich auch bei
menschlichen Neugeborenen bestätigen.
Die Forscher gehen daher davon aus, dass Bakterien die Plazentaschranke überwinden können und schon während der
Schwangerschaft den Verdauungstrakt der Föten besiedeln.
Dies sind bei einer normalen Geburt Bakterien im Geburtskanal und Vaginalbereich. Durch Verschlucken von
Sekret kommt es zur weiteren Besiedelung im Gastrointestinaltrakt des Säuglings. Anschließende Schübe erhält
der Säugling durch das Stillen und die Umwelt.
Nach ungefähr einem Monat ist dann der Gastrointestinaltrakt ausreichend besiedelt.
Bei durch Kaiserschnitt entbundenen Kindern sieht die Sache deutlich anders aus. Denn hier erfolgt
die Exposition nur der Umwelt gegenüber, also Keime von Luft, anderen Kindern, der Haut der Mutter,
Krankenhauspersonal usw. Damit ist die Besiedlung dieser Säuglinge signifikant anders als die von normal
entbundenen Neugeborenen.
Bei nicht gestillten, sondern mit der Flasche gefütterten Säuglingen erfolgt zu Beginn eine primäre
Besiedlung mit E. coli und Streptococcus. Während der ersten Lebenswoche sorgen diese Bakterien für Bedingungen,
die eine nachfolgende Weiterbesiedlung mit ausschließlich anaeroben Bakterien begünstigen, wie Bifidobacterium,
Bacteroides, Clostridium und Ruminococcus. Im weiteren Verlauf entwickelt sich hier eine erwachsenenähnliche
Darmflora.
Bei gestillten Säuglingen dagegen siedeln sich primär Bakterien an, die Milchsäure produzieren, also
Bifidobakterien und Laktobazillen. Dadurch kommt es zu einer Ansäuerung des Darmmilieus. Dies wiederum schafft
Bedingungen, die es für andere, besonders für schädliche Bakterien schwer macht, sich erfolgreich anzusiedeln.
Grund für die nahezu selektive „Zucht“ von Bifidobacterium und Lactobacillus bei den gestillten Babys scheinen
Substanzen in der Muttermilch zu sein, die als Wachstumsfaktoren für diese Gattungen wirken.
Das Problem welches ich deutlich sehe: Auf diese Umstände wird in den Kliniken und seitens der Hebammen kaum
hingewiesen. Ich sehe hier auch Zusammenhänge mit der Immunlage der Kinder und auch den sog.
Drei-Monats-Koliken. Zum Immunsystem später noch mehr, aber zuerst einmal sollten wir uns mehr mit dem Sinn
und dem Zweck der Darmflora zuwenden.
Sinn und Zweck der Darmflora
Wie schon einleitend beschrieben, gehen die Bakterien der Darmflora einer Reihe von nützlichen Aktivitäten nach.
Die Wichtigsten sind die Aktivierung und Sensibilisierung des Immunsystems gegenüber Pathogenen, das Verdrängen von
schädlichen Mikroorganismen und ihr Beitrag zur Verdauung und Resorption von Nährstoffen.
Im Folgenden will ich die verschiedenen Aufgaben näher charakterisieren:
Unterdrückung des Wachstums von pathogenen Mikroorganismen
Eine der wichtigsten Aufgaben der Darmflora ist die Kontrolle und Aufrechterhaltung der Zusammensetzung der
verschiedenen Mikroorganismen. Damit wird der Lebensraum für unerwünschte und krankheitserregende
Mikroorganismen deutlich beschnitten.
Diese stabilisierende Aktivität wird auch „Barriereeffekt“ oder „Barrierefunktion“ genannt. Sie verhindert, dass
schädliche Hefepilze und Bakterien, wie Clostridium difficile, Überhand nehmen können, da sie in Konkurrenz stehen
mit den nützlichen Bakterien der Darmflora. Diese Konkurrenz bezieht sich auf den zur Verfügung stehenden Platz und
das Nahrungsangebot.
Aus Tierversuchen weiß man, dass Tiere ohne Darmflora schnell gastrointestinale Infektionen aufwiesen, wie z.B.
ein ausgeprägtes Wachstum von Clostridien, die Entzündungen der Darmschleimhäute bewirken. Auch nach Einsatz von
Antibiotika wird dieses Phänomen beobachtet. Daher der Name „antibiotikaassoziierte Kolitis“. Häufiger wird aber
von der "pseudomembranösen Kolitis"
gesprochen. Das ist zwar genau das Gleiche - aber der Patient merkt nicht gleich, dass er die Darmentzündung wegen
der Antibiotika hat. In diesem Fall liegt die Ursache in der Zerstörung der natürlichen Darmflora durch die
Antibiotika, was den Weg ebnet für den Einzug pathogener Mikroorganismen, wie z.B. Clostridien. Der Barriereeffekt
also schützt den Menschen vor der Invasion von neuen Spezies und vor den Spezies, die schon in geringer Zahl im
Darm präsent sind, sich aber aufgrund der Aktivitäten der Darmflora nicht durchsetzen können.
Die Mechanismen, mit denen die Darmflora sich reguliert, sind noch nicht vollständig bekannt.
Man weiß aber heute, dass die Darmflora in der Lage ist, Bakteriocine zu produzieren. Bakteriocine sind Gifte
auf Proteinbasis, die das Wachstum der Stämme derselben bzw. ähnlicher Bakteriengattungen unterbinden. Die
Fermentation im Dickdarm erzeugt Milchsäure und verschiedene Fettsäuren, die eine Senkung des pH-Werts bewirken.
Das Milieu wird also im Dickdarm in den sauren Bereich verschoben. Dieses „Ansäuern“ ist ein weiterer Mechanismus,
der die Ansiedlung schädlicher Mikroorganismen verhindert und die Nützlichen fördert. Es wird auch vermutet, dass
diese pH-Wert-Veränderung die Ausscheidung von krebserzeugenden Stoffen begünstigt.
Schauen wir als nächstes einmal auf die Auswirkungen in Bezug auf das Immunsystem.
Die Darmflora und das Immunsystem
Die Darmflora hat einen anhaltenden und dynamischen Effekt auf das systemische Immunsystem des Wirts und auf
sein Immunsystem im Darm.
Hier sind die Bakterien der Schlüssel für die frühe Entwicklung des Immunsystems in der Darmschleimhaut. Diese
Bakterien stimulieren das lymphatische Gewebe, das mit der Darmschleimhaut assoziiert ist und regen somit die
Produktion von Antikörpern gegen krankmachende Keime an.
Das Immunsystem erkennt und bekämpft schädliche Mikroorganismen, ohne dabei die Nützlichen zu
beeinträchtigen.
Dieses selektierende und differenzierende „Toleranzverhalten“ seitens des darmassoziierten Immunsystems wird
schon in der Kindheit erworben, denn: direkt nach der Geburt beginnen die Bakterien mit der Kolonisierung des
Gastrointestinaltrakts, wie wir schon weiter oben diskutiert haben. Dabei tritt ein interessantes Phänomen auf. Die
ersten sich ansiedelnden Bakterien sind in der Lage, den Aufbau des Immunsystems des Neugeborenen so zu
beeinflussen, dass dies das Überleben dieser „Pioniere“ unterstützt und schützt, dagegen das Überleben der
Konkurrenz bekämpfen hilft. Dies macht deutlich, wie wichtig es ist, welche Bakterien bei einem Neugeborenen sich
in der Stunde Eins ansiedeln. Denn hiervon hängt der Aufbau der Darmflora für den Rest des Lebens ab. Dies ist auch
eine mögliche Erklärung für Darmstörungen bei Patienten, die als Neugeborene per Kaiserschnitt entbunden wurden und /
oder primär mit der Flasche gefüttert wurden.
Wir haben in dem vorherigen Kapitel diskutiert, dass Kaiserschnitt und der Verzicht aufs Stillen zu einer
signifikant veränderten Erstbesiedlung führt, die der eines Erwachsenen gleicht. Damit könnte es also zu Toleranzen
seitens des sich entwickelnden Immunsystems gegenüber schon vorhandenen pathogenen Bakterienstämmen kommen. In der
Abstillphase dann kommt es zu einem Wechsel der Darmflora von fakultativ anaeroben Gattungen, wie Streptococcus und
E. coli, zu meist rein anaeroben Gattungen. Angesichts dieser Tatsachen kann ich es immer noch nicht glauben, dass
dies in der Schulmedizin und der Kinderheilkunde keinerlei Relevanz in der Therapie zu finden scheint.
Neuere Forschungen haben gezeigt, dass die Darmflora eine Rolle bei der Aktivität des Toll-like Rezeptors (TLR)
im Gastrointestinaltrakt spielt. Dies sind Moleküle, die bei der Reparatur von verletzungsbedingten Schäden helfen.
So veranlassen diese Rezeptoren das Immunsystem, z.B. um Strahlungsschäden zu beheben. Eine andere Aufgabe dieser
Rezeptoren ist die Befähigung des darmassoziierten Immunsystems, zwischen Freund und Feind unter den
Mikroorganismen unterscheiden zu können. Die Rezeptoren identifizieren dabei die Krankheitserreger, die die
Mukosabarriere überwunden haben und lösen eine Immunantwort aus, die sich gegen diese spezifischen Pathogene
richtet. Dabei spielen drei Arten von immunosensorischen Zellen eine Rolle: Die Oberflächenenterozyten
(Saumzellen), M-Zellen und dendritische Zellen.
Eine andere Gruppe von Rezeptoren ist in der Lage, molekulare Strukturen von Bakterien zu erkennen und eine Art
Stressantwort auszulösen, indem sie die Produktion von entzündungsfördernden Zytokinen auslösen.
Bakterien sind auch in der Lage, ein Phänomen zu beeinflussen, dass „orale Toleranzentwicklung“ genannt wird.
Hier zeigt sich das Immunsystem weniger empfindlich einem Antigen gegenüber, das oral aufgenommen wird oder auch
von der Darmflora produziert wird. Diese Toleranzentwicklung wird teilweise durch das gastrointestinale Immunsystem
bewirkt und teilweise durch die Leber. Sie führt zu einer Verminderung von überaktiven Immunantworten, wie sie bei einer
Allergie und Autoimmunerkrankungen bekannt sind.
Metabolische Funktion der Darmflora
Die angesiedelte und etablierte Darmflora kontrolliert die Entwicklung und Vermehrung der Schleimhautzellen der
Darmwände durch die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren.
Sie vermitteln auch andere metabolische Effekte, wie die Synthese von Biotin und Folat (Vitamin B7 und B9). Sie
sind auch beim Resorptionsvorgang von Mineralien beteiligt, wie z.B. Magnesium, Calcium und Eisen.
Weiterhin spielt die Darmflora eine bedeutsame Rolle bei der Metabolisierung von in der Nahrung befindlichen
Karzinogenen und deren Mikrokomponenten und Makrokomponenten.
Die Mikrokomponenten sind genotoxisch (genschädigend). Ein Beispiel dafür sind die
heterozyklischen Amine (HCA), die im Fokus der Forschung stehen. Sie entstehen beim Grillen und Braten von
proteinhaltigen Nahrungsmitteln und werden als möglicher Auslöser von Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs gehandelt. HCAs kommen aber auch in der Natur vor, so dass es
unmöglich ist, ihnen zu 100 Prozent auszuweichen. Deshalb kommt der metabolischen Wirksamkeit der Darmflora in
Bezug auf diese Komponenten ein besonders wichtiger Stellenwert zu, da diese Funktion dem Organismus hilft,
Tumore zu verhindern, die ansonsten unumgänglich wären.
Die Makrokomponenten setzen sich im Wesentlichen zusammen aus einem Übermaß an Fett und
Kochsalz, die zusammen im Ruf stehen, bei Langzeitkonsum in hohen Dosen ebenfalls zur Ausbildung von Tumoren zu
führen, hier speziell als Brustkrebs und Dickdarmkrebs von Seite der Fette und Magenkrebs von Seite des
Kochsalz.
Fermentierung und Resorption von Kohlenhydraten
Ohne die Darmflora wäre der menschliche Organismus nicht in der Lage, einige der unverdauten Kohlenhydrate
aufzunehmen und zu verwerten.
Dies liegt daran, dass einige der „Mitglieder“ der Darmflora Enzyme aufweisen, die der Mensch nicht produzieren
kann, die aber bestimmte Polysaccharide abbauen können. Mäuse z.B., die unter sterilen Bedingungen gezüchtet wurden
und daher eine unterentwickelte Darmflora besaßen, mussten 30 Prozent mehr Kalorien zu sich nehmen, um das gleiche
Gewicht zu erreichen, als Mäuse unter normalen Bedingungen.
Auf der anderen Seite sind die Darmbakterien aber auch mit dafür verantwortlich, ob wir schlank oder dick sind.
Wissenschaftler stellten fest, dass es – trotz der individuellen Fülle – drei klassische Besiedlungsmuster unseres
Verdauungstraktes gibt. Demnach besteht die Darmflora bei den drei Typen entweder hauptsächlich jeweils aus
Bakterien der Gattungen Bacteroides, Prevotella oder Ruminococcus. Personen, die vorzugsweise mit Bacteroides
besiedelt sind, neigen zu Fettleibigkeit. Denn die Bakterien schaffen es, schwer verdauliche Kohlenhydrate des
Nahrungsbreis für unseren Körper verfügbar zu machen. Die anderen beiden Typen hingegen scheiden den unverdauten
Zucker zu großen Teilen wieder aus (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21508958).
Kohlenhydrate, die vom Menschen nicht verdaut werden können ohne bakterielle Hilfe sind z.B. Stärken,
Ballaststoffe, Oligosaccharide, bestimmte Zuckermoleküle, Laktose im Fall einer Laktoseintoleranz, Zuckeralkohole, Darmschleim und bestimmte Proteine. Als Resultat erhalten
wir vermehrte Beschwerden, wie ein Völlegefühl oder Blähungen, besonders bei der Verdauung von Oligosacchariden, wie sie bei Bohnen ("Jedes
Böhnchen gibt ein Tönchen") auftreten.
Die Bakterien der Darmflora verwandeln die Kohlenhydrate durch Fermentation in kurzkettige Fettsäuren. Diese
Form der Fermentation wird auch saccharolytische Fermentation genannt. Als Produkt erhalten die Bakterien
Essigsäure, Propionsäure und Buttersäure. Diese „Materialien“ können die Wirtszellen wiederum verwerten, stellen
sie eine wertvolle Quelle für Energie und Nährstoffe dar. Sie helfen auch dem Organismus, essentielle Mineralien
aus der Nahrung zu resorbieren, wie Calcium, Magnesium und Eisen. Die saccharolytische Fermentation
produziert aber auch Gase und organische Säuren, wie die Milchsäure. Essigsäure wird von der Muskulatur verwertet,
Propionsäure hilft der Leber ATP zu gewinnen, und Buttersäure liefert Energie an die Darmzellen und steht im Ruf,
möglicherweise krebsverhindernd zu wirken. Inzwischen gibt es sogar ernstzunehmende Hinweise, dass die Bakterien
die Resorption und Einlagerung von Fetten unterstützen. Sie produzieren Vitamin K und erleichtern die Resorption
dieses Vitamins.
Eine andere Art der Fermentation, die proteolytische Fermentation, zersetzt Protein, wie Enzyme, tote Zellen von
Wirt und Darmflora, Kollagen und Elastin im Nahrungsbrei usw. Dieser Prozess jedoch kann beiläufig zur Produktion
von Toxinen beitragen, die karzinogenen Charakter haben. Von daher erklärt sich eine proteinärmere Diät als
gesünder, da die proteolytische Fermentation nur gedrosselt abläuft und weniger Toxine in der Folge gebildet
werden.
Eine gut funktionierende Darmflora erhöht auch die Resorption von Wasser, reduziert die Zahl an schädlichen
Bakterien, erhöht das Wachstum der Darmzellen des Menschen und stimuliert das Wachstum von einheimischen
Bakterien.
Antiallergische Wirkungen der Darmflora
Die Bakterien der Darmflora beteiligen sich auch an der Verhinderung von Allergien bzw. deren Entstehung.
Inzwischen gibt es Hinweise, dass der Zeitpunkt einer Allergieentwicklung im Zusammenhang mit der
Zusammensetzung der Darmflora steht. Diese Zusammensetzung ist bei nicht allergischen Menschen signifikant anders
als bei Allergikern. Allergiker zeigen in der Regel eine höhere Bereitschaft zur Ansiedlung von schädlichen
Bakterien, wie Clostridium difficile und Staphylococcus aureus, bei einer gleichzeitigen Verdrängung von
Bacteroides und Bifidobacterien. Eine Erklärung dafür ist die positive Stimulierung des Immunsystems durch die
gesunde Darmflora und das damit verbundene „Training“, wie es auf Antigene richtig zu reagieren hat.
Ein Mangel an nützlichen Bakterien in der Entwicklungsphase kurz nach der Geburt führt zu einem verzerrten Bild,
das das Immunsystem von seiner späteren Aufgabestellung gewinnt. Resultat ist die Überreaktion bei Antigenen, die
für den Organismus keinen Schaden bedeuten. Auf der anderen Seite ist noch nicht klar, ob die Unterschiede in der
Zusammensetzung der Darmflora nicht vielleicht auch das Resultat von, und nicht der Grund für Allergieentwicklungen
sind. Wie auch immer. Dieses Beispiel zeigt deutlich, wie eng die Darmflora und das Immunsystem miteinander
korrespondieren.
Die therapeutischen Erfolge in der Praxis rechtfertigen aus meiner Sicht jedoch bei allen Arten von Allergien
die Darmflora näher zu betrachten.
Verhinderung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Ein weiterer Hinweis auf die Hilfe der Bakterien bei der Heranbildung des Immunsystems ist die Ausbreitung von
Darmentzündungen, wie z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder auch beim Reizdarmsyndrom.
Es gibt Wissenschaftler, die die kurzkettigen Fettsäuren, die von den Bakterien der Darmflora produziert werden,
als Verhinderer von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ansehen. Zusätzlich gibt es einige Bakteriengattungen,
die die Entzündung direkt verhindern können. Es ist auffällig, dass gerade in industrialisierten Ländern die
Häufigkeit dieser Erkrankung enorm hoch ist und auch weiterhin ansteigt.
In ökonomisch weniger entwickelten Ländern dagegen ist die Häufigkeit deutlich niedriger. Grund für diese
Unterschiede liegen nach Meinung der Fachwelt in der (zu) guten Hygiene in der Jugend, dem frühzeitigen Abstillen
(wenn überhaupt gestillt wird), und dem enormen Konsum von Zucker und tierischen Fetten.
Das Auftreten dieser Darmerkrankung steht in ungekehrtem Zusammenhang mit mangelhafter Hygiene in den
ersten Lebensjahren und dem Konsum von Früchten, Gemüse und nicht verarbeiteter Nahrung.
Ein weiterer Faktor sind Antibiotika, die während der Kindheit zum Einsatz kommen. Sie vernichten gute wie schädliche
Bakterien im Darm, was bei einem häufigeren Einsatz zu langfristigen Verschiebungen in der Darmflora führen kann
und damit zu einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung in der Folge. In Anbetracht dieser Tatsache ist es für
mich geradezu ein Kunstfehler, dass Kindern bis zum 10. Lebensjahr orale Antibiotika verabreicht werden. Im Jahr
2003 überrascht mich sogar der Chefarzt einer Kinderklinik mit der Aussage, dass er die orale Gabe von
Antibiotika an Kinder unter 14 für verantwortungslos hielte. Die gängige Praxis in ALLEN mir bekannten
Kinderarzt- und Hausarztpraxen sieht deutlich anderes aus. Hier werden fleißig Antibiotika Tabletten und Sirup
verschrieben.
Effekte von Antibiotika auf die Darmflora
Eine Veränderung der Darmflora durch den Einsatz von Breitbandantibiotika ist in der Lage, die Gesundheit des
Behandelten und seine Fähigkeit, Nahrung zu verdauen, negativ zu beeinflussen.
Im Falle einer schwerwiegenden Infektion besteht natürlich die Notwendigkeit einer Therapie mit Antibiotika für
einen limitierten Zeitraum.
Aber es besteht auch die Möglichkeit, unfreiwillig signifikante Mengen an Antibiotika einzunehmen, indem man
Fleisch verzehrt, das von mit Antibiotika behandelten Tieren stammt. Diese Tiere wurden nicht mit Antibiotika
behandelt, weil sie krank waren, sondern wurden entweder prophylaktisch behandelt und/oder für ein schnelleres
Wachstum. Lesen Sie hierzu mal meinen Beitrag: Hühnerfleisch ohne Geschmack. Vielleicht überzeugt Sie dieser
Beitrag endlich, dass... ach was predige ich eigentlich... Bilden Sie sich bitte Ihr eigenes Urteil.
Auf jeden Fall kann es in beiden Fällen zu antibiotikaassoziierten Durchfällen kommen, die durch eine
Irritierung des Darms direkt entsteht. Grund dafür ist die Ausbreitung von schädlichen Bakterien nach Tötung
von ansässigen Bakterien durch das Antibiotikum.
Ein weiterer schwerwiegender Nebeneffekt ist die Resistenzentwicklung von Bakterien bedingt durch eine
langfristige Einnahme von Antibiotika, wie sie mit dem antibiotikaverseuchtem Fleisch erfolgt. Solange diese resistenten Bakterien im Darm verbleiben, besteht keine große
Gefahr für die Gesundheit des Wirts. Sollten diese Bakterien aber in der Lage sein, die Darmbarriere zu
überwinden und in den Organismus vorzudringen (wie dies zum Beispiel bei einem Leaky Gut Syndrom der Fall sein kann), dann wird die folgende Infektion kaum noch mit
Antibiotika zu behandeln sein.
Ein weiterer Punkt bei einer Veränderung der Darmflora ist eine mögliche Einschränkung der Fähigkeit des
Organismus, Kohlenhydrate zu fermentieren und Gallensäure abzubauen, was ein weiterer Grund für einen Durchfall sein kann. Kohlenhydrate, die nicht abgebaut worden sind, absorbieren große Mengen
an Wasser, was für einen wässrigen Stuhl sorgt. Ein Mangel an kurzkettigen Fettsäuren hat sehr häufig den
gleichen Effekt.
Es sind aber nicht nur Antibiotika, die die Zusammensetzung der Darmflora verändern können. Schwere Erkrankungen
können zu gleichen Ergebnissen führen, wie z.B. Ischämien im Darm, Mangelernährung und Immunschwäche.
Die Rolle der Darmflora bei Erkrankungen
Bakterien im Gastrointestinaltrakt haben neben ihren gesundheitsfördernden auch krankmachende
(pathogene) Eigenschaften. So sind sie in der Lage, Giftstoffe und krebserzeugende Substanzen zu erzeugen. Sie
sind auch bekannt dafür, dass sie an Komplikationen beteiligt sind wie das multiple Organversagen, Blutvergiftung
(Sepsis), Darmkrebs und den eben diskutierten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Ebenso vermuten Forscher
einen Zusammenhang einer gestörten Darmflora – und der damit verbundenen Entstehung zahlreicher Giftstoffe – mit
der Entstehung von Autismus (http://www.arte.tv/de/Hilfe-bei-Autismus--Die-Rolle-der-Bakterien-/6714470.html;
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22747852).
Hier spielt die Ausgewogenheit der Anzahl an Bakterien eine entscheidende Rolle. Sollte die Anzahl zu hoch oder
zu niedrig sein, besteht die Gefahr der Schädigung der Barrierefunktion und damit der Gesundheit des Wirts.
Entscheidenden Anteil an der Aufrechterhaltung dieser „optimalen Anzahl“ an Bakterien in der Darmflora haben
Enzyme, die vom Organismus des Wirts produziert werden.
Einige der Bakteriengattungen, wie Bacteroides und Clostridien, stehen im Verdacht, an der Entwicklung von
Tumoren beteiligt zu sein. Aber anstatt dies im großen Stil zu erforschen, sucht man lieber weiter nach Viren, wie
zum Beispiel Prof. Harald zur Hausen, der auch mal vermutet, dass Viren für Dickdarmkrebs verantwortlich sind.
Professor zur Hausen wurde 2008 bekannt, weil er den Nobelpreis für die Entdeckung humaner Papillomviren
bekam. In deren Folge wurde die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs in größtem Stil propagiert. Diese Geschichte bekam einen
zusätzlich sehr faden Beigeschmack durch Korruptionsvorwürfe gegen die Nobelstiftung.
Doch zurück zur Darmflora...
Andere Gattungen, wie Lactobacillus und Bifidobakterien, dagegen sind bekannt dafür, dass sie in der Lage sind,
die Tumorentwicklungen zu verhindern. Weiterhin können ansonsten nützliche Bakterien sehr schädigend werden, wenn
sie in anderen Körperarealen als im Gastrointestinaltrakt auftauchen.
Eine Möglichkeit dieses „Auswanderns“ in zentrale Bereiche des Organismus ist die Überwindung der
Barrierefunktion des Darms. Dieser Zustand ist dann mit einer Reihe von verschiedenen Problemen verbunden. Grund
für den „Barrieresprung“ kann eine Überpopulation der Bakterien im Dünndarm sein, eine Immunschwäche des Wirts oder
eine erhöhte Durchlässigkeit von Schleimhäuten und Darmwand (Leaky-Gut-Syndrom). Diese Durchlässigkeit kann durch eine Zirrhose noch erhöht werden, bei
der die Aktivitäten der Darmflora zu diesem Zustand beitragen und die Schäden vergrößern.
Ist der Darm einmal durchlässig geworden, dann können Bakterien in den Organismus vordringen und eine mögliche
tödlich verlaufende Infektion bewirken. Aerobe Bakterien verschlimmern eine Infektion durch den Verbrauch von
Sauerstoff im betroffenen Gewebe. Dies erzeugt günstige Bedingungen für eine Invasion und Besiedlung von anaeroben
Bakterien.
Noch ein Wort zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Die Ursachen für die verchiedenen Formen der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden noch kontrovers
diskutiert. Es gibt Stimmen, die die Ursache in der Abnahme der Immuntoleranz vermuten, die eine Überreaktion des
Immunsystems gegen nützliche Bestandteile der Darmflora bewirkt.
Es ist auch noch nicht klar, ob die Krankheit und ihre Formen durch die gesamte Darmflora oder nur Teile der
Bakterienstämme verursacht werden kann.
Für die ulzerative Colitis und Morbus Crohn ist bekannt, dass hier genetische Faktoren eine Rolle spielen
könnten. Diese genetisch bedingte Prädisposition scheint aber nicht nach den Vererbungsregeln von Mendel vererbt zu
werden. Hier spielen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weitere Faktoren eine Rolle für die
Entwicklung dieser Erkrankungen. Es hat den Anschein, dass diese Frage nicht alleine mit der Bakterienbesiedlung
oder der Genetik beantwortet werden kann. Es lässt sich vermuten, dass eine genetische Prädisposition und eine
gleichzeitige Fehlbesiedlung die Entwicklung der Erkrankungen begünstigen.
Zur Genetik muss ich noch anmerken, dass diese aus meiner Sicht überbewertet wird. Erstens: Führende Forscher geben selbst zu, dass sie eher vor einem Scherbenhaufen stehen, als vor
einem "Durchbruch". Zweitens wissen wir, dass die meisten Gene durch Umweltfaktoren angeschaltet oder
auch abgeschaltet werden können. Es kommt also auf uns selbst an.
Zurück zum Leaky-Gut-Syndrom
Die Entzündungen, die im Rahmen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung auftreten, werden auf ein
Leaky-Gut-Syndrom zurückgeführt. Nach Überwindung der Darmbarriere dringen die Mikroorganismen in das
gastrointestinale Gewebe vor und provozieren eine Immunreaktion, die in einer lang anhaltenden Entzündungsreaktion
mündet. Die Durchlässigkeit der Darmwand ist dabei Resultat einer allergieähnlichen Reaktion, wobei, wie bereits
erwähnt, das Immunsystem falsch „programmiert“ wurde und neben schädlichen auch nützliche Bakterien attackiert.
Aber man weiß bis heute noch nicht, ob die Entzündungen auf den Aktivitäten bestimmter Bakterien im
Gastrointestinaltrakt beruhen oder ob es auf der unphysiologischen Toleranz des Immunsystems gegenüber der
Darmflora beruht.
„Tight Junctions“, (schmale Bänder bestehend aus Proteinen, die Epithelzellen vollständig umschließen und mit
Bändern von Nachbarzellen eng verbunden sind) verhindern normalerweise die Durchlässigkeit der Darmwand.
Bei Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung sind vermehrt abnormale Tight Junctions gefunden
worden, was die erhöhte Permeabilität erklären kann. Und wegen der möglicherweise schädlichen Wirkung der Bakterien
werden von der Schulmedizin vermehrt Antibiotika beim Morbus Crohn verschrieben.
Aber hier ist noch nicht schlüssig bewiesen, dass eine Überbesiedlung die Ursache für die Entzündungen ist, die
einen Einsatz von Antibiotika erforderlich macht. Immerhin ist es auch denkbar, dass die Entzündung zuerst
erfolgt, was zu einer Erhöhung der Permeabilität der Darmwand führt und damit zur Entwicklung des Morbus Crohns. Da
Antibiotika keinen Einfluss auf die Entzündung haben, kommen in der Schulmedizin dann noch zusätzlich
entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz.
Es wird vermutet, dass eine Colitis (Entzündung des Dickdarms) durch symbiotische Bakterien verursacht wird.
Dieser Verdacht liegt nahe, da Mäuse, die in sterilen Bedingungen gehalten wurden, diese Krankheit nie gezeigt
haben. Aber auch hier sind die Beobachtungen widersprüchlich: Einige Gattungen, wie Clostridium difficile und
ansässige Darmbakterien, sind in der Lage, bei Mäusen Colitis zu verursachen. Dagegen sind andere in der Lage, eben
diese Krankheit zu verhindern.
Manche Ärzte aus den USA, aus Kanada und aus Australien wenden eine auf den ersten Blick unappetitliche Methode
an, um den Darm ihrer Patienten mit gesunden Bakterien zu besiedeln: Per Einlauf wird der Stuhl eines gesunden
Spenders in den Darm der Kranken eingebracht. Die gesunden Mikroorganismen breiten sich aus und verdrängen dabei
die Krankheitskeime effektiv. Die Mediziner berichten davon, dass sie etwa 90 Prozent ihrer Patienten mit dieser
simplen Methode helfen können, selbst wenn diese jahrelang an chronischen Darmproblemen litten.
Dennoch ist die „Stuhltransplantation“ nicht unumstritten. Schließlich ist die Darmflora, wie bereits
beschrieben, an unzähligen Prozessen in unserem Körper beteiligt. Zwar wird der Stuhl der Spender auf einige
Krankheitserreger hin untersucht, doch sind die langfristigen Folgen einer gravierenden Veränderung der Darmflora
überhaupt nicht bekannt. Es wird sicherlich noch eine Weile dauern, bis es hier Klarheit gibt.
Falsche Darmflora = Übergewicht?
Auch im Bereich des Übergewichts (Übergewicht durch Darmbakterien) scheint die Darmflora eine bedeutende Rolle zu spielen. Aus
Arbeiten mit Mäusen ist bekannt, dass bei übergewichtigen Mäusen das Hormon Leptin fehlt.
Dieses Hormon wird von Fettzellen produziert und dämpft u.a. das Hungergefühl. Die übergewichtigen Mäuse fielen
nicht nur durch das Fehlen von Leptin auf, sondern auch durch die besondere Zusammensetzung der Darmflora im
Vergleich zu normal gewichtigen Mäusen. Es hatte sich eine Veränderung im Verhältnis von Bacteroides und Firmicutes
zu Gunsten der Firmicutes ergeben. Gleiches wurde auch bei normal gewichtigen und übergewichtigen Menschen
bestätigt.
Es lässt sich grob umreißen, dass das Verhältnis dieser beiden Gattungen Aussagen machen kann über die
allgemeinen Gewichtsbedingungen eines Betroffenen. Ein Gewichtsverlust führt dabei auch zu einer Verschiebung des
Verhältnisses zurück zu Gunsten von Bacteroides.
Der gegenseitige Einfluss von der Zusammensetzung der Darmflora auf der einen Seite und den Gewichtsbedingungen
auf der anderen Seite wird bedingt durch den Unterschied im energieabsorbierenden Potential der unterschiedlichen
Verhältnisse von Bacteroides und Firmicutes. Dies gilt anscheinend auch für Fettsäuren und Polysaccharide
aus Nahrungsmitteln. Eine Arbeit mit Mäusen zeigte, dass eine Verpflanzung der Darmflora von übergewichtigen Mäusen
in den Darm von steril gehaltenen Mäusen zu einer Gewichtszunahme bei letzteren führte, obwohl diese weniger
Nahrung aufnahmen.
Fazit
Die Darmflora ist wie jedes andere Biosystem ein kompliziertes biologisches Regelwerk.
Die Wissenschaftler stehen heute noch am Anfang, dieses komplexe Geflecht von Strukturen und Funktionen zu
erklären. So führen Eingriffe durch Medikamente z.B. sehr häufig zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Bislang scheint die Gabe von Probiotika und Präbiotika mit wenigen bzw. keinen unerwünschten Nebenwirkungen verbunden zu
sein. Gleichzeitig liefern diese natürlichen Substanzen bei einer Reihe von gastrointestinalen Erkrankungen
positive Resultate. Therapieverfahren wie die Symbioselenkung setzen genau darauf. Ebenso wie Verfahren die unter dem Begriff "Darmsanierung" zu finden sind.
Als umfassendes Heilverfahren zur Regulierung der Darmflora halt ich auch das Heilfasten für sehr geeignet. Wenn Sie möchten, können Sie auch mehr Informationen dazu
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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 15.01.2013 aktualisiert
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