Fett durch Süßstoffe?
Die Dosis macht das Gift…
Man könnte ein modernes Theaterstück daraus inszenieren oder aber auch ganz klassisch in der Art einer Agatha Christie einen Krimi nach dem Motto “Der Tod kommt schleichend” schreiben.
Ob Paracelsus jemals ahnte, das auch heute noch in unsere hochtechnisierten Welt mit seinem Satz, der auf fast alles zuzutreffen scheint, “Alle Ding’ sind Gift und nichts ohn’ Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist” in Erinnerung geblieben ist?
Muss man jetzt mit diesem Satz im Hintergrund auch den vielseits gepriesenen Figur- und Gesundheitsretter Saccharin und alle seine Süßstoffkollegen ganz neu betrachten?
Die Zahlen sind erschreckend 20 % übergewichtige Kinder und die Zahl steigt rapide. Die Folgen für die Zukunft sind noch gar nicht absehbar. Das metabolische Syndrom bisher ein Schrecken der Hausärzte und Internisten wird heute schon in Kinderarztpraxen diskutiert.
Doch wie kann und konnte das passieren?
Fitnesscenter boomen, Krankenkassen bezuschussen Gesundheits-Kurse, in der Metzgertheke findet sich neben dem fetten Fleisch auch Öko-Wurst – ganz zu schweigen von einer Speckschwarte, die früher des Geschmackes wegen noch in der Suppe mitgekocht wurde. Fettreduzierter Käse, Chips light für den Fernsehabend und kaum mehr ein Regal ohne zuckerfreie Ware. “Zero”-Limonaden sind Kult und absolut hipp und selbst die traditionelle Küche hat längst das weiße Gold Zucker durch die Süßstoffflasche oder den Süßstoffspender ersetzt (Dabei gäbe es wesentlich sinnvollere Zucker-Alternativen…)
Warum also werden wir alle zumindest im statistichen Mittel immer fetter und fetter?
Da ist die Frau, die in ihrer Diätgruppe hoch und heilig beteuert, sie halte sich akribisch an ihren Plan und nehme doch nichts ab, nehme doch nur noch Süßstoff statt Zucker und trotzdem – nichts geht voran in Sachen Gewichtsverlust.
Früher noch belächelt, nimmt man diese Frau heute ernst, sehr ernst sogar.
Denn selbst Wissenschaftler sind alarmiert: Süßstoff gaukelt uns nicht nur eine kalorienärmere Ernährung vor und verleitet uns somit indirekt zu immer mehr Nahrungsmittelkonsum, so dass wir im zunehmenden Maße bei unserem Überangebot an Lebensmitteln die Kontrolle über unser Essverhalten verlieren.
Nein Saccharin, ein viel verwendeter Süßstoff, der in keinem Haushalt fehlt, scheint tatsächlich in unsere Physiologie einzugreifen, und signalisiert dem Körper Hunger.
Dieser schaltet wie früher der Steinzeitmensch in echten Hungerzeiten auf Sparsamkeit um. Statt die Fettpolster auf Grund der schlechten Energielage zu schmelzen und abzubauen, hält er an ihnen fest – für die noch schlechteren Zeiten. Und diese liefern wir ihm täglich durch noch mehr Süßstoff-Konsum. Übrigens: Saccharin wurde vom umstrittenen Gentechnik-Konzern MONSANTO bereits vor über 100 produziert.
Susan Swithers und Terry Davidson von der Purdue-Universität wiesen nun im Tierexperiment mit Ratten nach: Ratten, die mit Süßstoff gefüttert werden, fressen in der Folgezeit mehr.
Ob Parallelen zur Schweinzucht, bei der man Ferkel mit Süßstoff versetztem Futter mästet, zu ziehen sind, ist noch fragwürdig, aber die Alarmglocken läuten so auch schon laut genug.
