Leberschäden

Leberschäden durch Medikamente

Die im Oberbauch liegende Leber (Hepar) besitzt eine Vielzahl an lebensnotwendigen Funktionen. Durch Biotransformation z.B. ist die Leber zum einen in der Lage, Hormone zu aktivieren oder zu deaktivieren, zum anderen entgiftet sie den Organismus durch den sog. First-Pass-Effekt.

Hierbei werden die als toxisch eingestuften Stoffe nach Resorption über die Darmwand durch die Hepatozyten (Leberzellen) in ihrer Wirkung abgemildert (mehr dazu auch unter Leberfunktion)

Leberschäden durch Gifte sind weitgehend bekannt, aber auch die Einnahme von Medikamenten kann zu einer Störung der physiologischen Prozesse in der Leber führen. Man spricht von einer "medikamenteninduzierten toxischen Hepatopathie" (durch Medikamente verursachte Leberschädigung).

Dabei ist nicht nur das Medikament selbst Auslöser der ausgeprägten, z.T. lebensbedrohlichen Symptomatik. Auch die in der Leber entstehenden Metaboliten (= Zwischenprodukte, welche bei Stoffwechselaktivitäten gebildet werden) können toxische Wirkung besitzen.

Eine medikamenteninduzierte Schädigung zeigt sich bevorzugt bei Menschen ab dem 50. Lebensjahr, sie ist zudem verantwortlich für über 50 Prozent aller diagnostizierten Leberversagen.

Die durch Medikamente verursachten Leberschäden lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:

Hauptsächlich zeigt sich der toxische Typ, bei dem die schädigende Wirkung des Medikaments bereits vor Gabe bekannt ist. Der Einfluss auf die Leber ist vorhersehbar, dosisabhängig und tritt direkt ein. Es kommt zu einer Schädigung der Hepatozyten (Nekrose mit Zelluntergang, Leberzellverfettung = Steatose) oder von Zellen des Gallengangs.

Der idiosynkratische Typ ist eher selten. Hierbei zeigt sich keine direkte sondern eine indirekte Schädigung der Leber. Die Wirkung ist somit nicht vorhersehbar und nicht dosisabhängig. Je nach Reaktion des Organismus auf die Einnahme unterscheidet man eine immunologische Wirkung (Symptomeintritt nach einer bis fünf Wochen, u.a. mit diffusen Nekrosen) und eine metabolische Wirkung, die sich meist nach wenigen Tagen zeigt.

Die vielfältige Symptomatik, die der einer Schädigung durch z.B. Umweltgifte gleicht (u.a. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit und Hautausschläge), erklärt sich durch die verursachten Störungen.

Hauptsächlich zeigen sich Hepatitis (Leberentzündung) mit und ohne Cholestase (Gallenstauung), isolierte Cholestase, Leberzellverfettung (Fettleber), Leberfibrose (Bindegewebsvermehrung mit Verhärtung und Narbenbildung, z.B. durch Vitamin-A-Präparate) und die Leberzirrhose (Bindegewebsvermehrung mit Verhärtung und Schrumpfung des Organs).

Seltener kommt es zu vaskulären Schäden (z.B. durch Steroide) wie Vaskulitis oder Budd-Chiari-Syndrom, zu Cholangitiden (Gallenwegsentzündungen) sowie Neubildungen durch Tumoren (Leberzelladenom, Leberzellkarzinom, Angiosarkom), welche sich besonders bei Einnahme von anabolen Steroiden zeigen.

Bedingt durch Hepatitis und Zirrhose kommt es gehäuft zu Ikterus (Gelbfärbung der Haut und der Skleren) oder Aszites (Bauchwassersucht, Flüssigkeitsansammlung in der freien Bauchhöhle - häufig auch "Wasser im Bauch" genannt). Auch kann die Leber vollständig versagen und so u.U. zum Tod führen.

Nahezu jedes Medikament besitzt in gewissem Maß eine leberschädigende Wirkung. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Medikament frei verkäuflich oder aber rezeptpflichtig ist.

Besonders die im Alltag gebräuchlichen Arzneien bergen hohe Risiken.

Schmerzmedikamente und Antirheumatika (z.B. Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Paracetamol, Ibuprofen) sowie Einschlafhilfen (z.B. Barbiturate) besitzen bei regelmäßiger Einnahme eine hohe giftige Wirkung und stehen in Verdacht, nahezu sämtliche Schäden der Leber verursachen zu können. Selbst Ovulationshemmer (Kontrazeptiva) können in seltenen Fällen zu Hepatitis oder Zirrhose führen.

Eine gesicherte Diagnose lässt sich häufig durch Absetzen des als Auslöser vermuteten Medikaments erzielen. Das Blutbild weist spezifische Autoantikörper (z.B. anti-LKM-2) auf, dazu auch hohe Leberwerte. Die histologische Untersuchung zeigt u.a. Nekrosen, Steatosen oder Granulome (knotenartige Gewebeneubildungen durch Epithelzellen).

Daneben müssen aber auch weitere Faktoren, wie z.B. Alkoholkonsum, Medikamentenkombinationen und Lebensgewohnheiten mit einbezogen werden.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 02.08.2012 aktualisiert

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