Behörde verschweigt Hygienemängel in Wurstfabrik

Vertuschung von Hygienemängeln in Wurstfabrik durch die Behörden?

In einer Wurstfabrik in Bayern gab es (laut Berichten des Spiegel, Foodwatch und einigen anderen) ekelerregende Zustände. Der eigentliche Skandal ist: Die Ergebnisse von Hygiene-Kontrollen in Betrieben müssen (immer noch nicht!) veröffentlicht werden.

Über einen langen Zeitraum kam es durch die zuständigen Behörden und Ämter zu einer Beanstandung der Sauberkeit innerhalb der Produktionslinien. Jedoch kam es anscheinend zu keinerlei Konsequenzen. Bußgelder sind in solchen Fällen zwingend notwendig und sollen einen Anreiz zur Verbesserung der Situation schaffen.

Die „Wurst-Firma“, die zur Tönnies-Gruppe gehört, sprach dagegen von einer „subjektiven Wahrnehmung“ durch den Beamten, der diese Kontrollen durchführte.

Die Beanstandungen, die nun ans Licht kamen

Diese waren vielfältig und traten durchgehend auf. Pfützen mit stinkendem Wasser protokollierte der Mitarbeiter ebenso wie dreckige Maschinen, die normalerweise täglich zu reinigen sind. Doch um Konsequenzen musste sich das Unternehmen anscheinend nicht sorgen. Es kam zu keiner Verhängung von Strafen und auch andere Zwangsmaßnahmen leiteten die Verantwortlichen nicht ein. Sogar eine Schließung könnten diese veranlassen, wenn es zu keiner Besserung der Zustände kommt. Zusätzlich kam es zu keiner Information der Öffentlichkeit, die ein Anrecht auf solche Informationen hat. Es ist der Verbraucherorganisation Foodwatch zu verdanken, dass die Bürger nun in Kenntnis gesetzt wurden (siehe Dokument: Lebensmittelrechtliche Beanstandungen bei der „Landsberger Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG“ 2017/2018).

Über den Rechtsweg erstritten die Aktivisten die Herausgabe von Berichten zwischen Oktober 2017 und Februar 2018. Hier sind alle Mängel genau aufgelistet und beschrieben. Sogar Fotos sind als Beweise beigelegt. Schreiben, die sich die Behörde und das Unternehmen schickten, sind ebenfalls vorhanden.

Welche Mängel lagen genau vor und wie oft wurde kontrolliert?

Es kam zu insgesamt 40 Besuchen in der Firma „Lutz Fleischwaren“. Eine lückenlose Dokumentation ist daher möglich und fand statt. Rechnerisch bedeutet diese Zahl, dass der Kontrolleur an zwei Tagen in der Woche sich dort befand und immer wieder die Missstände sah. Der Hauptkritikpunkt ist dabei immer wieder die mangelhafte Hygiene. So schrieb der Beamte immer wieder sein Protokoll, dass die Abteilungen unzureichend gereinigt sind. Auch bei den Maschinen kam es nur zu oberflächlichen Säuberungen, wobei sogar diese schlecht ausgeführt wurden.

Fettige und mit Rückstanden behaftete Gerätschaften stellten keine Seltenheit dar. Ganze Würste vergaß das Personal nach Abschluss der Arbeiten. Petersilie klebte überall an der Weißwurstmaschine. Doch nicht nur bei unternehmensspezifischen Reinigungen kam es zu Versäumnissen. Schon Basisanforderungen konnte der Betrieb den Berichten zufolge nicht einhalten. Eine sichtliche Verbesserung der Lage konnte der zuständige Staatsbedienstete nicht . Die selben Mängel traten angeblich immer wieder an den gleichen Stellen auf. Eine Pfütze mit stinkendem Wasser hinter eine Backkammer vermerkte er beispielsweise im Februar 2018, die er immer wieder entdeckte.

Wie sahen Landratsamt Landsberg und der Wursterzeuger die Situation?

Die dortigen Leiter kamen zu einer anderen Einschätzung als der Veterinär, der sich dort live ein Bild machte. Von ihren Bürostühlen aus stellten sie fest, dass es zu einer mündlichen Belehrung durch den Kontrolleur kam.

Die Verbesserungsvorschläge setzte das Unternehmen dann, nach Meinung des Amtes, sofort um. Diese Feststellung widerspricht wohl den vorliegenden Protokollen. Zusätzlich behaupteten die Bediensteten, dass es sich um geringfügige Verstöße handele, die auch nicht ahndungswürdig seien. Wie es zu dieser Einschätzung der Lage kam oder ob es sich um Schutzbehauptungen handelt, bleibt offen.

Mit „Verwunderung“ reagierte das Unternehmen auf die Herausgabe der Berichte. Die dort Verantwortlichen behaupten, dass es sich hier nur um die einzelne Meinung eines Mannes handelt. Indirekt werfen sie diesem „Übereifer“ vor, für den Beamte allgemein ja wohl eher nicht bekannt seien. „Missverständnisse“ oder „subjektive Eindrücke“ sind aus ihrer Sicht für die „Schwierigkeiten“ verantwortlich. Oftmals hätten sogar die Beweise für Behauptungen gefehlt.

Als klar wurde, dass das Gericht der Veröffentlichung der damals noch geheimen Protokoll-Inhalte zustimmen würde, traf der Betrieb eine neue Maßnahme. Er verschickte eine Kommentierung aller Berichte, damit nicht wieder „Missverständnisse“ entstehen…

Datum: Mittwoch, 26. September 2018
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5 Kommentare

  1. 1

    Ich bin zum glück vegan – wegen der Gesundheit

  2. 2

    Wer heute noch verarbeitetes Fleisch verzehrt ist selber schuld. Es wurde mittlerweile gut Informiert dass Wurstwaren krebserregende Zusätze beinhalten !
    Fleisch insgesamt ist ungesund und deren Produktion verantwortlich für den grössten Teil des Klimawandels!
    Abgesehen von abscheulichen Haltung der Tiere !
    Vegan leben ist die einzige Lösung für all diese Probleme. Bleibt gesund, schützt die Umwelt und quält keine Tiere!

  3. 3

    Wie man bei der Qual der Tiere und der QUALität überhaupt noch Fleisch und Wurst essen kann ist mir ein Rätsel. Aber man ist, was man isst und die daraus resultierenden Krankheiten sprechen Bände! Wann wird die Menschheit schlau??

    Sei gut zu deinem Körper, er ist der einzige in dem du leben kannst.

  4. 4

    Es spricht natürlich viel dafür aus gesundheitlichen Gründen auf Fleisch zu verzichten. Es sprechen aber auch viele weitere, weit darüber hinaus weisende Gründe dafür, dies zu tun. Es ist die Verantwortung für unsere Mitgeschöpfe und für diese Erde, die ein klares Statement erfordern. Ein klares „Nein“ zu Massentierhaltung! Und als erste weitere Schritte: Ein „Ja“ zu Transparenz, was die Zustände in unseren unwürdigen Aufzucht- und Schlachtanstalten anbelangt. Und „Ja“, zu tiergerechteren Auflagen und besseren Kontrollen. Und eine klare Haltung zu politischen Entscheidungen, die nur wirtschaftliche Interessen berücksichtigen. Was jüngst in Sachen Kastration von Schweinen entschieden wurde, ist ein Skandal.

  5. Elisabeth Gavilán
    Sonntag, 14. Oktober 2018 20:52
    5

    Lieber Herr Graeber, was sie da berichten, passiert immerhin in Bayern, nicht in Paraguay, wo ich seit Jahrzehnten lebe und wo ich mir derartige „Genüsse“ (industriell oder sonstwie vielfach prozessierte Nahrungsmittel) abgewöhnt habe.
    Ihre Berichte liefern mir fundierte Argumente für meine von der Umgebung abweichenden Essgewohnheiten, abgesehen davon, dass auch unser autistischer Sohn eine natürlichere Ernährung braucht und sie bekommt. Mein Mann und ich profitieren davon.
    Was Sie jede Woche schicken, ist also nicht Ihr Newsletter? Mir erscheint immer das Angebot, mich für Ihren kostenlosen Newsletter zu registrieren. Habe ich doch schon gemacht, nicht wahr?
    Auf jeden Fall bin ich dankbare Leserin Ihrer Informationen und empfehle sie weiter!
    Mit herzlichem Gruss!

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