Fastenzeit

Historische Betrachtungen zur Fastenzeit in den verschiedenen Religionen

Das Fasten, beziehungsweise die Fastenzeit, blickt auf eine lange, tief im Glauben verschiedener Religionen verwurzelte, Tradition zurück.

von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge

Grundsätzlich unterscheiden sich die einzelnen Religionen kaum in Ihrer Variante des Fastens. Sicherlich weichen ihre Regeln und Daten oft stark voneinander ab, doch der zentrale Kern ist immer der Gleiche. Die Fastenzeit dient der Besinnung auf das wirklich Wichtige.

In diesem Beitrag gehe ich auf das Fasten in den verschiedenen Religionen ein. Weitere Informationen zur Geschichte des Fastens finden Sie unter: Die Geschichte des Heilfastens.

Die Fastenzeit im Christentum

Obwohl genau genommen auch der 40-tägige Verzicht auf kulinarische Genüsse vor dem Weihnachtsfest in diesen Bereich gerechnet werden muss, so gilt von kirchlicher Seite lediglich das diesbezügliche Bußgebaren um Ostern, die sogenannte Quadragesima, offiziell als Fastenzeit.

Sie dauert egal nach welcher Berechnungsformel 40 Tage und beginnt stets mit dem Aschermittwoch. Der Sinn dieses selbst auferlegten Verzichts ist die Ehrung Jesu, denn er soll an dessen 40 Fastentage in der Wüste erinnern. Allerdings existieren im Christentum verschiedene Zweige und damit Auslegungen dieses Grundsatzes. Mehr dazu auch im Artikel: Fastensonntag - Die fünf Sonntage in der Fastenzeit vor Ostern

Die Fastenzeit im römisch-katholischen Glauben

Hier dient dieser Abschnitt im Jahr in erster Linie zur Vorbereitung auf Ostern und damit auch auf die damit verbunden Sakramente oder deren Erneuerung. Allerdings existieren nur zwei strenge Fastentage, nämlich der Aschermittwoch und der Karfreitag. Besonders an Letzterem darf kein Katholik Fleisch zu sich nehmen, um dem Tode Christi zu gedenken.

Auch ein zusätzlicher Verzicht auf Süßes, Alkohol und andere Speisen sowie alltägliche Vergnügungen ist üblich. Die Sonntage fallen seit der Synode von Benevent im 11. Jahrhundert nicht mehr unter diese Regelung.

Die Fastenzeit im östlich-orthodoxen Glauben

In der östlich-orthodoxen Kirche wird weniger Wert auf fleischliches Fasten denn auf seelisches Fasten zu entsprechenden Zeiten gelegt, also auf das Gebet und gottesfürchtiges Verhalten. Dennoch findet man vier Fastenzeiten. Die Wichtigste liegt um Ostern und dauert 50 Tage, eine weitere nach Pfingsten (Apostel-Fastenzeit), eine fällt auf die ersten 14 Tage im August (Mariä-Entschlafung-Fastenzeit) und die Letzte wird vor Weihnachten zelebriert. Dabei wird jedoch zwischen verschiedenen Stufen beziehungsweise Graden des Fastens unterschieden, die je nachdem nur Fleisch oder auch andere Genussmittel verbieten.

Die Fastenzeit im Protestantismus

Die Reformation hat vielfach die Gebräuche der katholischen Kirche wie das Osterfasten in den Bereich des Veralteten verdrängt, trotzdem ist zumindest der Fleischverzicht am Karfreitag eine durchaus noch häufig praktizierte Tradition. Je stärker die Verbindungen zum alten Glauben, desto häufiger treten aber die als veraltet verworfenen Handlungen zutage.

Die Fastenzeit im islamischen Glauben

Im Islam ist der Ramadan, der neunte Monat des islamischen Mondkalenders, der islamische Fastenmonat.

Der Fastenmonat Ramadan unterscheidet sich erheblich von den bisher erwähnten Fastenzeiten des Christentums. Bei Muslimen gilt es nicht, die Zufuhr von Nahrung insgesamt zu beschränken, sondern sie wird auf die Nacht verschoben. Tagsüber dürfen weder Essen noch Getränke zu sich genommen werden.

Während es im Christentum kaum spezifischen Rituale oder Anweisungen zum Fastenbrechen gibt, gibt es im Islam das „Fest des Fastenbrechens“. Es wird abgehalten zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan und findet in den ersten 3 Tagen des Folgemonats statt. Aber auch während des Ramadans darf gegessen werden, allerdings erst nach Sonnenuntergang. Laut Tradition wird zuerst eine Olive oder Dattel gegessen. Danach erfolgt das eigentliche Abendessen

Gleiches gilt für körperliche Vergnügungen und Tabak. Ähnlich angelegt sind die Bräuche der Bahai, deren 19-tägige Fastenzeit ebenfalls von Tag und Nacht abhängt.

Die Fastenzeit im Buddhismus

Im Buddhismus gibt es keine expliziten Anweisungen zum Fasten. Buddhisten jedoch essen für gewöhnlich keine tierischen Produkte und sind auch aufgrund ihrer religiösen Lehren gehalten, in allem sich zu mäßigen, die Nahrungseinnahme mit eingeschlossen.

Im Taoismus gibt es regional verschiedene Fastenfeste, die je nach Schule oder Tempel verschieden ausfallen. Aber auch hier gibt es keine einheitliche „Anweisung“ oder allgemeinverbindliches Ritual.

Im Tao Te King, dem Urbuch des Taoismus, taucht der Begriff überhaupt nicht auf und wird auch nicht in umschriebener Form thematisiert.

Dennoch scheinen bestimmte taoistische Schulen das Fasten, besonders das intermittierende Fasten, als eine Form der Gesundheitspflege einzusetzen. Sie propagieren, dass eine Nahrungsaufnahme, die nur auf den Morgen beschränkt bleibt, eine lebensverlängernde Wirkung hat. Daher lehnen sie feste Nahrung nach 12 Uhr Mittags strikt ab. Gleiches wird auch für buddhistische Zen-Mönche berichtet (www.zen.fuer-uns.de/index.php?menu=13).

Es ist erstaunlich, dass diese beiden Religionen, die deutlich älter sind als das Christentum und der Islam, das Fasten nicht als Zwang, sondern als Empfehlung beinhalten, und dass der intermittierende Charakter dieses Fastens als Mittel zur Gesunderhaltung und Lebensverlängerung angesehen wird. Heute, mehr als 2500 Jahre nach der Religionsgründung, kommt die naturwissenschaftliche Erörterung dieses Themas praktisch zu den gleichen Ergebnissen.

Weitere historische Betrachtungen zum Fasten in den verschiedenen Religionen finden Sie in meinem Beitrag: Religiöses Fasten in Indien, Israel, Islam und Christentum.

Brückenschlag zum Heilfasten

Das moderne Fasten, das Heilfasten, beinhaltet viel von dieser ursprünglichen Tradition – selbst wenn das nicht gleich auf den ersten Blick ersichtlich wird. Grundsätzlich stellt die Fastenzeit einen Akt der "seelischen Reinigung" dar, der nicht zuletzt alten Ballast fortschwemmen soll.

Nichts anderes ist Ziel des Heilfastens, nur dass es sich in erster Linie um eine körperliche "Reinigung" handelt, indem der Körper von überflüssigen Stoffwechselprodukten und Zelltrümmern befreit wird. So kann sich der Körper besser regenerieren und neue Kraft schöpfen. Die "Reinigung" nennt der Volksmund im allgemeinen auch "Entgiftung" und "Entschlackung". Einige "Ernährungsexperten" und auch zahlreiche Mediziner machen sich über Begriffe wie entschlacken oder entsäuren lustig. Unter den entsprechenden Begriffen:

gehe ich ausführlicher auf die jeweiligen Aspekte ein.

Zudem stehen in diesem Zusammenhang meist seelische und körperliche Erneuerung in enger Verbindung, denn das Fasten soll auch den Blick für das eigene Selbst öffnen und Energien für eine innere Ausgeglichenheit freisetzen.

Die von mir in Anlehnung an das Buchinger Fasten entwickelte Fastenanleitung konzentriert sich im wesentlichen auf die physiologischen (körperlichen) Vorteile des Fastens.

Hierzu kombiniere ich zahlreiche Verfahren der Naturheilkunde mit dem Fasten, sodass eine optimale und beschwerdefreie Umstimmung des Körpers erreicht wird. Mehr dazu lesen Sie in meiner Schritt-Für-Schritt Heilfasten-Anleitung.

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