Neukönigsförder Mineraltabletten: Wirkung, Inhaltsstoffe und Erfahrungen

René Gräber mit Neukönigsförder Mineraltabletten – Wirkung, Inhaltsstoffe und Kritik

Neukönigsförder Mineraltabletten werden seit Jahrzehnten angeboten und besonders in naturheilkundlichen Kreisen immer wieder empfohlen. Sie sollen den Körper mit Mineralstoffen versorgen, das Elektrolytgleichgewicht unterstützen und gelegentlich sogar einer sogenannten Übersäuerung entgegenwirken.

Das klingt zunächst vernünftig. Klar ist auch: Mineralstoffe sind lebensnotwendig — und tatsächlich gibt es Situationen, in denen der Bedarf steigt oder die Versorgung nicht ausreicht. Daraus folgt allerdings noch lange nicht, dass jede Mineralstoffmischung für jeden Menschen geeignet ist.

Gerade bei diesem Präparat lohnt ein genauer Blick. Die Neukönigsförder Mineraltabletten sind weder ein hoch dosiertes Magnesiumpräparat noch eine gezielte Kaliumtherapie und auch kein typisches Basenpräparat auf Citratbasis. Es handelt sich um eine breit angelegte Mineralstoffkombination mit moderaten Dosierungen bei einigen Bestandteilen, aber auch mit Punkten, die kritisch betrachtet werden müssen.

Das Wichtigste vorab: Die maximale Tagesdosis von sechs Tabletten liefert rund 614 Milligramm Kalium und 1,8 Milligramm Mangan. Damit liegt sie bei beiden Stoffen über den aktuellen Höchstmengenvorschlägen des Bundesinstituts für Risikobewertung für Nahrungsergänzungsmittel. Diese Empfehlungen sind keine gesetzlichen Grenzwerte. Sie sind aber ein guter Grund, die Höchstdosis nicht als harmlose Standardmenge für jedermann zu betrachten.

Was sind Neukönigsförder Mineraltabletten?

Bei dem Produkt handelt es sich rechtlich um ein Nahrungsergänzungsmittel und nicht um ein Arzneimittel. Es ist nach Angaben des Anbieters vegan sowie gluten- und laktosefrei.

Enthalten sind sieben mengenmäßig deklarierte Mineralstoffe und Spurenelemente:

  • Kalium
  • Calcium
  • Phosphor
  • Magnesium
  • Eisen
  • Zink
  • Mangan

Der Hersteller verweist auf eine seit mehr als 40 Jahren bewährte Rezeptur und ein angeblich ausgewogenes Verhältnis der Mineralstoffe untereinander. Eine lange Marktpräsenz kann für gute Verträglichkeit und praktische Erfahrungen sprechen. Sie ersetzt allerdings keinen klinischen Nachweis für die Wirksamkeit der gesamten Kombination.

Für die Neukönigsförder Mineraltabletten selbst sind mir keine überzeugenden kontrollierten Studien bekannt, die zeigen, dass das fertige Präparat einen Mineralstoffmangel zuverlässig behebt, Fastenbeschwerden verhindert oder den Säure-Basen-Haushalt in besonderer Weise verbessert.

Inhaltsstoffe und Dosierung

Die aktuelle Packungsbeilage empfiehlt Erwachsenen dreimal täglich ein bis zwei Tabletten zu den Mahlzeiten. Daraus ergeben sich drei bis maximal sechs Tabletten am Tag.

Mineralstoff Pro Tablette Bei 3 Tabletten Bei 6 Tabletten EU-Referenzmenge bei 6 Tabletten
Kalium 102,3 mg 306,9 mg 613,8 mg 30 %
Calcium 53 mg 159 mg 318 mg 40 %
Phosphor 37 mg 111 mg 222 mg 32 %
Magnesium 26,2 mg 78,6 mg 157,2 mg 42 %
Eisen 0,7 mg 2,1 mg 4,2 mg 30 %
Zink 0,8 mg 2,4 mg 4,8 mg 48 %
Mangan 0,3 mg 0,9 mg 1,8 mg 90 %

Die Mineralstoffe stammen unter anderem aus Kaliumchlorid, Calciumhydrogenphosphat, Calciumcarbonat, Magnesiumhydrogenphosphat, Magnesiumoxid, Eisensulfat, Zinkoxid und Manganchlorid.

Hinzu kommen Saccharose und verschiedene Hilfsstoffe für Tablettenform, Stabilität, Überzug und Auflösung. Dazu zählen Celluloseverbindungen, Stearinsäure, Magnesiumstearat, Siliciumdioxid, Talkum und Polyvinylpyrrolidon.

Die Bezeichnung „natürlich“ sollte daher nicht überbewertet werden. Die Ausgangselemente kommen selbstverständlich in der Natur vor. Das fertige Präparat besteht dennoch aus industriell hergestellten Mineralsalzen und den üblichen Hilfsstoffen einer Tablette. „Natürlich“ ist hier eher eine werbliche Beschreibung als ein Qualitätsnachweis.

Eine merkwürdige Unstimmigkeit beim Kupfer

In der Zutatenliste der aktuellen Packungsbeilage wird auch Kupfersulfat-Pentahydrat genannt. In der anschließenden Nährstofftabelle wird Kupfer jedoch weder aufgeführt noch mengenmäßig deklariert. Möglicherweise ist nur eine technisch sehr geringe Menge enthalten.

Vergleich mit den Höchstmengenvorschlägen des BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung veröffentlicht Vorschläge für maximale Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln. Dabei handelt es sich nicht um gesetzlich verbindliche Grenzwerte. Sie sollen das Risiko verringern, dass Verbraucher durch mehrere Präparate und angereicherte Lebensmittel dauerhaft zu hohe Mengen aufnehmen.

Mineralstoff Neukönigsförder bei 6 Tabletten BfR-Höchstmengenvorschlag pro Tagesdosis Bewertung
Kalium 613,8 mg 500 mg über dem Vorschlag
Calcium 318 mg 500 mg darunter
Magnesium 157,2 mg 250 mg darunter
Eisen 4,2 mg 6 mg darunter
Zink 4,8 mg 6,5 mg darunter
Mangan 1,8 mg 0,5 mg deutlich darüber
Phosphor 222 mg kein Zusatz zu ernährungsphysiologischen Zwecken empfohlen kritisch zu prüfen

Bei drei Tabletten bleibt die Kaliumzufuhr unter dem BfR-Vorschlag. Die Manganmenge beträgt jedoch bereits 0,9 Milligramm und liegt damit auch bei der niedrigeren Erwachsenendosis über dem BfR-Wert von 0,5 Milligramm.

Ich hatte zu den Grenzwerten in Deutschland allerdings auch hier geschrieben: Grenzwerte für Vitamine und Mineralien – Deutschland macht sich lächerlich

Wie sinnvoll sind die einzelnen Mineralstoffe dosiert?

Kalium

Kalium ist für die Reizleitung der Nerven, die Muskelkontraktion, den Herzrhythmus, den Blutdruck und den Flüssigkeitshaushalt unverzichtbar. Die Ernährung sollte deshalb kaliumreiche Lebensmittel wie Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Kräuter, Nüsse und Obst enthalten.

In der Höchstdosis liefern die Neukönigsförder Tabletten knapp 614 Milligramm Kalium. Im Verhältnis zu einer kaliumreichen Ernährung ist das keine astronomische Menge. Ein Teller Gemüse oder Kartoffeln kann bereits ähnlich viel oder mehr liefern.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Ausgangslage des Patienten. Ein gesunder Mensch mit intakter Nierenfunktion kann überschüssiges Kalium normalerweise gut ausscheiden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion, einer Störung des Hormonhaushalts oder der Einnahme kaliumsteigernder Medikamente kann dieselbe Menge problematisch werden.

Ein erhöhter Kaliumwert verursacht anfangs häufig keine eindeutigen Beschwerden. Bei stärkerer Hyperkaliämie drohen Muskelschwäche, Missempfindungen und Herzrhythmusstörungen. Gerade das macht die Einnahme bei Risikopatienten so tückisch: Der Betroffene kann sich zunächst vollkommen normal fühlen.

Auch mein Beitrag über Salz, Natrium und das Verhältnis zu Kalium zeigt, weshalb es beim Mineralhaushalt nicht genügt, einzelne Stoffe isoliert als gut oder schlecht zu betrachten.

Magnesium

Sechs Tabletten liefern rund 157 Milligramm Magnesium. Das ist als Ergänzung durchaus relevant, reicht bei einem ausgeprägten Magnesiummangel, starken Muskelkrämpfen oder erhöhtem therapeutischem Bedarf jedoch häufig nicht aus.

Ein Teil des Magnesiums liegt als Magnesiumoxid vor. Diese Verbindung enthält zwar einen hohen Anteil elementaren Magnesiums, ist aber vergleichsweise schlecht wasserlöslich. Die tatsächlich aufgenommene Menge hängt von der Dosierung, der Magensäure, der Darmfunktion, der Einnahmedauer und der individuellen Versorgungslage ab.

Magnesiumoxid ist deshalb nicht automatisch wertlos. Die pauschale Behauptung, organische Magnesiumverbindungen seien immer überlegen, ist ebenfalls zu schlicht. Für die gezielte Anwendung lohnt jedoch ein Vergleich der unterschiedlichen Magnesiumpräparate und Magnesiumverbindungen.

Wer speziell eine Citratverbindung sucht, findet weitere Informationen in meinem Beitrag über Magnesiumcitrat und seine Bedeutung für den Säure-Basen-Haushalt.

Calcium

Mit maximal 318 Milligramm Calcium handelt es sich um eine moderate Ergänzung. Zur gezielten Behandlung einer ausgeprägten Unterversorgung, Osteoporose oder einer Störung des Calciumstoffwechsels ist das Präparat nicht gedacht.

Calcium sollte ohnehin nie isoliert betrachtet werden. Vitamin D, Vitamin K, Magnesium, Eiweißversorgung, Bewegung, Hormone und Nierenfunktion entscheiden mit darüber, ob Calcium sinnvoll eingebaut oder an ungünstiger Stelle abgelagert wird.

Mehr Calcium bedeutet daher nicht automatisch stabilere Knochen. Auch das Verhältnis von Calcium und Magnesium verdient Beachtung.

Phosphor

Die Höchstdosis liefert 222 Milligramm Phosphor. Ein echter Phosphormangel ist bei normaler Ernährung selten. Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Getreide, Hülsenfrüchte und zahlreiche verarbeitete Lebensmittel liefern reichlich Phosphor beziehungsweise Phosphate.

Das BfR empfiehlt inzwischen, Nahrungsergänzungsmitteln kein Phosphor oder Phosphat allein zu ernährungsphysiologischen Zwecken zuzusetzen. Gerade bei eingeschränkter Nierenfunktion kann eine zusätzliche Phosphatzufuhr ungünstig sein, weil die Ausscheidung nachlässt und der Mineral- und Knochenstoffwechsel aus dem Gleichgewicht geraten kann.

Phosphor ist lebensnotwendig. Ein häufiger Mangel ist allerdings kein überzeugendes Argument für seine routinemäßige Einnahme.

Eisen

Sechs Tabletten liefern 4,2 Milligramm Eisen. Das ist zu wenig, um einen nachgewiesenen Eisenmangel oder eine Eisenmangelanämie gezielt zu behandeln.

Gleichzeitig gibt es keinen vernünftigen Grund, Eisen dauerhaft auf Verdacht einzunehmen. Vor einer gezielten Eisengabe sollten zumindest Blutbild, Ferritin, Transferrinsättigung und gegebenenfalls Entzündungswerte beurteilt werden.

Ein niedriger Ferritinwert kann auf einen Eisenmangel hinweisen. Ein normaler oder erhöhter Ferritinwert schließt funktionelle Störungen des Eisenstoffwechsels jedoch nicht immer aus, da Ferritin auch bei Entzündungen, Infektionen und Lebererkrankungen ansteigen kann.

Menschen mit Hämochromatose, hohen Eisenspeichern oder ungeklärten erhöhten Ferritinwerten sollten keine eisenhaltigen Präparate nach dem Gießkannenprinzip verwenden.

Zink

Die Zinkmenge ist moderat. Bei sechs Tabletten werden 4,8 Milligramm aufgenommen. Bei einem nachgewiesenen Zinkmangel kann das zu wenig sein, als ergänzende Basisversorgung ist die Menge durchaus relevant.

Auch bei Zink gilt: Die richtige Dosis hängt von Ernährung, Darmgesundheit, Entzündungsbelastung, Medikamenten, Alter und individuellem Bedarf ab. Eine dauerhafte hohe Zinkzufuhr kann wiederum die Kupferaufnahme beeinträchtigen.

Ausführlicher gehe ich darauf in meinem Grundsatzbeitrag ein: Wann sollte man Zink einnehmen, wie viel ist sinnvoll und kann man Zink überdosieren?

Mangan

Mangan wird nur in kleinen Mengen benötigt. Es ist an Enzymfunktionen, dem Bindegewebs- und Knochenstoffwechsel sowie an antioxidativen Schutzsystemen beteiligt.

Sechs Tabletten liefern 1,8 Milligramm und damit 90 Prozent der europäischen Referenzmenge. Das klingt zunächst unauffällig. Der europäische Referenzwert beschreibt jedoch eine Orientierung für die tägliche Zufuhr und nicht die empfohlene Menge aus einem Nahrungsergänzungsmittel.

Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel lediglich 0,5 Milligramm Mangan pro Tagesdosis vor. Dieser Wert wird bereits mit zwei Tabletten überschritten.

Wer zusätzlich ein Multivitaminpräparat, ein Basenpulver oder einen Mineralstoffkomplex einnimmt, kann leicht mehrere Manganquellen kombinieren. Mehr über Funktion, Bedarf und mögliche Überdosierung lesen Sie in meinem Beitrag über Mangan als Spurenelement.

Wirken Neukönigsförder Mineraltabletten gegen Übersäuerung?

Im Zusammenhang mit Mineralstoffen werden häufig drei verschiedene Sachverhalte vermischt:

  • eine echte medizinische Azidose,
  • die ernährungsabhängige Säurebelastung,
  • das naturheilkundliche Konzept einer chronischen Gewebeübersäuerung.

Eine echte Azidose ist eine Störung des Blut-pH-Wertes und ist en Notfall. Sie kann beispielsweise bei schwerer Niereninsuffizienz, entgleistem Diabetes, schweren Lungenerkrankungen, Vergiftungen oder massiven Stoffwechselstörungen auftreten. Solche Zustände behandelt man nicht mit frei verkäuflichen Mineraltabletten. Soviel sollte klar sein…

Die Ernährung beeinflusst dagegen durchaus die Menge an Säuren und Basen, welche die Nieren verarbeiten und ausscheiden müssen. Das lässt sich unter anderem an der renalen Säureausscheidung und mit Einschränkungen auch am Urin-pH erkennen. Der pH-Wert des Blutes wird bei gesunden Menschen trotzdem in einem engen Bereich gehalten. Mehr zu den unterschiedlichen Ebenen lesen Sie in meinen Grundsatzartikeln über den Säure-Basen-Haushalt und die Frage, was von einer Übersäuerung des Körpers zu halten ist.

Die Neukönigsförder Mineraltabletten enthalten zwar Calciumcarbonat und verschiedene Mineralstoffe. Sie bestehen jedoch überwiegend nicht aus den bei klassischen Basenpräparaten verwendeten Kalium-, Magnesium- und Calciumcitraten. Kaliumchlorid liefert Kalium und Chlorid. Es ist ein Elektrolytsalz, aber kein klassischer Basenlieferant. Das basenbildende Potenzial von Kaliumcitrat stammt dagegen wesentlich vom Citratanteil, der im Stoffwechsel zu Bicarbonat umgesetzt werden kann.

Auch Phosphatverbindungen lassen sich nicht pauschal als „entsäuernd“ bezeichnen. Eine Tablette wird nicht dadurch zum Basenmittel, dass mehrere Mineralstoffe darin enthalten sind.

Die Neukönigsförder Tabletten können die Mineralstoffzufuhr ergänzen – keine Frage. Die Behauptung, sie würden überschüssige Säuren aus den Zellen lösen, binden und anschließend aus dem Körper schleusen, wäre physiologisch etwas zu weitgehend. Damit ist das Mittel m.E. überfordert. Wer gezielt ein Basenpräparat sucht, sollte sich nicht von großen Versprechen beeindrucken lassen, sondern die verwendeten Verbindungen prüfen. Einen ausführlichen Überblick finden Sie in meinem Beitrag Basenpulver und Basentabletten – Wirkung, Anwendung und Grenzen.

Auch Natron wird häufig als einfache Lösung für eine angebliche Übersäuerung präsentiert. Eine dauerhafte Einnahme ersetzt jedoch weder eine basenreiche Ernährung noch eine funktionierende Regulation über Lunge, Nieren, Darm, Haut und Stoffwechsel. Der vernünftigere Weg beginnt meist auf dem Teller. Eine Übersicht bietet meine Tabelle der basenbildenden Lebensmittel.

Sind Neukönigsförder Mineraltabletten beim Heilfasten sinnvoll?

Während des Fastens verändern sich Wasser-, Salz- und Elektrolythaushalt. Besonders zu Beginn scheidet der Körper durch sinkende Insulinspiegel mehr Wasser und Natrium aus. Abführmaßnahmen, starkes Schwitzen, Erbrechen, Durchfall, eine zu hohe Trinkmenge oder entwässernde Medikamente können diese Verschiebungen verstärken.

Je nach Fastenmethode, Dauer, Medikamenteneinnahme und Ausgangslage können auch Kalium, Magnesium und andere Mineralstoffe relevant werden.

Daraus sollte man keine pauschale Pflicht zur Einnahme eines Multimineralpräparates ableiten. Ein gesunder und gut versorgter Mensch benötigt während einer kurzen, fachgerecht durchgeführten Fastenkur normalerweise keine umfangreiche Mineralstoffmischung.

Gemüsebrühe, geringe Mengen Gemüsesaft und eine angepasste Trinkmenge liefern bereits Elektrolyte. Entscheidend ist die Art des Fastens. Reines Wasser- oder Teefasten birgt andere Risiken als ein sinnvoll begleitetes Buchinger- oder modifiziertes Fasten.

In meiner Heilfastenmethode geht es deshalb nicht darum, möglichst radikal nichts mehr zuzuführen. Das Ziel ist eine wirksame Stoffwechselentlastung, ohne den Patienten durch unnötige Mängel oder Elektrolytverschiebungen zu belasten.

Das Präparat liefert kaum Natrium

Eine Schwäche der Neukönigsförder Tabletten beim Fasten wird leicht übersehen: Sie liefern praktisch kein ernährungsphysiologisch relevantes Natrium.

Gerade Natriumverlust kann in den ersten Fastentagen an Kopfschmerzen, niedrigem Blutdruck, Schwindel, Schwäche und Kreislaufproblemen beteiligt sein. Dieses Problem löst das Präparat nicht.

Wer beim Fasten viel Wasser trinkt, gleichzeitig wenig Salz aufnimmt und vielleicht zusätzlich entwässernde Mittel verwendet, kann seinen Natriumspiegel weiter verdünnen. Mehr trinken ist dann nicht automatisch besser. Manchmal ist das gut gemeinte Wasserdauerfeuer selbst Teil des Problems.

Welche Rolle Natrium im Wasser- und Elektrolythaushalt spielt, beschreibe ich ausführlich in meinem Beitrag über Natrium im Körper.

Abführmittel können Kaliumverluste verstärken

Beim Fasten werden häufig Glaubersalz, Bittersalz oder andere Abführmittel eingesetzt. Kurzfristig und richtig dosiert kann das sinnvoll sein. Wiederholte oder zu kräftige Abführungen erhöhen jedoch den Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten.

Das gilt besonders für Kalium. Wer nach jeder Schwächephase weitere Abführmaßnahmen und anschließend mehr Mineralstofftabletten einsetzt, behandelt möglicherweise ein selbst geschaffenes Problem.

Hinweise zu Dosierung, Anwendung und Risiken finden Sie in meinem Beitrag über Glaubersalz beim Heilfasten.

Wann sind Kontrollen sinnvoll?

Bei kurzen Fastenkuren gesunder Menschen sind meist keine laufenden Laboruntersuchungen erforderlich. Anders sieht es bei längeren Fastenzeiten, Vorerkrankungen, höherem Lebensalter, auffälligen Beschwerden oder einer umfangreichen Medikamenteneinnahme aus.

Bei Herzrhythmusstörungen, starker Muskelschwäche, anhaltendem Schwindel, Erbrechen, Durchfall, Verwirrtheit oder ausgeprägten Kreislaufproblemen sollte nicht einfach eine weitere Tablette geschluckt werden. Dann gehören unter anderem Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium und Nierenwerte kontrolliert.

Welche Laborparameter dabei wichtig sein können, zeige ich in meinem Beitrag über Blutwerte beim Fasten.

Wer sollte bei Kalium besonders vorsichtig sein?

Aufgrund des Kaliumgehalts sollte das Präparat nicht ohne fachliche Rücksprache eingenommen werden bei:

  • eingeschränkter Nierenfunktion,
  • bereits erhöhtem Kaliumwert,
  • fortgeschrittener Herzschwäche,
  • Diabetes mit Nierenbeteiligung,
  • Morbus Addison und anderen Störungen der Nebennierenfunktion,
  • schwerer Austrocknung,
  • bestimmten Herzrhythmusstörungen,
  • einer kaliumreichen medizinischen Trink- oder Sondennahrung.

Besondere Vorsicht gilt bei Medikamenten, die den Kaliumwert erhöhen können. Dazu gehören unter anderem:

  • ACE-Hemmer wie Ramipril, Enalapril oder Lisinopril,
  • Angiotensin-Rezeptorblocker wie Candesartan, Valsartan oder Losartan,
  • kaliumsparende Entwässerungsmittel wie Spironolacton, Eplerenon oder Amilorid,
  • bestimmte Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR,
  • einige Immunsuppressiva,
  • Kaliumsalze und kaliumhaltige Salzersatzprodukte.

Wer an einer eingeschränkten Nierenfunktion leidet und fasten möchte, sollte zusätzlich meinen Beitrag Fasten bei Nierenproblemen beachten.

Abstand zu Medikamenten halten

Calcium, Magnesium, Eisen und Zink können sich im Darm mit bestimmten Arzneimitteln verbinden oder deren Aufnahme auf andere Weise vermindern.

Das betrifft insbesondere:

  • Schilddrüsenhormone wie Levothyroxin,
  • Tetrazyklin- und Chinolon-Antibiotika,
  • Bisphosphonate gegen Osteoporose,
  • Penicillamin,
  • einige HIV-Medikamente.

Zu Levothyroxin sollte bei calcium- oder eisenhaltigen Präparaten in der Regel ein Abstand von mindestens vier Stunden eingehalten werden. Bei Antibiotika und Bisphosphonaten gelten je nach Wirkstoff unterschiedliche Abstände.

Ein pauschaler Satz wie „zu den Mahlzeiten einnehmen“ reicht daher nicht für jeden Patienten. Wer regelmäßig Medikamente verwendet, sollte die konkrete Kombination anhand der Fach- oder Packungsinformation prüfen lassen.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Mögliche Beschwerden betreffen vor allem den Magen-Darm-Trakt:

  • Völlegefühl,
  • Übelkeit,
  • Bauchschmerzen,
  • Verstopfung durch Eisen oder Calcium,
  • weicher Stuhl oder Durchfall durch Magnesium,
  • Reizung der Magenschleimhaut.

Solche Beschwerden sind kein Zeichen dafür, dass ein Kaliummangel besonders wirksam „aufgefüllt“ wird oder der Körper nun kräftig entsäuert. Meist handelt es sich schlicht um eine Unverträglichkeit der Mineralsalze, der Dosierung oder der Hilfsstoffe.

Frühere Darstellungen, nach denen Bauchbeschwerden durch die plötzliche Beseitigung eines Kaliummangels entstehen könnten, sind nicht plausibel. Eine Nebenwirkung wird nicht dadurch zum Heilerfolg, dass man ihr eine hübsche Erklärung gibt.

Bei Herzklopfen, deutlicher Muskelschwäche, ungewöhnlichen Missempfindungen, Verwirrtheit oder zunehmender Kreislaufschwäche sollte die Einnahme beendet und der Elektrolythaushalt überprüft werden.

Sind die Tabletten für Kinder geeignet?

Hier fällt eine Unstimmigkeit zwischen der Herstellerseite und der aktuellen Packungsbeilage auf.

Auf der Produktseite werden Dosierungen für Jugendliche, Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren und sogar für Kleinkinder bis vier Jahre angegeben. Die aktuelle Packungsbeilage mit Stand Februar 2025 nennt dagegen nur eine Verzehrempfehlung für Erwachsene.

Warum die Kinderangaben in der neueren Packungsbeilage fehlen, wird nicht erklärt. Aus der Internetseite würde ich deshalb keine pauschale Empfehlung zur Gabe an Kinder ableiten.

Kinder benötigen Mineralstoffe in altersabhängigen Mengen. Eine Kombination aus Kalium, Eisen, Mangan, Calcium, Phosphor und weiteren Stoffen sollte nicht allein deshalb gegeben werden, weil ein Kind müde ist, schlecht isst oder häufig Infekte hat.

Gerade Mangan verdient Beachtung. Schon eine Tablette liefert 0,3 Milligramm, zwei Tabletten 0,6 Milligramm. Der BfR-Höchstmengenvorschlag für Nahrungsergänzungsmittel beträgt 0,5 Milligramm und bezieht sich grundsätzlich auf ältere Jugendliche und Erwachsene, nicht auf Kleinkinder.

Für Kinder gilt daher: Beschwerden und Ernährung prüfen, einen möglichen Mangel klären und anschließend gezielt ergänzen. Die Mineralstoff-Gießkanne ist keine Diagnostik.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Tabletten werden gelegentlich auch in der Schwangerschaft empfohlen. Als vollständiges Schwangerschaftspräparat sind sie jedoch ungeeignet.

Es fehlen unter anderem:

  • Folat beziehungsweise Folsäure,
  • Jod,
  • Vitamin B12,
  • Vitamin D,
  • Omega-3-Fettsäuren.

Gleichzeitig ist der tatsächliche Bedarf an Eisen, Jod, Magnesium und anderen Mikronährstoffen während Schwangerschaft und Stillzeit individuell. Eine Frau mit niedrigen Eisenspeichern benötigt eine andere Strategie als eine Frau mit hohen Ferritinwerten oder einer Störung des Eisenstoffwechsels.

Auch hier gilt: Versorgung prüfen und gezielt ergänzen. Schwangerschaft ist kein Freibrief für wahllose Kombinationspräparate.

Wann können Neukönigsförder Mineraltabletten sinnvoll sein?

Das Präparat kann zeitweise infrage kommen, wenn:

  • die Ernährung vorübergehend deutlich eingeschränkt ist,
  • mehrere moderate Versorgungslücken vermutet oder nachgewiesen wurden,
  • eine gezielte Hochdosistherapie nicht erforderlich ist,
  • Nierenfunktion und Kaliumwert unauffällig sind,
  • keine problematischen Medikamentenwechselwirkungen bestehen,
  • keine weiteren mangan- oder kaliumhaltigen Präparate verwendet werden.

Die niedrigere Erwachsenendosis von drei Tabletten liefert bereits relevante Mineralstoffmengen. Die Höchstdosis von sechs Tabletten sollte nicht automatisch als anzustrebende Tagesmenge verstanden werden. Eine Maximaldosis ist keine Qualitätsstufe.

Wann ist ein anderes Vorgehen sinnvoller?

Bei einem gezielten Mangel ist ein gezieltes Präparat meistens überzeugender:

  • Bei Magnesiummangel wird eine passende Magnesiumverbindung in angemessener Dosierung gewählt.
  • Bei Eisenmangel müssen Ursache, Blutbild, Ferritin und Transferrinsättigung berücksichtigt werden.
  • Bei Zinkmangel sind Zinkmenge, Einnahmedauer und Kupferstatus wichtig.
  • Bei Kaliumstörungen müssen Nierenfunktion, Medikamente und der tatsächliche Blutwert bekannt sein.
  • Bei Beschwerden während des Fastens müssen Natrium, Flüssigkeitszufuhr, Blutdruck und Abführmaßnahmen mitgedacht werden.
  • Bei einer vermeintlichen Übersäuerung gehören Ernährung, Atmung, Bewegung, Darm, Nieren und Stoffwechsellage auf den Prüfstand.

Eine Dose mit sieben Mineralstoffen erspart diese Überlegungen nicht.

Meine Bewertung aus der Naturheilpraxis

Die Neukönigsförder Mineraltabletten sind kein grundsätzlich schlechtes Produkt. Die Zusammensetzung ist breit angelegt, die Einzelmengen bleiben bei Calcium, Magnesium, Eisen und Zink moderat, und manche Menschen werden die Tabletten gut vertragen.

Das Präparat besitzt jedoch ein etwas widersprüchliches Profil:

  • Für die gezielte Behandlung eines Magnesium-, Eisen-, Zink- oder Calciummangels sind die jeweiligen Mengen meistens zu niedrig.
  • Als allgemeine Mineralstoffmischung liefert die Höchstdosis wiederum mehr Kalium und Mangan, als das BfR für Nahrungsergänzungsmittel vorschlägt.
  • Phosphor wird ergänzt, obwohl ein ernährungsbedingter Phosphormangel selten ist und das BfR von einer entsprechenden Anreicherung abrät.
  • Für den Einsatz beim Fasten fehlt ausgerechnet Natrium, das bei vielen typischen Anfangsbeschwerden eine wesentliche Rolle spielen kann.
  • Als klassisches Basenpräparat ist die Mischung ungeeignet, weil vor allem Chloride, Phosphate, Carbonat und Oxide statt einer durchgehenden Citratmischung verwendet werden.
  • Die Kinderempfehlungen auf der Internetseite stimmen nicht mit der aktuellen Packungsbeilage überein.

In der Praxis würde ich das Präparat deshalb weder pauschal ablehnen noch pauschal empfehlen. Entscheidend ist die Fragestellung.

Wer eine leichte, breit angelegte Ergänzung sucht, keine Nierenprobleme hat, keine kaliumsteigernden Medikamente einnimmt und keine weiteren Mineralstoffpräparate verwendet, kann das Produkt zeitlich begrenzt einsetzen.

Bei konkreten Beschwerden, nachgewiesenen Mängeln, Nierenerkrankungen, Herzerkrankungen, Schwangerschaft, Kindern oder einer umfangreichen Medikamenteneinnahme ist eine individuelle Strategie sinnvoller.

Fazit

Neukönigsförder Mineraltabletten sind eine breit zusammengesetzte Mineralstoffmischung mit Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Zink und Mangan.

Sie können eine eingeschränkte Ernährung zeitweise ergänzen. Ein gezielter Mineralstoffmangel lässt sich damit jedoch häufig weder ausreichend noch besonders präzise behandeln.

Die beworbene Wirkung auf den Säure-Basen-Haushalt sollte zurückhaltend beurteilt werden. Es handelt sich nicht um eine klassische Citratmischung, und ein klinischer Nachweis für eine besondere Entsäuerungswirkung des Gesamtpräparates ist nicht erkennbar.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Kalium und Mangan. Die maximale Tagesdosis liefert rund 614 Milligramm Kalium und 1,8 Milligramm Mangan. Beide Mengen liegen über den Höchstmengenvorschlägen des Bundesinstituts für Risikobewertung für Nahrungsergänzungsmittel.

Für gesunde Erwachsene mit intakter Nierenfunktion muss daraus nicht zwangsläufig ein Problem entstehen. Bei Nierenerkrankungen, Herzerkrankungen, Diabetes, kaliumsteigernden Medikamenten und der Kombination mit weiteren Nahrungsergänzungsmitteln ist von einer unkritischen Einnahme abzuraten.

Mineralstoffe sind lebensnotwendig. Gerade deshalb sollte man sie gezielt einsetzen. Das alte Motto „Was fehlt, wird schon irgendwie in der Tablette stecken“ ist keine Mineralstoffmedizin, sondern Hoffnung mit Überzug.

Quellen und weiterführende Informationen

Dieser Artikel wurde  letztmalig am 3.8.2026 komplett überarbeitet.

Rene Gräber:

Ihre Hilfe für die Naturheilkunde und eine menschliche Medizin! Dieser Blog ist vollkommen unabhängig, überparteilich und kostenfrei (keine Paywall). Ich (René Gräber) investiere allerdings viel Zeit, Geld und Arbeit, um ihnen Beiträge jenseits des "Medizin-Mainstreams" anbieten zu können. Ich freue mich daher über jede Unterstützung! Helfen Sie bitte mit! Setzen Sie zum Beispiel einen Link zu diesem Beitrag oder unterstützen Sie diese Arbeit mit Geld. Für mehr Informationen klicken Sie bitte HIER.