Fasten nach Breuss – Oder: die „Prostata Krebs“ und „Breuss Kur“
Heute erhielt ich folgende Frage:
Hallo Herr Graeber,
ich bin im Internet auf Ihre Seite gestossen:Den Krebs „aushungern“ Die Krebs-Kur: „Krebskur-Total“.
Nachdem ich nun seit einigen Tagen Seiten (= Newsletter – Anm. des Blogautors) von Ihnen erhalten habe, ist von der Breuss-Kur nirgendswo die Rede mehr,wissen Sie überhaupt was es mit dieser Breuss-Kur auf sich hat???Anfang Mai 2006 war ich an Prostata-Krebs erkrankt,war 3 Wochen im Krankenhaus, die Ärzte habe sich nicht mehr getraut zu einer Operation,ich bekam dann eine Hormontherapie und sollte noch eine Strahlentherapie bekommen,welche ich aber abgelehnt habe,somit suchte ich selbst nach Alternativen und stiess im Internet auf die Breuss Krebs-Kur, habe die Hormontherapie abgebrochen und nach genauer
Prüfung am 9.Juni 2007 die Kur (42 Tage) genau gemacht.Die Ärzte hatte mir im Mai 2006 eine Lebenserwartung von einem 3/4 Jahr gegeben.
Meine Blutwerte sind heute alle im Normbereich.
Antwort:
Wer Breuss nicht kennt: Rudolf Breuss war ein österreichischer Naturheilkundler. In seinem Buch „Die Krebs-Leukämie-Kur“ beschrieb er ein 42-tägiges Saftfasten mit Gemüsesäften und Kräutertees.
Seine Grundannahme: Tumorzellen ernähren sich primär von fester Nahrung – entzieht man diese, würden sie „verhungern“, während der Körper von Säften weiter versorgt werde.
Wichtig: Breuss hat nie pauschal behauptet, jede Krebsart sei auf diese Weise heilbar. Er differenzierte – was später oft ignoriert wurde.
Das Problem der Vereinfachung
Im Internet wurde aus einer differenzierten Beschreibung schnell eine Formel:
Krebs -> 42 Tage Fasten -> Heilung.
So hat Breuss das nie formuliert. Er hat sehr klar beschrieben, bei welchen Konstellationen er Zurückhaltung empfahl. Und er hat nie behauptet, dass schulmedizinische Maßnahmen grundsätzlich abzubrechen seien. Das heutige Problem ist weniger das Fasten selbst – sondern die dogmatische Verkürzung.
Prostatakrebs und Fasten
Es gibt Hinweise aus der Stoffwechselforschung, dass hormonabhängige Tumoren sensibel auf metabolische Veränderungen reagieren können. Prostatakarzinome gehören in vielen Fällen dazu.
Fasten verändert hier:
- Insulin
- IGF-1
- Entzündungsmarker
- Zellstoffwechsel
Das heißt jedoch nicht automatisch „Heilung“. Es heißt: Der Stoffwechsel beeinflusst das Tumormilieus. Mehr nicht – aber auch nicht weniger.
Warum ich öffentlich zurückhaltend bin
Ich halte mich mit konkreten Empfehlungen zur Breuss-Kur bewusst zurück. Die Corona Jahre haben deutlich gezeigt, was „abgehen“ kann. Und beim Thema Krebs kann man sich nur die Finger verbrennen…
Auf zwei Dinge muss man achten:
- Menschen brechen eigenständig Therapien ab
- Kritiker nutzen extreme Fälle, um Fasten generell zu diskreditieren
Fasten ist ein starkes physiologisches Instrument. Aber es ist kein Allheilmittel.
Persönliche Bewertung
Die geschilderte Erfahrung ist beeindruckend. Aber sie ist halt auch eine Einzelerfahrung. Ein normwertiger PSA-Wert ersetzt keine differenzierte onkologische Beurteilung. Und eine Prognose von „neun Monaten“ ist statistisch – keine exakte Uhr. Das gilt übrigens für beide Seiten – schulmedizinisch wie alternativmedizinisch.
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Beitragsbild: fotolia.com – crevis









