Probiotika für Rheumapatienten?

Probiotika sind vor allem durch die Werbung bekannt. Lebensmittel, vorzugsweise Milchprodukte, mit probiotischem Inhalt sollen den täglichen Verdauungsmechanismus in Magen und Darm positiv beeinflussen.

Daneben können Probiotika auch in Nahrungsergänzungsmitteln oder Medikamenten zum Einsatz kommen.Probiotika (Einzahl = Probiotikum) sind lebende Mikroorganismen.

Es handelt sich um Bakterien (z.B. Bifido- oder Laktobakterien) und Hefen (einzellige Pilze), die entweder isoliert oder aber auch in Mischformen den Lebensmitteln oder Medikamenten zugefügt werden.

Sie sind relativ widerstandsfähig, benötigen wenig oder keinen Sauerstoff, haben keine Nebenwirkungen und können sich Schleimhäuten anheften, ohne durch Magen- oder Gallensäure zerstört zu werden.

Wenig bekannt ist, dass Probiotika u.a. auch bei leichten Formen rheumatoider Arthritis (Autoimmunerkrankung, gekennzeichnet durch Entzündungen von Gelenkschleimhäuten, Schmerzen, Schwellungen, Rötungen und im späteren Verlauf durch Gelenkdeformitäten) zum Einsatz kommen können.

In einer über zwei Jahre andauernden Studie wurde einer Hälfte der Teilnehmer mit leichter rheumatoider Arthritis ein Medikament mit dem Probiotikum Lactobacillus rhamnosus verabreicht. Zeitgleich erhielt die andere Hälfte der Probanden ein Placebo (in Medikamentenform verabreichtes Mittel ohne Wirkstoff).

Bei der Probiotika-Gruppe zeigte sich ein Rückgang der Beschwerden, die Teilnehmer fühlten sich subjektiv besser. Entzündungen waren ebenso rückläufig wie auch Schwellungen, Rötungen und Schmerzen im Gelenkbereich. Ähnliche Ergebnisse ließen sich durch eine andere Testreihe mit dem Bakterium Lactobacillus casei aufzeigen.

Alle sichtbaren Anzeichen der Erkrankung waren rückläufig oder vermindert. Verglichen mit den Placebo-Gruppen, wies das Labor weniger Cytokine (Botenstoff der Immunabwehr) und ein niedrigeres CRP (C-reaktives Protein, Anhaltspunkt für eine Entzündung) auf.

Fazit

Mit den wissenschaftlich belegten Ergebnissen sollte grundsätzlich vorsichtig umgegangen werden. Die den verschiedenen Probiotika zugeschriebenen, positiven Eigenschaften (z.B. entzündungshemmend, verdauungsfördernd) sind teilweise umstritten.

Bis heute sind unzählige Bakterien- und Hefenstämme bekannt, die alle unterschiedliche Spezifikationen aufweisen. Aber die Studienlage sind meines Erachtens dazu schon sehr vielversprechend aus.

Aus der Praxis kann ich bestätigen, dass sich gerade bei immunabhängigen Prozessen (wozu die rheumatischen Erkrankungen zählen), ein positiver Effekt durch Probiotika zu sehen ist.

Es kommt natürlich auch auf die Art des Probiotikums an. Als gute „Strategie“ einer Therapie würde ich zum Beispiel das Fasten bei einer rheumatoiden Arthritis sehen, in Kombination mit einer Probiotika-Gabe, die z.B. anhand einer qualitativen Stuhldiagnostik ermittelt wurde.

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René Gräber

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