Warum Brot nicht das Problem ist, sondern das moderne Brot…

Abb. 1: So sehen sie aus, die Brotregale in einem typischen Supermarkt. Meterware. Auswahl wie im Schuhgeschäft. Vollkorn, Fitness, Protein, Körner, Dinkel, Roggen, „wie früher“, „wie vom Bauern“, „wie aus dem Steinofen“. Alles sauber verpackt, alles perfekt geformt, alles haltbar.
Und genau da beginnt die Verwirrung.
Denn Brot war historisch kein Industrieprodukt. Brot war ein tägliches Lebensmittel. Frisch, nah am Korn, nah am Menschen. Mehl wurde nicht dafür gemacht, monatelang in Lagerhallen zu überleben. Es wurde gemahlen, verarbeitet und gegessen. Oft innerhalb weniger Tage.
Das klingt banal, ist aber der Kern des Problems.
In Matthäus 6 Vers 11 steht: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“
Sie kennen diesen Satz sicher. Er ist aus dem „Vater unser“-Gebet.
Dieser Satz ist kein religiöser Zuckerguss, sondern ein erstaunlich präziser Hinweis auf eine Realität, die wir heute weitgehend verloren haben: Brot war etwas Frisches. Etwas, das man nicht optimiert, stabilisiert und chemisch auf Haltbarkeit trimmt. Sondern etwas, das man herstellt und verzehrt.
Der Mensch ist nicht das Problem. Die moderne Verarbeitung ist es.
Ob wir bestimmte Nahrungsmittel gut vertragen oder nicht, hängt natürlich auch von der genetischen Ausstattung ab. Unsere Genetik bestimmt, welche Verdauungsenzyme wir in welcher Menge bilden. Manche Menschen können Milchzucker problemlos verdauen, andere nicht. Manche vertragen bestimmte Eiweißfraktionen gut, andere reagieren empfindlich.
Nur führt diese Erkenntnis zu einem einfachen, unangenehmen Schluss: Wenn ein Nahrungsmittel regelmäßig Stoffwechselstress auslöst, Entzündungen triggert, den Darm reizt oder das Nervensystem dauerhaft belastet, dann ist es für den Betroffenen nicht „Nahrung“, sondern ein Problem. Und Probleme, die man täglich isst, haben die Angewohnheit, irgendwann zu Krankheiten zu werden.
Und hier kommt Getreide ins Spiel.
Wir leben nämlich mit einem genetischen Setup, das ziemlich alt ist. Unsere Verdauung, unsere Immunreaktionen, unsere Schleimhäute, unser Mikrobiom sind nicht im Tempo der Lebensmittelindustrie mitgewachsen. Landwirtschaft gibt es seit ungefähr 10.000 Jahren. Das ist in Evolutionsmaßstäben ein Wimpernschlag. Der große Teil unserer biologischen „Programmierung“ ist deutlich älter.
Getreide ist dabei besonders interessant, weil es im Gegensatz zu Obst und Gemüse nicht einfach geerntet und roh gegessen wird. Getreide muss verarbeitet werden. Es muss gemahlen werden. Der Teig muss „gehen“ und es muss gebacken werden.
Und genau hier entscheidet sich, ob Brot ein solides Lebensmittel ist oder eine tägliche Belastungsprobe.
Früher war Mehl lebendig – Heute ist es oft nur noch „Pulver“
Die meisten Menschen denken bei Mehl an ein neutrales, haltbares Produkt. Ein Sack im Schrank, der monatelang funktioniert. Das ist normal geworden. aber „historisch“ ist das nicht. Traditionell wurde das ganze Korn vermahlen: Schale, Keimling und Mehlkörper.
Die Schale liefert Ballaststoffe und Mineralstoffe. Der Keimling enthält empfindliche Öle, Vitamin E, B Vitamine und Enzyme. Diese Teile machen Mehl nährstoffreicher, aber auch empfindlicher. Es wird schneller ranzig, es oxidiert. Es verliert Qualität, wenn man es lange lagert.
Und genau deshalb hat die Industrie diese Teile entfernt.
Als die industrielle Müllerei im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert groß wurde, begann man, Schale und Keimling systematisch abzutrennen.
Nicht, weil es gesünder wäre, sondern weil es wirtschaftlich ist:
Industrie-Mehl wird haltbarer.
Industrie-Mehl lässt sich besser lagern.
Industrie-Mehl lässt sich besser transportieren.
Industrie-Mehl wird berechenbarer für industrielle Prozesse.
Was übrig bleibt, ist vor allem Stärke und Protein. Das ist technisch praktisch, aber biologisch / physiologisch ist es eine Katastrophe.
Vitamin E: Der stille Verlust, den kaum jemand auf dem Schirm hat
Einer der größten Verlierer dieser Entwicklung ist Vitamin E. Es sitzt im Keimling, also genau in dem Teil, der beim Raffinieren entfernt wird.
Vitamin E ist fettlöslich und wirkt im Körper als Schutzstoff. Es stabilisiert Zellmembranen, wirkt antioxidativ, beeinflusst Immunfunktionen, Nervenstoffwechsel und Signalwege. Es ist kein Lifestyle Vitamin, sondern ein grundlegender Baustein.
Wenn Mehl industriell weiß und haltbar gemacht wird, ist Vitamin E weitgehend weg. Und dann beginnt das nächste Kapitel: Man reichert Mehl wieder an. „Fortifikation“ und „Enrichment Programme“ nennt die Industrie das. Sie verhindern akute Mangelkrankheiten. Aber sie rekonstruieren nicht das, was ein ganzes Korn von Natur aus mitbringt: Enzyme, Ballaststoffe, Mineralien in natürlicher Matrix.
Man kann ein Lebensmittel nicht auseinandernehmen, entkernen und dann glauben, man könne es mit ein paar zugesetzten Stoffen wieder „zusammenbauen“. Das ist wie ein Wald, den man abholzt, dann drei Pötte Zimmerpflanzen hinstellt und behauptet, das sei jetzt wieder Natur.
Warum viele Menschen Brot heute schlechter vertragen als früher
An dieser Stelle kommt oft der Einwand: „Meine Großeltern haben doch auch Brot gegessen.“ Stimmt. Aber sie haben nicht das Brot gegessen, das heute Standard ist. Zwei Dinge haben sich verändert:
Erstens: das Mehl (siehe oben)
Zweitens: die Herstellung (jetzt wird´s spannend)
Ein traditionelles Brot war oft ein Sauerteigbrot, mit langer Teigführung. Das nennt man auch Fermentation. Dabei passiert biochemisch etwas Entscheidendes: problematische Bestandteile werden abgebaut, das Brot wird bekömmlicher, Mineralstoffe werden besser verfügbar.
Heute ist die moderne Teigführung oft das Gegenteil: schnell, effizient, planbar, billig. Der Teig soll funktionieren, nicht reifen. Das Brot soll Volumen haben, nicht Zeit.
Und genau in dieser Beschleunigung steckt ein Teil des Problems.
FODMAPs: Der unsichtbare Bauchkrieg im Alltag
Ein Begriff, der in den letzten Jahren zurecht häufiger auftaucht, sind FODMAPs. Das sind fermentierbare Kohlenhydrate, die im Dünndarm schlecht aufgenommen werden und dann im Dickdarm von Bakterien vergoren werden. Das kann zu Blähungen, Schmerzen, Durchfällen, Druckgefühl und einem dauerhaften „Bauch unter Spannung“ führen.
Zu den FODMAPs gehören nicht nur Laktose, sondern auch Fruktose, bestimmte Oligosaccharide und Zuckeralkohole wie Sorbit oder Mannit.
Viele Menschen ahnen nicht, dass sie täglich große Mengen dieser Stoffe aufnehmen, vor allem über Brot, Backwaren, Teigprodukte und bestimmte Getreidesorten. Auch Dinkel und Emmer, die gern als „Urgetreide“ verklärt werden, sind nicht automatisch harmlos. Sie können FODMAP reich sein.
Das Entscheidende ist nicht die Werbebotschaft, sondern die Praxis:
- Wie wurde das Brot hergestellt?
- Wie lange durfte der Teig arbeiten?
- Wurde fermentiert oder nur „aufgeblasen“ / beschleunigt?
Bei langer Teigführung sinken die FODMAPs deutlich. Bei schnellen Prozessen bleibt mehr davon übrig. Das ist einer der Gründe, warum manche Menschen ein echtes Sauerteigbrot vertragen, aber bei Industriebrot schon nach zwei Scheiben Bauchstress bekommen.
„Brot macht dick“ ist zu simpel – das Problem ist das falsche Brot in der falschen Menge
Brot ist nicht automatisch der Dickmacher und Kohlenhydrate sind nicht automatisch der Feind. Der Körper nutzt Glukose als zentralen Brennstoff, das Gehirn sowieso. Die Frage ist nicht „Carbs ja oder nein“, sondern die Qualität und die Menge.
Viele Menschen scheitern nicht an Kartoffeln oder an einem guten Sauerteigbrot. Sie scheitern an hochraffinierten, nährstoffarmen, leicht überessbaren Kohlenhydraten, die kaum sättigen und den Stoffwechsel im Alltag ständig in die gleiche Richtung drücken: schnell rein, schnell raus, schnell wieder Hunger.
Wenn Kohlenhydrate in einer Matrix aus Ballaststoffen, Mineralien und natürlichen Begleitstoffen kommen, verhalten sie sich anders. Und wenn Brot wirklich Brot ist, nicht nur „Teigware“, dann ist es auch anders.
Gluten, Zonulin und die Frage der Durchlässigkeit
Jetzt kommen wir zu dem Teil, der bei manchen „Experten“ sofort die Augen rollen lässt, weil er zu oft als Panikthema missbraucht wurde.
Gluten ist kein Gift für alle. Aber Gluten ist auch nicht das harmlose Kuscheleiweiß, als das es oft verkauft wird.
Gluten ist ein Eiweißgemisch, das im Weizen, Roggen, Dinkel und verwandten Getreiden vorkommt. Bei genetischer Veranlagung kann es schwere Schäden an der Dünndarmschleimhaut verursachen. Zöliakie ist die bekannteste Form, aber nicht die einzige. Es gibt auch nicht zöliakische Gluten Sensitivität, und es gibt Menschen, die nicht auf Gluten selbst reagieren, sondern auf Begleitfaktoren im modernen Brot.
Ein zentraler Mechanismus, der diskutiert wird, ist das Zonulin. Zonulin beeinflusst die „Tight Junctions“, also die Verbindungen zwischen den Darmzellen. Diese Verbindungen regulieren, wie durchlässig die Darmbarriere ist. Eine gewisse Durchlässigkeit ist physiologisch. Aber eine dauerhaft erhöhte Permeabilität kann problematisch werden.
Bei manchen Menschen führt Gluten zu einer stärkeren Zonulin Antwort und damit zu einer Lockerung dieser Barriere. Dann wird nicht nur Nahrung aufgenommen, sondern auch Dinge, die dort nicht hingehören. Das kann Immunreaktionen triggern, Entzündungen fördern und Symptome außerhalb des Darms verstärken. Das Syndrom nennt sich dann: Leaky Gut. Ich habae ausführlich hier dazu geschrieben: Das Leaky-Gut-Syndrom – Löcher im Darm?
Wichtig ist: Nicht jeder reagiert gleich. Aber wer reagiert, reagiert oft deutlich.
Und die moderne Industrie hilft nicht unbedingt. In vielen Produkten wird Gluten sogar zusätzlich zugesetzt, weil es Verarbeitung, Volumen und Textur verbessert. Das ist clever, denn das Brot wird dadurch „fluffiger“. Man kann sagen: je mehr Sie ein Brot zusammendrücken können, desto mehr Gluten enthält es.
Vollkorn ist nicht automatisch gesünder
Hier wird es spannend, weil viele Leser glauben: Vollkorn = gut, Weißmehl = schlecht.
So einfach ist es nicht wirklich.
Vollkorn enthält mehr Mineralstoffe und Vitamine, stimmt. Aber Vollkorn enthält auch Phytinsäure. Phytinsäure bindet Mineralstoffe wie Zink, Eisen, Magnesium und kann deren Aufnahme hemmen. Das ist kein Weltuntergang, wenn man insgesamt gut versorgt ist und das Brot traditionell fermentiert wurde. Fermentation reduziert Phytinsäure. Aber wenn Vollkorn schnell verarbeitet, schnell gebacken und als tägliche Basis in großen Mengen gegessen wird, kann das langfristig zur Mangelversorgung beitragen, obwohl man eigentlich „gesund“ isst.
Das ist die Ironie der modernen Ernährung: Man isst Vollkorn, fühlt sich gut und baut sich gleichzeitig still und leise Defizite auf.
Weißmehl: Haltbar gemacht, entkernt, überhitzt
Bei Weißmehl sind Schale und Keimling entfernt. Und damit sind auch viele Vitalstoffe entfernt.
In klassischen Untersuchungen findet man je nach Verarbeitungsgrad massive Verluste bei Vitamin E, B Vitaminen, Magnesium, Eisen, Kalium und Phosphor. Übrig bleibt ein technologisch gut kontrollierbares Pulver, das sich perfekt zu Backwaren verarbeiten lässt, aber biologisch deutlich weniger Substanz hat.
Dazu kommt: moderne Hochgeschwindigkeitsmühlen erzeugen Wärme. Hitze reduziert Vitamingehalt, verändert Strukturen, beschleunigt Oxidation. Und wenn Mehl dann lange lagert, kommt der nächste Qualitätsverlust.
Das Ergebnis ist ein Lebensmittel, das in der Werbung nach „Energie“ klingt, im Körper aber oft eher nach „schnell rein, schnell wieder raus“ aussieht.
Bleichmittel: offiziell verboten, praktisch nicht immer ausgeschlossen
Mehlbleichung ist in der EU verboten. Das ist gut und auch richtig. Aber wer glaubt, damit sei das Thema erledigt, unterschätzt den globalen Warenverkehr.
Importierte Rohstoffe, verarbeitete Produkte, Mischungen, Vorprodukte. Die Herkunft ist nicht immer transparent. Und die Kontrolle ist nicht lückenlos. Wer glaubt, jedes Mehl, das in Deutschland verarbeitet wird, sei automatisch sauber, hat vermutlich noch nie erlebt, wie kreativ Lieferketten sein können, wenn es um Marge geht.
Chlordioxid als Bleichmittel ist ein Beispiel aus der Vergangenheit, das zeigt, wie schnell „technologische Optimierung“ in eine gesundheitliche Sackgasse führen kann. Es geht nicht darum, Angst zu schüren, sondern darum, einen nüchternen Blick zu behalten: Lebensmittelindustrie arbeitet nicht nach dem Prinzip „Was ist gut für den Darm?“, sondern nach dem Prinzip „Was ist gut für die Produktion?“
Omega 6, Omega 3 und der „Getreide Effekt“ über die Hintertür
Getreide beeinflusst nicht nur den Menschen direkt, sondern auch indirekt über die Tierfütterung. Wenn Tiere mit Getreide gemästet werden, verändert sich die Fettsäurezusammensetzung ihrer Produkte. Das kann das Verhältnis von Omega 6 zu Omega 3 in der Gesamt-Ernährung verschieben.
Omega 6 Fettsäuren sind nicht grundsätzlich schlecht, aber in einer Ernährung, die ohnehin schon stark omega 6 lastige Muster hat, kann das entzündungsfördernde Milieu verstärken. Gleichzeitig werden Omega 3 Quellen oft vernachlässigt.
Ich hatte zu diesen Stoffen hier ausführlich geschrieben:
- Omega-3-Fettsäuren: Wirkung und Kauf-Tipps
- Omega 6-Fettsäuren – Hier wissenschaftlich fundiert: Fakten, Studien & Nutzen
Und dann wundert man sich, warum Entzündungsmarker, Schmerzen, Gelenkprobleme und Stoffwechselprobleme in der Bevölkerung so häufig sind. Das ist nicht nur Brot, das ist das gesamte Ernährungssystem!
Pestizide: der letzte Sargnagel für empfindliche Menschen
Tja… und jetzt noch die „moderne Landwirtschaft“.
Getreide gehört zu den Feldfrüchten, die in vielen Regionen intensiv behandelt werden – sehr intensiv. Pestizidrückstände sind kein Einzelfall, sondern eine realistische Begleiterscheinung in einem System, das auf Ertrag und Stabilität optimiert ist.
Und hier gilt: Grenzwert heißt nicht automatisch harmlos. Grenzwert heißt: politisch und industriell akzeptierter Kompromiss.
Dazu kommen Mischbelastungen, Kombinationseffekte, chronische Exposition. Das sind Themen, die in der Praxis oft relevanter sind als die Frage, ob ein einzelner Wert „noch erlaubt“ ist.
Gerade zu diesen Pestiziden hatte ich in den letzten 20 Jahren derart viele Berichte verfasst, dass ich die gar nicht mehr alle aufzählen kann:
- Glyphosat im Brötchen – Unser tägliches Gift gib uns heute
- So giftig sind Billigbrot und Billigbrötchen wirklich
- Ich kann´s auch schon nicht mehr hören, aber es ist zum KOTZEN: Glyphosat und die Mauschelbande
- Chronische und akute Vergiftungen durch Pestizide, Medikamente und Metalle
- Beweise für Hirnschäden durch Lösungsmittel und Pestizide
- Genpflanzen sollen Pestizideinsatz reduzieren – Wahnsinn mit Methode?
- Pestizide erhöhen Parkinson-Risiko
Gerade bei Menschen mit empfindlichem Darm, chronischen Entzündungen oder neurologischer Reizbarkeit ist es sinnvoll, hier nicht naiv zu sein. Wenn der Körper ohnehin unter Stress steht, wird aus jeder zusätzlichen Belastung ein Verstärker.
Rettet das Brot! Was ich in der Praxis konkret empfehle
Wenn man den Text auf einen Satz herunterbrechen will, dann wäre es dieser: das Brot ist nicht das Problem – das Problem ist das falsche Brot.
Und deshalb brauchen wir keine Brot Panik, sondern „Brot-Intelligenz“. Hier ein paar Vorschläge:
- Qualität vor Menge
Wer täglich große Mengen Brot isst, sollte nicht bei der Qualität sparen. Zwei Scheiben echtes Brot sind besser als ein halbes Kilo „Backware“. Es macht auch besser satt.
- Sauerteig statt Turbo Hefe
Ein gutes Sauerteigbrot mit langer Teigführung ist für viele Menschen deutlich bekömmlicher.
- Vollkorn ja, aber richtig
Vollkorn ist nur dann ein Vorteil, wenn es traditionell verarbeitet wurde. Sonst bleibt Phytinsäure hoch und der Darm bekommt Ballaststoffe ohne Nutzen.
- Frisch mahlen
Wer es ernst wirklich meint, mahlt frisch. Frisch gemahlenes Mehl enthält die empfindlichen Bestandteile, die in der Industrieware oft fehlen. Das ist der Unterschied zwischen „Korn als Nahrung“ und „Korn als Rohstoff“.
- Fragen stellen beim Bäcker!
Ein Bäcker, der sein Handwerk versteht, kann sagen:
- Welche Mehle er nutzt
- Wie lange die Teigführung ist
- Ob Backmittel im Spiel sind
- Ob es echter Sauerteig ist oder Aromatrick
Fragen stellen beim Bäcker ist also eine gute Idee. Theoretisch. Praktisch fühlt man sich dabei oft wie ein Störenfried oder Besserwisser. Dabei gibt es den Beruf des Bäckereifachverkäufers nicht zum Spaß, das sind immerhin drei Jahre Ausbildung und in jeder Filiale müssen Listen vorhanden sein, was in welchem Brot steckt: Zutaten, Allergene, Zusatzstoffe. Nur: Beratung findet kaum statt. Wenn ich frage, ob das echter Sauerteig ist oder nur Aroma, wie lange die Teigführung war oder welches Mehl verwendet wurde, schauen mich viele an wie ein Auto. Und genau das ist ein Teil des Problems: Wenn Brot nur noch „Ware“ ist und keiner mehr erklären kann, was daran besonders ist, wird es austauschbar. Dann gewinnt der Discounter und die Bäcker gehen pleite. Klar: die Preise sind dann auch teilweise happig geworden… aber dann esse ich lieber weniger, als diesen Industriefraß.
- Wer empfindlich ist, reduziert Brot und testet „sauber“
Lassen Sie mal Brot für zwei Wochen weg. Und danach gezielt ein gutes Sauerteigbrot testen. Viele erleben hier einen Unterschied, der nicht diskutiert werden muss. Solche Brote findet man nicht bei den Discountern. Gehen Sie zu „guten“ Bäckern. Wo man gut beraten wird sind Bio-Hofläden.
Fazit: Brot war nie als Lagerware gedacht
Die Brotfrage ist keine Glaubensfrage, sie ist eine Qualitätsfrage.
Wenn Brot frisch, fermentiert, aus gutem Korn und in vernünftiger Menge gegessen wird, kann es ein solides Lebensmittel sein. Wenn Brot aus entkerntem Mehl, mit Turbo Teigführung, Zusatzstoffen und Dauerverfügbarkeit kommt, dann ist es ein anderes Produkt. Dann ist es nicht mehr „unser tägliches Brot“, sondern ein industrieller Kompromiss.
Und vielleicht ist es genau das, was dieser alte Satz so treffend ausdrückt: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“
Heute – nicht irgendwann. Nicht haltbar gemacht. Nicht optimiert auf Logistik. Sondern als das, was Brot einmal war: ein frisches Lebensmittel, das den Körper nährt, statt ihn zu beschäftigen.
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Dort zeige ich, wie man Ernährung wieder als Werkzeug nutzt, nicht als Dauerbaustelle…
Beitragsbild: fotolia.com – duckman76









