Heilfasten ist ein gut untersuchtes, regulatives Therapieverfahren – und eines der wenigen, das ein Mensch selbst durchführen kann. Ich arbeite seit über 20 Jahren mit Patienten, Fastengruppen und Kursteilnehmern. Ich selbst faste seit 1997 zwei Mal pro Jahr (mir nur ganz wenigen Ausnahmen wie 2020)…

Und ich sage ganz klar: Fasten kann außerordentlich wirksam sein – wenn man weiß, was man tut.

Auf dieser Webseite habe ich im Laufe der Jahre zahlreiche Beiträge zum Thema Heilfasten veröffentlicht. Entstanden sind sie aus der praktischen Arbeit: aus Fragen, Problemen, Erfolgen, aber auch aus Fehlern, die Menschen gemacht haben. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Punkte zusammen und ordnet sie ein.

Ist Heilfasten wirklich gesund?

Nach meiner Erfahrung lässt sich diese Frage klar beantworten: Ja.

Nicht, weil Fasten „modern“ wäre, sondern weil es biologisch tief verankert ist. Hungerzeiten gehörten über Jahrtausende zur menschlichen Existenz. Unser Stoffwechsel ist darauf vorbereitet. Dauerhafte Überernährung dagegen ist ein historisch sehr junges Phänomen – mit entsprechenden Folgen.

Auch kulturell ist Fasten nichts Neues. In allen großen Religionen gibt es feste Fastenzeiten. Was früher religiös begründet war, lässt sich heute zunehmend physiologisch erklären.

Zahlreiche Studien zeigen, dass zeitweiser Nahrungsverzicht entzündungshemmend wirkt, den Stoffwechsel reguliert und zelluläre Reinigungsprozesse aktiviert. Üppiges, dauerhaftes Essen dagegen führt nicht zu mehr Kraft oder Gesundheit – sondern häufig zum Gegenteil.

Vor diesem Hintergrund gewinnt auch das Heilfasten wieder an Bedeutung.

Fasten ist nicht gefährlich – Unwissen schon

Trotzdem wird Fasten immer wieder pauschal als „ungesund“ oder „riskant“ bezeichnet. Solche Aussagen sind undifferenziert und helfen niemandem weiter. Fasten ist nicht per se gefährlich – falsch durchgeführtes Fasten kann es sein.

Was mir in der Praxis tatsächlich Sorgen macht, ist die Sorglosigkeit, mit der manche Menschen fasten: ohne Vorbereitung, ohne Verständnis, ohne Begleitung. Fasten ist kein „einfach nichts essen“. Es ist ein gezielter Stoffwechselzustand, der geführt werden sollte.

Welche Fastenmethode ist die richtige?

Fasten ist keine Modeerscheinung. Die Geschichte des Fastens reicht über 2500 Jahre zurück. Der Mensch ist biologisch an Hungerzeiten angepasst. Als Jäger und Sammler waren Phasen mit wenig oder gar keiner Nahrung normal – oft über Tage oder Wochen hinweg.

Ursprünglich war Fasten meist ein reines Wasser- oder Teefasten. Erst der Fastenarzt Otto Buchinger führte Gemüsesäfte ein und entwickelte daraus das heute bekannte Buchinger-Fasten.

Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche Varianten:
Molkefasten, Obstfasten, Saftfasten, Basenfasten, die F.X.-Mayr-Kur, Breuss-Kur oder Schrothkur.

Welche Methode sinnvoll ist, hängt nicht von Ideologien ab, sondern vom Menschen. Viele Menschen leiden heute bereits an Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen, Allergien, rheumatischen Erkrankungen oder Erschöpfung. Für sie ist ein radikales Wasserfasten oft ungeeignet.

Deshalb habe ich im Laufe der Jahre meine eigene Form des Heilfastens entwickelt: ein modifiziertes Fasten, das naturheilkundliche Elemente integriert, den Stoffwechsel entlastet und Nebenwirkungen minimiert. Ziel ist nicht Askese, sondern Regulation.

Wer darf fasten – und wer nicht?

Grundsätzlich kann fast jeder Mensch fasten. Entscheidend ist der gesundheitliche Ausgangszustand.

Gesunde Menschen können in vielen Fällen selbstständig fasten oder eine Heilfastenkur zu Hause durchführen. Menschen mit chronischen Erkrankungen, Untergewicht, Stoffwechselstörungen oder Medikamenteneinnahme sollten unter Anleitung fasten – etwa mit einem erfahrenen Fastenleiter oder in einer Fastenklinik.

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass ältere Menschen nicht fasten dürften. Das Gegenteil ist häufig der Fall: Gerade im höheren Lebensalter kann richtig durchgeführtes Fasten sehr positive Effekte haben.

Ausführlich dazu habe ich auch in folgendem Beitrag geschrieben: Wer darf nicht fasten?

Muss man für das Fasten Urlaub nehmen?

Nein. Ich selbst arbeite während des Fastens ganz normal weiter. Viele meiner Kursteilnehmer ebenfalls. Nach den ersten Tagen stellt sich meist eine stabile Leistungsfähigkeit ein.

Fasten bedeutet zwar zunächst Stress für den Körper, verbunden mit hormonellen Anpassungen. Doch dieser Zustand normalisiert sich rasch. Hungergefühl lässt nach, Konzentration und geistige Klarheit nehmen häufig zu.

Der oft zitierte Muskelabbau tritt frühestens nach mehreren Wochen auf – und auch dann nur unter bestimmten Bedingungen. Ebenso sind Müdigkeit oder Leistungsabfall keine zwangsläufigen Begleiterscheinungen.

Fasten ist kein Schonprogramm. Es ist ein aktiver Anpassungsprozess.

Entgiftung, Entschlackung, Entsäuerung – was ist damit gemeint?

Die Begriffe Entgiftung und Entschlackung werden oft belächelt. Tatsächlich sind sie medizinisch unscharf – physiologisch aber erklärbar.

Beim Stoffwechsel entstehen laufend Abfallprodukte, die entsorgt werden müssen. Ungünstige Ernährung, Medikamente, Umweltgifte und chronischer Stress können diese Prozesse belasten. Fasten entlastet die Systeme, die für Abbau und Ausscheidung zuständig sind – insbesondere Leber, Darm und Nieren.

Auf zellulärer Ebene wird beim Fasten die Autophagie aktiviert: ein körpereigener Reinigungsprozess, bei dem beschädigte Zellbestandteile abgebaut und recycelt werden. Dieser Mechanismus ist gut untersucht und einer der zentralen Gründe für die positiven Effekte des Fastens.

Auch der Säure-Basen-Haushalt spielt eine Rolle. Jede Zelle funktioniert nur in einem bestimmten Milieu optimal. Richtig durchgeführtes Fasten kann zur Entlastung und Stabilisierung dieses Milieus beitragen.

Darm und Leber – zentrale Schaltstellen

Die Leber ist die zentrale Entgiftungsstation des Körpers. Sie baut Medikamente, Alkohol und Stoffwechselprodukte ab. Ihre Kapazität ist jedoch begrenzt. Dauerhafte Überlastung kann zu Funktionsstörungen führen.

Auch der Darm spielt eine Schlüsselrolle. Eine träge Verdauung, eine gestörte Darmflora oder entzündliche Prozesse belasten das Immunsystem und den gesamten Organismus.

Meine Heilfasten-Anleitung berücksichtigt diese Zusammenhänge gezielt. Ziel ist es, Darm und Leber zu entlasten, zu unterstützen und funktionell zu stabilisieren.

Kann man mit Fasten abnehmen?

Die einfache Antwort: Ja sicher! Aber: Fasten ist keine Diät. Wer ausschließlich fastet, um Gewicht zu verlieren, wird fast immer enttäuscht. Die meisten Menschen nehmen nach dem Fasten wieder zu – wenn sie nichts an ihrem Verhalten ändern.

Als Einstieg in eine grundlegende Ernährungsumstellung kann Heilfasten jedoch sehr hilfreich sein. Während des Fastens lassen sich alte Essgewohnheiten leichter durchbrechen. Geschmackssinn und Körpersignale verändern sich. Süßes, Fettiges und Starkgewürztes wird oft als unangenehm empfunden.

Fasten kann ein Reset sein – aber nur, wenn danach etwas Neues beginnt.

Mehr dazu im Beitrag: Fasten ist keine Diät – warum der Körper anders reagiert

Welche Wirkungen sind belegt?

Heilfasten kann positive Effekte haben bei:

Studien zeigen zudem antioxidative und entzündungshemmende Effekte. In bestimmten Zusammenhängen wird Fasten auch begleitend in der Krebstherapie untersucht, etwa zur besseren Verträglichkeit von Behandlungen.

Wie läuft Heilfasten praktisch ab?

Heilfasten besteht nicht nur aus „nichts essen“. Es gliedert sich in:

Ich habe die klassische Methode weiterentwickelt und um naturheilkundliche Elemente ergänzt. Der heutige Heilfasten-Plan bietet eine strukturierte, praxiserprobte Anleitung, die sich über Jahre bewährt hat.

Blutwerte und Sicherheit

Vor längeren Fastenzeiten empfehle ich eine Blutuntersuchung. Sie gibt Aufschluss über den Ausgangszustand und mögliche Risiken. Bei mehrwöchigem Fasten sind Kontrollen sinnvoll, um Nährstoffmängel oder unerwünschte Effekte frühzeitig zu erkennen.

Weitere Informationen finden Sie hier: Blutwerte während des Fastens – Welche Werte wichtig sind und welche Aussagekraft diese haben…

Fazit

Heilfasten ist für mich ein extrem wirkungsvolles Heilverfahren. Ist es ein Wundermittel? Eher nicht. Aber es ist eines der wirksamsten Verfahren, die wir selbst in der Hand haben.

Diese Webseite und meine Anleitung sollen Ihnen helfen, sich fundiert zu informieren – und Ihren eigenen Weg bewusst zu gehen. Ich wünsche Ihnen dafür alles Gute!

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Heilfasten-Newsletter dazu an:

Die Arteriosklerose wird landläufig als „Gefäßverkalkung“ bezeichnet. Allein dieser Begriff prägt bereits das Denken: Verkalkung klingt nach etwas Endgültigem, nach Beton, nach irreversibler Abnutzung. Entsprechend resigniert fällt häufig auch der therapeutische Ansatz aus. Ist die Diagnose einmal gestellt, gilt der Prozess als nicht mehr umkehrbar. Bestenfalls lasse er sich verlangsamen. In der Praxis reduziert sich die Behandlung dann meist auf einen Laborwert – das LDL-Cholesterin – und auf die medikamentöse Senkung eben dieser Zahl.

Diese Sichtweise ist bequem und auch etabliert. Aber diese Theorie war schon immer ziemlich unlogisch.  Nach neuerer Forschung zeigen sich ganz andere Theorien als stimmig, die ich u.a in folgenden Beiträgen darlege:

Die Arteriosklerose wird landläufig als „Gefäßverkalkung“ bezeichnet. Allein dieser Begriff prägt bereits das Denken: Verkalkung klingt nach etwas Endgültigem, nach Beton, nach irreversibler Abnutzung. Entsprechend resigniert fällt häufig auch der therapeutische Ansatz aus. Ist die Diagnose einmal gestellt, gilt der Prozess als nicht mehr umkehrbar. Bestenfalls lasse er sich verlangsamen. In der Praxis reduziert sich die Behandlung dann meist auf einen Laborwert – das LDL-Cholesterin – und auf die medikamentöse Senkung eben dieser Zahl.

Diese Sichtweise ist bequem. Sie ist etabliert. Und sie ist biologisch zu kurz gedacht.

Die Cholesterin-Theorie – ein überholtes Erklärungsmodell

Die Vorstellung, Arteriosklerose entstehe primär durch „zu viel Cholesterin im Blut“, gehört zu den hartnäckigsten Dogmen der modernen Medizin. Sie war schon immer erklärungsbedürftig und ist durch neuere Forschung zunehmend ins Wanken geraten. Cholesterin ist kein Fremdkörper, der sich zufällig in Gefäßwänden ablagert. Es ist ein essenzieller Baustoff, ohne den weder Zellmembranen noch Hormone funktionieren würden.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie viel Cholesterin im Blut zirkuliert, sondern unter welchen Bedingungen es in die Gefäßwand einwandert – und warum es dort verbleibt.

Entzündung und Insulin – die unterschätzten Treiber der Arteriosklerose

Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass Arteriosklerose weniger ein Fettproblem als vielmehr ein Entzündungs- und Stoffwechselproblem ist. Chronisch erhöhte Insulinspiegel, oxidativer Stress, dauerhafte Reizung der Gefäßinnenhaut und eine Fehlregulation des Immunsystems spielen eine zentrale Rolle.

Besonders deutlich wird dies beim Blick auf die Rolle der Kohlenhydrate. Während Fette lange pauschal verteufelt wurden, zeigt sich heute immer klarer, dass Zucker und raffinierte Stärke das Gefäßsystem erheblich stärker belasten als natürliche Fette.

Ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum führt zu wiederholten Insulinspitzen. Insulin wirkt dabei nicht nur blutzuckersenkend, sondern auch wachstumsfördernd und entzündungsaktivierend. Die Gefäßinnenhaut reagiert auf diese Signale mit erhöhter Durchlässigkeit. Immunzellen wandern ein, LDL-Partikel werden oxidiert, Makrophagen nehmen diese auf und verwandeln sich in sogenannte Schaumzellen. Diese verbleiben in der Gefäßwand und bilden die Grundlage für Plaques.

Ketogene Ernährung und Fasten – warum Kohlenhydratreduktion biologisch Sinn ergibt

Vor diesem Hintergrund ist es folgerichtig, dass Ernährungsformen, die Zucker und Stärke konsequent reduzieren, zunehmend Aufmerksamkeit erhalten. Die ketogene Ernährung ist ein Beispiel dafür. Sie vermeidet Kohlenhydrate weitgehend und zwingt den Organismus, Fett als primäre Energiequelle zu nutzen. Dabei entstehen sogenannte Ketonkörper, unter anderem ß-Hydroxybutyrat.

Auch beim Heilfasten kommt es durch den Mangel an Kohlenhydraten zur verstärkten Fettverbrennung und zur Bildung von Ketonkörpern. Der Stoffwechsel schaltet von Wachstum und Speicherung auf Erhaltung und Reparatur um.

Zu dieser Ketose und zur ketogenen Ernöhrung hatte ich ebenfalls einiges verfasst:

ß-Hydroxybutyrat und Gefäßregeneration – neue Erkenntnisse aus der Forschung

Lange galten Ketonkörper lediglich als Nebenprodukte eines „Notstoffwechsels“. Inzwischen zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Ketonkörper sind hochaktive Signalmoleküle mit direktem Einfluss auf Zellfunktionen.

US-amerikanische Forscher um Ming-Hui Zou konnten zeigen, dass ß-Hydroxybutyrat genetische Programme in Endothelzellen aktiviert, die mit Zellerneuerung und Differenzierung in Verbindung stehen. Dabei wird unter anderem der Transkriptionsfaktor Oct4 beeinflusst, der eine zentrale Rolle bei Wachstum und Reparatur spielt. In den untersuchten Gefäßen nahm die Zahl funktionstüchtiger Endothelzellen zu – ein Hinweis darauf, dass Fasten aktiv zur Regeneration der Gefäßinnenhaut beitragen kann. Link zur Studie: https://www.cell.com/molecular-cell/fulltext/S1097-2765(18)30605-1

Das ist nur eines von zahlreichen Beispielen.

Fasten und Arteriosklerose – Übertragbarkeit auf den Menschen

Auch wenn diese Untersuchungen zunächst an Tiermodellen durchgeführt wurden, ist der zugrunde liegende Mechanismus biologisch fundamental. Weniger Zucker, weniger Insulin, weniger oxidative Belastung und eine verbesserte Endothelfunktion sind Effekte, die sich auch beim Menschen beobachten lassen.

Für mich ist das kein rein theoretisches Konzept. Ich habe die beschriebenen Effekte über Jahre an mir selbst erfahren – ohne dass ich diese Entwicklung mit bildgebenden Verfahren dokumentiert hätte, aber mit eindeutigen Veränderungen im Stoffwechselprofil.

Dasselbe beobachte ich bei vielen Patienten in der Praxis. Allerdings unter einer klaren Voraussetzung: Heilfasten ist kein isoliertes Wundermittel. Es wirkt nur dann nachhaltig, wenn anschließend konsequent weitergearbeitet wird – mit einer entzündungsarmen Ernährung, einer stabilen Insulinregulation und einer gezielten Versorgung mit Vitalstoffen. Ohne diese Schritte verpufft der Effekt.

Darmflora und Arteriosklerose – der Einfluss des Mikrobioms

Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor ist die Darmflora. Studien an eineiigen Zwillingen zeigen, dass die Arteriosklerose umso stärker ausgeprägt ist, je geringer die Vielfalt der Darmbakterien ausfällt. Besonders Bakterien aus der Familie der Ruminococcaceae scheinen einen positiven Einfluss auf die Elastizität der Blutgefäße zu haben.

Diese Mikroorganismen produzieren kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, die stark entzündungshemmend wirken. Fasten beeinflusst das Darmmilieu positiv, reduziert Zuckerzufuhr und fördert genau jene bakteriellen Stoffwechselprodukte, die Gefäße schützen statt belasten.

Zur Darmflora und dessen Einflüsse hatte ich ebenfalls zahlreiche Beiträge veröffentlicht:

Warum Statine den Prozess nicht aufhalten

Statine senken Cholesterinwerte. Sie verändern jedoch weder dauerhaft erhöhte Insulinspiegel noch chronische Entzündungsprozesse oder eine gestörte Endothelfunktion. Sie greifen an einem Marker an, nicht an der Ursache.

Fasten hingegen setzt genau dort an, wo Arteriosklerose entsteht: im Stoffwechsel. Nicht als Ersatz für jede Therapie, aber als ernstzunehmendes biologisches Werkzeug.

Fazit: Arteriosklerose ist ein Prozess – und Prozesse sind veränderbar

Arteriosklerose ist keine unabwendbare Alterserscheinung und kein reines Zahlenproblem. Sie ist Ausdruck eines chronisch überlasteten Stoffwechsels. Wer diesen entlastet, kann den Krankheitsverlauf bremsen und unter günstigen Bedingungen sogar teilweise umkehren.

Fasten wirkt nicht über Kalorienreduktion, sondern über biologische Signalwege. Genau darin liegt seine therapeutische Bedeutung.

Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Otto Buchinger hat das Heilfasten nicht erfunden. Aber er hat es aus der Ecke von Askese, Notzeiten und religiösem Verzicht herausgeholt – und in eine Form gebracht, die man ernsthaft als Therapie verstehen kann: mit klarer Struktur, physiologischem Verständnis, Hilfsmethoden und einer erstaunlich modernen Sicht auf das, was Fasten im Körper auslöst.

Wer glaubt, Heilfasten sei einfach „ein paar Tage nichts essen und Tee trinken“, hat Buchinger nicht verstanden. Schon ein Blick in sein Hauptwerk Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden zeigt: Er dachte in Systemen, nicht in Kalorien. In Abläufen, nicht in Motivation. In Beobachtung, nicht in Wunschdenken.

Fasten war für ihn kein Lifestyle, sondern ein Eingriff. Und genau deshalb muss es auch so durchgeführt werden.

In diesem Beitrag will ich einen Überblick geben wie Buchinger das fasten für seine Patienten gestaltet hat. Dabei stütze ich mich auf sein Werk: Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden aus dem Jahr 1935.

Im Folgenden zeige ich Ihnen zuerst Fotografien des Inhaltsverzeichnisses, sodass Sie hier bereits sehen was Dr. Buchinger wichtig war:

Inhaltsverzeichnis aus Buchingers Buch „Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden“ mit Kapiteln zu Geschichte, Physiologie des Fastens und Methode

Inhaltsverzeichnis zu „Wirkung des Fastens auf Krankheiten“ und „Hilfsmethoden“ im Buch „Das Heilfasten“ von Otto Buchinger

Inhaltsverzeichnis mit Kapiteln zu Röder-Methode, Homöopathie, heilender Seelenführung und Zusammenfassung in Buchingers „Das Heilfasten“

Fasten ist alt – Buchinger machte es klinisch

Sie sehen bereits am Inhaltsverzeichnis: Buchinger beginnt nicht mit Speiseplänen, sondern mit Geschichte. Fasten existiert seit Jahrtausenden: in Religionen, in der Volksmedizin, in Krisenzeiten, in Heiltraditionen vieler Kulturen. Das allein beweist noch keine therapeutische Wirkung – aber es zeigt etwas Entscheidendes: Fasten ist kein modernes „Biohacking“, sondern ein menschliches Grundprogramm.

Der Unterschied ist Buchingers Perspektive. Für ihn war Fasten nicht nur Verzicht, sondern ein Zustand, in dem der Organismus umschaltet – von ständiger Verarbeitung auf Regulation. Fasten bedeutet: weniger Reiz von außen, mehr Ordnung von innen.

Das ist der Grund, warum Buchinger Fasten nicht als kurzfristige Maßnahme sah, sondern als Kurform mit Vorbereitung, Verlauf, Beobachtung und Aufbauphase.

Physiologie des Fastens: Buchingers Kernstück

Hier geht es um „klinisches Denken“.

Was passiert im Körper?

Buchinger beschreibt Fasten als Umstellung in Etappen: Der Körper verlässt die Dauerverwertung von Nahrung und wechselt in einen Modus, in dem er Reserven nutzt, Stoffwechselwege verschiebt und innere Ordnungssysteme hochfährt.

Heute würden wir Begriffe wie Ketose, Insulinabsenkung, Entzündungsmodulation und Autophagie nennen. Buchinger hatte diese Worte nicht. Aber er hatte das Entscheidende: Beobachtung, Erfahrung, Systematik.

Fasten ist messbar – nicht nur „ein Gefühl“

Buchinger beobachtete klassische Parameter:

  • Kreislaufveränderungen
  • Puls und Blutdruck
  • Harnausscheidung und Stoffwechselprodukte
  • Reaktionen von Magen, Leber und Darm

Damit macht er klar: Fasten ist nicht bloß Stimmung. Fasten ist Physiologie – und die kann man sehen, spüren und messen.

Leber, innere Sekretion und der „innere Arzt“

Buchinger schreibt ausführlich über die Leber und über hormonelle Steuerung (er spricht von „innerer Sekretion“). Und er bringt eine Idee, die heute fast altmodisch klingt, aber in der Praxis oft erschreckend zutrifft: den inneren Arzt.

Gemeint ist: Der Körper kann regulieren, wenn man ihn lässt.

Das klingt banal – ist es aber nicht. Viele Menschen leben so, dass der Körper kaum noch Gelegenheit bekommt, in einen Reparaturmodus zu wechseln. Ständige Zufuhr, ständiger Stress, ständiger Reiz. Fasten ist dann nicht „Verzicht“, sondern eine Art Zwangspause für das System.

Hunger, Sensibilisierung, Gewichtsabnahme

Buchinger widmet dem Hunger ein eigenes Kapitel. Er behandelt Hunger nicht als Feind, sondern als Signal – und er beschreibt etwas, das viele Fastende kennen: eine Sensibilisierung.

Geruch, Geschmack, Körperwahrnehmung, Schlaf, Stressreaktion – vieles wird feiner. Nicht magisch, sondern physiologisch.

Gewichtsabnahme passiert dabei fast zwangsläufig. Aber Buchinger war nicht auf Kilos fixiert. Er war auf Umstimmung fixiert.

Fasten als Ausscheidungs- und Umstimmungskur

Buchinger spricht nicht nur von „Entgiftung“ – ein Begriff, der heute oft zu Werbezwecken missbraucht wird – sondern von Umstimmung. Und das ist einer seiner stärksten Begriffe.

Der Körper schaltet um:

  • von Aufnahme auf Regulation
  • von Dauerreiz auf Rhythmus
  • von Stressstoffwechsel auf Reparaturmodus

Man kann das biologisch erklären. Man kann es klinisch beobachten. Und man kann es bei vielen Menschen sogar im Gesicht sehen.

Die Buchinger Methode: Fasten Tagesablauf

Buchinger beschreibt seine Methode nicht als „Konzept“, sondern als Kurplan. Und genau hier liegt der Unterschied zu vielen modernen Internet Fastenkuren.

Buchinger wusste: Der Erfolg hängt nicht am Willen, sondern an der Struktur.

1. Selbstfasten – ja, aber nicht naiv

Buchinger unterscheidet zwischen Fasten unter Führung und Selbstfasten. Er war kein Freund von blindem Selbstversuch. Fasten ist einfach – bis es nicht mehr einfach ist:

Kreislaufprobleme, Kopfschmerz, Schlafstörungen, Kältegefühl, emotionale Reaktionen, Unterzuckerungssymptome, Reizbarkeit. Wer das nicht einordnen kann, bricht ab oder macht Fehler.

2. Wann Fasten? Die Jahreszeiten

Buchinger nimmt die Jahreszeiten ernst. Nicht als Folklore, sondern als Physiologie:

  • Licht
  • Temperatur
  • Aktivitätsniveau
  • Stimmungslage

Fasten im Frühling fällt vielen leichter als im tiefen Winter. Das ist keine Theorie. Das ist Erfahrung.

3. Aufnahme und Vorbereitung: Der Einstieg entscheidet

Wer einfach „ab morgen esse ich nichts mehr“ macht, fastet oft gegen den Körper. Buchinger behandelt Vorbereitung als Teil der Therapie. Der Körper braucht einen Übergang.

4. Obsttage: Entlastung vor dem Fasten

Die klassischen Obsttage dienen dem Runterfahren:

  • Verdauung beruhigen
  • Insulinspitzen senken
  • Reizstoffe reduzieren
  • sanfter Übergang in den Fastenstoffwechsel

Heute würde man sagen: metabolisch klüger Einstieg.

5. Glaubersalz: Darmentleerung als Startsignal

Das ist der Buchinger Klassiker – und gleichzeitig der Teil, über den sich manche am meisten echauffieren.

Buchinger nutzt Glaubersalz nicht aus Darmmystik, sondern aus Erfahrung:

  • Ein voller Darm macht Fasten schwer
  • Übelkeit, Druck, Unruhe werden häufiger
  • Nach der Entleerung fühlen sich viele sofort leichter und klarer

Ob man heute immer Glaubersalz braucht, kann man diskutieren. Aber als historischer Kernbestandteil der Methode gehört es dazu.

6. Mittagspackung, Spaziergang, Abend, Nacht

Hier erkennt man Buchinger als Praktiker. Fasten ist nicht „leer“. Es wird gefüllt mit Rhythmus:

  • Wärme
  • Ruhe
  • Bewegung
  • Tagesstruktur

Die Mittagspackung ist ein klassisches Reiz Reaktions Prinzip: Wärme, Durchblutung, vegetative Entspannung.

Der Spaziergang: Bewegung ohne Stress. Nicht Training. Nicht Leistung. Kreislaufpflege und Stoffwechselaktivierung.

Der Abend: Runterfahren statt stimulieren.

Die Nacht: Schlaf ist Therapie. Punkt.

7. Morgen Klistier und Morgen Beratung

Buchinger bleibt konsequent: Der Darm bleibt auch im Fasten ein Thema. Nicht weil „alles vom Darm kommt“, sondern weil der Körper im Fasten anders reagiert.

Und die Morgen Beratung ist psychologisch klug: Fasten ist nicht nur Stoffwechsel, sondern Prozessführung.

8. Warme Bäder, Hautpflege, Mundpflege, Sonnen und Luftbad

Das klingt nach Kurhotel – ist aber in Wahrheit Physiologie.

Fastende frieren häufig. Warme Bäder stabilisieren Kreislauf und Nervensystem.

Mundpflege ist wichtig, weil Fasten Mundflora und Belagbildung verändert. Wer das ignoriert, fühlt sich irgendwann „unsauber“ und bricht ab.

Und Sonnen Luftbad: Licht wirkt. Punkt. Heute würden wir circadianen Rhythmus, Stimmung, Schlaf und Vitamin D erwähnen. Buchinger nannte es Luftbad.

9. Arzt und Patient: Beziehung ist Teil der Therapie

Buchinger endet die Methodik nicht mit „Ernährung“, sondern mit Beziehung.

Das ist eine klare Aussage: Fasten ist eine Therapie, die Führung braucht.

Wirkung bei Krankheiten: Buchinger war mutig – und differenziert

Buchinger beschreibt Einsatzfelder, die erstaunlich breit sind: Rheuma und Arthritis, Arteriosklerose und Angina pectoris, Asthma, Hautkrankheiten, Gastritiden und Enteritiden, Nierenentzündung, Migräne, akute und chronische Entzündungen – sogar „Krebsanlage“ in damaliger Sprache.

Buchinger berichtet zu seiner Zeit über klinische Erfahrungen, nicht moderne randomisierte Studien. Die gab es damals nämlich nicht. Buchinger war Pionier auf diesem Gebiet!

Heute wissen wir, dass Fasten tief auf Stoffwechsel, Entzündungen und vieles mehr wirkt – und genau diese Achsen sind bei chronischen Krankheiten oft zentral. Buchinger bringt es sinngemäß auf den Punkt: Fasten wirkt tiefer als seine Hilfsmethoden (die er im Buch ebenfalls beschreibt).

Gegenanzeigen: Fasten ist kein Kinderspiel

Buchinger nennt auch klare Gegenanzeigen. Das zeigt: Er war kein Fasten Fanatiker. Fasten ist kein Spiel. Es ist ein Eingriff. Ich habe ausführlich zu den Gegenanzeigen in folgendem Beitrag berichtet: Wer darf nicht fasten?

Hilfsmethoden: Fasten als Gesamtpaket

Buchinger nennt sie Hilfsmethoden, weil Fasten für ihn die Haupttherapie ist – unterstützt durch Maßnahmen, die den Prozess stabilisieren und unterstützen.

Luftbad und Sonnenbad

Licht ist biologischer Taktgeber.

Packungen und Ganzwaschung

Kneipp lässt grüßen. Wasseranwendungen sind gezielte Reize – richtig dosiert können sie regulierend wirken und enorm viel bewirken!

Vegetarismus

Buchinger diskutiert vegetarische Kost als Aufbau und Lebensstilfrage. Er wollte nicht, dass Menschen nach dem Fasten direkt in die alte Überlastung zurückfallen.

Fasten ohne Änderung danach ist wie Reset drücken und sofort wieder denselben Fehler machen.

Röder Methode und Homöopathie

Spannend ist, wie breit Buchinger dachte. Er integrierte Methoden, die damals im naturheilkundlichen Umfeld üblich waren. Diese beiden Methoden werden heute gerne „vergessen“. Das Rödern kennt kaum noch jemand: Rödern – Mandeln behandeln statt entfernen [Mandeln absaugen]. Und zur Homöopathie muss ich nicht viel sagen – oder? Wenn doch, schauen Sie bitte in meinen Artikel: Homöopathie Lexikon: Anwendung, Prinzipien, Mittel und Studien

Die meisten Fastenleiter die ich heute kenne, haben von diesen beiden wichtigen Verfahren leider keine oder nur sehr wenig Ahnung.

Heilende Seelenführung: der Teil, der fast immer vergessen wird

Und noch ein Abschnitt, den viele „moderne Fastenprogramme“ am liebsten weglassen, weil er nicht in eine Checkliste passt: Seelenführung.

Buchinger spricht über:

  • Leib und Seele
  • Fasten und Beten
  • heilsame Selbstansprache
  • Ur Angst
  • Mut gegenüber Sachverständigen Urteilen
  • Elementarschule und Hochschulschule

Man kann das religiös lesen. Oder psychologisch.

In der Praxis ist es vor allem eines: der Beweis, dass Buchinger wusste, was Fasten mit Menschen macht. Fasten macht nicht automatisch glücklich. Es macht oft erstmal ehrlich. Und das ist für viele der Beginn von Veränderung.

Fastenbrechen und Aufbautage: hier entscheidet sich viel…

Buchinger widmet dem Fastenbrechen große Aufmerksamkeit: Fastenbrechen, Ausgefastetsein, Technik des Fastenbrechens, Störungen der ersten Aufbautage, Schwierigkeiten der ersten Aufbautage, der rechte Ausklang.

Das zeigt: Für Buchinger war der Aufbau keine Nebensache. Er war der zweite Teil der Therapie.

Viele machen den Fehler: Fasten läuft gut – und dann kommt der Belohnungstag.

Buchinger wusste: Der Körper ist nach dem Fasten empfindlich. Genau dann muss man führen.

Fazit: Was Buchinger wirklich geschaffen hat

Buchinger hat Fasten nicht einfach populär gemacht. Er hat Fasten in eine Form gebracht, die man klinisch anwenden kann: Vorbereitung, strukturierter Tagesablauf, Begleitung, Hilfsmethoden, psychische Führung, Aufbauphase, Indikationen und Gegenanzeigen.

Fasten ist bei Buchinger weder Selbstkasteiung noch Lifestyle. Es ist Regulationsmedizin. Und genau deshalb wirkt sein Ansatz heute wieder so modern: Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen nicht an akuten Krankheiten scheitern, sondern an chronischer Überlastung.

Fasten ist nicht für jeden. Aber für viele ist es genau das, was die Medizin oft nicht mehr liefert: Eine Pause. Ein Reset. Und die Chance, dass der innere Arzt wieder arbeiten kann.

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Anmerkung: Das Bild von Otto Buchinger wurde mittels KI erstellt. Ich meine Dr. Buchinger ist dort gut getroffen in einem zeitgenössischen Umfeld, welches diesem Arzt gerecht wird. Sollten sich Leser finden, die über Original Bilder von Dr. Buchinger verfügen, würde ich mich freuen, wenn ich diese veröffentlichen dürfte um diesem großartigen Arzt gerecht werden zu dürfen.

 

Otto Buchinger (1878–1966) war ein Pionier auf seinem Gebiet. Er war Arzt, Marinearzt während seiner Militärzeit. Aber vor allem war er jemand, der am eigenen Körper erlebt hat, wie schnell ein Mensch medizinisch „abgehakt“ werden kann, wenn die üblichen Werkzeuge nicht mehr greifen.

Was Dr. Buchinger später entwickelte, war nicht die nächste Modekur für den Strandkörper, sondern ein umfassendes therapeutisches Konzept. Geboren aus der Idee: Wenn mir niemand hilft, muss ich selbst etwas finden, das funktioniert.

Fasten war für ihn keine Idee. Es war seine Rettung und später auch für tausende seiner Patienten.

Kindheit, Studium und ein erstaunlich menschlicher Start

Otto Buchinger wurde am 16. Februar 1878 in Darmstadt geboren. Sein Vater war Regierungsrat, die Familie akademisch geprägt, der Weg schien vorgezeichnet. Kindheit und Jugend beschreibt man später als unbeschwert: Karl May, Waldwanderungen, Eislaufen, Käfer sammeln. Es klingt fast zu harmlos für jemanden, der später als unbequemer Grenzgänger zwischen Medizin, Lebensreform und Spiritualität bekannt wurde.

Und dann dieses Detail, das ich persönlich liebe, weil es ihn entmythologisiert: Buchinger hätte sein Abitur beinahe nicht bestanden. Mathematik ungenügend. Kein Wunderkind, kein Überflieger. Sondern ein junger Mann mit Ecken, der sich durchbeißt.

1897 begann er zunächst mit Jura in Gießen, wechselte aber bald zur Medizin. Nicht aus romantischer Berufung, sondern aus einem ganz praktischen Grund: Die Vorlesungen begannen später am Morgen. Auch das macht ihn menschlich. Er war nicht der Typ „Heiliger in Weiß“. Er war ein Realist, ein Suchender, ein Beobachter.

In Gießen wurde er Korpsstudent. Die damaligen Trinksitten, dieses ritualisierte Saufen als „Männlichkeitsbeweis“, prägten ihn nachhaltig – allerdings nicht in der Weise, wie es das Korps vermutlich beabsichtigt hatte. Buchinger entwickelte eine deutliche Abneigung gegen den Trinkzwang. Diese frühe Erfahrung wird später noch wichtig, denn Buchinger war einer der wenigen Ärzte seiner Zeit, die Alkohol nicht als „Kultur“, sondern als Problem verstanden.

Marinearzt: Weltreise statt Kurpark

1902 trat Buchinger in den Dienst der Kaiserlichen Marine. Sein erster Einsatz auf hoher See war als Unterarzt auf einem Torpedoboot. Kurz darauf folgte die SMS Hertha, ein ostasiatisches Kreuzergeschwader. Er reiste über Aden, Ceylon, Singapur bis nach Tsingtau, weiter nach Korea, nach Wladiwostok, besuchte Japan – Nagasaki und Kyoto – und kam über Afrika zurück.

Man muss sich das vorstellen: Das war keine gemütliche Bildungsreise. Das war eine Welt, in der Hygiene, Tropenkrankheiten, Mangelversorgung, Stress und medizinische Improvisation Alltag waren. Buchinger lernte dort etwas, das man heute in vielen Arztpraxen vergeblich sucht: Demut vor dem Leben – und Respekt vor anderen Kulturen.

Er war nicht einer dieser deutschen Kulturmissionare, die damals durch die Welt liefen, als wäre Europa das Maß aller Dinge. Buchinger betrachtete fremde Völker und Kulturen als gleichwertig. Er nannte die Kolonialpolitik des Kaiserreichs einmal ein „Schuldbuch des weißen Mannes“. Das ist bemerkenswert. Und es passt zu seinem späteren Denken: Wer den Menschen als Ganzes sieht, kann ihn nicht gleichzeitig als Objekt betrachten.

Auf See hatte er Zeit. Er las Nietzsche, Goethe, beschäftigte sich mit Lebensreform, Askese, Monismus. Und er begann Vorträge zu halten – über Tropenhygiene, aber auch über Lebensführung. Das war kein Arzt, der nur Medikamente kannte. Das war ein Arzt, der früh verstand: Der Lebensstil ist keine Nebensache. Er ist die Bühne, auf der Krankheit entsteht oder Gesundheit zurückkehrt.

Die Alkoholfrage: Buchinger gegen den „normalen Wahnsinn“

Während seiner Marinezeit wurde für Buchinger die Alkoholfrage immer zentraler. 1909 trat er einem Marine-Alkoholgegnerbund bei und ließ sich mit seiner Frau in den Guttemplerorden aufnehmen. Er sah Abstinenz nicht als Moralpredigt, sondern als volkswirtschaftliches Heilmittel und als Grundlage für körperliche und geistige Klarheit.

Man kann darüber diskutieren, ob er damit manchmal zu missionarisch war. Aber eines ist sicher: Buchinger hatte früh verstanden, dass die Gesellschaft ihre chronischen Probleme gern mit „Normalität“ tarnt. Wenn alle trinken, ist Trinken normal. Wenn alle zu viel essen, ist Überessen normal. Wenn alle ständig stimuliert sind, ist Überstimulation normal.

Und genau da liegt der Kern seines späteren Fastenkonzepts: Fasten ist nicht nur „weniger Essen“. Fasten ist der radikale Gegenentwurf zur permanenten Reizüberflutung.

Der Absturz: Krankheit, Sepsis, Invalidität

Der Erste Weltkrieg begann, und wie viele seiner Generation zog auch Buchinger mit. Er diente zunächst an Bord eines Admiralschiffes, später wurde er Chefarzt eines Quarantäne-Festungslazaretts in Cuxhaven.

1917 kam ein entscheidender Wendepunkt.

Im September erkrankte er an einer Mandelentzündung, die sich zu einem septischen Gelenkrheumatismus entwickelte, inklusve Sepsis und Lebensgefahr. Danach kam eine Invalidität. Buchinger überlebte – aber nicht als „gesundet“, sondern als gebrochener Mann. Er ging an zwei Stöcken. Seine Leber funktionierte kaum noch. Er war bord- und garnisonsdienstunfähig. 1918 wurde er aus dem aktiven Dienst entlassen, mit dem Titel Marine-Generaloberarzt.

Buchinger war also immer noch Arzt der aber selbst ein Patient mit einem „schweren Fall war“. Die Medizin, die er gelernt hatte, konnte ihm nicht helfen.

Eine Kur im Wiesbadener Offiziersgenesungsheim verlief erfolglos. Für Buchinger muss das eine Enttäuschung gewesen sein, die in Verzweiflung. mündete. Die Frage stand im Raum: Was wird aus meinem Leben, wenn ich körperlich am Ende bin?

Das ist der Moment, in dem viele resignieren. Buchinger tat etwas anderes. Er suchte.

Die Fastenkur, die alles veränderte

Die entscheidende Wende kam durch eine Fastenkur bei Dr. Gustav Riedlin in Freiburg. Dieses Detail ist wichtig, weil es Buchingers Geschichte aus dem Nebel holt. Buchinger fastete rund 19 Tage. Und was danach geschah, beschreibt er als radikale Veränderung: Beweglichkeit kehrte zurück, Lebensqualität, ein Gefühl von Kraft und innerer Ordnung. Es war kein „kurzes Hoch“. Es war der Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

Ich verstehe diese Erfahrung sehr gut, weil ich in meiner eigenen Arbeit mit Fastengruppen seit Jahrzehnten sehe, was Fasten auslösen kann, wenn es richtig geführt wird: Der Körper schaltet um. Entzündung verändert sich. Schlaf wird tiefer. Schmerzen werden weniger oder verschwinden. Und viele Menschen merken zum ersten Mal seit Jahren wieder, dass sie nicht nur „Patient“ sind, sondern ein Organismus mit echten Selbstregulationskräften.

Witzenhausen: Wie aus einer Erfahrung ein Konzept wurde

Nach seiner Genesung wurde Buchinger Dozent für Tropenhygiene an der Deutschen Kolonialschule in Witzenhausen. Ein Jahresgehalt von 600 Reichsmark. Nicht gerade die goldene Karriereleiter. Aber es gab einen entscheidenden Vorteil: Zeit.

Die Kolonien waren verloren, der Betrieb an der Schule lief reduziert. Buchinger hatte Raum für private Studien und für das, was heute „Entwicklung eines Modells“ heißen würde.

1920 eröffnete er in Witzenhausen sein erstes Kurheim für therapeutisches Fasten. Nicht als Wellness-Oase, sondern als ärztlich begleitete Intervention für Menschen mit chronischen Beschwerden, entzündlichen Prozessen und funktionellen Störungen.

Hier beginnt der Unterschied zu vielen modernen Fastentrends.

Buchinger machte Fasten nicht populär, indem er es vereinfachte. Er machte es medizinisch, indem er es strukturierte.

Er verstand Fasten als Prozess, der vorbereitet, geführt und nachbereitet werden muss. Er beobachtete, dokumentierte, passte an. Und er begriff: Fasten wirkt nicht nur auf den Körper, sondern auf das gesamte System Mensch.

Zwei Dimensionen: Stoffwechsel und Seele

Buchingers Ansatz war immer zweidimensional.

Erstens die physiologische Seite: Stoffwechsel, Entzündung, Verdauung, Kreislauf, vegetatives Nervensystem. Fasten war für ihn ein Eingriff in Regelkreise. Nicht ein „Weniger“, sondern ein Reset.

Zweitens die geistige und seelische Dimension: Fasten als Chance zur Orientierung. Als Zeit, in der der Mensch sich selbst begegnet, weil die üblichen Ablenkungen wegfallen. Kein Daueressen, kein Dauerreiz, keine ständige Selbstbetäubung durch Konsum.

Buchinger war überzeugt: Wenn der Körper nicht ständig mit Verdauung beschäftigt ist, wird etwas sichtbar. Manchmal körperlich, manchmal psychisch. Fasten ist ein Spiegel. Und nicht jeder mag, was er darin sieht.

Das ist übrigens ein Punkt, den viele Fastenprogramme heute elegant umschiffen. Man verkauft Fasten als „Detox“, als Wellness, als hübsches Ritual. Buchinger war da ehrlicher: Fasten konfrontiert. Und genau deshalb kann es heilsam sein.

Bad Pyrmont: Erfolg, Widerstand und ein unbequemer Charakter

1935 verlegte Buchinger seine Klinik nach Bad Pyrmont. Die Nachfrage wuchs, die Methode wurde bekannter, das Sanatorium entwickelte sich zu einer der gefragten Adressen.

In dieser Zeit veröffentlichte er auch sein Hauptwerk: Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden (1935). Das ist nicht irgendein Fastenbuch. Das ist die systematische Darstellung eines klinischen Ansatzes, der Fasten als medizinisches Werkzeug beschreibt.

Doch die Zeit war nicht freundlich. Buchinger war gegenüber dem Nationalsozialismus reserviert, seine Ehefrau galt als „Halbjüdin“ und war Schikanen ausgesetzt. Buchinger vergrub verbotene Bücher im eigenen Garten. 1938 zwang man ihn, für die Winterhilfe mit der Sammelbüchse von Haus zu Haus zu ziehen. Später untersagte man ihm den Ausbau seiner Klinik und begrenzte die Zahl der Patienten. Es kam zu Hausdurchsuchungen, Mitarbeiter wurden verhaftet, Häuser beschlagnahmt.

Das ist keine Nebengeschichte. Es zeigt, was für ein Typ Buchinger war: Kein Mitläufer. Kein „angepasster Arzt“. Sondern jemand, der seine Arbeit gegen Widerstände weiterführte.

Nach 1945 konnte er den Betrieb wieder aufnehmen. 1953 wurde er sogar Ehrenbürger von Bad Pyrmont. Die Ironie der Geschichte: Der ehemals Misstrauisch beäugte wurde später offiziell geehrt.

Der Wanderer und Suchende: Quäker, Bibelstudium, Religionswechsel

Buchinger war nicht nur Arzt, er war auch Suchender. Er betrieb intensives Bibelstudium, kam über verschiedene Strömungen schließlich zum Quäkertum, wurde 1926 aufgenommen, studierte in England am Quäker-College Woodbrooke. Später trat er 1957 zur katholischen Kirche über und verließ die Quäker.

Man kann das als sprunghaft sehen. Oder man versteht es als das, was es war: Ein Mensch, der nicht zufrieden war mit fertigen Antworten.

Und das passt erstaunlich gut zu Fasten. Fasten ist kein Dogma. Fasten ist eine Erfahrung. Wer fastet, merkt schnell: Der Körper ist nicht nur Biochemie. Aber er ist auch nicht nur „Seele“. Er ist beides. Und er reagiert auf Wahrheit oft schneller als der Kopf.

Die Methode: Fasten als strukturierter Prozess

Die klassische Buchinger-Methode ist klar aufgebaut.

Ein oder zwei Entlastungstage bereiten den Organismus vor. Etwa 600 Kalorien, überwiegend Kohlenhydrate, kaum Fett, wenig Eiweiß. Kein Kaffee, kein Alkohol, keine Süßigkeiten, nicht rauchen. Dazu reichlich Flüssigkeit, meist Wasser und Tee.

Der Fastenbeginn erfolgt traditionell mit einer gründlichen Darmentleerung, klassisch mit Glaubersalz. Danach folgt die Fastenphase, oft um die zwei Wochen. Bewegung gehört dazu, ebenso Ruhe. Ausscheidungsvorgänge werden unterstützt: Schwitzen durch Bewegung oder Sauna, regelmäßige Darmtätigkeit, viel trinken.

Das Fastenbrechen ist ein Ritual. Nicht aus Esoterik, sondern aus Physiologie und Psychologie. Der erste Apfel wird langsam gegessen, bewusst, gründlich gekaut. Der Stoffwechsel wird schrittweise wieder hochgefahren. Die Aufbautage steigern die Kalorien: etwa 800, dann 1200, dann 1500, später 1800. Tierisches Fett und Alkohol werden in den ersten Wochen gemieden.

Man kann darüber lächeln, bis man es selbst erlebt. Oder bis man Patienten sieht, die nach Jahren zum ersten Mal wieder spüren, was Hunger eigentlich ist, was Sättigung ist, was Ruhe im Körper bedeutet. Und vor allem auch, wie sich Patienten mit Fasten geheilt haben – so wie ich mich selbst übrigens auch.

Praxisbezug statt Dogma: Regulation statt Restriktion

Buchinger verstand Fasten als klinisches Instrument. Nicht als Askese, nicht als Mode, nicht als moralische Selbstkasteiung. Fasten war für ihn ein Werkzeug, um Muster aufzubrechen, Regelkreise sichtbar zu machen und Menschen in einen Zustand zu bringen, in dem der Körper sich selbst regulieren kann.

Das unterscheidet sein Werk von vielen heutigen Trends. Heute wird Fasten oft verkauft wie ein Fitness-Hack: „Mach das, dann wirst du schlank.“ Buchinger dachte anders: Fasten ist nicht in erster Linie ein Werkzeug zur Gewichtsreduktion. Es ist ein Werkzeug zur Neuordnung.

Und ja: Natürlich verliert man Gewicht. Aber das ist nicht die eigentliche Geschichte. Die eigentliche Geschichte ist, dass Fasten den Menschen aus dem Dauerzustand herausführt. Aus der ständigen Verdauung, dem ständigen Konsum, der ständigen „Selbstbetäubung“. Ich habe dazu vor allem auch auf dieser Webseite oft geschrieben und dies auch begründet.

Vermächtnis: kein Denkmal, sondern ein Verfahren

Otto Buchinger starb 1966 im Alter von 88 Jahren. Was bleibt, ist kein Denkmal und kein Mythos, sondern ein Verfahren, das bis heute klinisch angewandt, weiterentwickelt und wissenschaftlich untersucht wird.

Buchinger hat die Stoffwechselphysiologie nicht erfunden. Er hat die Entzündungsmedizin nicht erfunden. Er hat auch nicht als erster über Psyche und Körper gesprochen.

Aber er hat etwas getan, was viele Theoretiker nie schaffen: Er hat Fasten praktisch operationalisiert. Er hat es methodisch zugänglich gemacht. Er hat es in eine Form gebracht, die man anwenden, beobachten, verbessern konnte.

Und er hat eine Frage gestellt, die bis heute gilt: Was passiert, wenn ein Mensch, frei von Zufuhr, wieder zu sich selbst findet?

Die Antworten sind nicht einfache – sondern sogar eher komplex. Fasten ist auch kein „Trick“, sondern ein ziemlich umfangreicher Prozess, vor allem für den Stoffwechsel. Und Otto Buchinger war einer der ersten Ärzte, der diesen Prozess erkannt und auch ernst genommen hat.

Dass Fasten bis heute mit seinem Namen verbunden ist, ist absolut berechtigt.

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Anmerkung: Das Bild von Otto Buchinger wurde mittels KI erstellt. Ich meine Dr. Buchinger ist dort gut getroffen in einem zeitgenössischen Umfeld, welches diesem Arzt gerecht wird. Sollten sich Leser finden, die über Original Bilder von Dr. Buchinger verfügen, würde ich mich freuen, wenn ich diese veröffentlichen dürfte um diesem großartigen Arzt gerecht werden zu dürfen.

Wer fastet, kennt das: Nach einigen Tagen innerer Ruhe und Leichtigkeit kann plötzlich ein Punkt kommen, an dem Körper und Geist „abfallen“. Müdigkeit, Frösteln, Kreislaufprobleme oder ein dumpfer Kopf – klassische Zeichen dafür, dass der Organismus tief in den Umbaumodus wechselt. Das alles ist in gewisser Weise „normal“.

Ab und zu taucht die Frage auf: Darf man während des Fastens Galaktose verwenden – oder unterbricht das die Wirkung?

Beginnen wir erst einmal damit:

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Was Galaktose überhaupt ist

Galaktose ist ein Einfachzucker, der in der Natur vor allem als Bestandteil der Laktose (Milchzucker) vorkommt. Im Unterschied zu Glukose wird sie insulinunabhängig verstoffwechselt und belastet daher die Bauchspeicheldrüse kaum.

Im Stoffwechsel wird Galaktose langsam in der Leber umgesetzt und kann direkt ins Gehirn aufgenommen werden – als stabile Energiequelle, ohne die Ketose wesentlich zu stören. Genau das macht sie beim Heilfasten interessant.

Wann Galaktose hilfreich sein kann

In der eigentlichen Fastenphase arbeitet der Körper auf Sparflamme. Die Energieversorgung des Gehirns erfolgt überwiegend über Ketonkörper. Das ist physiologisch gewollt – kann aber, je nach Konstitution, zu vorübergehenden Schwächephasen führen.

Hier kann eine kleine Menge Galaktose helfen, ohne den Fastenprozess auszuhebeln. Bewährt hat sie sich besonders bei:

  • Fasten-Müdigkeit oder „Brainfog“ – der Kopf wird klarer, ohne dass man aus der Ketose fällt
  • Zittern, Kälte, Kreislaufabfall – Galaktose stabilisiert sanft den Energiefluss
  • Mentale Erschöpfung, Gereiztheit, Schlafstörungen – der Blutzucker bleibt stabil, Cortisol steigt nicht weiter an
  • Leberstress oder träger Galle – unterstützt den hepatobiliären Stoffwechsel
  • Fastenstress oder starke Entgiftungssymptome – mildert die Stressantwort des Körpers

Mit anderen Worten: Galaktose kann den Fastenprozess nicht ersetzen, aber stützen, wenn der Körper in Unterzuckerung oder Überlastung kippt.

Anwendung und Dosierung (wenn überhaupt)

  • 1–2 Teelöffel (ca. 5–10 g) in heißem Wasser oder Kräutertee
  • 1–3 × täglich nach Bedarf, am besten langsam trinken
  • Ideal in der späten Vormittags- oder Nachmittagsphase, wenn Müdigkeit oder Kopfdruck auftreten

Das Getränk sollte nicht „hinuntergestürzt“, sondern bewusst getrunken werden – ähnlich wie eine kleine Heilpflanzenzubereitung. So merkt man schnell, ob der Körper darauf positiv reagiert.

Wann besser nicht

  • Wenn das Ziel tiefe Ketose oder maximale Autophagie ist – dann sollte auf Galaktose verzichtet werden
  • Bei Pilzbelastung (Candida), SIBO oder starker Darmfermentation: vorsichtig testen
  • In der strengen Fastenphase nach Buchinger → erst ab der Aufbauphase einsetzen

Wichtig: Bei Laktoseintoleranz ist Galaktose in der Regel unproblematisch, da sie als Monosaccharid keine Laktase benötigt.

Fazit

Galaktose ist kein „Fastenbruch“, sondern kann eine gezielte Stoffwechselhilfe sein. Sie ist ein kleiner energetischer Impuls für Gehirn und Leber, wenn der Organismus zu stark in den Mangel kippt. Sie hebt den Blutzucker kaum an, stört die Ketose nicht wesentlich und kann helfen, den Fastenprozess stabil zu halten – besonders bei empfindlichen oder erschöpften Menschen.

Bei mir ist die Galaktose kein Bestandteil der Heilfasten-Anleitung, weil ich die Autophagie maximieren möchte und das System lieber auf natürliche Weise „stabil“ halte – durch Ruhe, Wärme, Kräuter und angepasste Bewegung.

Ein weiterer Grund: Während des Fastens vermeide ich grundsätzlich alle Substanzen, die potenziell allergen oder reaktiv sein könnten. Der Körper soll in dieser Zeit vollständig zur Ruhe kommen, der Darm sich beruhigen und mögliche Allergien oder Unverträglichkeitsreaktionen abklingen können. Alles, was diese Regeneration stören oder das Immunsystem reizen könnte, lasse ich bewusst weg – auch Galaktose gehört dazu.

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Der Beitrag wurde am 18.10.2025 erstellt und und am 20.10.2025 geringfügig ergänzt.

Dass das Heilfasten bei Bluthochdruck, Rheuma oder chronischen Entzündungen hilft, ist längst bekannt. Doch immer häufiger taucht die Frage auf: Kann Fasten auch bei Diabetes helfen? Die Antwort ist komplex – aber ausgesprochen interessant. Denn während die Schulmedizin beim Thema Fasten meist mit erhobenem Zeigefinger warnt, häufen sich inzwischen die Hinweise aus Forschung und Praxis, dass gerade Diabetiker profitieren können – vorausgesetzt, das Fasten wird richtig durchgeführt.

Warum Fasten bei Diabetes überhaupt wirkt

Wer fastet, zwingt den Stoffwechsel zu einer alten, überlebenswichtigen Anpassung: Der Körper wechselt vom Zucker- zum Fettstoffwechsel. Genau hier liegt der Schlüssel. Bei Typ-2-Diabetes – also der häufigsten Form – funktioniert die Zuckerregulation nicht mehr richtig, weil die Zellen „taub“ gegenüber Insulin geworden sind. Fasten durchbricht diesen Zustand, indem es die Insulinspiegel absenkt und die Empfindlichkeit der Zellen wieder verbessert.

Die Wissenschaft spricht hier von einer verbesserten Insulinsensitivität. Und die tritt erstaunlich schnell ein – oft schon nach wenigen Fastentagen. Hinzu kommen zwei weitere Effekte, die kaum zu überschätzen sind:

  • Gewichtsreduktion, insbesondere im Bauchbereich (das viszerale Fett wirkt wie ein Entzündungshormonfabrik).
  • Reduktion chronischer Entzündungen, messbar an Markern wie TNF-α oder IL-6.

Beides wirkt direkt auf die Wurzel des Typ-2-Diabetes: den gestörten Zucker- und Fettstoffwechsel.

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Was die Forschung tatsächlich zeigt

In den letzten Jahren ist das Thema Fasten in der Diabetesforschung regelrecht explodiert. Die Ergebnisse sind erstaunlich einheitlich – und zugleich vorsichtig formuliert.

Mehrere Metaanalysen, unter anderem von van den Burg et al. (2023) und Xiaoyu et al. (2024), zeigen:
Intermittierendes Fasten – also zeitweise Nahrungs­pausen wie 16:8 oder 5:2 – führt bei Typ-2-Diabetikern zu deutlich größerem Gewichtsverlust als herkömmliche Diäten. Die Blutzuckerkontrolle verbessert sich ähnlich gut wie unter klassischen Ernährungsprogrammen – teilweise sogar besser.

Eine JAMA-Studie (Varady et al., 2023) verglich zeitlich begrenztes Essen (TRE) mit reiner Kalorienrestriktion. Ergebnis: Die Fastengruppe nahm stärker ab, der HbA1c – also der Langzeitblutzucker – blieb stabil. Das zeigt: Fasten ist mindestens genauso sicher und wirksam wie klassische Diätformen, aber mit einem deutlich besseren Stoffwechsel-Reset.

Am spektakulärsten ist jedoch eine BMJ-Fallstudie (Furmli et al., 2018): Drei Männer mit Typ-2-Diabetes konnten nach regelmäßigem Fasten ihre Insulintherapie vollständig beenden. Kein Wundermärchen, sondern ein dokumentierter klinischer Verlauf. Die Forscher sprachen von einer „potenziellen Umkehr“ der Erkrankung – ein Begriff, den man in der Diabetologie sonst kaum hört.

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Fasten ist nicht gleich Fasten

Man muss unterscheiden. Unter dem Begriff „Heilfasten“ laufen heute ganz unterschiedliche Verfahren:

  • Intermittierendes Fasten (IF): 16 Stunden Fasten, 8 Stunden Essensfenster – oder die 5:2-Methode (zwei Tage Kalorienrestriktion pro Woche).
  • Zeitlich begrenztes Essen (TRE): Alle Mahlzeiten innerhalb von 6–12 Stunden, idealerweise im Tageslichtfenster.
  • Klassisches Heilfasten nach Buchinger: 5–10 Tage Fasten mit Wasser, Kräutertee, Gemüsebrühe, Saft.
  • Längeres Wasserfasten: 2–5 Tage oder mehr – nur unter erfahrener Anleitung.

Für Diabetiker gilt: Intermittierendes oder klassisches Buchinger-Fasten sind meist die praktikabelsten Formen. Beide senken die Insulinspiegel, entlasten die Leber und regen die Autophagie an – den zellulären Reinigungsmechanismus, der auch bei Diabetes gestört ist.

Autophagie – die stille Zellreinigung

Fasten aktiviert in den Zellen ein uraltes Programm: die Autophagie. Dabei werden geschädigte Zellbestandteile abgebaut und recycelt. Das betrifft auch Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zellen. Bei Diabetikern ist dieser Prozess häufig blockiert. Fasten schaltet ihn wieder frei. Forscher sehen darin eine der wichtigsten regenerativen Wirkungen – nicht nur für den Zuckerstoffwechsel, sondern auch für Gefäße, Nerven und Gehirn.

Typ-1-Diabetes: geht das überhaupt?

Die klassische Lehrmeinung lautet: Fasten ist für Typ-1-Diabetiker zu gefährlich. Doch auch hier verschiebt sich das Bild. In mehreren kontrollierten Studien – etwa von Müller et al. (2021, Frontiers in Endocrinology) – zeigte sich, dass kurze Fastenphasen bis 36 Stunden bei gut eingestelltem Typ 1 sicher sind, wenn sie ärztlich begleitet werden. Weder Hypoglykämien noch Ketoazidosen traten gehäuft auf.

Eine deutsche Pilotstudie mit 7-tägigem Heilfasten fand ebenfalls keine kritischen Zwischenfälle, aber deutliche Verbesserungen von BMI, Blutfetten und Entzündungsmarkern. Fazit der Forscher: Fasten kann auch bei Typ 1 unter kontrollierten Bedingungen positive Effekte entfalten – eine kleine Revolution, wenn man bedenkt, wie lange das als Tabu galt.

Was in der Praxis funktioniert

Aus meiner Erfahrung mit Fastengruppen zeigt sich: Diabetiker profitieren, wenn sie das Fasten nicht als kurzfristige Diät, sondern als metabolische Trainingsphase verstehen. Entscheidend ist, was danach kommt – nämlich die konsequente Umstellung auf natürliche, unverarbeitete Ernährung mit hohem Gemüseanteil, hochwertigen Fetten und Eiweiß in Maßen.

In der Praxis haben sich folgende Punkte bewährt:

  • Ein sanfter Einstieg mit Entlastungstagen (z. B. Gemüse, Obst, Reis, Suppen).
  • Regelmäßige Blutzuckermessung – am besten mit Sensor (CGM).
  • Reduzierung der Medikation nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Fastenarzt.
  • Ausreichend trinken (2,5 – 3 Liter täglich, vorzugsweise Wasser, Kräutertee, Brühe).
  • Nach dem Fasten: langsamer Kostaufbau, ballaststoffreich, wenig Stärke.

Viele berichten schon nach wenigen Tagen über stabilere Werte, weniger Heißhunger und ein völlig anderes Körpergefühl. Nicht selten sinken Blutzucker und Blutdruck parallel – ein Hinweis darauf, dass die metabolische Entlastung weit über die Glukoseregulation hinausgeht.

Risiken und Gegenanzeigen

Natürlich gibt es Grenzen. Unkontrolliertes Fasten bei Insulinpflichtigen kann zu Unterzuckerungen führen. Ebenso riskant: stark ketogene Phasen bei Menschen mit ausgeprägter Stoffwechselentgleisung. Wer Medikamente wie Sulfonylharnstoffe oder Insulin verwendet, sollte immer die Dosis anpassen lassen.
Auch Dehydrierung ist ein unterschätztes Problem – daher stets auf ausreichende Flüssigkeit und Mineralstoffe achten.

Aus naturheilkundlicher Sicht ist die wichtigste Regel: Der Körper darf nicht überfordert werden. Fasten soll entlasten, nicht stressen.

Wie es nach dem Fasten weitergeht

Das eigentliche Geheimnis des Heilfastens beginnt oft erst danach. Viele Diabetiker erleben während des Fastens einen regelrechten Neustart – doch entscheidend ist, was in den Wochen danach passiert. Wer wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt, verschenkt das Potenzial. Der Stoffwechsel braucht jetzt Stabilität, Rhythmus und Unterstützung. Genau hier kommen die bewährten naturheilkundlichen Maßnahmen ins Spiel.

Naturheilkundliche Begleitung – was sich in der Praxis bewährt

Fasten allein ist kein Allheilmittel. Aber es ist der beste Anfang, den ich kenne. Viele Patienten merken erst beim Fasten, wie stark Ernährung, Bewegung und Stoffwechsel tatsächlich miteinander verbunden sind. Wer danach weitermacht, hat die besten Chancen, den Diabetes langfristig zu stabilisieren – oft sogar ohne Medikamente.

In meiner Praxis hat sich eine Kombination bewährt, die über das reine Fasten hinausgeht:

Ernährung: Nach dem Fasten kohlenhydratarm, aber nicht asketisch. Wichtig sind Bitterstoffe – Chicorée, Löwenzahn, Artischocke, Endivie. Sie entlasten die Leber und verbessern den Gallefluss.

Heilpflanzen: Bewährt haben sich Bittermelone, Zimt, Gymnema sylvestre, Ginseng und Berberin. Alle greifen regulierend in den Zuckerstoffwechsel ein. Einige wirken fast so stark wie Medikamente – nur ohne deren Nebenwirkungen.

Mikronährstoffe: Magnesium, Chrom, Zink, Alpha-Liponsäure und Vitamin D gehören für mich zur Basis. Sie erhöhen die Insulinsensitivität und schützen die Zellen vor oxidativem Stress.

Bewegung: Ohne Bewegung bleibt der Erfolg halbfertig. Schon tägliche Spaziergänge oder moderates Krafttraining helfen, Zucker direkt in die Muskulatur einzuschleusen – ganz ohne Insulin.

Heilpilze: Reishi, Maitake und Coprinus regulieren Leber, Fettstoffwechsel und Zuckeraufnahme. Ich setze sie häufig in Kombination ein, vor allem bei übergewichtigen Diabetikern.

Kneipp-Verfahren: Kalte Armbäder, Wechselduschen, Fußbäder – das klingt unspektakulär, ist aber enorm wirksam. Der Stoffwechsel reagiert auf Temperaturreize fast so sensibel wie auf Bewegung.

Homöopathie: Auch hier kann gezielte Unterstützung viel bewirken. Je nach Konstitution setze ich z. B. Phosphorus C30, Syzygium jambolanum C6 oder Lycopodium C30 ein – individuell abgestimmt, nicht nach Schema.

Fastenwiederholungen: Ich empfehle meist zwei bis drei Kurzfastenphasen im Jahr. Das ist nachhaltiger als ein einmaliges „großes Fasten“. Der Körper braucht diese rhythmische Entlastung – genauso wie Schlaf und Atmung.

Der Unterschied zwischen Theorie und Erfahrung

Die Studienlage ist gut, aber sie bleibt abstrakt. In der Praxis zeigt sich das Entscheidende: Fasten verändert das Bewusstsein. Viele Diabetiker erleben nach Jahren der Medikamentenroutine zum ersten Mal wieder echte Kontrolle über ihren Körper. Der Blutzucker folgt nicht mehr ausschließlich der Tablette, sondern der eigenen Entscheidung – was, wann und wie man isst. Das ist die eigentliche Stärke des Heilfastens: Es gibt die Verantwortung zurück. Und genau das fehlt im sogenannten „modernen Diabetesmanagement“ meines Erachtens oft völlig.

Kritische Stimmen

Selbstverständlich warnt die Schulmedizin. Die Standardformulierung lautet: „Fasten ist für Diabetiker gefährlich.“ Das stimmt – wenn man nichts davon versteht. In der Hand eines erfahrenen Fastenarztes oder unter fachlicher Anleitung ist es hingegen eine der wirksamsten Maßnahmen, um den Stoffwechsel neu zu justieren.

Die Angst vor Hypoglykämie ist verständlich, aber sie lässt sich mit Wissen und Kontrolle vermeiden. Das eigentliche Risiko liegt darin, nicht zu fasten – also im Dauerzustand hoher Insulinspiegel, permanenter Mahlzeiten und chronischer Entzündung.

Fazit

Heilfasten ist kein Wundermittel, aber eines der kraftvollsten Werkzeuge, um den Stoffwechsel bei Diabetes – insbesondere Typ 2 – zu regulieren. Es verbessert die Insulinsensitivität, reduziert Entzündungen, aktiviert die Autophagie und führt zu mehr Eigenverantwortung im Umgang mit Essen und Körper.

Bei Typ 1 ist Vorsicht geboten, doch selbst hier öffnen neue Studien den Blick für eine sichere Anwendung unter Aufsicht.

Wer das Fasten als jährliche Kur oder Teil eines naturheilkundlichen Gesamtprogramms nutzt, kann seinen Stoffwechsel nachhaltig verändern – jenseits der bloßen Blutzuckerwerte.

Hier noch eine Liste der Quellen:
van den Burg et al. (2023): Metabolic Impact of Intermittent Fasting in Patients With Type 2 Diabetes Mellitus
Xiaoyu et al. (2024): Effects of Different Intermittent Fasting Regimens in People With Type 2 Diabetes
Varady et al. (2023): Intermittent Fasting for Weight Loss in People With Type 2 Diabetes (JAMA Network Open)
Furmli et al. (2018): Therapeutic Use of Intermittent Fasting as an Alternative to Insulin (BMJ Case Reports)
Müller et al. (2021): Impact of a Single 36-Hour Fasting Period in Adults With Type 1 Diabetes (Frontiers in Endocrinology)
Scheen et al. (2023): Efficacy of Fasting in Type 1 and Type 2 Diabetes – A Narrative Review

Dieser Beitrag wurde am 9.10.2025 grundlegend überarbeitet.

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Fasten ist viel mehr als nichts essen. Wer eine Woche nur den Teller stehen lässt, macht zwar die Erfahrung des Verzichts – aber nicht die ganze Erfahrung des Heilfastens. Das eigentliche Geheimnis liegt in der Unterstützung der Ausscheidungsorgane. Nur wenn Darm, Leber, Nieren, Haut und Lunge richtig mitarbeiten, wird aus dem Fasten eine kraftvolle Reinigungskur für den ganzen Organismus.

Warum Unterstützung beim Fasten so wichtig ist

Es gibt zwei entscheidende Gründe, warum Heilfasten ohne begleitende Maßnahmen oft mühsam bleibt – und warum die meisten meiner Teilnehmer kaum Fastenkrisen erleben:

  1. Weniger Beschwerden und Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Müdigkeit, Gereiztheit – das sind klassische Fastenkrisen. Sie entstehen, wenn der Körper mehr Gifte freisetzt, als er ausscheiden kann. Durch die gezielte Unterstützung der Organe werden diese Stoffe schneller abgebaut und Beschwerden bleiben meist ganz aus.
  2. Längerer Nutzen: Wer die Entgiftung unterstützt, hat nachhaltiger etwas vom Fasten. Die Wirkung auf Energie, Haut, Verdauung und Stoffwechsel hält deutlich länger an, weil der Reinigungsprozess effektiver verläuft.

Die wichtigsten Organe beim Fasten – und wie man sie unterstützt

  1. Der Darm

Er ist das wichtigste Ausscheidungsorgan während des Fastens. Ohne ihn staut sich alles.

  1. Die Leber

Sie filtert Gifte und Stoffwechselendprodukte – und arbeitet beim Fasten auf Hochtouren.

  1. Die Nieren

Sie scheiden wasserlösliche Giftstoffe aus.

  • Flüssigkeit: Zwei bis drei Liter stilles Wasser oder Kräutertee täglich.
  • Nieren-Tees: Brennnessel, Goldrute und Birkenblätter helfen bei der Ausleitung.
  1. Die Haut

Das vergessene „Entgiftungsorgan“.

  • Trockenbürsten: Anregung der Durchblutung und Lymphfluss.
  • Wechselbäder und Saunagänge: fördern die Ausscheidung über Schweiß.
  1. Die Lunge

Oft vergessen, aber wichtig für den Säure-Basen-Haushalt.

  • Atemübungen: tiefe Bauchatmung oder bewusstes Ausatmen verlängern die Entsäuerung.
  • Bewegung an der frischen Luft: Spaziergänge, Nordic Walking oder leichte Gymnastik.

Fasten ist auch seelische Reinigung

Fasten entlastet nicht nur den Körper, sondern auch den Geist. Viele Teilnehmer berichten nach wenigen Tagen über mehr Klarheit, innere Ruhe und neue Energie. Loslassen bedeutet eben nicht nur, körperlich Ballast abzuwerfen, sondern auch psychisch und emotional.

Fazit

Heilfasten ohne begleitende Maßnahmen ist wie Putzen ohne Besen: Es bleibt Stückwerk. Erst wenn die Ausscheidungsorgane konsequent unterstützt werden, entfaltet das Fasten seine ganze Kraft – körperlich wie seelisch. Und diese Unterstützung ist umso wichtiger, je mehr Probleme der Fastenwillige hat…

Wenn Sie wissen möchten, wie Sie diese Schritte in der richtigen Reihenfolge durchführen und welche Methoden sich in der Praxis bewährt haben, finden Sie das in meiner ausführlichen Heilfasten-Anleitung mit Fastenplan.

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Diesen Beitrag hatte ich erstmalig 2010 erstellt und letztmalig am 21.8.2025 ergänzt und überarbeitet.

Schlacke gibt es nicht. Punkt. So lautet jedenfalls der offizielle Standpunkt der modernen Ernährungswissenschaft. Und wenn es keine Schlacken gibt, dann braucht es natürlich auch keine Entschlackung. Keine Kräuter, keine Heilerde, kein Fasten – alles überflüssig. Sagen sie.

Dumm nur, dass der Körper das anders sieht. Er betreibt nämlich täglich eine Art Müllabfuhr auf Zellebene – und das in einem Ausmaß, das in keinem Lehrbuch unter dem Begriff „Schlacke“ auftaucht, aber genau das beschreibt, was wir in der Naturheilkunde seit über einem Jahrhundert beobachten. Der Fachbegriff dafür? Autophagozytose.

Ein sperriges Wort für einen genialen Prozess: Zellen, die sich selbst reinigen, reparieren und regenerieren – ganz ohne Chemie, aber mit entscheidender Bedeutung für unsere Gesundheit, unser Immunsystem und sogar unsere Lebenserwartung.

Wer diesen Mechanismus fördern will, braucht keine Tabletten. Er braucht etwas anderes: Zeit, Achtsamkeit, Geduld – und das Fasten. Und genau darum geht es in diesem Beitrag.

Autophagozytose und Entschlackung – Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Bevor wir über Autophagozytose sprechen, muss eines klargestellt werden: Wenn es nach der Schulmedizin geht, existieren sogenannte „Schlacken“ im menschlichen Körper schlicht nicht. Was es nicht gibt, braucht man auch nicht auszuleiten – so die Logik. Kein Bedarf an Entschlackung, also auch kein Bedarf an Fasten, Heilerde oder pflanzlichen Ausleitungen. Fall geschlossen. In meinem Beitrag Die Macke mit der Schlacke habe ich zu dieser „Diskussion“ ausreichend Stellung genommen.

Doch genau hier beginnt das Problem: Der Körper hat da offenbar eine andere Meinung. Denn er betreibt (permanent!) eine hochkomplexe innere Müllentsorgung. Nur taucht dieser Vorgang eben nicht im ICD-10-Katalog auf. Und „Schlacke“ ist natürlich kein histologisch messbares Gewebe. Es ist ein Ordnungsbegriff, geprägt von der Naturheilkunde, um die Summe nicht mehr benötigter, teils schädlicher Stoffwechselreste zu bezeichnen. Wer den Begriff als unwissenschaftlich verlacht, übersieht das Wesentliche. Wenn Sie möchten lesen Sie dazu auch meinen Beitrag: Die Bedeutung der Entschlackung und des Entschlackens für die Gesundheit.

Denn gäbe es keine dieser Rückstände – warum dann die aufwändigen zellulären Reinigungsprozesse, die selbst die Biomedizin heute als „zelluläre Recyclingfabriken“ bezeichnet?

Einer dieser Prozesse ist die sogenannte Autophagozytose – ein sperriger Name für eine sehr elegante Lösung. Und genau dieser wollen wir uns jetzt widmen.

Ein kurzer Blick auf die Grundlagen:

Autophagozytose ist nicht zu verwechseln mit der klassischen Phagozytose, bei der Immunzellen wie Makrophagen oder dendritische Zellen fremde Eindringlinge oder Zelltrümmer „auffressen“. Bei der Autophagozytose hingegen frisst die Zelle sich (zumindest teilweise) selbst. Defekte Zellbestandteile, falsch gefaltete Proteine, beschädigte Mitochondrien: alles, was die Funktion stört oder toxisch wirken könnte, wird markiert, eingeschlossen und abgebaut.

Der Begriff „sich selbst fressen“ mag dramatisch klingen, ist aber ein lebenswichtiges Prinzip. Ohne diesen Prozess würden Zellen regelrecht an ihrem eigenen Müll ersticken. Autophagozytose ist also kein Notfallprogramm, sondern ein zentraler Bestandteil der zellulären Selbstreinigung – täglich, rund um die Uhr.

Und damit nähern wir uns auch der Wahrheit hinter dem Begriff „Entschlackung“. Denn was die Naturheilkunde traditionell als „Schlacke“ bezeichnet, findet auf zellulärer Ebene längst seine wissenschaftlich beschriebene Entsprechung – nur unter anderen Namen: Autophagozytose, Mitophagie, Proteinfaltung, zellulärer Turnover.

Natürlich gehört dazu mehr: Seneszente Zellen, die nicht mehr richtig funktionieren, aber auch nicht absterben, belasten das Gewebe durch ihre entzündungsfördernde Wirkung – eine Art „zellulärer Müll“, der nicht in den Mitochondrien, sondern im Gewebemilieu selbst liegt. Und auch der sogenannte Pischinger-Raum, also der Extrazellulärraum, spielt eine Rolle bei der Ansammlung oder Ableitung solcher Stoffe.

Doch in diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf die Autophagie – jenen zentralen, faszinierenden Selbstheilungsmechanismus der Zelle, der durch einfache Maßnahmen wie Fasten gezielt aktiviert werden kann.

Der Prozess und seine Abläufe

Die Autophagozytose ist kein einheitlicher Prozess, sondern ein fein reguliertes System mit mehreren Wegen, über die Zellen ihren eigenen Müll recyceln. Drei Hauptformen sind heute wissenschaftlich beschrieben – alle verlaufen etwas unterschiedlich, dienen aber dem gleichen Ziel: beschädigte, funktionslose oder potenziell toxische Bestandteile aus dem Verkehr zu ziehen. Zuerst eine Grafik dazu:

 

Makroautophagie – das Zellrecycling in großem Stil

Die Makroautophagie ist der wichtigste Weg der zellulären Selbstreinigung. Dabei werden defekte Zellorganellen – insbesondere beschädigte Mitochondrien – sowie fehlerhafte Proteine gezielt erkannt, isoliert und abgebaut. Die Zelle bildet dafür eine Art innere „Mülltüte“: eine Doppelmembran, das sogenannte Autophagosom. Dieses umschließt die zu entsorgenden Bestandteile und transportiert sie zu einem Lysosom – einer zellulären Abbaukammer mit saurem pH-Wert und Verdauungsenzymen. Dort wird der Zellmüll in seine Einzelteile zerlegt – und oft gleich als neues Baumaterial wiederverwertet.

Das ist nicht nur effizient, sondern auch überlebenswichtig: Denn beschädigte Mitochondrien beispielsweise produzieren kaum noch Energie, dafür aber umso mehr freie Radikale – ein toxisches Szenario, das die gesamte Zelle destabilisieren kann. Makroautophagie verhindert genau das.

Mikroautophagie – die direkte Entsorgungslinie

Bei der Mikroautophagie spart sich die Zelle den Umweg über ein Autophagosom. Stattdessen „schluckt“ das Lysosom direkt kleinere Bestandteile aus dem Zellinneren. Dieser Prozess läuft permanent – wird aber besonders bei Kalorienmangel oder Stress wichtiger, um Ressourcen zu schonen und die Zellintegrität zu bewahren. Man könnte sagen: Mikroautophagie ist die schnelle, unkomplizierte Variante der Selbstreinigung.

CMA – das fein abgestimmte Einzelteil-Recycling

Die dritte Form nennt sich „Chaperone-mediated Autophagy“ (CMA) – ein selektiver Prozess, bei dem bestimmte Proteine gezielt erkannt, entfaltet und ins Lysosom eingeschleust werden. Nur Moleküle mit einer spezifischen Signatur – einer Art Erkennungsmarke – werden zugelassen. Dieser Prozess ist aufwendig, aber präzise und kommt insbesondere bei feinregulierten Stoffwechselprozessen zum Einsatz.

So wird der Müll im Körper entsorgt

Diese drei Prozess-Formen sorgen dafür, dass innerhalb der Zelle eine Vielfalt von „Müll“ entsorgt und somit eine Beeinträchtigung der Zellvorgänge verhindert wird. Der „Müll“ besteht aus zum Beispiel falsch gefalteten Proteinen, die biologisch schädlich oder nicht verwertbar sind; aus großen und kleinen Zellorganellen, die beschädigt sind und ihre Funktion verloren haben etc.

Diese drei Formen der Autophagie sind zudem Teil eines intrazellulären Gleichgewichts zwischen der Produktion von neuen Zellbestandteilen und dem Abbau von alten, verbrauchten Elementen. Mitochondrien von Leberzellen zum Beispiel leben in etwa zehn Tage. Danach werden sie durch die Autophagozytose entsorgt. Die dabei entstehenden Fragmente dienen dann als Baumaterial für neue Strukturen. Diese Sonderform der Autophagozytose für Mitochondrien wird Mitophagie genannt.

Grund für die „bevorzugte“ Behandlung der Mitochondrien für eine für sie spezielle Form der Autophagozytose liegt in ihrer Bedeutung und dem Gefährdungspotential, das von beschädigten Mitochondrien ausgeht. Denn beschädigte Mitochondrien produzieren in der Regel, ohne maßgeblich an der Energieproduktion beteiligt zu sein, ein Übermaß an freien Radikalen, die die Zelle selbst in Mitleidenschaft ziehen können. Das Gleiche gilt auch für alte Mitochondrien.

Eine Sonderform besteht bei roten Blutkörperchen: Die Mitophagie entfernt hier bei der Entstehung beziehungsweise Reifung der Erythrozyten deren zunächst vorhandenen Mitochondrien, da Erythrozyten unter den Körperzellen eine Sonderform darstellen – ohne Mitochondrien, Zellkern, Ribosomen etc. Hier ist also die Autophagozytose in dieser speziellen Form ein Teil des Reifungsprozesses der Erythrozyten.

Die beschriebenen Prozesse werden, wie bereits weiter oben erwähnt, durch Gene kontrolliert. Diese Kontrolle ist sehr komplex und erfolgt über Aminosäure-Sensoren, Wachstumsfaktoren und freie Radikale, die die Aktivitäten von mTOR und die AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK) bestimmen. Über die Bedeutung von mTOR hatte ich bereits etwas veröffentlicht: Fasten für die DNA Reparatur in Zellen.  AMPK hat die Aufgabe, Zellen vor Energiemangel zu schützen. Dies ist natürlich in Zeiten von Kalorienmangel besonders wichtig, um den Untergang der Zelle zu verhindern. AMPK hemmt dann eine Reihe von Enzymen, die für die Cholesterin- und Fettsäurebiosynthese zuständig sind, was zu einem Umschalten auf einen „Sparmodus“ des Zellstoffwechsels führt.

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Funktionen für die Zelle

Die Autophagozytose hat für die Zelle eine Reihe von Funktionen. Als primäres Untersuchungsobjekt diente den Wissenschaftlern hier die Hefe Saccharomyces cerevisiae. Hier sahen die Wissenschaftler, dass ein Nährstoffmangel zu einer hohen Aktivität an Autophagie führt.

Unter diesen Verhältnissen wurden schädliche und nutzlose Proteine entsorgt, indem die dabei anfallenden Aminosäuren für eine Weiterverwertung für neue, funktionstüchtige Proteine benutzt werden.

Bei Säugetieren und Menschen ist die Autophagozytose unter verschiedenen Bedingungen beobachtet worden, wie zum Beispiel nach der Geburt und Durchtrennung der Nabelschnur, oder bei Zell-und Gewebekulturen, die entsprechend mangelversorgt worden waren.

Von der Hefe weiß man auch, dass ein genetischer Defekt, der die Fähigkeiten zur Autophagozytose einschränkt, zum Untergang der Zellen führt (Isolation and characterization of autophagy-defective mutants of Saccharomyces cerevisiae.).

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei Mäusen mit Gendefekt (In vivo analysis of autophagy in response to nutrient starvation using transgenic mice expressing a fluorescent autophagosome marker.). Die Autoren dieser Arbeit konnten zeigen, dass die Regulation der Autophagozytose organspezifisch ist, Kalorienmangel ein zentraler Auslöser zu sein scheint, aber auch ohne Hungerzustände induziert wird.

Prinzipiell scheint man heute in der Naturwissenschaft davon auszugehen, dass die Autophagozytose in ihren verschiedenen Formen ein wichtiger Beitrag zur „Reinhaltung“ der Zellen ist. Ohne diesen Beitrag kommt es zum schnelleren Altern (Autophagy and aging: the importance of maintaining „clean“ cells.). Die Autoren erklären in diesem Beitrag, dass eine herabgesetzte autophage Aktivität eine hauptsächliche Rolle bei altersbedingten Störungen spielt. Sie erklären weiter, dass Kalorienrestriktion und anti-lipolytische Substanzen zur Stimulation der Autophagie bei alten Mäusen geführt haben.

Damit scheint sich das zu bestätigen, was von der Schulmedizin in der Regel so heftig bestritten beziehungsweise als „unwissenschaftlich“ oder „nicht evidenzbasiert“ belächelt wird: Fasten stimuliert die Autophagozytose, die wiederum für die Entfernung von Abfallprodukten in den Körperzellen und deren Reparatur verantwortlich ist. Oder mit anderen Worten: Fasten oder Kalorienrestriktion initiiert die Beseitigung von „Schlacken“, ohne die eine Reparatur der Zellen nicht möglich ist.

Xenophagie ist ein Begriff, der die Auflösung und Entfernung von körperfremden Material umfasst. Dies erinnert an die bereits weiter oben erwähnte Phagozytose durch Makrophagen etc. In diesem speziellen Fall ist die Xenophagie eine autophage Zersetzung von infektiösen Partikeln und ist daher ein integraler Bestandteil der angeborenen Immunabwehr.

Diese tritt immer dann in Aktion, wenn Erreger bereits das Zellinnere erreicht haben, wie zum Beispiel Tuberkuloseerreger. Die „Vernichtungsmaschinerie“, die für die Beseitigung dieser Erreger zuständig ist, ist die Gleiche, die  auch Mitochondrien recycelt (Mitophagie). In der Regel führt dieser Prozess zum erfolgreichen Vernichten der Mikroorganismen. Es gibt jedoch auch hier Ausnahmen, wo Bakterien in der Lage sind, die Entstehung von Phagolysosomen zu verhindern (Autophagy in immunity against mycobacterium tuberculosis: a model system to dissect immunological roles of autophagy.).

Interessanterweise erfahren wir in dieser Arbeit, dass die Th1-Th2-Balance eine zentrale Rolle für die Aktivierung von Autophagie zu spielen scheint. Th1-Zytokine aktivieren sie, während Th2-Zytokine sie abschalten. Damit würde ein Th2-Shift eine günstige Bedingung für das Eindringen von Pathogenen in Körperzellen darstellen.

Diese Sache mit dem „Zelltod“ – Apoptose

Ich hatte bereits in etlichen Beiträgen das Wort „Apoptose“ benutzt. Der natürliche Zelltod ist eine Art „Selbstzerstörungsmechanismus“,  der in die Zelle eingebaut ist, um eine Entartung zu verhindern, wenn Reparaturmaßnahmen nicht mehr greifen können und um alte Zellen schnell aufzulösen, um den Regenerationsprozess zu beschleunigen.

Eine Apoptose ist in der Regel begleitet von dem vermehrten Auftauchen von Autophagosomen. Die Wissenschaftler wissen heute jedoch noch nicht, ob die bei der Apoptose autophagen Aktivitäten Teil des Auflösungsprozesses sind oder das genaue Gegenteil: Der Versuch, die Apoptose zu blockieren. Denn bislang gibt es keine Hinweise, dass die Autophagozytose auch für den Untergang von Zellen verantwortlich sein kann.

Diese ist (wie oben ausführlich diskutiert), das Mittel der Zelle, sich zu regenerieren und am Leben zu erhalten (Another way to die: autophagic programmed cell death).

Eine Arbeit von 2014 zeigt, dass die Autophagozytose eine Stressantwort auf eine Infektion mit Influenza-A-Viren darstellt, die eine Apoptose verhindern hilft (mTOR/p70S6K signaling distinguishes routine, maintenance-level autophagy from autophagic cell death during influenza A infection.). Die auslösenden Faktoren bei einer Infektion für Apoptose und Autophagozytose scheinen die Gleichen zu sein. Sie unterscheiden zwischen einer expandierten Autophagie, die zum Untergang der Zelle führt, und einer moderaten Autophagie, die der Zelle hilft, die Infektion zu überleben. Sie sahen auch, dass eine Hemmung der expandierten Autophagie dazu beitrug, die Reproduktion der Viren in der Zelle zu hemmen. Damit scheinen die Kontrollvorgänge für die protektive und letale Autophagozytose über verschiedene Mechanismen zu erfolgen.

Eine andere interessante Beobachtung ist, dass Kalorienrestriktion bislang die einzige wissenschaftlich nachgewiesene Form der Lebensverlängerung zu sein scheint. Ich hatte dieses Thema auch bei meinen Fastenbeiträgen und Beiträgen zum intermittierenden Fasten erwähnt. Wie es aussieht, erfolgt diese lebensverlängernde Wirkung der Kalorienrestriktion aber nur dann, wenn auch eine entsprechend aktive Autophagozytose mit von der Partie ist. Eine französische Studie aus dem Jahr 2010 (Caloric restriction and resveratrol promote longevity through the Sirtuin-1-dependent induction of autophagy.) zeigte, dass eine Hemmung der Autophagozytose zu metabolischem Stress in der Zelle führte (und deren vorzeitigem Absterben). Resveratrol und Kalorienrestriktion dagegen verlängerte die Lebenserwartung von normalen Nematoden (Fadenwürmer), die eine normale Autophagozytose zeigten. Nematoden, die dazu nicht in der Lage waren, zeigten eine verkürzte Lebenserwartung.

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Autophagozytose und Krebserkrankungen

Hier scheint die Autophagozytose ein sehr ambivalentes Gesicht zu zeigen. Denn sie scheint einerseits vor der Entwicklung von malignen Zellen zu schützen, unterstützt aber andererseits Tumorzellen bei deren Entwicklung. Die Idee, durch Kalorienrestriktion Tumorzellen auszuhungern, kann damit zum Querschläger werden, wenn die Autophagozytose in der Tumorzelle selbige wie eine gesunde Zelle vor dem Untergang bewahrt.

Es ist auch bekannt, dass die Autophagozytose in der Lage ist, Mediatoren für die Apoptose einer Tumorzelle abzubauen, was zu einer Verhinderung der Apoptose und damit Verhinderung des Absterbens der Tumorzelle führt. Hier ergibt sich ein gewisses Potential für pharmazeutische Interventionen, wo mit Hilfe von synthetischen Substanzen (zum Beispiel Chloroquin, ein Medikament gegen Malaria) die Autophagie der Tumorzelle blockiert wird und somit die Wirkung von Apoptose auslösenden Chemotherapeutika verbessert wird (New use for old drugs? Prospective targets of chloroquines in cancer therapy.).

Wie es ausschaut, ist die Frage, ob Autophagozytose nützt oder schadet, auch eine Frage des Stadiums und der Bedingungen, unter denen sie agiert. So scheint sie bei normalen und gesunden Zellen eine wichtige Schutzfunktion zu besitzen, während sie bei malignen Zellen die gleiche Schutzfunktion zum Wohl der Tumorzelle ausübt.

Es hat sich also nichts an der Schutzfunktion geändert, sondern nur an der Frage, wer und was hier geschützt wird. Daher gibt es inzwischen Bemühungen, bei Krebserkrankungen das Maß an Autophagozytose zu senken, damit es zu einer Apoptose der Tumorzellen kommen kann. Aber auch hier kann man sich die Risiken leicht ausmalen. Denn eine generalisierte Hemmung der Autophagozytose würde nicht nur maligne Zellen betreffen. Der Effekt wäre eine Verbesserung der Apoptose bei Tumorzellen, aber auch eine unter Umständen erhöhte Bereitschaft gesunder Zellen, zu entarten.

Fazit: Zellen putzen – Leben verlängern und gesünder leben!

Autophagozytose ist keine Theorie. Es ist ein fundamentaler Selbstreinigungsmechanismus des Körpers – täglich, unaufhaltsam, lebenswichtig. Und ja: Genau das, was die Naturheilkunde seit Jahrzehnten unter „Entschlackung“ versteht. Die Begriffe mögen unterschiedlich sein – die Beobachtung ist dieselbe.

Wer diesen Reinigungsprozess unterstützt, schützt seine Zellen – und damit seine Gesundheit. Denn beschädigte Zellbestandteile, alte Mitochondrien und falsch gefaltete Proteine wirken nicht einfach nur störend. Sie sind ein Brandbeschleuniger für Alterungsprozesse, Entzündungen, Stoffwechselstörungen und degenerative Erkrankungen.

Die gute Nachricht: Es braucht keine Medikamente, keine kostspieligen Therapien, keine synthetischen Interventionen. Es braucht vor allem eines – das, was der moderne Mensch am schwersten erträgt: Verzicht.

Fasten aktiviert Autophagie. Kalorienreduktion tut es auch. Moderate Bewegung, guter Schlaf, weniger Insulinspitzen – all das signalisiert der Zelle: Zeit zum Aufräumen.

Was Sie konkret tun können?

  • Fasten – regelmäßig und bewusst. Ob klassisches Heilfasten, Intervallfasten oder Entlastungstage: Jede Form der Nahrungskarenz aktiviert Autophagie – wissenschaftlich belegt.
  • Bewegung – aber nicht im Hochleistungsmodus. Schon Spaziergänge oder lockeres Ausdauertraining steigern die intrazelluläre Reinigung.
  • Entlastung statt Dauerstress. Auch psychischer Dauerstress kann Autophagie blockieren. Achtsamkeit, Ruhe und Schlaf sind keine „Ist-schön-Sache“ – sie sind Zellschutz!
  • Die Zelle nicht ständig füttern. Wer 16 Stunden am Tag isst, gibt dem Körper keine Pause zur Regeneration. Weniger Mahlzeiten, dafür gehaltvoller, bewirken oft mehr.
  • Bewusst leben statt ständig kompensieren. Alkohol, Süßstoffe, künstliche Zusätze – das alles muss entsorgt werden. Warum nicht gleich weglassen?

Das Ziel ist nicht Askese. Sondern Klarheit. Denn: Wer seine Zellen schützt, schützt sich selbst – vor chronischer Erschöpfung, beschleunigtem Altern, vor Entzündung, Gewebestau, Degeneration.

Man muss Autophagozytose nicht aussprechen können, um sie zu nutzen. Man muss nur aufhören, dem Körper ständig im Weg zu stehen.

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Dieser Beitrag wurde im Jahr 2017 erstellt und letztmalig am 5.8.2025 überarbeitet.

Lassen Sie mich direkt auf den Punkt kommen: Die meisten Menschen haben völlig falsche Vorstellungen vom Fasten. Es ist kein Hungerprogramm für eilige Gewichtsverlust-Fanatiker, kein Detox-Hype für Instagram-Ästheten und auch keine spirituelle Mutprobe für moderne Asketen. Wer es nur macht, um die Waage glücklich zu stimmen, kann es auch gleich bleiben lassen.

Fasten ist eine Kunst – eine uralte, tiefgreifende Methode, die nicht nur den Körper, sondern auch den Geist verändert. Ich begleite Menschen seit über zwei Jahrzehnten auf diesem Weg und weiß: Fasten ist weit mehr als Kalorienverzicht. Es bringt Klarheit, setzt Selbstheilungskräfte frei und zeigt uns, wie wenig wir tatsächlich brauchen, um gesund und kraftvoll zu sein.

Warum dann all die Mythen und Missverständnisse? Und warum halten einige „Experten“ Fasten für eine gefährliche Marotte, während andere es als Wundermittel feiern? Lassen Sie uns genau hinsehen – denn Fasten ist keine Modeerscheinung, sondern eine uralte Heilmethode mit erstaunlichen Effekten auf den gesamten Organismus.

Also nähern wir uns einmal dem Thema:

Wenn Sie nur die Frage interessiert wieviel man im Fasten Abnehmen kann, dann schauen Sie mal im Heilfasten Forum rein, denn dort habe ich die Frage beantwortet: Mit wie viel Gewichtsverlust kann man beim Abnehmen rechnen?

Echtes Fasten ist etwas anderes als einfach mal nichts mehr zu essen. Wer nur hungert, quält lediglich seinen Körper und seine Seele. Ein Fasten-Programm ist eingebettet in die Idee und vor allem die Praxis einer besseren, achtsamen Lebensführung.

Ich betrachte das Heilfasten vor allem als Hilfe zur Selbsthilfe. Manche Kollegen bezeichnen Heilfasten auch als die „Operation ohne Messer“. Es hilft Ihrem Körper, sich von Giftstoffen zu befreien und bietet damit ein großes Plus für Ihre Gesundheit.

Manche „Experten“ meinen zwar, dass mit dem Entgiften oder dem Entschlacken sei Unfug bzw. Humbug, aber in meinen Beiträgen:

gehe ich genauer auf die Zusammenhänge ein.

In diesem Beitrag möchte ich mich auf das Thema Heilfasten und Abnehmen beschränken.

Wenn Sie also abnehmen wollen, rate ich dazu den Vorsatz in den Vordergrund zu stellen, Ernährung und Lebensweise dauerhaft und gesünder zu verändern. Und zu dieser Veränderung ist das Fasten wirklich hervorragend geeignet. Es kann den perfekten Startpunkt zu veränderten Lebensweisen setzen. Zu den „Kritikern“ komme ich weiter unten im Beitrag noch. Zunächst bleiben wir einmal beim Fasten.

In der Anfangsphase des Fastens verliert man zwar täglich bis zu einem Kilogramm Gewicht. Bei diesem Gewicht handelt es sich aber vor allem um Wasser, das im Gewebe eingelagert oder gebunden war. Auf diesem Effekt beruhen ja auch die ganzen „Turbo-Diäten“ und „Blitz-Diäten„, die Sie in fast jeder Frauenzeitschrift finden.

Das Abnehmen von Fett durch das Fasten wird oft überschätzt, meist beträgt dies maximal ein halbes Kilo pro Tag.

Leichter wird man das Fett durch mäßige Bewegung und durch regelmäßigen Sport los. Aber es ist auch klar: die Kalorienbilanz muss (eigentlich) negativ sein!

Seien Sie nicht frustriert, wenn Sie während des Fastens einige Tage nichts abnehmen. Machen Sie sich nicht durch die Waage verrückt. Meine Fastenteilnehmer haben auch generell „Wiegeverbot“. Sie wollen und sollen sich ja auch etwas besinnen – und sich nicht zum Sklaven der Waage machen. Später kann man die Sache „nüchterner“ angehen und nach dem Fasten mit dem Wiegen beginnen und gleichzeitig dokumentieren was man isst. Wie man das machen kann, bespreche ich ausführlich in meiner Online-Sprechstunde: Video Online Sprechstunde „Abnehmen, Training und Ernährung“ mit René Gräber.

Während der Fastenkur kann das Gewicht auch mehrere Tage lang gleich bleiben, was wiederum vor allem mit Schwankungen im Mineralhaushalt zu tun hat.

Wie viel Gewicht man beim Fasten tatsächlich abnehmen kann, zeigt sich erst am Übergang zu den Aufbautagen, denn dann hat sich der Stoffwechsel wieder dauerhaft umgestellt. Und jetzt kommt es auf die Veränderungen an, die Sie in Ihr Leben integrieren. Wenn Sie wieder genauso essen und leben wie vor dem Fasten, werden Sie gar nichts abnehmen, im Gegenteil.

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Mein Rat: Wenn Sie nur Fasten oder Heilfasten zum Abnehmen möchten – dann lassen Sie es bitte.

In diesem Fall wäre Fasten nur eine „Null-Diät“. Und dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Sie nach dem Fasten (wieder) mehr zunehmen, als Sie abgenommen haben. Das nennt man übrigens Jo-Jo-Effekt. Besser wäre es in diesem Fall „Nur“ die Bewegung zu erhöhen (mehr Schritte gehen pro Tag) und eine leicht negative Kalorienbilanz zu haben.

Zurück zum Thema: Fasten und Abnehmen

Von diesen Null-Diäten der 1970er Jahre rückten die Therapeuten schnell wieder ab, denn die Patienten lagen nur still im Bett während sie hungernd auf das Abschmelzen ihres Körperfettes warteten. Sie hatten nicht gelernt, ihr Gewicht zu halten. Keine Psychologen unterstützten sie dabei, die Ursache der Esssucht zu finden und daraus Konsequenzen für ein dauerhaft verändertes Leben zu ziehen.

Kein Physiotherapeut „aktivierte“ sie zu sportlicher Betätigung und kein Arzt kümmerte sich um die Darmsanierung. Niemand begleitete eine kontrollierte Wiederaufnahme der Nahrungszufuhr. Natürlich lebten die Patienten nach der Null-Diät weiter wie vorher auch und natürlich nahmen sie wieder zu. Wegen dieser Misserfolge entwickelten Ernährungswissenschaftler die Liquid-Protein-Diät, die sich als geradezu fatal erwies. Während der ambulant durchgeführten Therapie kam es sogar zu Todesfällen durch Herzversagen. Moderne Adipositas-Therapien berücksichtigen alle Aspekte des Abnehmens und beinhalten eine sachgerechte Nachsorge. Diät-Assistenten stellen kalorienarme Mahlzeiten zusammen, Ärzte überwachen die Stoffwechsel-Parameter, Physiotherapeuten leiten zu mehr Bewegung an, Psychologen erarbeiten zusammen mit dem Patienten neue Lebens-Strategien.

Die Gesundheit sollte im Vordergrund stehen

Ähnlich steht beim Fasten der Gedanke der Gesundheit im Vordergrund. So ist es möglich auch dauerhaft und erfolgreich abzunehmen, wie eine Studie im Zusammenhang mit Fasten zeigte.

Denn das Fasten zeigt uns, dass wir auch ohne unsere vielen kleinen Süchte leben können, dass unser Glück nichts mit Rotwein und Schinken, Schokolade und Eis zu tun hat.

Die Anfänge des Fastens gründen ja auch nicht auf Banalitäten, sondern hatten ganz andere Motive. Die Jahrtausende alten Traditionen haben spirituelle Beweggründe und in der Ausübung soziale Aspekte (siehe auch: Geschichte des Heilfastens). Die Menschen teilten religiöse Glaubensvorstellungen und erlebten die Fastenzeit in der Gemeinschaft. Der vollständige oder teilweise Nahrungsverzicht war keine Selbstkasteiung, sondern ein positives Erlebnis und wurde teils sogar als Lust, ja sogar als Befreiung empfunden.

Als die Ärzte das Fasten entdeckten

Als in Mitteleuropa das traditionelle, religiöse Fasten an Bedeutung verlor, griffen Ärzte mit naturheilkundlicher Ausrichtung die Fasten-Idee auf. In dieser Zeit entstand das Heilfasten als Begriff und Methode, fest verbunden mit den Namen der Gründerväter Otto Buchinger und Franz-Xaver Mayr. Ihnen war der psychosomatische Aspekt wichtig, sie versuchten Körper und Seele in Einklang zu bringen. Deswegen bestand und besteht das Heilfasten nicht nur aus einer sinnvollen Kalorienreduktion, sondern auch aus innerer Einkehr, Ruhe und Sport sowie der Darmeinigung. All das dient nicht in erster Linie der akuten Gewichtsabnahme. Vielmehr ist es eine vorsorgliche Maßnahme zur Gesunderhaltung. So wird, wie heute durch Studien bekannt ist, das Immun-System durch Heilfasten gestärkt, wodurch sich beispielsweise eine Polyarthritis bessern kann.

Nicht nur Abnehmen – sondern das Gewicht auch halten!

Herz, Kreislauf und die Sauerstoffversorgung werden gefördert, wodurch das Wohlbefinden gesteigert wird. Das erhöht auch die Motivation, das “Neue Leben“ dauerhaft beizubehalten. Belegt ist das durch Statistiken aus Kliniken, die das Konzept des Heilfastens professionell durchführen. Über 70 % der Patienten haben nach 2 Jahren noch das gleiche Körpergewicht wie bei der Entlassung. Die Erfolgsquote ist deutlich höher, wenn die Patienten in der Nachsorge noch weiter betreut werden. Eine eventuelle Wiederzunahme war meistens nicht in starkem Maße ausgeprägt. Diese Erfolge sind auch kennzeichnend für die Methode des wiederholten Fastens. Das Gleiche gilt für Konzepte, die in Anlehnung an das traditionelle Fasten religiöse Exerzitien mit einbeziehen. Sehr beliebt sind hier Fastenwanderungen entlang religiöser Zentren.

Ziel: Alte Gewohnheiten durchbrechen

Das Heilfasten unterbricht den Alltag und durchbricht das Schema des angewöhnten Verhaltens und öffnet die Sinne für wichtige seelische Bedürfnisse. So erreicht der Verhaltenstherapeut den Patienten besser und das Hungergefühl kann ersetzt werden durch das Wahrnehmen und Ausleben weiterführender Lebensbereiche. Verschüttete Konflikte kommen zum Vorschein und können besser bearbeitet werden. Das stärkt und motiviert den Patienten, den eingeschlagenen Weg der Lebensumstellung beizubehalten. In der Gruppe erhalten alle Beteiligten gegenseitige Bestätigung.

Gleichzeitig werden durch das Fasten die Geschmacksnerven wieder sensibilisiert. Jetzt schmeckt auch ein Apfel so viel besser, als ein pappig süßes Stück Sahnetorte. Deshalb ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, den Körper gar nicht erst wieder an all das Ungesunde und Dickmachende zu gewöhnen.

Zeit zum Nachdenken

Doch noch etwas macht das Fasten zu einem perfekten Start für eine Ernährungsumstellung: Wenn Sie alles optimal gestaltet haben haben, haben Sie sich während des Fastens auch Zeit genommen, sich gedanklich und emotional mit Ihrem Lebensstil zu befassen.

Und ganz sicher haben Sie vor und während des Fastens über Ihre Essgewohnheiten nachgedacht. Bei vielen Fastenden wächst das Gefühl: „Jetzt habe ich so viel getan, dass mein Körper Gifte ausscheiden kann, jetzt will ich ihm nicht gleich wieder welche zumuten.“ Über die Sache mit der „Entgiftung“ habe ich übrigens ausführlicher im Beitrag: Entgiftung – Wie Sie mit einer Entgiftungskur richtig entgiften geschrieben.

Wie sehr das Fasten zu einer mentalen Umschaltung führt, merkt der Fastende oder die Fastende schon an kleinen Wahrnehmungsänderungen.

Kommen wir als Nächstes einmal zu den „Kritikern“ bezüglich Heilfasten und Abnehmen. Diese finden sich oftmals und Ernährungswissenschaftlern…

Abnehmen taugt zum Fasten nicht

Die Ernährungswissenschaft ist die Wissenschaft von „rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“. Am Beispiel einer Veröffentlichung in der Frankfurter Neuen Presse möchte ich Ihnen mal ein Beispiel dieser „rein-raus Kartoffelwissenschaft“ geben.

Eine Ökotrophologin (Ernährungswissenschaftlerin) gab der Frankfurter Neuen Presse ein Interview (fnp.de/lokales/frankfurt/Zum-Abnehmen-taugt-Fasten-nicht;art675,1269061) über das Thema „Fasten taugt nicht zum Abnehmen“. Herausgekommen ist jedoch, dass das Abnehmen nicht zum Fasten taugt.

Diese Aussage verwirrt Sie? Keine Sorge, mich auch, so wie das gesamte Interview…

Die Ernährungswissenschaftlerin Heike Plotz gibt uns gleich zu Beginn den entscheidenden Tipp:

Religiöses Fasten ist Verzicht auf „Genussmittel wie Alkohol, Nikotin und Süßes und vielleicht Fleisch. Warum „vielleicht“?

Ist man sich in der Ernährungswissenschaft noch unsicher, ob Fleisch vielleicht ein Genussmittel und damit ungesund ist? Dann kommt das „therapeutische Fasten“ an die Reihe.

Denn das ist völlig anders: „ Dort wird die Kalorienzufuhr ganz niedrig gehalten und in der Regel nur Flüssigkeiten wie Gemüseschorlen, Tees und Gemüsebrühen getrunken. Deswegen ist das religiöse Fasten mehr eine gesunde Ernährungsumstellung als medizinisches Fasten.

Man darf festhalten: Religiöses Fasten ist kein Alkohol, Nikotin und Süßes und kein Fleisch, vielleicht, und definiert in der Ernährungswissenschaft eine gesunde Ernährungsumstellung, während therapeutisches Fasten mit Gesundheit nichts zu tun haben kann. Denn hier wird nicht auf Genussmittel verzichtet, sondern nur Tees und anderer Quark und auch sonst wenig Kalorien zu sich genommen.

Da therapeutisches Fasten nicht dauerhaft durchgeführt werden kann, kann es sich auch nicht um eine gesunde Veranstaltung handeln, so die Logik der „rein-raus Kartoffelwissenschaft“.

Außerdem erfahren wir weiter, dass religiöses Fasten einen unschlagbaren Vorteil gegenüber seiner Konkurrenz hat:

Beim religiösen Fasten hingegen ist die Gewichtsabnahme recht gering, da man 40 Tage lang wirklich nur auf ein paar Dinge verzichtet. So treten aber auch keine Mangelerscheinungen auf.

Gerade die Mangelerscheinungen beim therapeutischen Fasten haben ja bekanntlich die Friedhöfe mit Toten und Untoten nahezu überschwemmt: Die Friedhöfe sind voll von Fastentoten.

Der „rein-raus Kartoffeleffekt“ wird noch verstärkt durch die Erkenntnis, dass zu Beginn das religiöse Fasten eine gesunde Ernährungsumstellung sein soll, im nächsten Abschnitt aber nichts anderes ist, als der Verzicht „auf ein paar Dinge“, weshalb es keine Mangelerscheinungen geben soll. Oder mit anderen Worten: Für die Ernährungswissenschaft ist eine gesunde Ernährungsumstellung der Verzicht auf ein paar Dinge. Die Präzision der ernährungswissenschaftlichen Erkenntnis ist nahezu berauschend.

Die Erkenntnis muss so berauschend gewesen sein, dass von nun an alles wie im Traum erscheint. Denn man weiß zu berichten, dass religiöses Fasten deshalb nicht zu Mangelerscheinungen führt, weil: „Beim religiösen Fasten nicht, denn es basiert ja auf den Prinzipien der gesunden Ernährung. Zudem kann das jeder handhaben wie er mag, die meisten Menschen lassen Süßigkeiten, Alkohol und Fleisch weg“.

Richtig, eine gesunde Ernährung ist immer dann, wenn Süßigkeiten, Alkohol und Fleisch weggelassen werden (was ist mit dem Nikotin, ist der plötzlich gesund geworden?).

Alles andere ist vollkommen gesund und unbedenklich und sollte elementarer Bestandteil unserer gesunden Ernährung sein, wie Konservierungsstoffe, künstliche Aromen, Aspartam und andere Süßstoffe (oder zählen die zu den Süßigkeiten?), Glutamat und Geschmacksverstärker, und die vielen anderen Chemikalien, die sich seit Jahren in unserer Plastiknahrung breit gemacht haben. Denn bei einem therapeutischen Fasten würden all diese Dinge weitestgehend fortfallen. Und das ist gesundheitlich natürlich sehr bedenklich, oder?

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Jetzt aber! Der Schwenk der „Ernährungsexpertin“!

Dann kommt der Schwenk, das „rein in die Kartoffeln“: Wo vorher Fleisch als Genussmittel beim religiösen Fasten (vielleicht) fortgelassen wurde und somit der Verzicht als gesund erachtet wurde, ist jetzt auf einmal der Verzicht auf Fleisch ungesund.

Denn: „Wenn man längere Zeit auf Fleisch verzichtet, kann es zu einem Eisenmangel kommen.“ Also: Wenn man eine „gesunde Ernährung“, zu der der Verzicht auf (vielleicht) Fleisch zählt, als Umstellung betreibt, dann bekommt man ungesunden Eisenmangel. Ich sagte es ja bereits: rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Dieser Kartoffeleffekt findet seine Fortsetzung bei der Frage, ob man denn nicht den Eisenmangel mit Grünzeugs ausgleichen kann.

Anmerkung: So langsam frage ich mich, wo das Thema Abnehmen und Fasten eigentlich geblieben ist? Aber so ist es sehr häufig: Viele Aspekte in einen Topf werfen, umrühren und irgendwas wieder rausfischen. An dieser Stelle will ich aber auch erwähnen, dass der Beitrag in der Frankfurter Neuen Presse ein Interview ist, wo man ja nur auf die Fragen antwortet. Allerdings sind zahlreiche Fachartikel zum Thema ganz ähnlich aufgebaut…

Aber zurück zu diesem Interview. Vielleicht erfahren wir noch etwas zum Abnehmen durch Fasten? Noch sind wir allerdings beim Fleisch und der Sache mit dem Eisen…

Hier muss dann auch eine Erfindung her, die den ungesunden-gesunden Fleischkonsum rechtfertigen hilft: Angeblich gibt es „pflanzliches Eisen“. Sehr wahrscheinlich handelt es sich hier um grünes Eisen, wo menschliches und tierisches Eisen mehr nach Rost aussieht. So viel ich aber weiß, ist das Eisen in Pflanzen und Menschen ein und dasselbe Eisen. Worüber wir uns aber keine Gedanken machen müssen, ist die Tatsache, dass Fleisch nur sehr wenig Eisen enthält und damit ein Fleischverzicht wohl kaum zu einem Eisenmangel führen kann. Vielmehr könnte die Annahme, dass Fleisch ein guter Eisenlieferant sei, zu dem befürchteten Mangel führen, also genau umgekehrt.

Aber wir sind ja in der „rein-raus Kartoffelwissenschaft“. Laut Wikipedia sollen Milch und Milchprodukte, und nicht nur Tee und Kaffee, die Resorption von Eisen hemmen. Verstehe ich jetzt nicht, wo doch Milch so gesund sein soll? Naja… anderes Thema…

Und warum sind jetzt auf einmal Tee und Kaffee nicht mehr so gesund, wo sie doch keine Genussmittel sind und bei religiösen Fasten nicht vermieden werden?

Die Expertin bleibt uns die Antwort schuldig, empfiehlt aber wieder ein Ding der Unmöglichkeit als gesunde Alternative: Orangensaft. Da bleibt mir doch die Spuke weg. Orangensaft statt therapeutischem Fasten, das ist der ultimative Kartoffeleffekt der Ernährungswissenschaft!

Warum O-Saft viel gesünder als therapeutisches Fasten sein muss, habe ich in den Beiträgen: Der quasi gesunde Orangensaft und Einen Orangensaft ohne Orange und ohne Saft, bitte beschrieben.

Das Unvermeidliche: Schlacken!

Danach kommt im Interview das Unvermeidbare: Schlacken! Darauf bin ich ja ganz oben im Beitrag kurz eingegangen. Aber auch in Beiträgen wie Die Macke mit der Schlacke habe ich dazu Stellung genommen.

Unsere Ernährungswissenschaftlerin behauptet allerdings: Schlacken gibt es nicht.

Ich möchte mich hier nicht weiter mit Sachen aufhalten, die es nicht gibt. Nur soviel, dass es nicht nur keine Schlacken gibt, sondern auch „Dass der Körper Giftstoffe ausscheidet, halte ich für eine Fehlinformation.

Jetzt schlägt´s aber 13. Diese Aussage ist in Sachen Abenteuerlichkeit kaum noch zu übertreffen. Wo steckt er denn die Giftstoffe hin, wenn er sie nicht ausscheidet? Oder gibt es auch keine Giftstoffe? Wozu hat er dann eine Leber und gleich zwei Nieren? Ich weiß es: Der liebe Gott hat uns diese Organe gegeben, weil er von Ernährungswissenschaft keine Ahnung hat oder er gerne möchte, dass wir mit diesen unnützen Organen nieren- oder leberkrank werden. Es könnte aber auch sein, dass die Giftstoffe im Gehirn eingelagert anstatt ausgeschieden werden. Vielleicht sind Ernährungswissenschaftler besonders stark von diesem Effekt betroffen?

Dieser letzte Eindruck verstärkt sich im Laufe des Interviews, der Räuberin von Fleisch, Eisen und Nährstoffen beim therapeutischen Fasten. Denn sie verkündet, das Fasten „ist typabhängig und muss sehr individuell gesehen werden. Nicht jede Fastenkur passt zu jedem Menschen.“ Vollkommen richtig, man muss hier sehr individuell vorgehen. Im Gegensatz dazu darf man auch in der Ernährungswissenschaft Statine vollkommen unindividuell und gießkannenartig einsetzen, ohne Rücksicht auf Krankheitsbild, Familiengeschichte und andere Faktoren – Hauptsache der Cholesterinspiegel liegt nicht unter 200. Auch wenn er unter 200 liegen sollte, wäre es besser, dass alle rein prophylaktisch ein Statin bekommen, denn man weiß ja nie… Verzeihung, ich schweife schon wieder vom Thema ab…

Aber lieber einen Sack voll Statine einnehmen als Fasten – dies verhindert Mangelerscheinungen, vor allem in den Kassen der Pharmaindustrie. Tut mir leid, aber diese kurze Spitze musste noch sein.

Das Interview geht indes munter weiter. Aber ich muss sagen, dass mir dieser ewige „rein-raus Kartoffeleffekt“ langsam auf die Nerven geht. Denn Frau Plotz (die Ökotrophologin), will keine krebskranken Patienten und Patienten mit chronischen Erkrankungen fasten lassen. Vorher hatte sie noch das religiöse Fasten als eine „gesunde Ernährungsumstellung“ gefeiert. Wenn dem so wäre, würden dann nicht gerade diese Patienten von einer „gesunden Ernährungsumstellung“ profitieren? Schon wieder ein „rein-raus“ – das wird langsam ermüdend. Was Fasten gegen Krebs zum Beispiel ausrichten kann, ganz gegen die Erwartungen der Kartoffelwissenschaftler, das können Sie hier nachlesen: Fasten gegen Krebs und Fasten bei Krebs – Erstaunliche Erkenntnisse.

Tja. So kommt man vom Abnehmen zu Krebs. Ernährungswissenschaft ist eine tolle Sache. Und bitte: schicken Sie keine E-Mails, ich würde mich hier ungerechtfertigt „lustig machen“ über Ernährungswissenschaften usw. Ich beziehe mich hier nur auf das Interview und den „bunten Brei“ aus oben erwähntem Topf, der mir hier wie eine schmierige Sosse über den Kopf gekippt werden soll.

Und:

Wir sind noch nicht am ENDE…

Zum schlappmachenden Schluss noch mal „rein in die Kartoffeln“: Frau Ökotrophologin will chronischen Kranken kein Fasten zumuten. Dann aber auf einmal doch. Denn auf die Frage, ob es Erkrankungen gibt, die durch das Fasten positiv beeinflusst werden, sagt sie: „Ja, manche Erkrankungen bessern sich. Wie rheumatoide Erkrankungen, aber auch Blutzuckereinstellungen, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck oder Neurodermitis-Patienten profitieren davon“. Äh… handelt es sich bei gerade aufgezählten Erkrankungen nicht auch um chronische Leiden? Ich möchte den Patienten sehen, der sich mit einem Bluthochdruck infiziert hat…

Danach kommt der lustige Hinweis: „Als sinnvoll erachte ich das Fasten dann aber nur, wenn die Patienten danach auch ihre Ernährung umstellen.“ Aber ich dachte Fasten ist schon die „gesunde Ernährungsumstellung“? Jetzt nochmals eine Ernährungsumstellung nach der Ernährungsumstellung? Jetzt begreifen Sie vielleicht, warum dieses Gewirr an Ideen und Vorstellungen so ermüdend ist. Dass Fasten kein Dauerzustand ist und eine gesunde Ernährung als Dauerlösung anzustreben ist, dazu brauche ich keine Raketenwissenschaft zu studieren. Da fragt man sich unwillkürlich, was die Ernährungswissenschaft eigentlich will?

Wenn dann noch Argumente kommen, die alles andere als schlecht für das Fasten ausfallen, dann ist man als aufmerksamer Leser vollkommen überfordert: „Der Energiebedarf und die Blutfette sinken, das Herz schlägt langsamer, der Blutdruck sinkt und viele Menschen frieren schnell, wenn sie ihre Kalorienzufuhr drosseln. Oft leiden sie unter Kopfschmerzen, sind schlapp und haben schlechte Laune. Nach ein paar Tagen kommt es zu einer Hochstimmung, die auch süchtig macht. Viele Menschen haben danach Schwierigkeiten, wieder herunterzukommen, weil es ihnen tatsächlich besser geht.“ Es geht ihnen also besser, obwohl sie Mangelerscheinungen haben müssen, sollten, könnten, vielleicht? Gibt es wissenschaftliche Arbeiten, die belegen, dass Mangelerscheinungen zu physiologisch günstigen Erscheinungen führen, wie Normalisierung von Blutdruck, Blutfetten, mentalem Status etc.? Ob Fasten süchtig macht, nur weil es eine Hochstimmung geben kann, halte ich für eine gewagte Behauptung. Denn dann müsste Fasten unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Fällt es aber nicht.

Aber damit nicht genug. Die unfreiwillige Lobhudelei geht munter weiter: „Viele Menschen fühlen sich befreiter, leistungsstärker und kommen schneller zur Ruhe. Deswegen werden Fastenkuren auch oft im Kloster angeboten. Um abzuschalten, zur Ruhe zu kommen und die Seele baumeln zu lassen.

Bei so viel Lob fürs Fasten würde ich auch nicht mehr fasten wollen, oder? Und abnehmen auch nicht.

Fazit

Rein in die Kartoffeln – raus aus den Kartoffeln. Fasten ist eine angebliche Mangelerscheinung, welches religiös motiviert ist und süchtig macht, aber befreit und den Blutdruck senkt. Ich glaub, ich geh mal kurz fasten. Denn dieses Interview hat meinen Blutdruck an den Rand des Messbaren gebracht.

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Dieser Beitrag wurde im Jahr 2020 erstellt und letztmalig am 4.8.2025 aktualisiert.

Wenn alte Stammesweisheiten plötzlich in Glanzbroschüren westlicher Wellnesskliniken auftauchen, werde ich hellhörig. Spätestens dann, wenn es sich dabei um eine „geheime hawaiianische Darmreinigung“ handeln soll – inklusive schamanischer Lizenz, intuitiver Kräuterformel und Grapefruitsaft als Blutzuckerbremse. Klingt exotisch, verkauft sich gut – ist aber physiologisch gesehen ein ziemliches Durcheinander.

Ich arbeite seit über 25 Jahren mit Fastenden, Patienten mit Reizdarm, Darmsanierungen und Detox-Protokollen. Wenn also irgendwo von „gummiartigem Kot an der Darmwand“ oder „Verstopfung der Seele durch Schlacken“ die Rede ist, schlage ich nicht die Hände über dem Kopf zusammen – ich prüfe, was wirklich dran ist. In diesem Beitrag schauen wir uns die hawaiianische Darmreinigung nüchtern an: Was ist Mythos? Was ist Marketing? Und was kann tatsächlich entlastend wirken?

Spoiler: Die Flohsamenschalen sind das Beste an der ganzen Kur.

Geschichtliches zur Hawaiianischen Darmreinigung

Die Ursprünge dieser sogenannten „hawaiianischen Darmreinigung“ führen – folgt man der gängigen Erzählung – zu einer gewissen Aunty Margaret Machado. Sie sei in jungen Jahren von ihrem schamanischen Großvater auserwählt und gesegnet worden, die spirituelle Kunst des Ho‘oponopono weiterzugeben – einer traditionellen Form der mentalen Reinigung durch Gespräch, Gebet und Vergebung.

So weit, so spirituell. Tatsächlich war Margaret Machado (1916–2009) die erste offiziell lizenzierte Lehrerin für Lomi Lomi, eine traditionelle Form der hawaiianischen Körperarbeit. Ihre Behandlungen verbanden Massage, Gebet, Atem und Intuition – und machten sie weltweit bekannt. Aber: Weder ist sie die „Erfinderin“ einer Darmreinigung, noch existieren ethnologische Belege dafür, dass die Ureinwohner Hawaiis eine spezifische Fasten- oder Darmkur entwickelt hätten.

Auch Ho‘oponopono selbst ist kein Reinigungsritual für den Körper, sondern ein soziales Verfahren zur Lösung innerfamiliärer Konflikte – mit dem Darm hat das nichts zu tun. Die spirituelle Kraft dieser Methode steht außer Frage, doch ihre instrumentalisierte Verknüpfung mit Detox-Kuren ist eine moderne Konstruktion – vorrangig marketinggetrieben.

Soweit ich das einschätzen kann – wenn ich den Quellen glauben darf, denn ich war selbst nie dort – handelt es sich hier um ein Konstrukt aus ein paar echten Elementen der hawaiianischen Kultur, viel Hollywood-Folklore und noch mehr Verkaufsinteresse. Die Vorstellung einer „geheimen Kräuterformel“ aus dem Urwald, überliefert von einer spirituell begabten Kahuna-Heilerin und nur in lizensierten Kliniken erhältlich, klingt eher nach Drehbuch als nach überlieferter Heilkunst.

Es fällt schwer, zur sogenannten hawaiianischen Darmreinigung ernsthaft pathophysiologische Grundlagen zu liefern – schlicht, weil keine vorliegen. Zumindest keine, die in irgendeiner Form wissenschaftlich nachvollziehbar wären. Die Anbieter berufen sich meist auf spirituelle Intuition, energetische Disharmonien und eine geheimnisvolle „gummiartige Substanz“ im Darm, die angeblich alles blockiert – Nährstoffe, Energie, Lebensfreude.

Man könnte meinen, Hollywood habe hier nicht nur den Stoff für eine Detox-Kur erfunden, sondern gleich das passende Drehbuch dazu.

Soweit ich das einschätzen kann – wenn ich den überlieferten Geschichten glauben darf, denn ich war ja nie auf Hawaii – stammt das Ganze aus der Kombination von Ho’oponopono-Romantik, salziger Esoterik und ein bisschen amerikanischem Geschäftssinn. Und irgendwie ist dann am Ende eine „Darmreinigung“ herausgekommen, die mit Heilerde, Grapefruitsaft und einer Fastenkur angereichert wurde – als wäre das ein hawaiianisches Nationalheiligtum.

Pathophysiologisch wird die Sache spätestens dann haarig, wenn behauptet wird, der Mensch sei durch seine Ernährung innerlich verschleimt und ausgekleidet mit einer zähen, kotartigen Schicht, die der Darm nicht mehr loswird. Ursache sollen schleimbildende Lebensmittel wie Fleisch, Zucker, Milchprodukte und – Achtung – auch Sojaprodukte und Getreide sein. Da hat sich offenbar jemand durch das Internet gefastet und alles aufgeschrieben, was je auf irgendeiner Verbotsliste stand.

Die Bauchspeicheldrüse sei damit überfordert, heißt es. Sie könne den Schleim nicht mehr ausspülen, der sich dann schichtweise im Darm verfestige. Das Bild erinnert an eine verkalkte Waschmaschine mit zu wenig Enthärter. Nur: Der menschliche Darm funktioniert nicht wie ein Abflussrohr. Wenn dort etwas verfestigt wäre, hätte der Betroffene nicht nur ein Resorptionsproblem, sondern längst einen Notarzt gesehen.

Was aber tatsächlich stimmt: Unsere westliche Ernährung ist ballaststoffarm, überzuckert und vielfach hochverarbeitet. Und ja – das wirkt sich auf die Schleimhaut des Darms aus. Die nützlichen Darmbakterien, die eigentlich mit pflanzlichen Faserstoffen versorgt werden wollen, fangen dann irgendwann an, die eigene Schleimschicht zu „verdauen“. Das führt zu einer dünneren Schutzbarriere, mehr Entzündung und einer durchlässigeren Darmschleimhaut. Aber eben nicht zu einer Schicht aus Gummikot, wie es manche Webseiten suggerieren.

Fun Fact am Rande: Wenn es im Darm tatsächlich diese ominösen „gummiartigen“ Placken gäbe, wie man sie in Detox-Werbung so gerne abbildet – dann müsste man sie bei jeder Koloskopie sehen. Fragt man Gastroenterologen danach, erntet man meist irritiertes Kopfschütteln. Noch kein Endoskop hat je diesen „Kotpanzer“ dokumentieren können.

Klarstellung: Natürlich gibt es im Darm Reste, Rückstände und auch krankhafte Veränderungen, die sich bei Untersuchungen zeigen – etwa sogenannte Kotsteine (Koprolithen), also eingetrocknete Stuhlmassen, die sich in Divertikeln oder Verengungen festsetzen können. Auch Darmausstülpungen (Divertikel) sind ein weitverbreitetes Phänomen, vor allem im Dickdarm älterer Menschen – oft Folge chronischer Obstipation, ballaststoffarmer Ernährung oder gestörter Darmmotilität.

Das hat aber mit den wild illustrierten „Placken“ der Detox-Industrie nur wenig zu tun. Denn was dort meist als „ausgeschiedener Biofilm“ angepriesen wird, ist in vielen Fällen nichts anderes als das Ergebnis von Flohsamenschalen, Heilerde und Gleitmitteln – also das Produkt der Kur, nicht ihrer Reinigung.

Oder anders gesagt: Der „Darmgummi“ entsteht erst durch das, was vorher getrunken wurde.

Dass Menschen trotz Übergewicht angeblich „verhungern“, weil der Darm nichts mehr aufnehmen könne, gehört ebenfalls ins Reich der Fantasienahrung. Natürlich ist Übergewicht ein Ausdruck von Fehlernährung – aber sicher kein Hinweis auf Mangelresorption. Im Gegenteil: Die meisten nehmen zu viel auf. Dass der Körper „nach mehr verlangt“ liegt nicht an einem Schleimfilm, sondern an gestörtem Insulinhaushalt, falscher Mikrobiota, Belohnungssystemen im Gehirn und – ja – auch an chronischem Stress.

Kurzum: Die Grundannahmen dieser sogenannten Reinigung sind entweder missverstanden, stark vereinfacht oder frei erfunden. Was übrig bleibt, sind ein paar gute Zutaten: Flohsamenschalen, moderate Bewegung, ein paar Fastentage und bewusste Ernährung. Damit kommt man weiter als mit jeder tropischen Legende.

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Wie reinigt Hawaii den Darm?

Nachdem der alternativ-medizinische Unterbau ideologisch-gummiartige Erklärungen mit Rissen aufzuweisen hat, dürfen wir gespannt sein, wie die Praxis aussieht, die auf diesem Fundament thront.

Wir wissen ja schon, dass es sich bei der Kräutermischung um eine Geheimrezeptur handelt. Das ist schon mal gut. Da muss man also zum Anbieter oder in die Klinik laufen und das Zeugs kaufen, weil man es sich nicht selber zusammen schustern kann.

Unglücklicherweise gibt es Quellen, die das Geheimnis nicht für sich behalten können und die von einem Einsatz von Grapefruitsaft, Flohsamenschalen und Bentonit sprechen.

Aber angeblich sollen es mehrere Kräuter und nicht nur Flohsamenschalen sein – ein Umstand, zu dessen Klärung ich keine Quellen habe finden können. Also bleibt doch vielleicht ein bisschen Geheimnis zurück bei der intuitiven Rezeptur der Kräuter.

Morgens trinkt der angehende Hawaiianer während seiner Kur Salzwasser. Danach trinkt er normal weiter normales Wasser. Nachmittags und abends trinkt er dann dreimal die erwähnte Kräutermischung mit dem Fruchtsaft.

Der Zucker in dem Fruchtsaft (Fruktose!) soll dann angeblich vor einer Unterzuckerung schützen, denn die Hawaiianische Darmreinigung ist nicht nur eine Darmreinigung, sondern auch eine Fastenkur. Dies stellt sich spätestens hier heraus.

Dass aber Fruktose ausgerechnet vor einer Hypoglykämie schützen soll, ist ein Fauxpas, der mir zeigt, dass die Pathophysiologie aus Hawaii intuitiv an das alternative Marketingkonzept der Umsatzbildung angepasst worden ist. Oder ist man hier wirklich so einfältig zu glauben, dass Fruchtzucker gesund ist, weil er ja aus Früchten kommt? Denn dass der Fruchtzucker das genaue Gegenteil von dem ist, was viele „Naturjünger“ glauben, habe ich in dem Artikel Fruchtzucker und Fruktose – alles andere als gesund eingehend beschrieben.

Ob der Grapefruitsaft jetzt in dieser spezifischen Situation eine schädigende Wirkung über seine Fruktose entfaltet, das wage ich zu bezweifeln. Aber er wird auch keine Hypoglykämien verhindern können. Und so wie der akademische Unterbau in Sachen Pathophysiologie falsch erklärt wird, nimmt diese Fehlerhaftigkeit seinen Lauf weiter in der Praxis dieser Behandlungsmethode.

Auch die Gabe von Salzwasser leuchtet mir auf den zweiten Blick nicht mehr ein. Es soll aufgrund seines Salzgehalts Wasser aus dem Körperinneren zurück in den Darm fließen lassen, damit der Wasserfluss den „Gummi-Kot“ von den Darmwänden spült. Aber das Wasser im Körper ist selbst kein reines Wasser, sondern eine Salzwasserlösung. Weiter steht auch der Beweis aus, dass bei einer hypertonen Salzwasserlösung der Rückfluss von Wasser in den Darm einen solchen Druck auf die Kotablagerungen ausüben kann, dass diese von der Wandung abgespült werden. Und die Frage, ob es diese Ablagerungen in dieser Form und Intensität überhaupt gibt, bliebe auch noch zu klären.

Wenn die Pathophysiologie versagt, dann ist der Geist an der Reihe

Da der Darm ja eng mit dem zentralen Nervensystem verbunden ist und eine Art „zweites Gehirn“ (Bauchhirn) darstellt, kommt der Darmreinigung eine besondere Note zu. Denn die physische Reinigung bringt angeblich auch alte, ungelöste psychische Themen in Wallung.

Ich weiß nicht, ob in der Psyche auch gummiartige Ablagerungen vorkommen. Aber auf jeden Fall erlöst die Hawaiianische Darmreinigung uns nicht nur vom Mist im Bauch, sondern auch vom Mist im Hirn. Nach der Anwendung ist man befreit, entspannt, emotional erfrischt und so weiter – so die evidenzbornierte Werbung der Hype-Anbieter.

Und auch hier wage ich ein paar Zweifel einzustreuen. Nicht dass solche Reaktionen nicht möglich sind. Nur zu oft habe ich bei meinen Fasten-Patienten ähnliche psychische Veränderungen zum Positiven sehen können – keine Frage. Aber gerade auf psychologischer Ebene gibt es nicht diese in Beton gemeißelten Garantien auf eine befreite Psyche, wie sie hier von den Darmreinigungsanbietern gefeiert werden. Für mich sind diese Ausführung der Darmreinigung fast gleichzusetzen mit einer zuvor durchgeführten Hirnwäsche, die uns all das glauben machen soll, was unwahrscheinlich ist.

Fazit

Die hawaiianische Darmreinigung ist kein überliefertes Heilsystem – sondern eine geschickte Erzählung, angereichert mit spirituellen Elementen, Marketingfantasie und ein paar sinnvollen Zutaten. Die physiologischen Erklärungen sind bestenfalls anekdotisch, oft schlicht falsch. Was bleibt, ist ein Fastenprogramm mit Placebo-Potenzial, einem gewissen Show-Effekt – und Flohsamenschalen.

Ob man das braucht? Nicht zwingend. Wer wirklich etwas für seinen Darm tun will, braucht keine tropische Legende. Sondern Ballaststoffe, Ruhe, echte Fastentage, Bitterstoffe, Bewegung – und den Mut, dem eigenen Bauchgefühl mehr zu trauen als jeder Broschüre mit Goldrand.

Was Sie für Ihre Gesundheit mitnehmen können

  1. Flohsamenschalen wirken – weil sie quellen, binden, regulieren. Nicht wegen eines „hawaiianischen Ursprungs“.
  2. Ballaststoffe sind die beste Darmreinigung – täglich, nicht nur im Wellnessurlaub.
  3. Fasten verändert Körper & Kopf – nicht magisch, sondern biologisch nachvollziehbar.
  4. Es gibt keine gummiartigen Kotpanzer – aber sehr wohl chronische Entzündungen durch falsche Ernährung.
  5. Fruktose ist kein natürlicher Heilstoff – sondern oft ein unterschätzter Krankmacher.
  6. Salzwasser-Kuren sind nicht harmlos – sie können den Elektrolythaushalt durcheinanderbringen.
  7. Vertrauen Sie nicht jeder „Geheimformel“ – echte Heilung braucht keine Mythen.
  8. Der Darm spiegelt unsere Lebensweise – wer ihm Gutes tut, spürt das nicht erst auf dem Klo.

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Dieser Beitrag wurde 2019 erstellt und letztmalig am 2.8.2025 überarbeitet und ergänzt.