Fasten und Gallenprobleme werden seit einiger Zeit häufiger in einem Atemzug genannt.
Die Sorge dahinter ist nachvollziehbar: Wenn über viele Stunden oder sogar Tage keine Nahrung aufgenommen wird, bleibt die Gallenblase länger gefüllt. Die Gallenflüssigkeit wird konzentrierter, Cholesterin kann leichter auskristallisieren, und theoretisch steigt damit das Risiko für Gallensteine.
Ganz so simpel ist die Sache allerdings nicht. Entscheidend ist nicht allein das Fasten, sondern die Ausgangslage: Übergewicht, schnelle Gewichtsabnahme, bestehende Gallensteine, erhöhte Blutfette, Diabetes, sehr fettarme Diäten und eine ohnehin träge Verdauung verändern das Risiko deutlich.
Wer Fasten / Heilfasten sinnvoll anwendet, muss die Galle deshalb nicht fürchten, sollte sie aber auch nicht ignorieren.
In diesem Beitrag geht es darum, wann Fasten die Gallenblase belasten kann, welche Menschen vorsichtiger sein sollten und mit welchen einfachen Maßnahmen sich das Risiko für Gallensteine senken lässt.
Schauen wir aber zunächst auf einige Grundsatzfragen, die ich in einer Reihe von Beiträgen beantwortet habe, die die Vorteile dieser Form des Fastens charakterisieren, aber auch deren Grenzen aufzeigen.
- Heilfasten – Was es ist und was Sie wissen sollten
- Gesund Heilfasten – Über 20 Jahre Praxis-Erfahrung von René Gräber
- Welches ist die Richtige? Fastenkuren, Fastenmethode, Fastenvarianten
- Intervallfasten – Wie eine uralte Naturheilkunde-Regel als Fastenmethode vermarktet wird…
Jetzt gibt es Berichte, dass Intervallfasten Gallenprobleme provozieren könnte. Wie soll das vonstatten gehen? Sind das vielleicht berechtigte Bedenken gegen das Heil- oder Intervallfasten?
Gallenprobleme
Die Gallenblase liegt unterhalb der Leber und ist eng mit ihr verbunden. In ihr wird die Gallenflüssigkeit (Gallensaft) produziert, die für die Verdauung von Fetten notwendig ist. Die Blase ist in der Lage, rund 50-60 ml Gallensekret zu speichern, was immer dann erfolgt, wenn keine Nahrung verdaut werden muss, weil der Besitzer der Galle sich z.B. zum Fasten entschlossen hat.
Als wir noch Jäger und Sammler waren, gab es immer wieder Zeiten, wo Nahrung knapp war. In diesen Zeiten produzierte die Galle ihr Sekret auf Vorrat, um in Zeiten mit ausreichender Nahrung, nach einer erfolgreichen Jagd z.B., genug Gallensekret bereithalten zu können, um die dann aufgenommene Nahrung und deren Fette verdauen zu können.
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Heute sieht die Nahrungsversorgung anders aus. Man kann in der Regel immer dann essen, wenn man Lust dazu hat, was die Gallenblase fast überflüssig macht. Sollte es Probleme mit der Gallenblase geben, dann ist die Schulmedizin schnell bei der Hand, selbige zu entfernen.
Beim Fasten kann es theoretisch vermehrt zu Gallensteinen kommen. Warum? Wie bereits erwähnt wird das Gallensekret immer dann gespeichert, wenn es keine Nahrung zu verdauen gibt. Das führt zu einer Anreicherung und Konzentration des Gallensekrets in der Gallenblase, was wiederum die Bildung von Gallensteinen begünstigt.
Allerdings sind nicht alle Gallensteine gleich. Die häufigste Form der Gallensteine sind Cholesterinsteine, rund 70-75 %, die aufgrund der Konzentration des nicht benötigten Cholesterins beim Fasten konzentrieren und auskristallisieren und so zur Steinbildung führen (können).
Die naturheilkundlichen Therapien habe ich hier beschrieben: Gallensteine – Naturheilkunde & Hausmittel
Denn die schulmedizinische Vorgehensweise hier besteht zu häufig in einer Operation, wo die Steine entfernt werden oder sogar mit den Steinen gleich die Gallenblase herausgenommen wird. Denn wo es keine Gallenblase gibt, da gibt es auch keine Gallenblasensteine. Fall gelöst… wirklich?
Wie dramatisch ist der Einfluss des Fastens auf die Gallensteinbildung?
Eine im Jahr 2013 durchgeführte und veröffentlichte Arbeit untersuchte die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Gallensteinen bei Kalorienrestriktion und Diäten. Es zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit für Gallensteinbildung bei einer Kalorienrestriktion dreimal höher war als bei einer weniger ausgeprägten Kalorienrestriktion (500 gegen 1200 Kalorien pro Tag): Risk of symptomatic gallstones and cholecystectomy after a very-low-calorie diet or low-calorie diet in a commercial weight loss program: 1-year matched cohort study | International Journal of Obesity
Eine im Jahr 2019 veröffentlichte Arbeit widersprach den gerade diskutierten Befunden. Sie fand heraus, dass ein Intervallfasten von 4 Wochen auf die Gesundheit und den Stoffwechsel positiv einwirkt. Die Teilnehmer reduzierten ihr Körpergewicht um durchschnittlich 3,5 kg und ihre Blutfettwerte sanken. Es wurden keine negativen Auswirkungen auf die Gallenblase oder die Bildung von Gallensteinen festgestellt: Alternate Day Fasting Improves Physiological and Molecular Markers of Aging in Healthy, Non-obese Humans – ScienceDirect
Es ist jedoch wichtig, eine ausgewogene Ernährung mit moderaten Fettmengen zu befolgen, um die Gesundheit zu erhalten. Es ist auch wichtig zu beachten, dass die individuelle Reaktion auf ein Intervallfasten von Person zu Person variieren kann und dass es wichtig ist, sich an eine Diät langfristig anzupassen, um langfristige Erfolge zu erzielen.
Damit kämen wir zu den Tipps, die es zu beachten gilt, wenn man ein Intervallfasten etc. durchführen möchte.
Was tun, um das Risiko für Gallensteine zu senken?
Wer fastet oder Intervallfasten praktiziert, sollte die Galle nicht „stilllegen“, sondern sinnvoll unterstützen. Es geht vor allem darum, die Gallenflüssigkeit fließfähig zu halten, die Entleerung der Gallenblase anzuregen und eine unnötige Konzentration von Cholesterin in der Galle zu vermeiden.
Wasser: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist beim Fasten grundlegend. Das klingt banal, wird aber in der Praxis erstaunlich oft vernachlässigt. Viele Menschen trinken zu wenig, ältere Menschen noch häufiger. Und manche trinken zwar viel, aber eben das Falsche: Cola, Alkohol, gesüßte Getränke oder große Mengen Kaffee ersetzen kein Wasser. Eine gute Flüssigkeitsversorgung unterstützt die Verdauung, den Stoffwechsel und hilft, die Gallenflüssigkeit weniger zäh werden zu lassen. Mehr dazu in meinem Beitrag: Wie viel Wasser am Tag trinken?
Gesunde Fette: Die Gallenblase entleert sich vor allem dann, wenn Fett in den Darm gelangt. Wer über längere Zeit extrem fettarm isst, kann die Galle dadurch eher „stehen lassen“. Sinnvoll sind deshalb moderate Mengen hochwertiger Fette, etwa aus Nüssen, Olivenöl, Avocado, Eiern oder gutem Fisch. Auch Omega-3-Fettsäuren können hier eine Rolle spielen. Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren können ein Einstieg sein; noch besser ist es, diese Fette regelmäßig über natürliche Lebensmittel einzubauen. Wichtig ist die Dosis: Es geht nicht um fettige Völlerei, sondern um eine gezielte Anregung der Gallenblasenentleerung.
Ballaststoffe: Ballaststoffe gehören zu den unterschätzten Helfern für Leber, Darm und Galle. Sie binden im Darm unter anderem Gallensäuren und Cholesterinanteile, sodass ein Teil davon ausgeschieden wird und nicht erneut in den Kreislauf zurückgelangt. Genau dieser enterohepatische Kreislauf spielt bei der Gallensteinbildung eine Rolle. Wer ausreichend Gemüse, Leinsamen, Flohsamenschalen, Hülsenfrüchte oder andere ballaststoffreiche Lebensmittel isst, unterstützt nicht nur den Darm, sondern entlastet auch den Cholesterinstoffwechsel.
Am Ende landen wir also wieder bei den alten Grundregeln, die viele gern überspringen: genug Wasser, hochwertige Fette in vernünftiger Menge und ausreichend Ballaststoffe. Nicht spektakulär, aber physiologisch sinnvoll.
Risikofaktoren für Gallensteinbildung
Nicht jeder entwickelt Gallensteine, auch nicht beim Vollfasten oder Intervallfasten. Damit sieht es danach aus, dass nur bestimmte Personen ein erhöhtes Risiko für Gallensteine haben. Wer ist das?
Wie fast immer werden die familiär vorbelasteten Patienten genannt. Allerdings halte ich das für zu vage, denn ich kenne keine Studien, die dies belegen oder sogar Gene benennen können, die die Gallensteinbildung bewirken und auf die Folgegeneration vererbt werden. Aber es ist sicher nicht falsch, wenn man Eltern oder Großeltern hat, die Gallensteine entwickelt hatten, dass man beim Intervallfasten etwas vorsichtiger zu Werke geht.
Übergewicht kann ebenfalls die Gallensteinbildung triggern. Dies mag damit zu tun haben, dass das Übergewicht auf großen Mengen an Lebensmitteln beruht, die das Verdauungssystem zu bewältigen hatte und daher an eine „Großproduktion“ von Gallensekret gewöhnt ist. Bei einer Diät kommt es zu einer relativen Überproduktion an Gallensekret, was den Effekt von Konzentration und Kristallisierung begünstigt.
Diabetiker und Menschen mit hohen Cholesterinspiegeln sind ebenfalls potentiell gefährdet.
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Dieser Beitrag wurde am 1.12.2024 erstellt und am 16.6.2026 ergänzt und überarbeitet.







