Am Anfang klingt die Blutgruppendiät ziemlich interessant. Als ich das erste Mal davon hörte, habe ich mir direkt das Buch gekauft.
Der Gedanke hatte schließlich etwas für sich: Warum sollten eigentlich alle Menschen dieselben Lebensmittel gleich gut vertragen? Aus der Praxis mit meinen Patienten weiß ich schon lange, dass die Leute unterschiedlich auf das Essen und Trinken reagieren. Was dem einen gut bekommt, verursacht beim anderen Verdauungsbeschwerden, Müdigkeit oder andere Probleme. Aber lässt sich diese individuelle Verträglichkeit tatsächlich an der Blutgruppe ablesen?
Der amerikanische Naturheilkundler Peter J. D’Adamo hat das gesagt. Peter J. D’Adamo hat 1996 das Buch Eat Right 4 Your Type geschrieben. Das Buch wurde auf der ganzen Welt ein Bestseller. Im Deutschen wurde das Konzept vor allem unter dem Titel „4 Blutgruppen – Vier Strategien für ein gesundes Leben“ bekannt.
Viele Leute ahnen gar nicht, dass die Blutgruppendiät schon viel länger existiert. Am Anfang steht der Vater von D’Adamo. Und auch Peter D’Adamo selbst blieb nicht bei seinen ursprünglichen Empfehlungen. Im Lauf der Jahre gab es neue Blutgruppenmerkmale, andere Konstitutionstypen und überarbeitete Lebensmitteltabellen.
Jetzt gibt es auch Tests, die zeigen, dass die Blutgruppe mit den Bakterien im Darm zusammenhängen können, bzw. sollen. Ist also vielleicht doch etwas dran an der Blutgruppendiät?Und vor allem: Woher stammen eigentlich die Tabellen, nach denen ein Lebensmittel für die eine Blutgruppe besonders günstig, für eine andere aber regelrecht ungeeignet sein soll?
Ich will auf diese Fragen ein bisschen genauer eingehen.
Die Blutgruppendiät begann nicht mit Peter D’Adamo
Der Vater von James D’Adamo war am Anfang da. James D’Adamo arbeitet in Amerika als Naturheilkundler.
Er fragt sich, warum die Menschen so verschieden auf das gleiche Essen reagieren. Manche merken schon nach kurzer Zeit etwas. Andere merken fast nichts. Das ist oft komisch, weil eigentlich jeder das gleiche isst. Nach der Darstellung der D’Adamo-Familie fiel ihm bei seiner naturheilkundlichen Arbeit auf, dass sich manche Patienten unter einer überwiegend vegetarischen Ernährung ausgesprochen gut fühlten, andere dagegen nicht.
Man sieht so etwas öfter. Das ist nicht außergewöhnlich. Auch in der Naturheilkunde arbeiten wir seit Langem mit unterschiedlichen Konstitutionen, Verdauungstypen und individuellen Reaktionen auf Lebensmittel.
James D’Adamo suchte nach einem deutlichen Hinweis, mit dem er den Unterschied erkennen konnte. Schließlich kam er auf die Blutgruppen.
Im Jahr 1980 brachte er das Buch One Man’s Food heraus. In diesem Buch schreibt er über seine Gedanken.
Die Beobachtungen von ihm waren der Anfang für die Blutgruppendiät, die später kam. Man darf diese Sachen nicht mit den strengen klinischen Untersuchungen verwechseln. Ich habe keine Unterlagen da, mit denen ich die alten Beobachtungen nachprüfen kann. Ich kann daraus auch nicht genau sagen, welche Lebensmittel man nicht essen sollte.
Peter hat das Konzept genommen und daraus etwas Größeres gemacht. Peter hat das Konzept überarbeitet und viele neue Ideen eingebracht. Durch Peter ist das ursprüngliche Konzept dann deutlich weiter gewachsen.
1996: Vier Blutgruppen und vier Ernährungstypen
Peter D’Adamo verband die Überlegungen seines Vaters mit Forschungen über Blutgruppenantigene, Lektine und die Evolution des Menschen.
So gibt es heute diese vier Ernährungstypen, die viele Menschen kennen.
| Blutgruppe |
Typ nach D’Adamo |
Ernährungsschwerpunkt |
| 0 |
Jäger |
Fleisch, Fisch, Gemüse; Getreide und Milchprodukte stark einschränken |
| A |
Landwirt |
Isst vor allem Pflanzen, zum Beispiel Gemüse, Bohnen und Getreide |
| B |
Nomade |
Mischkost mit ausgewählten Milchprodukten, Fleisch und Gemüse |
| AB |
Mischtyp |
Kombination aus A und B mit Gemüse, Fisch, Sojaprodukten und bestimmten Milchprodukten |
Bis heute gehört die Aufteilung fest zur Blutgruppendiät.
D’Adamo beließ es allerdings nicht bei allgemeinen Empfehlungen. Er erstellte umfangreiche Tabellen mit einzelnen Lebensmitteln und ordnete diese drei Kategorien zu: besonders günstig, neutral oder zu vermeiden.
Das hört sich zuerst nach einer passenden Ernährungstherapie für die einzelne Person an. Schließlich erhält jeder Mensch einen eigenen Speiseplan entsprechend seiner Blutgruppe.
Jetzt fragt man sich, wie diese Zuordnungen entstehen.
Die Lektine: Das Herzstück von der Blutgruppendiät
Lektine spielen in der Theorie von D’Adamo eine entscheidende Rolle. Dabei handelt es sich um bestimmte Eiweißstoffe (Proteine), die in zahlreichen Lebensmitteln vorkommen, beispielsweise in Bohnen, Linsen, Getreide, als auch verschiedenen Gemüsesorten. Auch Pilze, Mikroorganismen und tierische Gewebe enthalten Lektine.
Das Besondere an diesen Eiweißstoffen ist ihre Fähigkeit, bestimmte Zuckerstrukturen zu erkennen und sich daran zu binden. Man kann sich das vereinfacht wie einen Schlüssel vorstellen, der nur zu einem bestimmten Schloss passt. Und genau hier kommen die Blutgruppen ins Spiel.
Unsere roten Blutkörperchen tragen auf ihrer Oberfläche bestimmte Erkennungsmerkmale, die sogenannten Blutgruppenantigene. Diese bestehen beim AB0-System aus unterschiedlichen Zuckerstrukturen. Je nachdem, ob jemand Blutgruppe A, B, AB oder 0 hat, unterscheiden sich diese Merkmale. Bestimmte Lektine können sich an solche Zuckerstrukturen auf den Blutkörperchen binden. Manche sind sogar in der Lage, mehrere rote Blutkörperchen miteinander zu verbinden, sodass diese verklumpen. Diesen Vorgang nennt man Agglutination.
Solche Reaktionen lassen sich im Labor tatsächlich beobachten. Sie gehören zu den bekannten biochemischen Eigenschaften bestimmter Lektine. D’Adamo griff diese Erkenntnisse auf und entwickelte daraus eine weitreichende Theorie: Wenn Lektine bestimmte Blutgruppenmerkmale erkennen können, könnten sie möglicherweise auch im menschlichen Körper je nach Blutgruppe unterschiedlich wirken.
Und genau aus dieser Überlegung leitete er einen wesentlichen Teil seiner Ernährungsempfehlungen ab. D’Adamo ging nun davon aus, dass Lektine aus Lebensmitteln je nach Blutgruppe unterschiedlich wirken und dadurch verschiedene gesundheitliche Beschwerden auslösen könnten.
Die Theorie sagt, dass bestimmte Lektine oft für Probleme bei der Verdauung sorgen. Auch Entzündungen und Störungen beim Stoffwechsel kommen laut der Theorie durch die Lektine zustande.
An dieser Stelle wird es allerdings… sagen wir mal: schwierig. Nur weil im Labor eine Bindungsreaktion auftritt, passiert das nicht automatisch auch im Körper, wenn man ein Lebensmittel isst. Beim Kochen oder beim Verarbeiten können sich Lektine verändern. Manche Lektine verlieren dann ihre Wirkung. Manche werden im Verdauungstrakt abgebaut. Die aufgenommene Menge ist jedes Mal anders.
Rohe Bohnen oder Bohnen, die nicht richtig gekocht wurden, können dem Körper schaden, weil in den Bohnen Lektine stecken. Das ist schon länger bekannt. Daraus folgt aber nicht, dass eine korrekt zubereitete Bohne für Menschen mit Blutgruppe 0 grundsätzlich schädlich und für Menschen mit Blutgruppe A besonders gesund ist.
Genau dieser zusätzliche Nachweis fehlt. Klar ist: die Lektinbiologie existiert tatsächlich. Die daraus abgeleiteten Blutgruppen-Lebensmitteltabellen sind damit jedoch noch nicht bestätigt.
Die Evolutionstheorie: Waren Menschen mit Blutgruppe 0 tatsächlich die ersten Jäger?
D’Adamo begründete seine Ernährungsempfehlungen auch mit einer Theorie über die Entwicklung des Menschen und seiner Ernährungsgewohnheiten.
Nach seiner Vorstellung war die Blutgruppe 0 die ursprüngliche Blutgruppe der Jäger und Sammler, deren Ernährung vor allem aus Fleisch, Fisch und wild wachsenden Pflanzen bestand. Mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit und dem Beginn des Ackerbaus soll sich die Blutgruppe A entwickelt haben. Die Blutgruppe B brachte er dagegen mit nomadischen Völkern in Verbindung, die Viehzucht betrieben und zunehmend Milchprodukte verzehrten.
Die Blutgruppe AB betrachtete D’Adamo als vergleichsweise „junge Kombination“ der Blutgruppen A und B. Diese Erklärung klingt zunächst durchaus plausibel. Sie vermittelt den Eindruck, unsere Blutgruppen hätten sich im Laufe der Menschheitsgeschichte an unterschiedliche Ernährungsweisen angepasst.
Das Problem dabei: Die moderne Genforschung zeichnet ein völlig anderes Bild. Bereits vor vielen Millionen Jahren existierten bei den gemeinsamen Vorfahren verschiedener Primaten unterschiedliche Varianten des AB0-Blutgruppensystems. Die genetischen Grundlagen der Blutgruppen A und B sind damit wesentlich älter als Ackerbau, Viehzucht und die damit verbundenen Veränderungen der menschlichen Ernährung.
Im Jahr 2012 haben Laure Ségurel und andere Forscher gezeigt, dass einige A- und B-Varianten auch bei verschiedenen Arten vorkommen und geblieben sind. Die Forscher sprechen über eine Auswahl, die viele Jahre braucht und dabei für einen Ausgleich sorgt.
In einer Studie las ich, dass die ABO-Blutgruppe bei Primaten als ein Merkmal vorkommt, das es schon lange bei verschiedenen Arten gibt. Damit wären wesentliche Bestandteile des AB0-Systems erheblich älter als Ackerbau und Viehzucht. Unsere Art der Landwirtschaft haben wir erst seit ein paar tausend Jahren. Trotzdem sollte man daraus nicht ableiten, dass Menschen mit der Blutgruppe A immer besser für Getreide geeignet seien.
Die evolutionäre Begründung der ursprünglichen Blutgruppendiät halte ich so in dieser Form für nicht haltbar.
Im Jahr 2001 teilte man die bekannten vier Blutgruppen noch einmal auf und machte daraus acht verschiedene Ernährungsprofile. Damit sollte jeder Mensch die Ernährung finden, die zu der eigenen Blutgruppe passt. Peter D’Adamo hat die Idee in dem Buch Live Right 4 Your Type dann wesentlich genauer ausgearbeitet. Jetzt kommt es nicht mehr nur auf die Blutgruppe an, sondern auch auf den „Sekretorstatus“…
Was bedeutet das?
Die Blutgruppenantigene befinden sich nicht ausschließlich auf roten Blutkörperchen. Manche passende Zuckerstrukturen kommen auch auf den Schleimhäuten und in Körperflüssigkeiten vor.
Bei sogenannten Sekretoren werden entsprechende ABH-Antigene beispielsweise im Speichel und im Schleim des Verdauungstrakts gebildet. Bei Nichtsekretoren fehlen diese aufgrund bestimmter genetischer Varianten in der entsprechenden Form.
Das FUT2-Gen ist hier bedeutsam. Daraus entstehen am Ende acht Kombinationen:
| Blutgruppe |
Sekretor |
Nichtsekretor |
| 0 |
0-S |
0-NS |
| A |
A-S |
A-NS |
| B |
B-S |
B-NS |
| AB |
AB-S |
AB-NS |
Das ist nicht einfach nur ein Gedanke für die Theorie. Der Sekretorstatus hat tatsächlich biologische Bedeutung und wurde unter anderem im Zusammenhang mit Infektionsanfälligkeit und der Zusammensetzung des Darmmikrobioms untersucht.
D’Adamo hat das Merkmal in sein eigenes Ernährungssystem übernommen. Danach hat D’Adamo einige Bewertungen für verschiedene Lebensmittel geändert.
Allerdings muss man erneut unterscheiden: Der Sekretorstatus ist eine wissenschaftlich etablierte Eigenschaft. Es gibt keinen Beweis dafür, dass D’Adamos konkrete Ernährungsempfehlungen wirklich aus diesen Annahmen folgen.
Warum wurden die Lebensmitteltabellen verändert?
Peter D’Adamo hat die ersten Listen mit Lebensmitteln nicht einfach so übernommen. Auf seiner Website schreibt er, dass sich die Buchausgaben an einigen Stellen unterscheiden. Zum Beispiel spricht er über Lauch, Pintobohnen, Sonnenblumenprodukte und einige Pilze. Nach seinen Angaben beruhen viele Änderungen auf einer veränderten Bewertung der Lektine und ihrer möglichen Wirkungen.
Wenn ein Lebensmittel ursprünglich als ungünstig eingestuft wurde, später aber für einen Teil der Menschen derselben Blutgruppe als neutral gilt, wie zuverlässig war dann das ursprüngliche Verbot?
Hier einige Beispiele für Änderungen und „Verbesserungen“:
| Lebensmittel |
Geänderte Sache |
Was das heißt |
| Lauch |
Für Blutgruppe 0 von besonders günstig auf zu vermeiden |
Grundlegende Umkehr der Bewertung |
| Pintobohnen |
Für Blutgruppe 0 von besonders günstig auf zu vermeiden; weitere Korrekturen je nach Publikation |
Unterschiedliche Tabellenstände |
| Sonnenblumenkerne |
Für Blutgruppe 0 von neutral auf zu vermeiden |
Nachträgliche Einschränkung |
| Zackenbarsch (Grouper) |
Für Blutgruppe A von besonders günstig auf zu vermeiden |
Deutliche Korrektur |
| Tomaten |
Für Blutgruppe A unterschiedliche Empfehlungen je nach Sekretorstatus und zusätzlichem Merkmal |
Weitere Individualisierung |
Die Beispiele stammen aus den offiziellen Korrekturverzeichnissen und Erläuterungen D’Adamos. Manche Änderungen sind neu bewertet. Andere Änderungen beheben Fehler beim Drucken, in der Tabelle oder bei der Zuordnung.
Offizielle Erläuterungen und Korrekturen von D’Adamo
Diese Veränderungen zeigen, dass man über die Blutgruppendiät nicht sprechen kann, als ob die Blutgruppendiät über Jahre immer gleich geblieben wäre.
Wer 1997 nach dem ersten Buch gegessen hat, erhielt teilweise andere Empfehlungen als jemand, der später die erweiterten Tabellen verwendete.
Das Beispiel Tomaten
Besonders anschaulich ist D’Adamos eigene Erläuterung zur Blutgruppe A. Danach sollen A-Sekretoren Tomaten meiden. Für A-Nichtsekretoren werden sie dagegen als neutral bewertet.
Für Sekretoren mit einer bestimmten zusätzlichen MM-Variante gelten Tomaten in diesem Modell sogar als günstig. Mit anderen Worten: Ein und dasselbe Lebensmittel wechselt innerhalb derselben AB0-Blutgruppe gleich mehrfach die Kategorie. D’Adamo sieht darin eine immer genauere Individualisierung seiner Ernährungslehre.
2007: Die GenoType-Diät mit sechs Konstitutionstypen
Mit The GenoType Diet verließ Peter D’Adamo die ursprüngliche Vier-Blutgruppen-Systematik noch ein Stück weiter.
Nun zählt nicht mehr nur die Blutgruppe. Jetzt kommen auch andere Merkmale vom Körper dazu.
Er entwickelte sechs sogenannte GenoTypes:
| GenoType |
Bezeichnung |
| 1 |
Hunter – Jäger |
| 2 |
Gatherer – Sammler |
| 3 |
Teacher – Lehrer |
| 4 |
Explorer – Entdecker |
| 5 |
Warrior – Krieger |
| 6 |
Nomad – Nomade |
Die verschiedenen Konstitutionstypen haben nach D’Adamo ihre eigenen Merkmale beim Stoffwechsel und bei der Gesundheit.
Zur Bestimmung verwendet er neben Blutgruppenmerkmalen unter anderem Körperproportionen und weitere individuelle Merkmale.
Er bringt das Konzept mit den Gedanken zur Epigenetik zusammen. Die Epigenetik schaut sich an, wie unsere Gene ein- und ausgeschaltet werden. Ernährung und Umweltbedingungen haben einen Einfluss – das wussten wir in der Naturheilkunde schon bevor die menschlichen Gene entschlüsselt wurde.
Von den festen Tabellen zur computergestützten Individualisierung
Auch damit war die Entwicklung noch nicht abgeschlossen.
D’Adamo hat danach die Software SWAMI gemacht. Die Software schaut sich verschiedene persönliche Dinge an. Am Ende erstellt die Software Ernährungslisten, die genau auf die jeweilige Person passen.
In einem Interview aus dem Jahr 2015 erklärte er, dass er bereits 2007 an dieser Software gearbeitet habe. Der Grund war, dass immer mehr verschiedene Dinge dazu kamen, die er für die Ernährungstipps beachten wollte.
Neben der Blutgruppe und dem Sekretorstatus gehörten dazu beispielsweise Fingerabdrücke und bestimmte Körpermaße.
Die Entwicklung zeigt sich so:
| Zeitraum |
Modell |
Grundlage |
| 1980 |
James D’Adamos Ausgangskonzept |
Naturheilkundliche Beobachtungen und Blutgruppen |
| 1996 |
Vier-Blutgruppen-Diät |
AB0-System und Lektin-Hypothese |
| 2001 |
Erweiterte Blutgruppendiät |
Zusätzlich Sekretorstatus |
| 2007 |
GenoType-Diät |
Sechs Konstitutionstypen |
| Ab 2007 |
SWAMI |
Computergestützte individuelle Zuordnung |
| 2017 |
Überarbeitete Jubiläumsausgabe |
Aktualisierte Lebensmittellisten |
| 2026 |
TypeBase V |
Digitale Gegenüberstellung verschiedener Tabellenstände |
Die aktuelle Datenbank kann man hier aufrufen: Peter D’Adamo: TypeBase V – Lebensmitteldatenbank
Wer sich das alles in Ruhe ansehen will, findet in der Quelle viele Infos. Die heutigen Empfehlungen stimmen nicht genau mit den Empfehlungen aus der ursprünglichen Buchausgabe überein.
Blutgruppendiät-Tabelle: Welche Lebensmittel werden empfohlen?
Die Tabelle unten zeigt, was viele Menschen bei einer klassischen Blutgruppendiät wichtig finden. Der Text ist leicht zu verstehen. Später schaut man, ob jemand den Sekretorstatus hat oder einen bestimmten GenoType. Dadurch gibt es noch viele weitere Unterschiede.
| Lebensmittelgruppe |
Blutgruppe 0 |
Blutgruppe A |
Blutgruppe B |
Blutgruppe AB |
| Fleisch |
Wichtiger Bestandteil |
Stark einschränken |
Ausgewählte Sorten |
Eher geringe Mengen |
| Fisch |
Häufig empfohlen |
Teilweise empfohlen |
Häufig empfohlen |
Häufig empfohlen |
| Milchprodukte |
Meist einschränken |
Meist einschränken |
Viele Sorten möglich |
Ausgewählte Sorten |
| Getreide |
Vor allem Weizen kritisch bewertet |
Häufig günstiger beurteilt |
Sortenabhängig |
Sortenabhängig |
| Hülsenfrüchte |
Einige Sorten meiden |
Wichtiger Bestandteil |
Stark sortenabhängig |
Ausgewählte Sorten |
| Gemüse |
Breite Auswahl |
Besonders wichtiger Bestandteil |
Breite Auswahl |
Breite Auswahl |
| Sojaprodukte |
Je nach Produkt |
Häufig günstig |
Eher eingeschränkt |
Häufig günstig |
Die Tabelle beschreibt D’Adamos Empfehlungen und nicht die wissenschaftlich nachgewiesene Verträglichkeit dieser Lebensmittel.
Für eine genaue Prüfung von bestimmten Lebensmitteln finde ich die offizielle TypeBase besser als Listen, die man oft im Internet ohne Angabe von der Buchausgabe sieht.
Wer sich mit solchen Ernährungstabellen beschäftigt, stellt früher oder später fest, wie widersprüchlich viele Empfehlungen sind. Was soll man denn nun tatsächlich essen? Und welche Lebensmittel verdienen besondere Aufmerksamkeit?
In meinem kostenlosen Ernährungsnewsletter gehe ich genau solchen Fragen nach. Sie erfahren unter anderem, welche drei Nahrungsmittel ich besonders kritisch sehe und worauf ich bei einer gesunden Ernährung achte. Wenn Sie meine Erfahrungen und Recherchen dazu regelmäßig lesen möchten, tragen Sie sich hier ein:
Was zeigen wissenschaftliche Untersuchungen?
Bis hierhin haben wir die Entwicklung der Blutgruppendiät betrachtet. Die wichtigste Frage ist natürlich: Klappt das überhaupt?
Die Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2013
Eine Forschergruppe mit Leila Cusack an der Spitze hat sich die wissenschaftlichen Texte zur Blutgruppendiät genau angesehen. Aus 1.415 gesichteten Literaturfundstellen wurde letztlich nur eine Untersuchung als grundsätzlich geeignet eingestuft. Diese beschäftigte sich allerdings mit einer anderen Blutgruppensystematik und beantwortete die eigentliche Frage nach der AB0-Blutgruppendiät nicht.
Die Autoren haben keine passenden Studien gefunden, die zeigen, dass es gesundheitlich etwas bringt. Studie: Blood type diets lack supporting evidence
Die Untersuchung mit 1.455 Teilnehmern von 2014
Forscher von der Universität Toronto haben sich angeschaut, wie sich 1.455 junge Erwachsene ernähren. Sie haben die Essgewohnheiten von diesen Menschen mit den vier Ernährungsmustern für verschiedene Blutgruppen verglichen.
Menschen, die sich eher an die Ernährung für die Blutgruppe A hielten, hatten im Schnitt bei einigen Stoffwechselwerten bessere Ergebnisse. Auch für das Ernährungsmuster der Blutgruppe AB fanden sich mehrere günstige Zusammenhänge. Aber der entscheidende Punkt war: diese Zusammenhänge bestanden unabhängig von der tatsächlichen Blutgruppe.
Ein Mensch mit Blutgruppe 0 kann beim Stoffwechsel ebenfalls gute Werte erreichen. Der Mensch sollte dann so essen, wie es für die Blutgruppe A gedacht ist. Die Forscher haben nicht gezeigt, dass Menschen einen echten Vorteil haben, wenn Menschen das Essen an die Blutgruppe anpassen.
Die Studie beobachtete etwas und wertete die Ergebnisse aus. Deshalb kann aus den gefundenen Zusammenhängen auch nicht ohne Weiteres eine ursächliche Wirkung der jeweiligen Ernährungsweise abgeleitet werden.Quelle: ABO Genotype, Blood-Type Diet and Cardiometabolic Risk Factors
Eine weitere Untersuchung von 2018
In der Studie haben Forscher 973 übergewichtige Erwachsene untersucht. Die Forscher wollten wissen, ob die Blutgruppe eine Rolle spielt, wenn es um den Zusammenhang zwischen bestimmten Essgewohnheiten und den Werten für den Stoffwechsel geht. Die Wissenschaftler haben dazu die Daten noch einmal genau angeschaut.
Auch hier ließ sich die zentrale Vorhersage der Blutgruppendiät nicht bestätigen. Die passende Ernährung für die eigene AB0-Blutgruppe hilft nicht besonders. Sie bringt keinen besonderen Vorteil. Siehe: Studie von 2018
Pflanzliche Ernährung: Untersuchung von 2021
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2021 ging der Frage nach, ob Menschen mit unterschiedlichen Blutgruppen verschieden auf eine fettarme, rein pflanzliche Ernährung reagieren.
Dazu werteten die Forscher die Daten von 68 Teilnehmern aus, die ihre Ernährung umgestellt hatten. Das Ergebnis war interessant: die Blutgruppe spielte angeblich keine Rolle. Die Teilnehmer erzielten bei Körpergewicht, Körperfett, Blutzucker und Blutfettwerten ähnliche Ergebnisse, unabhängig davon, welche Blutgruppe sie hatten.
Das widerspricht zumindest einer wichtigen Annahme von D’Adamo. Denn nach seiner Theorie sollen gerade Menschen mit Blutgruppe 0 mehr Fleisch essen und sich weniger pflanzlich ernähren. Die Studie zeigte dafür aber keinen entsprechenden Vorteil. Klar: es waren „nur“ 68 Teilnehmer. Außerdem ging es nicht darum, sämtliche Empfehlungen der Blutgruppendiät zu überprüfen. Und das wäre auch mein Hauptkritikpunkt an dieser Untersuchung. Wer es sich ansehen will: Blood Type Is Not Associated with Changes in Cardiometabolic Outcomes
Neue Forschung aus dem Jahr 2026: Blutgruppen und Darmflora
Damit könnte man die Geschichte eigentlich beenden… Allerdings gibt es eine neuere Forschungsrichtung, die ich für deutlich interessanter halte als die alte Vorstellung von Jägern, Landwirten und Nomaden. Das Thema sind die Verbindungen von Blutgruppen, Schleimhäuten und Bakterien im Darm.
Im Jahr 2026 fand ich in „Nature Genetics“ eine Studie. Die Forscher schauten sich an, wie Gene das menschliche Darmmikrobiom beeinflussen. Dabei fanden die Forscher unter anderem Zusammenhänge mit den Genen AB0 und FUT2. Diese Gene bestimmen, welche Zucker auf der Außenseite von den Zellen und im Schleim im Körper erscheinen.
Diese Strukturen bieten den Darmbakterien eine Möglichkeit, sich festzuhalten. Darmbakterien verwenden diese Strukturen manchmal auch als Nahrung. Besonders interessant war ein Zusammenhang mit dem Darmbakterium Mediterraneibacter torques.
Die Forscher fanden heraus, dass es darauf ankam, ob eine Person zum Sekretorstatus gehörte, wenn es um die Verbindung zwischen den vorhergesagten A-Blutgruppenantigenen und der Häufigkeit des Bakteriums ging. Studie dazu: Genome-wide association analyses highlight the role of the intestinal molecular environment in human gut microbiota variation
Im Jahr 2026 gab es noch eine weitere genetische Untersuchung. Die zweite Untersuchung zeigte auch, dass AB0 und FUT2 mit bestimmten Eigenschaften der Darmflora zusammenhängen können. Siehe: Studie: The HUNT study identifies host genetic factors reproducibly associated with human gut microbiota composition
Was bedeutet das?
Blutgruppen spielen nicht nur bei einer Bluttransfusion eine Rolle. Die Eigenschaften von den Blutgruppen sind auch im Alltag wichtig. Ich finde das spannend und auch ein bisschen unerwartet.
Auch die Schleimhäute und die vielen kleinen Lebewesen auf den Schleimhäuten können sich durch bestimmte Gene verändern.
Die Untersuchungen sagen nicht, dass Menschen mit der Blutgruppe A Weizen zum Beispiel besser vertragen. Es gibt auch keinen Beleg, dass Menschen mit der Blutgruppe 0 unbedingt mehr Fleisch essen sollten. Auch belegen sie keine Wirksamkeit der Lebensmittel-Tabellen von D’Adamo.
Die neuen Ergebnisse geben Hinweise darauf, welche biologischen Zusammenhänge man sich in Zukunft noch genauer anschauen sollte. Gerade solche Forschungsergebnisse zeigen, warum ich mich seit Jahrzehnten mit Naturheilkunde und Medizin beschäftige. Mich interessiert nicht nur, was heute als gesichert gilt, sondern auch, welche neuen Erkenntnisse entstehen und was sich daraus tatsächlich für die Praxis ableiten lässt.
In meinem kostenlosen Praxis-Newsletter „Unabhängig. Natürlich. Klare Kante.“ beschäftige ich mich regelmäßig mit solchen Fragen. Dabei geht es um Naturheilverfahren, neue Studien, Ernährung und auch um Entwicklungen in der Medizin, die ich kritisch hinterfrage. Wenn Sie diese Beiträge nicht verpassen möchten, können Sie sich hier anmelden:
Was bedeutet das für die „naturheilkundliche Ernährungstherapie“?
Menschen vertragen bestimmtes Essen völlig anders. Die Gründe dafür können völlig unterschiedlich sein. Hierzu zählen die Verdauung, die Darmbakterien, die Menge und Zubereitung der Lebensmittel, Allergien, wie aktiv die Enzyme sind und ob jemand bestimmte Grunderkrankungen hat.
Ein Patient mit einer Laktoseintoleranz wird Milchzucker nicht allein deshalb vertragen, weil die Blutgruppendiät für seine Blutgruppe bestimmte Milchprodukte empfiehlt. Ein anderer reagiert vielleicht empfindlich auf große Mengen bestimmter Hülsenfrüchte, während er dieselben Lebensmittel in kleinen Portionen und nach längerer Zubereitung problemlos essen kann.
Wieder andere kommen mit größeren Kohlenhydratmengen schlecht zurecht oder fühlen sich mit einer überwiegend pflanzlichen Kost deutlich besser. Für mich reicht es nicht aus, die Unterschiede zu sehen und dann Lebensmittel nur nach dem AB0-System auszuwählen.
Beispiel: wenn ich nach dem Essen Beschwerden habe, schaue ich mir erst das Essen genauer an. Danach denke ich darüber nach, wie das Essen zubereitet wurde. Ich überlege auch, wie viel ich davon gegessen habe. Mir ist außerdem wichtig, welche Stimmung am Tisch herrschte. Am Ende frage ich mich noch, ob meine Gesundheit vielleicht auch eine Rolle spielt.
Manchmal kann es helfen, für eine bestimmte Zeit die Ernährung umzustellen und danach einzelne Lebensmittel wieder langsam dazuzunehmen. Es kommt darauf an, ob die Ergebnisse jedes Mal besser werden und ob die Ernährung auch über längere Zeit genug wichtige Nährstoffe liefert.
Kann man mit der Blutgruppendiät abnehmen?
Natürlich kann jemand mit der Blutgruppendiät Gewicht verlieren. Das dürfte allerdings weniger an seiner Blutgruppe liegen als an der damit verbundenen Veränderung der Ernährung. Wer früher viel Fertigessen, Süßigkeiten oder sehr stark bearbeitete Lebensmittel gegessen hat und dann auf mehr frisches Gemüse, gutes Eiweiß und natürliche Sachen setzt, tut sich damit etwas Gutes.
Es gibt oft nicht so viele Lebensmittel, weil es viele Regeln gibt. Deshalb isst man manchmal weniger und bekommt dann auch weniger Energie. Das sagen alle Kritiker der Blutgruppen Diät.
Es ist etwas anderes, wenn jemand für eine längere Zeit viele Lebensmittel meidet, die der Körper eigentlich gut verträgt. Gibt es dafür keinen richtigen Grund, kann das zum Problem werden.
Mehr über verschiedene Wege der Ernährungsumstellung finden Sie auch in meinen Beiträgen über Metabolic Balance und die Ernährung vor, während und nach dem Heilfasten.
Wer dauerhaft abnehmen möchte, braucht vor allem eine Ernährungsweise, die zum eigenen Alltag passt. Ständig neue Diäten, komplizierte Verbote und widersprüchliche Empfehlungen machen die Sache selten leichter.
In meinem kostenlosen Abnehm-Newsletter zeige ich Ihnen, worauf es beim Abnehmen tatsächlich ankommt, welche Methoden ich kritisch sehe und welche Veränderungen sich langfristig bewähren können. Wenn Sie Ihr Gewicht auf vernünftige Weise reduzieren möchten, melden Sie sich hier an:
Mein Fazit
Als ich das erste Mal von dieser „Diät“ Anfang der 90er hörte, habe ich mir sofort das Buch von Adamo gekauft. Konnte das so einfach sein mit der Ernährung?
Heute wissen wir angeblich mehr über die Geschichte von den Blutgruppen. Die Gene spielen eine Rolle dabei. Bestimmte Lektine wirken verschieden auf den Körper. Und wir wissen jetzt besser, was bei bestimmten Blutgruppen und den Darmbakterien geschieht.
Besonders zu denken geben mir die zahlreichen Änderungen. Wenn Lebensmittel über die Jahre anders eingestuft werden, stellt sich die Frage, worauf die ersten Bewertungen basierten? Klar: Neue Erkenntnisse dürfen und sollen Empfehlungen verändern. Das ist in der Medizin und Ernährungswissenschaft ganz normal – bei mir ebenso.
Die bisherigen Untersuchungen in Kliniken zeigen nicht klar, dass Menschen gesünder leben, wenn sie sich genauso ernähren, wie es ihre AB0-Blutgruppe vorgibt. Aber das kenne ich auch von anderen Verfahren. Wenn ich mir die Untersuchungen dann genau ansehe fällt mir immer etwas auf, was ich gerne hinterfragen wollen würde.
Wichtig: Ich freue mich, dass die neue Forschung zu den Blutgruppen, den Schleimhäuten und den Darmbakterien weiterläuft.
Quellen und weiterführende Literatur
- D’Adamo PJ. Eat Right 4 Your Type. G. P. Putnam’s Sons, 1996.
- D’Adamo PJ. Live Right 4 Your Type. 2001.
- D’Adamo PJ. The GenoType Diet. 2007.
- D’Adamo: TypeBase V, aktuelle Lebensmitteldatenbank (2026)
- D’Adamo: Offizielle Korrekturen und Erläuterungen zu den Lebensmittelbewertungen
- Ségurel L et al. The ABO blood group is a trans-species polymorphism in primates. PNAS, 2012. Zur Studie
- Cusack L et al. Blood type diets lack supporting evidence: a systematic review. American Journal of Clinical Nutrition, 2013. Zur Studie
- Wang J et al. ABO Genotype, Blood-Type Diet and Cardiometabolic Risk Factors. PLOS ONE, 2014. Zur Studie
- Wang J et al. ABO Genotype Does Not Modify the Association between the Blood-Type Diet and Biomarkers of Cardiometabolic Disease in Overweight Adults. Journal of Nutrition, 2018. Zur Studie
- Barnard ND et al. Blood Type Is Not Associated with Changes in Cardiometabolic Outcomes in Response to a Plant-Based Dietary Intervention. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics, 2021. Zur Studie
- Genome-wide association analyses highlight the role of the intestinal molecular environment in human gut microbiota variation. Nature Genetics, 2026
- The HUNT study identifies host genetic factors reproducibly associated with human gut microbiota composition. Nature Genetics, 2026